<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Wege aus dem Kapitalismus &#187; Kunst und Kultur</title>
	<atom:link href="http://wadk.de/thema/kunst-und-kultur/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://wadk.de</link>
	<description>Berlin</description>
	<lastBuildDate>Sun, 11 Jul 2010 16:07:21 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.1</generator>
		<item>
		<title>Emanzipatorische Kultur contra Kunstmarktdiktatur</title>
		<link>http://wadk.de/2008/emanzipatorische-kultur-contra-kunstmarktdiktatur/</link>
		<comments>http://wadk.de/2008/emanzipatorische-kultur-contra-kunstmarktdiktatur/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 16 May 2008 15:32:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[» Veranstaltung]]></category>
		<category><![CDATA[documenta]]></category>
		<category><![CDATA[emanzipation]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wadk.de/?p=70</guid>
		<description><![CDATA[Ein Nachwort zur »Documenta 12« von und mit Archibald Kuhnke. Achtung, au&#223;er der Reihe: Freitag, 23. Mai, 18:00 Uhr, Helle Panke Die Diskurse verschieben sich weg von den &#252;berkommenen und zunehmend unfunktional werdenden Strukturen der b&#252;rgerlichen Gesellschaft hin zu neuen Formen der Selbstorganisation. Zeigt sich das auch im Kulturbereich? Besitzt Kultur noch oder wieder eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Nachwort zur »Documenta 12« von und mit Archibald Kuhnke.</p>
<p>Achtung, au&#223;er der Reihe: Freitag, 23. Mai, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a></p>
<div class="doc">
<p><span id="more-70"></span>Die Diskurse verschieben sich weg von den &#252;berkommenen und zunehmend unfunktional werdenden Strukturen der b&#252;rgerlichen Gesellschaft hin zu neuen Formen der Selbstorganisation. Zeigt sich das auch im Kulturbereich? Besitzt Kultur noch oder wieder eine emanzipatorische Potenz? Wo kann man das sehen?</p>
<p>In der Kultur zeigen sich »Ans&#228;tze einer emanzipatorischen Kultur contra Marktdiktatur«, meint Archi Kuhnke. Aus der Einladung von Archi:</p>
<blockquote><p>Ich m&#246;chte einmal ausf&#252;hrlich mit Euch &#252;ber die Bedeutung emanzipatorischer kultureller Selbstorganisation diskutieren. Dabei geht es letztlich um die Frage, ob die Nichtparteif&#246;rmigkeit der gesellschaftlichen Selbstorganisation nicht gar die Bedingung f&#252;r eine emanzipatorische postkapitalistische Gesellschaft ist. Die sich angeh&#228;uft habenden Arbeitstitel dazu lauten: &#8220;Ans&#228;tze einer emanzipatorischen Kultur contra Marktdiktatur — Nachwort zur Documenta 12 — Ein Kasseler Modell f&#252;r eine Pfadfindung aus dem Kapitalismus?” Eine Unter&#252;berschrift dazu liegt noch bei mir rum: &#8220;&#220;ber die m&#246;gliche Rolle einiger gegenw&#228;rtiger kultureller Entwicklungen falls tats&#228;chlich nie Parteien, sondern ausschlie&#223;lich parteiverachtende Millionenmassen die kapitalistische Gesellschaft revolutionieren k&#246;nnten”. So jetzt wisst ihr Bescheid, gelle? Es werden 125 Bilder von der D 12 vorgef&#252;hrt, wovon die wenigsten aber Kunstwerke zeigen. Sondern: gesellschaftliche Organisation im weitesten Zusammenhang mit jener Kunstausstellung.</p></blockquote>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wadk.de/2008/emanzipatorische-kultur-contra-kunstmarktdiktatur/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Philip Roth: Der menschliche Makel</title>
		<link>http://wadk.de/2007/philip-roth-der-menschliche-makel/</link>
		<comments>http://wadk.de/2007/philip-roth-der-menschliche-makel/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 31 Oct 2007 20:34:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[» Treffen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wadk.de/?p=104</guid>
		<description><![CDATA[Wir sprechen &#252;ber das Buch »Der menschliche Makel« von Philip Roth. Mittwoch, 7. November 2007, 18:00 Uhr, Helle Panke]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir sprechen &#252;ber das Buch <a href="http://bookzilla.de/shop/action/productDetails/2067182/philip_roth_der_menschliche_makel_3499231654.html">»Der menschliche Makel«</a> von Philip Roth.</p>
<p>Mittwoch, 7. November 2007, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wadk.de/2007/philip-roth-der-menschliche-makel/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Afrika zwischen Tradition und Moderne</title>
		<link>http://wadk.de/2007/afrika-zwischen-tradition-und-moderne/</link>
		<comments>http://wadk.de/2007/afrika-zwischen-tradition-und-moderne/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 04 Jul 2007 20:50:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Postkolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>
		<category><![CDATA[» Veranstaltung]]></category>
		<category><![CDATA[afrika]]></category>
		<category><![CDATA[asyl]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>
		<category><![CDATA[gemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[nigeria]]></category>
		<category><![CDATA[vergesellschaftung]]></category>
		<category><![CDATA[womanism]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wadk.de/?p=112</guid>
		<description><![CDATA[&#8230; und die Frauen als zentrale Akteurinnen der sozialen Transformation &#8211; warum? Film: Moolaadé (Senegal/Frankreich/Burkina Faso 2004), von Ousmane Sembene Mittwoch, 11. Juli 2007, 18:00 Uhr, Helle Panke Moolaadé Der Begriff aus der westafrikanischen Sprache Pulaar bezeichnet ein in vielen afrikanischen Kulturen bestehendes traditionelles Schutz- und Asylrecht. Die Moolaadé wird durch m&#252;ndliche Tradition, Mythen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>&#8230; und die Frauen als zentrale Akteurinnen der sozialen Transformation &#8211; warum?</h3>
<p>Film: <a href="http://coforum.de/?6925">Moolaadé</a> (Senegal/Frankreich/Burkina Faso 2004), von Ousmane Sembene</p>
<p>Mittwoch, 11. Juli 2007, 18:00 Uhr, <a href="http://coforum.de/?973">Helle Panke</a></p>
<h4>Moolaadé</h4>
<p>Der Begriff aus der westafrikanischen Sprache Pulaar bezeichnet ein in vielen afrikanischen Kulturen bestehendes traditionelles Schutz- und Asylrecht. Die Moolaadé wird durch m&#252;ndliche Tradition, Mythen und Legenden &#252;berliefert. Sie wird von M&#228;nnern, Kindern und Frauen gef&#252;rchtet. Wer gegen dieses Schutzrecht verst&#246;&#223;t, wird dem Aberglauben nach vom Schicksal bestraft. Regionale Gemeinschaften respektieren die Moolaadé wie ein rechtsverbindliches Gesetz.</p>
<p>Ousmane Sembene zeigt in seinen Filmen die K&#228;mpfe um Unabh&#228;ngigkeit und kulturelle Dominanz, Kritik an B&#252;rokratie und der neuen afrikanischen Bourgeoisie und vor allem die St&#228;rke afrikanischer Frauen. Moolaadé ist sein letzter Film vor seinem Tode und zeigt die Frauen Afrikas als Motoren der gesellschaftlichen Entwicklung und Tr&#228;ger einer solidarischen selbstbestimmten gesellschaftlichen Kooperativit&#228;t.</p>
<p>Siehe dazu auch die Besprechungen von <a href="http://wadk.de/2007/besprechung-des-films-moolaade-von-uli-weiss/">Uli Weiss</a> und <a href="http://wadk.de/2007/gedanken-zu-moolaade-von-johannes-stockmeier/">Johannes Stockmeier</a>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wadk.de/2007/afrika-zwischen-tradition-und-moderne/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Gedanken zu »Moolaadé« von Johannes Stockmeier</title>
		<link>http://wadk.de/2007/gedanken-zu-moolaade-von-johannes-stockmeier/</link>
		<comments>http://wadk.de/2007/gedanken-zu-moolaade-von-johannes-stockmeier/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 03 Jul 2007 21:11:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Postkolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>
		<category><![CDATA[afrika]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>
		<category><![CDATA[nigeria]]></category>
		<category><![CDATA[womanism]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wadk.de/?p=116</guid>
		<description><![CDATA[Hier also meine Version, eher ein Paraphrase &#252;ber den Film, gespeist durch nigerianische Eindr&#252;cke. Ich setze Ulis Rezension voraus und teile seine Position, was die Einsch&#228;tzung der gegenw&#228;rtigen Situation Afrikas angeht. Was zuk&#252;nftige Perspektiven betrifft, kann ich in dem was in der Figur der Collé repr&#228;sentiert ist und gefeiert wird allerdings nur ein Moment sehen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier also meine Version, eher ein Paraphrase &#252;ber den Film, gespeist durch nigerianische Eindr&#252;cke. Ich setze <a href="http://wadk.de/2007/besprechung-des-films-moolaade-von-uli-weiss/">Ulis Rezension</a> voraus und teile seine Position, was die Einsch&#228;tzung der gegenw&#228;rtigen Situation Afrikas angeht. Was zuk&#252;nftige Perspektiven betrifft, kann ich in dem was in der Figur der Collé repr&#228;sentiert ist und gefeiert wird allerdings nur ein Moment sehen. So glatt und so integer wird&#8217;s nicht abgehen.</p>
<p><span id="more-116"></span>Sembène r&#252;ckt die Figur der Collé ins Zentrum, mich interessiert im Film vor allem eine Nebenfigur, das ist der sogenannte S&#246;ldner, der H&#228;ndler, der das Potential eines tragischen Helden in sich birgt. Insgesamt ist Moolaadé f&#252;r das gegenw&#228;rtige Afrika im quantitativen Sinne nicht mehr repr&#228;sentativ; solche &#246;konomisch-sozialen Verh&#228;ltnisse wie sie sich in dem Dorf vorfinden, sind noch vielfach vorhanden, bilden aber zunehmend die Ausnahme in ganz Afrika. Das bedeutet nicht, da&#223; der Film nichts zu sagen h&#228;tte, in Hinblick auf die sozialen Konflikte der Gegenwart. Sembène geht es darum die Kraft zu beschw&#246;ren, welche gesellschaftliche Ver&#228;nderung aus der eigenen afrikanischen Tradition heraus bewegen kann, selbstverst&#228;ndlich in der Auseinandersetzung mit der gegenw&#228;rtigen westlichen Kultur. Deswegen geht er von einem Ort aus, in dem die &#252;berkommenen Strukturen noch einigerma&#223;en intakt sind. Das ist vollkommen berechtigt, macht sein Anliegen deutlich, und er destilliert dadurch etwas heraus, was sich so rein und deutlich als eigenes Erbe identifizierbar in den st&#228;rker in die Globalisierung hineinbezogenen Regionen nicht mehr finden l&#228;sst. Diese Regionen sind es aber um die es geht, ihre Ausweitung ist unvermeidlich, das wei&#223; auch Sembène und er macht daher den Versuch den globalisierten Afrikanern das Bewu&#223;tsein ihrer Autonomie zur&#252;ckzugeben. Er spricht zu jenen Afrikanern die in den Regionen leben, aus denen der &#8220;S&#246;ldner&#8221; kommt, und die aus ihnen herausgehen, um die Globalisierung noch ins letzte Dorf zu tragen. Der S&#246;ldner ist ein Mittler, seine Existenz ist aber auch typisch f&#252;r den Verkehr der Individuen innerhalb der st&#228;rker globalisierten Zonen selbst untereinander.</p>
<p>Der &#8220;S&#246;ldner&#8221; ist Ferment, nichts an seiner Existenz weist Stabilit&#228;t auf, er ist reine Dynamik, ein in einem bestimmten Stadium festgehaltenes &#220;bergangsph&#228;nomen. Er ist der konsequente Selbstwiderspruch, er lebt davon, das zu untergraben, was die Bedingung seiner eigenen Existenz ausmacht. Sein System: ein Handel, der den vielleicht kurzfristigen Vorteil unzureichender verkehrstechnischer Erschlie&#223;ung nutzt, um unverh&#228;ltnism&#228;&#223;igen Gewinn zu erzielen. Er setzt dabei nicht nur auf sein Monopol sondern auch auf subtile Erpressungen der Dorfbewohner, indem er in Gewinnerzielungsabsicht traditionelle Tabus instrumentalisiert. Daf&#252;r mu&#223; er selbst &#252;ber den Gemeinschaftsregeln stehen, kann ihnen aber keine anderen entgegensetzen und ist so unerbittlich auf ein absolut egoistisches Handeln zur&#252;ckgeworfen. St&#228;ndig ist er hinter Frauen her, kann aber keine Bindung eingehen. Der Code permanenter Brunft, vermengt mit Gesch&#228;ftsgebaren – vulg&#228;r und aufdringlich wie ein billiges Parf&#252;m &#8211; wirkt unter etablierten kapitalistischen Verh&#228;ltnissen als Konsummotor und also Gesellschaft stabilisierend. Unter dortigen Verh&#228;ltnissen, ist es ebenso Konsum f&#246;rdernd, wie Gesellschaft zersetzend. Der S&#246;ldner mischt das Dorf &#246;konomisch wie sozial kr&#228;ftig auf, was erstaunlicherweise genau solange akzeptiert wird, wie er nur im eigenen Interesse handelt und nicht die vorhandenen Strukturen durch andere ersetzen will. In dem Augenblick, wo er im Sinne von Humanit&#228;t und Vernunft agiert, wird er beseitigt. In diesem S&#246;ldner kann ich den modernen Afrikaner erkennen. Nicht-Integrit&#228;t und Selbstwiderspruch ist sein &#220;berlebensprinzip. Aus der Sicht der alten Ordnung kann er nur als Gemeinschaftssch&#228;dling gelten. Auch aus der Sicht stabiler kapitalistischer Verh&#228;ltnisse ist er nur eine zwielichtige Figur. Doch ist er damit geradezu der Prototyp der Modernisierung, formations&#252;bergreifend. Er gemahnt an den ‚listigen&#8217; (ein Euphemismus, gelinde gesagt) Odysseus, auch an Stammvater Jakob, der alle sozialen Ordnungen umst&#246;&#223;t, nicht indem er als hehrer Revolution&#228;r aufbegehrt, sondern durch Betrug, &#220;bert&#246;lpelung, L&#252;ge und Verrat. Wo man das Unzul&#228;ngliche des Tradierten einerseits erkennt, andererseits ihr nichts Konkretes entgegenzusetzen hat, was kann man da anderes tun als sich im Selbstwiderspruch zu bewegen? Kein Prinzip bei Jakob/Israel, das man als Moment einer neuen Ordnung erkennen k&#246;nnte. Und doch bewegt sich Jakob mit dem Segen Gottes, den er zuvor buchst&#228;blich &#252;ber den Tisch gezogen hat. Es ersch&#252;ttert mich, dieser S&#246;ldner, trotz des vers&#246;hnlichen Aspektes seiner ungebrochenen Lebensfreude, seines Mutes, des gr&#246;&#223;eren &#220;berblicks, wer will schon etwas mit solchen Typen zu tun haben? Ja, die aufrechte Collé, damit kann man sich leicht identifizieren. Doch wie weit reicht ihre Kraft? Gen&#252;gt es auf ihre Einsicht zu setzen und zu hoffen, sie werde sich &#252;ber die chaotischen Umw&#228;lzungen, die um sie herum geschehen, erheben? Ich will den Versuch machen beides, das Chaos und die Vernunft, als Momente eines Proze&#223;es miteinander zu verbinden.</p>
<p>Die wahren Agenten des Fortschritts sind nicht Kameraden ohnegleichen, die sich zu f&#252;r die Freiheit sterbende Kolonnen zusammenschlie&#223;en, sie sind auch nicht nur solche spontan sich zusammenfindenden &#8220;zivilgesellschaftlichen&#8221; Interessengruppen, wie die Frauen in Moolaadé, die punktuell einmal etwas Vern&#252;nftiges erreichen. Dazu sind solche Ph&#228;nomene immer noch zu selten, werden von Gegentendenzen bei weitem &#252;berlagert und wer seine Hoffnung auf das Anwachsen dieser setzt, der baut auf etwas h&#246;chst Spekulatives. Soziale Bewegungen, kleine Zusammenh&#228;nge, die unter ver&#228;nderten &#228;u&#223;eren Bedingungen versuchen, ein gemeinschaftliches Leben in gegenseitiger Verantwortung und Integrit&#228;t zu organisieren – welche Theorie h&#228;tte denn den &#220;berblick, darin die Tendenz zu erkennen? Auch ich hoffe, auch mir ist das ein Bild eines m&#246;glichen zuk&#252;nftigen Anderen. Nur, es bleibt ein Bild, ich w&#252;rde nicht so weit gehen zu sagen, da&#223; direkt aus solchen Initiativen die neue Gesellschaft entsteht, etwa durch eine Ausweitung, die sich, wie immer, organisch oder revolution&#228;r vollzieht. Was wir erkennen k&#246;nnen, das ist der Umbruch des Bestehenden nur darin allein lassen sich M&#246;glichkeiten ablesen, die auf etwas zuk&#252;nftig Stabiles, auch au&#223;erhalb der b&#252;rgerlichen Gesellschaft verweisen. Das chaotisch Umw&#228;lzende, nicht die schon gefundene Stabilit&#228;t ist das entscheidende Ferment. Mache ich da eine Neuauflage des kommunistischen Manifestes? Nicht ganz, das Manifest geht noch von einer vollst&#228;ndigen Kapitalisierung aus, die Umw&#228;lzung wird durch die Kapitalisierung selbst vollzogen, ich besch&#228;ftige mich mit einer Umw&#228;lzung, die sich m&#246;glicherweise schon mit dem Verfall kapitalistischen Form bewegt.</p>
<p>Ich suche meine Helden unter windigen Kleinh&#228;ndlern, Internet-Abzockern, gut geschmierten Beamten, &#246;ligen Erweckungspredigern und ihren Zwillingsbr&#252;dern, Radau-Islamisten, die Wasser predigen und &#8211; Allah sei Dank! &#8211; Wein trinken. Die Emanzipation der Frau wird in gro&#223;em Stil vorangetrieben durch hysterische Pfingstlerinnen, die schon beim Beten ihren eigenen Hausrat zertr&#252;mmern und die alle famili&#228;ren Bande verlassen und sich auf den schwankenden Boden ihrer Gemeinden begeben. Das freie Individuum behauptet sich in Form von geschmacklos aufgemotzten G&#246;ren, mit gebleichter Haut, die von Zuhause ausgerissen sind und sich mit Gleichgesinnten zusammenzuschlie&#223;en, um auf Partys zu marodieren. Sie lassen sich von Sugar Daddys aushalten, aber niemand kann sie kontrollieren. Sie &#252;bernehmen h&#246;chstens soziale Initiative, wenn sie eigene Kinder haben. Ansonsten wird jeder der n&#228;her mit ihnen verkehrt, sie alle zusammen in jenen sprichw&#246;rtlichen Sack stecken wollen, um draufzuhauen. Auf der anderen Seite mu&#223; es den Area-Boys, mafios organisierten Berufsmachos, allein deshalb schon um die Aufl&#246;sung &#252;berkommener patriarchaler Strukturen zu tun sein, um ungehindert Frauen aufrei&#223;en zu k&#246;nnen (das geht alles vorz&#252;glich zusammen mit religi&#246;ser Bigotterie, dem Traum von der heiligen Familie). Es ist den Boys nicht bewu&#223;t, da&#223; sie mit ihrem Treiben ihren eigenen Ast abs&#228;gen und schieben das unvermeidliche Platzen chauvinistischer Herrschaftstr&#228;ume auf ein ontologisches Verh&#228;ngnis &#8211; ‚woman na palava&#8217;. Wer in modrigen Palmweinsch&#228;nken Frauen anlabert, die er noch nie zuvor gesehen hat, mag nicht gerade als Vork&#228;mpfer weiblicher Emanzipation gelten. Die Frage ist, ob er nicht mehr bewirkt, als wer auf politischer Ebene Gesetzesinitiativen durchk&#228;mpft und auch wer ‚Bewu&#223;tseinsarbeit&#8217; an der Basis leisten will.</p>
<p>Was ist denn noch Politik in diesen L&#228;ndern, was gelten Gesetze, was Vertr&#228;ge? Weltpolitik, f&#252;r Afrika eine Show f&#252;r unterschiedliche Fangruppen. Gibt es einen Unterschied zwischen den Jungs in S&#252;dnigeria, die in George Bush ihren Haudrauf-Kasperl sehen, der es den Moslems mal so richtig zeigt und denen im Norden, die in Bin Laden T-Shirts herumlaufen? Es handelt sich um austauschbare Identifikationsangebote, die nicht konkrete eigene Interessen repr&#228;sentieren (einschlie&#223;lich der religi&#246;sen), sondern als blo&#223;e Chiffren des bellum omnium contra omnes orientierungsloser Clans und atomisierter Individuen stehen. Lokalpolitik, ein Selbstbedienungsladen eines f&#252;r unsere Verh&#228;ltnisse un&#252;bersehbaren Kn&#228;uels unterschiedlicher Lobbys und pressure groups. Globalisierung hei&#223;t, da&#223; zunehmend die Weltpolitik in die Lokalpolitik einzieht, aber nicht um das Kn&#228;uel aufzul&#246;sen, sondern um sich darin zu verstricken. Wie es geschieht in Afghanistan und im Irak, so geschehen in Somalia, in Liberia, in Sierra Leone, Angola, im Kongo, im Sudan, im Tschad, aber auch etwas unblutiger in S&#252;dafrika, Nigeria und ich w&#252;sste von keinem afrikanischen Land wo es nicht so ist oder auf absehbare Zeit so sein wird. Dem Kapital fallen die Z&#228;hne aus, es hat nicht mehr die Kraft, ganze Regionen aufzusaugen, in Afrika reicht es nur noch zur Ressourcensicherung. Es dringt schon vor, in die lokalen &#214;konomien und ins Bewu&#223;tsein, aber das reicht gerade noch aus, um alles aufzumischen, nicht um etwas neu zu strukturieren. In diesen brackigen Regionen &#252;berdauert der Typus &#8220;S&#246;ldner&#8221; mit erstaunlicher Hartn&#228;ckigkeit. Er arrangiert sich pragmatisch mit der Politik, bleibt dabei zynisch und gewitzt, immer auf den eigenen Vorteil bedacht.</p>
<p>Aber – auch f&#252;r diesen Typus hat die mythische &#220;berlieferung Afrikas schon eine Rolle vorgegeben und das k&#246;nnte eine heimliche Pointe in Sembènes Film sein. In allen afrikanischen Erz&#228;hlungen gibt es eine Trickster-Figur, bei den Yoruba in Nigeria ist es z.B. die Gottheit Eshu. Ein unangenehmer Patron, wer sich auf ihn einl&#228;sst, ist leicht der Betrogene, aber f&#252;r bestimmte heikle Missionen ist er unverzichtbar. Von den christlichen Missionaren als Teufel mi&#223;verstanden und verbannt, ist es Eshus vornehmste Aufgabe zwischen den Geschlechtern zu vermitteln. Am Ende des Films erf&#252;llt unser Held diese Mission, indem er ganz aus seiner Tricksterrolle herausspringt. Und er befriedet damit die Geschlechter in einer Weise, die Weichen stellt. Ratlosigkeit herrscht unter den Patriarchen, die die Aussichtslosigkeit ihres Gewaltexempels einsehen, die aber f&#252;rchten ihr Gesicht zu verlieren. Da springt der Mittler von au&#223;en ein, ein Deus ex machina, in der Tat, der Einzige, der diese Aufgabe erf&#252;llen kann. Collés Ehemann ist geradezu erleichtert, als ihm die ihm aufgezwungene Peitsche entwunden wird. Es ist von nun an klar, da&#223; rohe physische Gewalt zur Aufrechterhaltung des Patriarchats nicht mehr in Betracht kommt. Es kann nur den Schein seiner Herrschaft noch einmal wahren, indem seine Rache den Mittler, anstelle der Frauen ereilt. Aber der Trickster hat seine Rolle sowieso erf&#252;llt, in einer endg&#252;ltigen Weise. Er ist &#252;berfl&#252;ssig geworden, sein Ende ist nur logisch. Das ist gro&#223;artiges rituelles afrikanisches Theater! So wie in Wole Soyinkas ‚Death and the King&#8217;s Horseman&#8217; der ungenannte Gott Ogun, Lotse durch unbekannte Regionen, mit seinem Selbstopfer ein neues &#196;on anst&#246;&#223;t, geht bei Sembène das Tricksterwesen, Inbegriff alles Ungel&#246;sten, aller historischen Unvollkommenheiten, in der Utopie einer neuen Integrit&#228;t einer durch Humanit&#228;t und Vernunft bestimmten Gesellschaftlichkeit auf. Nun mag es ein sehr europ&#228;ischer Gedanke sein, da&#223; es mit der Trickserei einmal ein Ende nehmen mu&#223;, da&#223; krumme Wege gerade und Widerspr&#252;che aufgehoben werden sollen. Universal ist aber die Sehnsucht nach einer Vers&#246;hnung der Geschlechter, die nur mit der Aufhebung des Patriarchats, damit aber der &#220;berwindung sowohl vormoderner, als auch der kapitalistischen Vergesellschaftungsform zu machen ist. Jenseits des Zwanges vormoderner Strukturen, wie auch der Kapitalverwertung hat der S&#246;ldner ausgedient. Die Zukunft geh&#246;rt dem selbstbewu&#223;ten, sich frei assoziierenden Individuum, wie es in Collé schon angedeutet ist. Doch ist sie selbst zu ungebrochen, zu unerfahren, zu wenig etabliert, um dort von allein anzukommen. Es bedurfte des S&#246;ldners, der den schmerzhaften Proze&#223; des Verlustes aller alten Sicherheiten durchl&#228;uft, um ihr Recht zu etablieren. Folgt man Frantz Fanon, so ist der afrikanische Mann st&#228;rker der kolonialen Gehirnw&#228;sche unterworfen, st&#228;rker in seiner materiellen wie geistigen Existenz verunsichert, als die Frau. Nun gilt das heutzutage, wie ich dargestellt habe, nur noch bedingt. Nichtsdestoweniger ist es ein grundlegender Gedanke des <a href="http://coforum.de/?2265">Womanism</a>, der afrikanischen Variante des Feminismus, da&#223; die Befreiung aus patriarchalem Zwang nur in einer gemeinsamen Anstrengung beider Geschlechter gelingen kann. Ein Gedanke, der in Afrika gedacht werden kann, wo beide Geschlechter gleicherma&#223;en Opfer des Kolonialismus sind. Der Gedanke lie&#223;e sich ausweiten. Der moderne Kapitalismus ist ein verinnerlichtes Patriarchat, bei dem es fast keine Rolle mehr spielt, ob M&#228;nner oder Frauen an den Schalthebeln der Macht sitzen. Stimmt meine Interpretation des S&#246;ldners, also des modernen Afrikaners -und damit auch der Afrikanerin-, als Trickster, dann tragen beide Geschlechter die Vermittlung schon in sich. Die Aufhebung ist dann ein Akt, der sich sowohl zwischen den Geschlechtern, als auch innerhalb der Individuen selbst abspielt. Der Trickster wird zum Katalysator einer autonom afrikanischen Aufkl&#228;rung. Durch sein Medium, da&#223; sich im Proze&#223; der Transformation selbst aufl&#246;st, wird auch die europ&#228;ische Erfahrung transzendiert.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wadk.de/2007/gedanken-zu-moolaade-von-johannes-stockmeier/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Besprechung des Films »Moolaadé« von Uli Wei&#223;</title>
		<link>http://wadk.de/2007/besprechung-des-films-moolaade-von-uli-weiss/</link>
		<comments>http://wadk.de/2007/besprechung-des-films-moolaade-von-uli-weiss/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 02 Jul 2007 20:53:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Postkolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>
		<category><![CDATA[afrika]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>
		<category><![CDATA[gemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[vergesellschaftung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wadk.de/?p=113</guid>
		<description><![CDATA[Nach diesem Streifen m&#246;chte man sitzen bleiben und schweigen oder irgendwie eingreifen in den Gang der Dinge, der eigenen und denen der Welt. Die letzten Bilder: In einem senegalesischem Dorf brennen die Messer der traditionellen Beschneiderinnen und es brennen die Radios, die einen Abschein der b&#252;rgerlichen Welt bis ins letzte afrikanische Dorf bringen. Was die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach diesem Streifen m&#246;chte man sitzen bleiben und schweigen oder irgendwie eingreifen in den Gang der Dinge, der eigenen und denen der Welt.</p>
<p>Die letzten Bilder: In einem senegalesischem Dorf brennen die Messer der traditionellen Beschneiderinnen und es brennen die Radios, die einen Abschein der b&#252;rgerlichen Welt bis ins letzte afrikanische Dorf bringen. Was die Lust- und oft gar Leben t&#246;tenden Verst&#252;mmelungsger&#228;te betrifft &#8211; wer ist sich da nicht sicher? &#8211; weg mit ihnen! Doch warum brennen die Radios?</p>
<p><span id="more-113"></span>Frauen und auch M&#228;nner empfinden das als Verlust. Sie gehen an dem befohlenen Scheiterhaufen vorbei und es sieht lange so aus, als w&#252;rden sie sich diese Br&#252;cke in andere Welten wieder zur&#252;ckholen. Vor allem, nachdem eine zunehmende Anzahl von Frauen vehement und erfolgrech ihren Unmut &#252;ber die Beschneidung und die Beschneiderinnen &#246;ffentlich ausdr&#252;ckten, liegt das in der Luft. Doch auch die Radios werden zu Asche. Das &#252;berrascht mich zun&#228;chst. Warum l&#228;sst Osmane Sembène, der Filmemacher, beides brennen, die Messer, Symbole vormoderner Riten, und die Mittel geistiger &#214;ffnung zur westlichen Welt, das eine durchgesetzt von einigen Frauen, das andere vom Rat der Dorf&#228;ltesten? Letztere sehen den Konsum von Radio oder Fernsehen als Bedrohung der traditionellen Gemeinschaftstrukturen an, ebenso das Aufbegehren gegen das Beschneiden &#8211; das allerdings sei eine reine Frauensache. In den Konstellationen, die der Film darstellt, erscheint dieser Ritus ebenso wie das Verbot des Radioh&#246;rens vor allem als Herrschaftsinstrument einer anachronistisch werdenden Gruppe von Menschen. Dass allerdings auch Opfer der Verst&#252;mmelung verbissen auf der Traditionen beharren, eine gar erst nach nach dem Tod der eigenen Tochter die Seite wechselt, verweist wohl darauf, wie eng diese Riten mit der gesamten Lebensweise verbunden waren und sind. An die traditionell &#252;berkommene Gemeinschaft und ihrer Formen ist hier der einzelne Mensch mit seiner ganzen Existenz gebunden. Auch weiterhin zeigt sich keine andere M&#246;glichkeit grunds&#228;tzlich anders als in ihr zu (&#252;ber-)leben. Wenn im Film ein Machtkampf um einzelne Riten und Verhaltensweisen stattfindet, so hat er zugleich das Ganze des Dorfes im Blick. Er bietet damit die M&#246;glichkeit, die Problematik tiefer als in traditionell westlich-missionarischer Aufkl&#228;rungsmanier zu verstehen. So wird das Aufbegehren gegen die Beschneidung mit Hilfe eines anderen tradierten Ritus durchgesetzt und nicht etwa durch den Einbruch westlicher Rechtsformen und das Anrufen staatlicher Macht.</p>
<p>Mit dem westlichen Blick, mit dem ich als Zuschauer ja doch infiziert bin, wundert es einen schon, wie etwa die Heldinnen des Filmes selbstbewusst dieses eine Element der alten Lebensweise abwerfen, daf&#252;r das eigene Leben riskierend, aber sich zugleich die Radios wegnehmen lassen. Sie stellen die patriarchischen Strukturen selbst nicht infrage, auch nicht die Vielweiberei samt damit verbundener Hierarchien zwischen Erst-, Zweit- und Drittfrau.</p>
<p>Trotzdem, es ver&#228;ndert sich mit der Auseinandersetzung mehr als dass ein einzelner Ritus abgeworfen wird. Man kann aus bestehenden Lebensweisen auch nicht einfach ein wesentliches Moment &#8211; hier die Beschneidung &#8211; verwerfen, sonst aber bleibt alles wie es ist. Es findet schon eine Auflockerung der genannten Grundstrukturen statt. Und doch erstaunt es mich, wie sozusagen am Tag danach vieles so weiter geht als w&#228;re nichts geschehen, als h&#228;tten die Beschneiderinnen nicht drei M&#228;dchen in den Tod getrieben, ein Retter der Hauptfigur nicht vom m&#228;nnlichen Mob gelyncht worden. Collés Mann, der Hausherr, der gerade noch drauf und dran war seine Zweitfrau zu erschlagen, wird auch nach dem Sieg in der einen Sache trotz aller bissigen Bemerkung von den Frauen freundlich gegr&#252;&#223;t.</p>
<p>Die Frauen, gerade noch mutig, selbstbewusst, laut- und sangesfreudig, haben zwar den einen lebens- und lustt&#246;tenden Ritus abgeworfen, steigen aber aus den vielen anderen Zw&#228;ngen, aus starken pers&#246;nlichen Abh&#228;ngigkeiten nicht wirklich aus.</p>
<p>Warum nicht? Moolaadé ist eben ein Film eines geschichts- und menschenklugen Autors. Es ist nicht das Werk westlicher &#8220;Weltenretter&#8221;. Bezogen auf Verh&#228;ltnisse, die nicht die ihren sind und die sie wie einen Tierpark betrachten, k&#246;nnen sie nach der Antibeschneidungskampagne mit linken oder rechten Politik-Phrasen sozusagen noch manche Sau durch die Median treiben. Mit entsprechenden Get&#246;se, das die jeweiligen Akteure bzw. politischen Richtungen in ihrem Gutmenschentum geb&#252;hrend herausstellt, kann weiter etwa gegen Vielweiberei agiert werden und f&#252;r das westliche Rechtssystem mit dem formellen Gleichheitsgrunds&#228;tzen, f&#252;r die freie Wahl des Wohn- und Arbeitsortes und eines jeweils einen Lebenspartners.</p>
<p>Damit kein Zweifel aufkommt, ich sehe die andersgearteten Momente des dargestellten d&#246;rflichen Lebens in dem afrikanischen Dort nicht als erstrebenswert an. Ich m&#246;chte nicht ohne viele Errungenschaften der b&#252;rgerlichen Epoche leben. Trotzdem, solche Kampagnen, mittels derer die westlichen Segnungen dem Rest der Welt gebracht oder aufgezwungen werden sollen, sind mehrfach verlogen.</p>
<p>So agieren im Film zwei M&#228;nner, die sozusagen eine pers&#246;nliche Br&#252;cke zur westlichen Welt darstellen. Sie wollen an einigen ihrer materiellen Standards teilhaben bzw. am materiellen Gef&#228;lle Nord-S&#252;d verdienen. Sie treten zugleich gegen existentielle pers&#246;nliche Abh&#228;ngigkeiten auf. Der eine bezahlt das mit dem Leben, der andere mit massiver Konfrontation mit dem eigenen Vater. Zugleich dr&#252;ckt aber ihre R&#252;ckkehr nach Afrika auch aus, dass sie sich in die europ&#228;ische Lebensweise nicht integrieren konnten bzw. wollten. Der menschliche Preis, den sie h&#228;tten zahlen m&#252;ssen, war ihnen wohl zu hoch.</p>
<p>Der Kampf um menschliche Zukunft geht wohl nicht mehr wie zu Zeiten der fr&#252;hen b&#252;rgerlichen Revolutionen um diese Alternative: Entweder vormoderne pers&#246;nliche Abh&#228;ngigkeitsstrukturen oder westlich-kapitalistische Form einer sozusagen individuell freien Vergesellschaftung. Durch alle Krisen, Kriege und menschlichen Katastrophen hindurch, die die b&#252;rgerliche Epoche mit sich brachte, hat sie zwar massenweise Menschen erm&#246;glicht, sich feudaler pers&#246;nlicher Abh&#228;ngigkeiten zu entziehen und als einzelne b&#252;rgerliche Individuen das Leben zu verdienen. Letzeres wird aber auf dem erreichten internationalem Niveau der Kapitalverwertung immer problematischer. Sosehr auch Menschen der sogenannten dritten Welt in die Metropolen der ersten dr&#228;ngen, die b&#252;rgerlichen Gesellschaften verlieren ihre integrativen Kr&#228;fte. Da auch der Real-&#8221;Sozialismus&#8221; sich nicht zu einer Alternative zur b&#252;rgerlichen Welt entwickelte, sondern zu einer ihrer Entwicklungsformen, war und ist f&#252;r Menschen etwa afrikanischer D&#246;rfer auch in dieser Richtung kein nachhaltiger Ausweg zu finden.</p>
<p>Wer aus dem Westen sich den anderen Kulturen &#252;berlegen f&#252;hlt, wer das freie b&#252;rgerliche Individuum, das sich &#252;ber die Produktion von Waren vergesellschaftet sowie &#252;ber die b&#252;rgerlichen Rechts- und Umgangsformen, wer dies als das Ma&#223; des Fortschritts &#252;berhaupt darstellt, muss von ungeheuren Illusionen &#252;ber die eigenen Verh&#228;ltnisse ausgehen. Es ist nicht nur so, dass die Unterwerfung unter den Terror des Verwertungszwangs den Menschen aus der dritten Welt immer weniger eine &#220;berlebenschance bietet. Auch f&#252;r die im Westen Eingeborenen wird dies zunehmend zu einer immer miserablere Grundlage ihrer Existenz.</p>
<p>So brennen im Film sowohl die Symbole bestimmter eigener alter Riten als auch eines der westlich-b&#252;rgerlichen Kultur. Die Menschen im Dorf sch&#228;tzen sehr wohl auch bestimmte Errungenschaften der b&#252;rgerlichen Epoche, so etwa eine Wasserpumpe. Doch ich sehe die brennenden Radios und die Tatsache, dass sie von den selbstbewusst agierenden Frauen nicht gerettet werden, als einen Hinweis des Autors darauf: Die lebbare Alternative etwa zu den pers&#246;nlichen Abh&#228;ngigkeitsverh&#228;ltnissen ist nicht die westliche Gesellschaftsform. In diese kann sich das Land, k&#246;nnen sich die Menschen nicht retten.</p>
<p>Es bietet sich auch kein Traum der Art, wie ihn etwa die einstige west/&#246;stliche Arbeiterbewegung kannte. So kommt auch in der erfolgreichen Revolte keine solche Revolution in Sicht, durch die zugunsten eines angenommenen realen oder vorgestellten Gesellschaftsmodells alle Verh&#228;ltnisse umgest&#252;rzt werden m&#252;ssten, in denen Menschen erniedrigte, geknechtete, beleidigte Wesen sind. Es ist nicht damit getan, Gruppen von Menschen, jeweilige Herrschende bzw. ganze Klassen als Schuldige an der je eigenen Misere auszumachen und zu besiegen. Es geht in einem viel weiteren Sinne um eine andere Lebensweise aller. Da aber ist mit einem Sturmangriff, mit der Ausschaltung einer Menschengruppe nichts zu machen. Die auf mich eigenartig wirkende Situation in dem Dorf nach den dramatischen Ereignissen &#8211; nach unseren alten Revolutionskriterien ein unverzeihliches Nachlassen der Offensive &#8211; dr&#252;ckt wohl die tats&#228;chlich stehende Problematik viel tiefer aus als klassischen Widerstands- und Revolutionsromantiken. Obwohl in einer einzigen Sache, das lebens- und lustrettende Abschaffen des Beschneidens, eine extreme Abh&#228;ngigkeit abgeworfen wurde, geht das Leben in den gegebenen Grundstrukturen weiter. Es sind schlie&#223;lich jene Verh&#228;ltnisse, an die die einzelnen Dorfbewohner mit ihrer ganzen Existenz gebunden sind. Nur in dieser und von dieser ausgehend k&#246;nnen die Leute Neues entwickeln</p>
<p>Der Einbruch von Tr&#228;gern anderer Verh&#228;ltnisse, Menschen, Gewohnheiten, Techniken usw., die zunehmenden globalen Ber&#252;hrungen verschiedener Kulturen, all das kann dabei als Katalysator wirken, die Entwicklung innerer Konflikte forcieren, g&#252;nstig oder hemmend auf das Finden von Wegen wirken. Das geschieht auch in diesem Dorf. Doch wirklich lebensf&#228;hige L&#246;sungen von Konflikten kann nur auf eine Weise erfolgen, in der zu jedem Zeitpunkt die Frage beantwortet ist, wie die materiellen Bedingungen der Existenz aller gesichert sind und wie die lebenserhaltende Gemeinschaftlichkeit, die Gesellschaftlichkeit gewahrt werden kann. Die Abl&#246;sung alter gemeinschaftskonstituierender Mythen durch die Vergesellschaftung mittels des Dienstes am b&#252;rgerliche-fremden Zweck, der Verwertung von Wert, oder und durch die &#8220;sozialistische&#8221; Diktatur, bietet keine menschenvertr&#228;gliche Perspektive (mehr).</p>
<p>Osmane Sembène entwickelt &#252;berhaupt kein Gesellschaftmodell, nach dem, die Vernichtung der gegebenen Grundstrukturen vorausgesetzt, sozusagen auf den Tr&#252;mmern des Alten das ganz Neue konstituiert werden k&#246;nnte. Das Fortschreiten, das dagegen seine Geschichte nahe legt, ist im mehrfachen Sinne ein Aufheben des Wirklichen. Was er in der Person der Collé darstellt, feiert und beschw&#246;rt, das ist eine bestimmte Haltung, eine Richtung menschlichen Handelns im Gegebenen. Menschliches Leben ist zu sch&#252;tzen, hier das der M&#228;dchen. Es geht darum, m&#246;glicher Lust am Leben Raum zu verschaffen. Die Heldinnen des Films agieren nicht als b&#252;rgerliche Individuen. Diese sind &#246;konomisch gezwungen, einem immer menschenfeindlicherem Zweck zu dienen. Insofern ihnen das gelingt, k&#246;nnen sie auch Teile ihrer Pers&#246;nlichkeit entfalten, dies auch dann, wenn eben auch unter ihrer Teilhabe die sonstige Wirklichkeit barbarische Z&#252;ge annimmt. Ihre partielle Emanzipation ist nicht die der Gesellschaft, sie ist keine nachhaltige, sondern eine von den Logiken der Produktiosnweise immer bedrohte. Die Frauen in Sembène Film dagegen agieren vielmehr &#8211; wenn auch in dem beschr&#228;nkten Rahmen des Dorfes &#8211; als sozusagen gesellschaftliche Individuen. Sie k&#246;nnen bestimmte menschliche Bed&#252;rfnisse nur durchsetzen, wenn entsprechendes Verhalten verallgemeinert, also im Dorf insgesamt angenommen wird. Und es ist in jedem Moment eingebunden in ihre gesamte Lebensweise. Neues ist hier nicht ein Muster, das durch &#228;u&#223;ere Macht, Stellvertreter, Recht, Politik &#252;berhaupt eingef&#252;hrt wird und nur dadurch allgemeine Geltung erlangt. Es wird vielmehr von den Collés als eigenes und zugleich gemeinsam Gelebtes begr&#252;ndet.</p>
<p>Mit dieser Haltung k&#246;nnen die unterschiedlichsten Lebensformen auf ihre menschliche Sinnhaftigkeit gepr&#252;ft, manche verworfen, andere bewahrt, ver&#228;ndert werden. Das ist kein auch hier im Westen h&#228;ufig anzutreffendes esoterisches Beschw&#246;ren vormoderner Lebensformen als Allheilmittel f&#252;r die in der b&#252;rgerlichen Welt Strandenden, sondern ausgehend von konkreten Lebensverh&#228;ltnissen ein produktives Verhalten zu Traditionen der eigenen Gemeinschaften wie der Errungenschaften anderer Kulturen. Keine beschr&#228;nkter Blick auf das vereinzelte leidende Individuum, das, Zahlungsf&#228;higkeit vorausgesetzt, um zum Gl&#252;ck zu kommen, sich nur von &#8220;b&#246;sen&#8221; anderen Individuen befreien m&#252;sste, von Menschen, denen Schuld an seiner Misere zugeschrieben wird. Es ist keine sogenannte freien Kooperationen, denen ich mit der Androhung meiner Leistungsverweigerung meinen Willen aufzwingen oder die ich verlassen kann (wenn es finanziell m&#246;glich ist). Solche &#8220;L&#246;sungen&#8221; tauchen hier nicht auf. Das Ma&#223; an menschlicher Freiheit des Einzelnen wird hier von den Betroffenen in dem Ma&#223;e ausgeweitet, wie es zur angenommenen, das hei&#223;t gelebten Freiheit aller Mitglieder der Gemeinschaft wird.</p>
<p>Von allgemeinmenschlicher Emanzipation, von Kommunismus, ist in diesem Film nicht die Rede. Die Haltung jedoch, die hier ein menschliches Fortschreiten bewirkt, das ist eine, die genau in diese Richtung treibt. Es war sehr sinnvoll, dass sich unsere Diskussionsgruppe mit dem k&#252;hnen Namen &#8220;Wege aus dem Kapitalismus&#8221; diesen Film anschaute.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wadk.de/2007/besprechung-des-films-moolaade-von-uli-weiss/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>»Das Blut des Adlers«</title>
		<link>http://wadk.de/2007/das-blut-des-adlers/</link>
		<comments>http://wadk.de/2007/das-blut-des-adlers/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 21 Mar 2007 09:24:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[» Treffen]]></category>
		<category><![CDATA[liselotte welskopf-henrich]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wadk.de/?p=150</guid>
		<description><![CDATA[Die Pentalogie von Liselotte Welskopf-Henrich, wiedergelesen und vorgestellt von Heike. »Das Blut des Adlers« &#8212; Inhalts&#252;bersicht Mittwoch, 28. M&#228;rz 2007, 18:00 Uhr, Helle Panke]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Pentalogie von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Liselotte_Welskopf-Henrich">Liselotte Welskopf-Henrich</a>, wiedergelesen und vorgestellt von Heike.</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Blut_des_Adlers">»Das Blut des Adlers« &#8212; Inhalts&#252;bersicht</a></p>
<p>Mittwoch, 28. M&#228;rz 2007, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wadk.de/2007/das-blut-des-adlers/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>»Das war wichtig f&#252;r mich&#8230;«</title>
		<link>http://wadk.de/2007/das-war-wichtig-fuer-mich/</link>
		<comments>http://wadk.de/2007/das-war-wichtig-fuer-mich/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 07 Mar 2007 09:28:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[» Treffen]]></category>
		<category><![CDATA[bücher]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>
		<category><![CDATA[musik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wadk.de/?p=152</guid>
		<description><![CDATA[Pr&#228;gende Lekt&#252;re, Filme und Musik Wir stellen uns gegenseitig B&#252;cher, Filme und Musik vor, die f&#252;r uns pr&#228;gend waren (und sind). Zum Beispiel: Piccoletto Mittwoch, 14. M&#228;rz 2007, 18:00 Uhr, Helle Panke]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Pr&#228;gende Lekt&#252;re, Filme und Musik</h3>
<p>Wir stellen uns gegenseitig B&#252;cher, Filme und Musik vor, die f&#252;r uns pr&#228;gend waren (und sind). Zum Beispiel: <a href="http://www.keimform.de/2007/03/17/piccoletto-ein-bilderbuch/">Piccoletto</a></p>
<p>Mittwoch, 14. M&#228;rz 2007, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wadk.de/2007/das-war-wichtig-fuer-mich/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Vom Ritual zur Revolte &#8212; Nachbereitung</title>
		<link>http://wadk.de/2007/vom-ritual-zur-revolte-nachbereitung/</link>
		<comments>http://wadk.de/2007/vom-ritual-zur-revolte-nachbereitung/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 08 Feb 2007 09:44:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Postkolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>
		<category><![CDATA[» Treffen]]></category>
		<category><![CDATA[afrika]]></category>
		<category><![CDATA[arbeiterbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[musik]]></category>
		<category><![CDATA[nigeria]]></category>
		<category><![CDATA[vergesellschaftung]]></category>
		<category><![CDATA[wole soyinka]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wadk.de/?p=159</guid>
		<description><![CDATA[Nachbereitung der Veranstaltung »Vom Ritual zur Revolte« vom 10. Januar 2007 Donnerstag, 15. Februar 2007, 18:00 Uhr, Helle Panke (Achtung: Verschiebung vom Mittwoch, 14. Februar 2007) Uli Wei&#223;: Notizen zur Veranstaltung vom 10. Januar 2007 Johannes: Wole Soyinkas drei Schaffensphasen. Modernistische (auf nachholende Entwicklung nach westeurop&#228;ischen Muster orientiert) Negritude (Mobilisierung der eigenen afrikanischen Traditionen/M&#246;glichkeiten) 1. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachbereitung der Veranstaltung <a href="http://wadk.de/2007/vom-ritual-zur-revolte/">»Vom Ritual zur Revolte«</a> vom 10. Januar 2007</p>
<p>Donnerstag, 15. Februar 2007, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a> (Achtung: Verschiebung vom Mittwoch, 14. Februar 2007)</p>
<h3>Uli Wei&#223;: Notizen zur Veranstaltung vom 10. Januar 2007</h3>
<p><span id="more-159"></span><strong>Johannes: Wole Soyinkas drei Schaffensphasen.</strong></p>
<ol>
<li>Modernistische (auf nachholende Entwicklung nach westeurop&#228;ischen Muster orientiert)</li>
<li>Negritude (Mobilisierung der eigenen afrikanischen Traditionen/M&#246;glichkeiten) 1. und 2.: S. argumentiert hier weniger &#246;konomisch als politisch. Dies immer angesichts der Notwendigkeiten, ungeheuer Interessenkonflikte auszugleichen.</li>
<li>Phase, in der die (auch von S. nachgefragten, also vorl&#228;ufigen) Gewissheiten von 1. und 2. abhanden gekommen sind. In dieser werden verst&#228;rkt Alternativen auf der mehr &#228;sthetischen Ebene gesucht. Obwohl auf diesem Feld keine Zukunftsperspektiven sichtbar werden, engagiert sich S. zur Sicherung unmittelbarer Existenz politisch.</li>
</ol>
<p>Ist die Diskussion dieser Entwicklung Soyinkas f&#252;r unsere Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus relevant?</p>
<p>Was bedeutet st&#228;rker Orientierung auf &#196;sthetik bei S.?</p>
<p><strong>Johannes:</strong></p>
<ol>
<li>S. vertraut auf die Autonomie von Menschen. Er greift auf alte Rituale zur&#252;ck (als Formen von Gesellschaftlichkeit).</li>
<li>Diese Autonomie wie die Pr&#228;senz der Rituale(?) sind sowohl von der modernistischen Entwicklung als auch von der negrituden Politik (?) bedroht. Sie werden von Parteien, den entsprechenden politischen Strukturen sowie wirtschaftlichen Entwicklungen (Warenproduktion) unterh&#246;hlt, jedoch nicht vollst&#228;ndig von diesen &#8220;aufgefressen&#8221;. Zu beachten ist, dass die teils unter- bzw. abgebrochene modernistische Entwicklung den Nigerianern nur h&#246;chst begrenzt den Zugang zu den zivilisatorischen Leistungen der westeurop&#228;isch-b&#252;rgerlichen Epoche er&#246;ffnet.</li>
<li>S. entwickelt keine Theorie der gesellschaftlichen Konstitution im westeurop&#228;ischen Sinne von Wissenschaft eine. Er beschw&#246;rt vielmehr angesichts der mangelnden M&#246;glichkeiten, im Sinne der Hoffnungen der ersten und zweite Phase auf menschliche Weise voranzuschreiten, sozusagen die weiterhin wirksamen Rituale als m&#246;gliche Grundlagen der Konstitution von Gemeinschaften bzw. Gesellschaft. Bezogen auf die sehr widerspr&#252;chliche chaotische Realit&#228;t in Nigeria mobilisiert er entsprechende Symbole, Bilder, Geschichten.</li>
</ol>
<p>Eine Zentralfigur ist Ogun. Es ist ein fragender Gott, einer der Suche nach &#220;berg&#228;ngen. Die gesuchte Entwicklung ist in der entsprechenden Mythologie das Wiederherstellen der Verbindung des G&#246;ttlichen (des Ganzen?) mit den Menschen. Das schlie&#223;t bei Ogun den Durchgang durch das Chaos ein.</p>
<p><strong>Uli:</strong></p>
<p>Soyinkas Fortschreiten(?), sein &#8220;R&#252;ckzug&#8221; von den gr&#246;&#223;eren Gesellschaftsentw&#252;rfen (Phase 1 und 2) ins &#196;sthetische will ich begreifen. Die &#228;sthetische ist eine bestimmte Aneignungsform von Welt. Die anderen: die praktische Aneignung (wirtschaftliche, politische), die theoretische Aneignung,</p>
<p>Was ist die Besonderheit des &#196;sthetischen? Es gibt die M&#246;glichkeit, den Menschen in seiner Existenz im Bild, Ton, Bewegung &#8230; als ein den Sinnen unmittelbar zug&#228;ngliches Ganzes zu erfassen? Soyinka wendet sich zugleich nicht vom praktischen (politischen) ab. Wie ist die Wechselwirkung zwischen dem &#196;sthetischen und &#214;konomie, Politik, Theorie &#8230;? Bei Soyinka, bei anderen, bei uns?</p>
<p><strong>Eine Analogie?: H&#246;lderlin – Schiller</strong></p>
<p>Nach H&#246;lderlins Meinung wendet sich sein geistiger Vater Schiller von seinem fr&#252;hen revolution&#228;ren Anspruch ab. Er ziehe sich sozusagen in den &#228;sthetischen Bereich zur&#252;ck. In Schillers Selbstverst&#228;ndnis: Das Bild einer anderen Welt an die Kerkerwand projizieren (nicht mehr den Kerker selbst angreifen). H&#246;lderlin h&#228;lt dagegen an seinem urspr&#252;nglichen Anspruch fest, findet aber in der Welt keine Resonanz (nicht in Deutschland, nicht in Frankreich, auf das er mit Hegel und Schelling besondere Hoffnungen gesetzt hatte). Um seinem menschlichen Streben &#252;berhaupt noch Ausdruck geben zu k&#246;nnen, fl&#252;chtet er ins idealisierte klassische Griechenland sowie in eine unerf&#252;llbare Liebe – und wird verr&#252;ckt.</p>
<p>Heise (ein DDR-Kulturwissenschaftler) interpretierte das so: Schiller als &#196;lterer war mit dem gleichen Problem wie H&#246;lderlin konfrontiert. Er erfasste gleich diesem die Unerf&#252;llbarkeit seiner Ideale innerhalb der damals &#252;berschaubaren Welt. Er lie&#223; sich aber auf jene entstehende b&#252;rgerliche Gesellschaft ein, deren Widerspr&#252;chlichkeit er wohl kannte, deren Aufhebung ihm aber noch nicht denkbar war. Er suchte Wege, in ihr im Sinne seiner fr&#252;hen Freiheitsideale zu wirken. Im Gegensatz zu H&#246;lderlin lie&#223; er sich auf diese historisch noch nicht &#252;berschreitbare Situation ein und versuchte entsprechend seinem Menschheitsideal eben &#252;ber das &#228;sthetische Bild zu wirken. In diesem Sinne – in der geschichtsmaterialistischen Sicht, nach der die materiellen und geistigen Bedingungen f&#252;r das sp&#228;tere &#8220;Reich der Freiheit&#8221; erst in der b&#252;rgerlich-kapitalistischen Formation entstehen k&#246;nnen – wurde Sch. den realen historischen M&#246;glichkeiten gerecht.</p>
<p>Diese Einsch&#228;tzung teile ich. Zugleich setzt das H&#246;lderlin nicht zur&#252;ck. Im Gegenteil, er ist sozusagen ein durch und durch Heutiger. Er hielt an seinen Idealen der allgemeinmenschlichen Emanzipation fest. Dies im Sinne der Marxschen Formulierung des kategorischen Imperativs, alle &#8220;Verh&#228;ltnisse umzuschmei&#223;en, in denen der Mensch ein erniedrigtes &#8230;Wesen ist.&#8221; Auch als er klar erfahren musste, dass dies die M&#246;glichkeiten der b&#252;rgerlichen Gesellschaft weit &#252;bersteigen, richtete sich nicht im Gegebenen ein. W&#228;hrend Schiller vom B&#252;rgertum (das &#8220;sozialistische&#8221; der DDR eingeschlossen) zum Nationaldichter erhoben wird, fand und findet H&#246;lderlin in der b&#252;rgerlichen Welt keine Bilder und kaum Adressaten.</p>
<p>Auf andere Weise geschieht dies sp&#228;ter Dostojewski wieder. Um – in ihrer beider Not – die Hoffnungen doch aussprechen zu k&#246;nnen, &#8220;rettet&#8221;, sich der eine in die griechische Mythologie, der andere in die russische Orthodoxie/Seele. (Dies auch mit der &#252;blen Konsequenz, dass sich reaktion&#228;rste Leute sich auf diese bezogen/beziehen.)</p>
<p>Ist Soyinkas Situation eine &#228;hnliche? Er stellt sich praktisch der katastrophalen (unmittelbar aber alternativlosen) Moderisierung, beschw&#246;rt zugleich mit Bildern einer anderen Welt Alternativen.</p>
<p>Wie sieht es mit der Rolle des &#196;sthetischen in unseren Versuchen aus, die gegebene b&#252;rgerliche Gesellschaft geistig und praktisch zu &#252;berschreiten?</p>
<h3>Lieder – &#228;sthetische Formen und sozialer Gehalt</h3>
<p><strong>Johannes: Beispiel Lieder der Arbeiterbewegung</strong></p>
<p>Es gibt Lieder bzw. deren Arrangements, die sowohl in der linken Arbeiterbewegung, in platter Volkst&#252;mlichkeit sowie auch unter den Faschisten verbreitet waren. Bei anderen ist das undenkbar. So etwa in den Arrangements von H. Eisler.</p>
<p><strong>Uli:</strong> Gibt es einen klar definierbaren Zusammenhang zwischen der &#228;sthetischen Formen und sozialen Gehalten?</p>
<p><strong>Johannes:</strong> Einen eindeutigen sicher nicht. An Hand der Lieder etwa von Eisler werde ich das untersuchen.</p>
<p><strong>Uli:</strong> Kann es sein, dass so wie nur mit bestimmten Praxisformen &#252;ber den Kapitalismus hinausgegangen werden kann, auch nur mit bestimmten Formen von Diskussionen und Texten, bestimmten Theorieformen, in bestimmten k&#252;nstlerischen Formen &#252;ber ihn hinausgedacht werden kann? Wenn das stimmt, dann m&#252;ssen diese Formen benennbar sein. Interessant ist doch, dass Marx die M&#246;glichkeit der tats&#228;chlichen Aufhebung des Kapitalismus und damit die Wirklichkeit des Kommunismus erst dann gegeben sah, wenn f&#252;r die Produktion von materiellem Reichtum bestimmte sch&#246;pferische Formen der T&#228;tigkeiten der Menschen entscheidend werden. Das w&#228;re nicht mehr die in knechtender Arbeitsteilung verausgabte Arbeit (etwa die unter fremden Befehl auszuf&#252;hrende Handarbeit), sondern die Formen von T&#228;tigkeiten, die unvermeidbar mit gro&#223;em Sch&#246;pfertum, mit Selbstgenuss des Menschen verbunden sind: wissenschaftliche, k&#252;nstlerische und spielerische T&#228;tigkeiten. (siehe Marx’ Grundrisse).</p>
<p>Hier sehe ich einen Zusammenhang mit den H&#246;lderlinschen Bildern (sh. Hyperion; &#8220;Handwerker fand ich, keine Menschen&#8221;), auch mit der Suche Dostojewskis (sh. seine Erkenntnisse &#252;ber einander entgegengesetzte menschlichen und die knechtenden T&#228;tigkeiten; Aufzeichnungen aus einem Totenhaus).</p>
<p>Aufhebung knechtender Formen von Arbeitsteilung bedeutete wohl auch, dass die Getrenntheiten, Gegens&#228;tzlichkeiten von Theorie und Praxis (hier mehr ausf&#252;hrende T&#228;tigkeiten gemeint) aufgehoben wird sowie die der &#228;sthetischen/spielerischen und wissenschaftlichen Formen der Aneignung von Wirklichkeit (der Zuordnungen dieser zu relativ getrennten Personenkreisen). Diese Annahme bzw. Suche steht auch hinter meinem Text, unsere Theorieformen betreffend (sh. Wei&#223;, nicht nur Theorie, open theory)</p>
<p><strong>Stefan:</strong> Mit diesem Test sch&#252;ttest das Kind mit dem Bade aus. Greifst mit der b&#252;rgerlichen Form von Wissenschaft die Wissenschaft, die Aufkl&#228;rung &#252;berhaupt an.</p>
<p><strong>Johannes:</strong> Auch wenn der Begriff belastet ist, ich will so etwas wie einen wissenschaftlichen Sozialismus. Eigentlich ist doch der b&#252;rgerliche Wissenschaftsbetrieb dabei, wissenschaftliche Anspr&#252;che aufzugeben zugunsten einer kurzatmigenVerwertungs- und Eventkultur. Ich dagegen will Wissenschaft retten.</p>
<p><strong>Uli:</strong> Wie geht das zusammen mit dem, was dich bei Soyinka so anspricht, was gerade nicht auf der Linie des abendl&#228;ndischen Wissenschaftsbegriffs liegt?</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wadk.de/2007/vom-ritual-zur-revolte-nachbereitung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Nachgeholtes Planungstreffen</title>
		<link>http://wadk.de/2007/nachgeholtes-planungstreffen/</link>
		<comments>http://wadk.de/2007/nachgeholtes-planungstreffen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 24 Jan 2007 09:57:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie / Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[» Treffen]]></category>
		<category><![CDATA[vorhaben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wadk.de/?p=165</guid>
		<description><![CDATA[Was w&#252;nschen wir uns f&#252;r 2007? Welche Themen wollen angehen oder weiterverfolgen? Welche Veranstaltungen wollen wir planen? Mittwoch, 31. Januar 2007, 18:00 Uhr, in »Pertisau« Stichpunkte zu Vorhaben 2007 (vom o.g. Treffen): Liselotte Welskopf-Henrich: &#8220;Das Blut des Adlers&#8221; (5 B&#228;nde) Marianne Fredriksson: &#8220;Marcus und Eneides&#8221; Max Weber Eske Bockelmann: &#8220;Im Takt des Geldes&#8221; (Einladen f&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Was w&#252;nschen wir uns f&#252;r 2007?</h3>
<p>Welche Themen wollen angehen oder weiterverfolgen? Welche Veranstaltungen wollen wir planen?</p>
<p>Mittwoch, 31. Januar 2007, 18:00 Uhr, in »Pertisau«</p>
<p>Stichpunkte zu Vorhaben 2007 (vom o.g. Treffen):</p>
<ul>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Liselotte_Welskopf-Henrich">Liselotte Welskopf-Henrich</a>: &#8220;Das Blut des Adlers&#8221; (5 B&#228;nde)</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marianne_Fredriksson">Marianne Fredriksson</a>: &#8220;Marcus und Eneides&#8221;</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weber">Max Weber</a></li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eske_Bockelmann">Eske Bockelmann</a>: &#8220;Im Takt des Geldes&#8221; (Einladen f&#252;r Juni? ⇒Uli fragt an)</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Weiss">Peter Weiss</a>: &#8220;&#196;sthetik des Widerstands&#8221; (&#8220;Kommunismus, eine Frage der Wahrnehmung?&#8221;)</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant">Immanuel Kant</a> &#8211; Konstitution des Subjekts</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wole_Soyinka">Wole Soyinka</a> &#8211; Nachbereitung der Veranstaltung vom 10. Januar 2007</li>
<li>Konkrete Utopie: Am Beispiel Arbeitsteilung &#8211; Herr-Knecht-Dialektik bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel">Hegel</a> &#8211; Historisch M&#246;gliches und Gewolltes</li>
<li>Lieder der Arbeiterbewegung &#8211; &#8220;Kann nicht mehr gesungen werden?&#8221;</li>
<li>Theorie &amp; Praxis</li>
<li>Neues zur Theorie des Informationskapitalismus (mit Sabine Nuss und Ernst Lohoff)</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_H%C3%B6lderlin">Friedrich H&#246;lderlin</a> &#8211; Die Wirklichkeit des M&#246;glichen</li>
</ul>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wadk.de/2007/nachgeholtes-planungstreffen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Film: »Matrix«</title>
		<link>http://wadk.de/2006/film-matrix/</link>
		<comments>http://wadk.de/2006/film-matrix/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 30 Aug 2006 11:57:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[» Treffen]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wadk.de/?p=187</guid>
		<description><![CDATA[Wir gucken und diskutieren den Film »Matrix«. Mittwoch, 6.9.2006, 17:00 Uhr in »Pertisau«.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir gucken und diskutieren den Film <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Matrix_(Film)">»Matrix«</a>.</p>
<p>Mittwoch, 6.9.2006, 17:00 Uhr in »Pertisau«.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wadk.de/2006/film-matrix/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
