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	<title>Wege aus dem Kapitalismus &#187; Geschichte</title>
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		<title>Audio-Dokumentation der Kommunismus-Veranstaltung</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Sep 2009 13:00:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Audio-Dokumentation der Verstaltung »Philosophische Spekulation – Wissenschaft – konkrete Utopie?« der Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus« vom 11./12. September 2009 liegt vor. Sie besteht aus sechs Teilen (direkte Download-Links auf die OGG-Dateien): Freitag, 11.9.: Vortrag, erster Teil (Dauer 1:45 Std., Größe 47,0 MB) Diskussion (Dauer 0:55 Std., Größe 24,3, MB) Samstag, 12.9.: Vortrag, zweiter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Audio-Dokumentation der Verstaltung <a href="http://wadk.de/2009/philosophische-spekulation-wissenschaft-konkrete-utopie/">»Philosophische Spekulation – Wissenschaft – konkrete Utopie?«</a> der Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus« vom 11./12. September 2009 liegt vor. Sie besteht aus sechs Teilen (direkte Download-Links auf die OGG-Dateien):</p>
<p>Freitag, 11.9.:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-1.ogg">Vortrag, erster Teil (Dauer 1:45 Std., Größe 47,0 MB)</a></li>
<li><a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-2.ogg">Diskussion (Dauer 0:55 Std., Größe 24,3, MB)</a></li>
</ul>
<p>Samstag, 12.9.:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-3.ogg">Vortrag, zweiter Teil, mit Diskussion dazwischen (Dauer 2:01 Std., Größe 54,5 MB)</a></li>
<li><a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-4.ogg">Diskussion mittags (Dauer 0:25 Std., Größe 11,5 MB)</a></li>
<li><a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-5.ogg">Diskussion nachmittags (Dauer 1:37 Std., Größe 43,3 MB)</a></li>
<li><a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-6.ogg">Abschluss (Dauer 0:21 Std., Größe 9,5 MB)</a></li>
</ul>
<p>Die Dateien liegen auf einer <a href="http://www.archive.org/details/kommunismen-in-der-zeit">eigenen Seite bei archive.org</a>. <span style="text-decoration: line-through;">Dort stehen die Daten auch im MP3-Format und als Streaming zum direkten Anhören zur Verfügung.</span></p>
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		<title>Philosophische Spekulation – Wissenschaft – konkrete Utopie?</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Jul 2009 08:59:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Politische Ökonomie]]></category>
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		<description><![CDATA[Zur Zeitbezogenheit marxistischer Kommunismusvorstellungen Veranstaltung der Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus« Datum: Freitag, 11. September 2009, 19:00 Uhr, und Seminar am Samstag, 12. September 2009, 10:00 Uhr in Berlin Ort: Helle Panke, Kopenhagener Str. 76, 10437 Berlin Der allseits siegende Kapitalismus rüttelt die Gesellschaften in einer Weise durch, dass nicht nur herrschende Neoliberale zu quasi [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Zur Zeitbezogenheit marxistischer Kommunismusvorstellungen</h3>
<p>Veranstaltung der Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus«</p>
<p>Datum: Freitag, 11. September 2009, 19:00 Uhr, und Seminar am Samstag, 12. September 2009, 10:00 Uhr in Berlin</p>
<p>Ort: Helle Panke, Kopenhagener Str. 76, 10437 Berlin</p>
<p>Der allseits siegende Kapitalismus rüttelt die Gesellschaften in einer Weise durch, dass nicht nur herrschende Neoliberale zu quasi staatssozialistischen Maßnahmen greifen. Auch dem Alltagsbewusstsein und selbst dem gehobenen Feuilleton kommen Zweifel an der Menschenverträglichkeit der herrschenden Produktionsweise. Das Schicksal der sich auf Marx beziehenden antikapitalistischen Bewegungen, die aus Katastrophen heraus zur Weltgeltung aufgestiegen waren, verbietet es nach solchen kommunistischer Alternativen zu streben, die früher vielen Menschen plausibel erschienen.</p>
<p>Im <strong>Vortrag </strong>und im <strong>Seminar </strong>geht es um das Eingebundensein kommunistischer Ideen in den jeweiligen Entwicklungsstand der kapitalistischen Produktionsweise, in die praktischen Anforderungen der entsprechenden sozialen Bewegungen und in die vorgefundenen Theorien. Daraus ist zwar unmittelbar keine Antwort auf das „Was tun?“ abzuleiten. Aber eine Diskussion über die frühere Zeitbezogenheiten der Vorstellungen von Wegen aus dem Kapitalismus kann für eine heutige Suche nach Alternativen sehr hilfreich sein.</p>
<p><span id="more-288"></span><strong>Freitag, 11. September 2009, 19.00 Uhr, Vortrag von Ulrich Weiß</strong></p>
<p>Zu einigen Zusammenhängen zwischen Entwicklungsphasen der kapitalistischen Produktionsweise, den Existenzbedingungen marxistisch-sozialistischer Bewegungen und historischen Kommunismusvorstellungen</p>
<p>Moderation: <strong>Stefan Meretz</strong></p>
<p><strong>Sonnabend, 12. September 2009, 10.00 bis 17.00 Uhr Seminar</strong></p>
<p>Bezogen auf die jeweils historischen Bedingungen und die vorgefundenen theoretischen Voraussetzungen werden Kontinuitäten und Brüche in den Sozialismus- und Kommunismusvorstellungen untersucht.</p>
<p>Seminarleitung: <strong>Annette Schlemm</strong> und <strong>Mathias Spiller</strong></p>
<p>Die Vorstellungen des jungen Marx von einer Gesellschaft der allgemeinmenschlichen Emanzipation blieben in der ganzen Geschichte der sozialistisch-kommunistischen Bewegung Gegenstand der Auseinandersetzung. Im Seminar werden einige seiner frühen Auffassungen und Methoden als Ausgangspunkte herausgearbeitet um dann ihr weiteres Schicksal zu verfolgen und zwar vor dem Hintergrund der realen Existenzbedingungen der auf Marx bezogenen Arbeiterbewegung und seiner späteren Kritiken der Politischen Ökonomie.</p>
<p><strong>Es werden folgende Hypothesen zur Diskussion gestellt:</strong></p>
<p>1. Die tatsächliche Entwicklung des Kapitalismus, der Arbeiterbewegung und des Real-“Sozialismus“ entzog der Bestimmung des Kommunismus als einer schon vorhandenen „wirklichen Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt&#8221; die reale Basis.</p>
<p>2. Im heutigen Spätkapitalismus und in neuen sozialen Räumen jedoch sind einige der frühen Marxschen Annahmen tatsächlich auf real Mögliches beziehbar, werden sie zur „konkreten Utopie&#8221; (Bloch).</p>
<h3>Karl Marx</h3>
<p><strong>1842 – 45</strong></p>
<p>Vom ambitionierten bürgerlichen Demokraten zum Kommunisten – ein spekulatives Hinausdenken über eine noch nicht entfaltete Gesellschaft</p>
<p><strong>1857/58</strong></p>
<p>Ein Revolutionär widerlegt sich selbst. Die Annahme, der ökonomischen Krise folge notwendig die proletarische Revolution, treibt Marx zur Arbeit an den „Grundrissen der Kritik der Politischen Ökonomie“. Die dabei gewonnene Erkenntnis, wann eine auf Verwertung gegründete Produktionsweise überhaupt aufhebbar wird, attestiert dagegen dem Kapitalismus noch eine große Zukunft.</p>
<p><strong>1875</strong></p>
<p>Die tatsächlich erstarkende Arbeiterbewegung und die Fassungslosigkeit des Theoretikers. Marx&#8217; Kritik am Gothaer Programm der Sozialdemokratie – oder der Zwang, der Bewegung Bilder zu bieten.</p>
<p><strong>1892/98</strong></p>
<p>Die Arbeiterbewegung schreitet voran, das (End-)Ziel geht verloren. Kommunismus als Theorie der „Befreiung der gesamten Gesellschaft &#8230; ist in abstraktem Sinn richtig, aber in der Praxis meist schlimmer als nutzlos&#8221; (Engels 1892, Bernstein 1898). &#8220;Dieses Ziel, &#8230; ist mir gar nichts, die Bewegung alles.“</p>
<p><strong>1918/23</strong></p>
<p>Die Praxis der Revolution verschiebt das Ideal. Mangelnde Produktivität, mangelnde Kultur – Lenin weiß um das Dilemma und ändert die „ganze Auffassung vom Sozialismus grundlegend“. Mittel des sozialistischen Fortschritts?: „Die raffinierte Bestialität der bürgerlichen Ausbeutung“ (Taylorsystem) und die „&#8217;Fabrik&#8217;disziplin &#8230; auf die gesamte Gesellschaft“ erstreckt.</p>
<p><strong>1967 ff</strong></p>
<p>Relativ selbstständige Gesellschaftsformation und Real-“Sozialismus“. Die Gültigkeit der Kategorien der (kapitalistischen) Warenproduktion und die Mobilisierung des bürgerlichen Individuums – eine Abkehr vom Kommunismus mit System.<br />
<strong></strong></p>
<p><strong>Gegenwart</strong>: Die ökonomische Grundlage des Spätkapitalismus wird miserabel – die Möglichkeit des Kommunismus?</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Ulrich Weiß, Marx und der mögliche Sozialismus, Utopie kreativ, 17/2000, S.958 – 971 oder <a href="http://www.trend.infopartisan.net/trd0499/t090499.html">http://www.trend.infopartisan.net/trd0499/t090499.html</a>,</p>
<p>Stefan Meretz, Beiträge zur Keimformdiskussion auf <a href="http://www.keimform.de/">http://www.keimform.de/</a></p>
<p>Weitere Thesen/Texte zum Thema bitte anfordern bei Ulrich Weiß: uli ÄT weiss-und-freunde PUNKT de</p>
<p>Eintritt: 1,50 Euro (Freitag), 5 Euro (incl. Mittag, Samstag)</p>
<p>Anmeldung bitte bei der <a href="http://www.helle-panke.de/topic/3.html?id=175&amp;action=register">Hellen Panke</a></p>
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		<title>Der frühe Marx zu Weltbildung des Kapitals – Logisches und Historisches</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jul 2009 21:49:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>UliW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit / Arbeitskritik]]></category>
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		<description><![CDATA[In den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten von Marx habe ich folgende Darstellung der logischen Entwicklung des Verhältnisses Kapital und Arbeit gefunden und daran einige Überlegungen geknüpft. Die berühren direkt sowohl unser letztes Hegel-Seminar (Begriffslogik) als auch das Kommunismus-Seminar und das folgende zu den Logiken von Hegel und Marx und eben die letzte Diskussion zu „Keimform wovon?“ Beste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten von Marx habe ich folgende Darstellung der logischen Entwicklung des Verhältnisses Kapital und Arbeit gefunden und daran einige Überlegungen geknüpft. Die berühren direkt sowohl unser letztes Hegel-Seminar (Begriffslogik) als auch das <a href="http://wadk.de/2009/philosophische-spekulation-wissenschaft-konkrete-utopie/">Kommunismus-Seminar</a> und das folgende zu den Logiken von Hegel und Marx und eben die letzte Diskussion zu <a href="http://wadk.de/2009/keimform-wovon/">„Keimform wovon?“</a></p>
<p>Beste Grüße Uli</p>
<p><span id="more-274"></span>Marx:</p>
<blockquote><p>„ &#8230; das noch unvollendete Kapital &#8230; muß im Laufe seiner Weltbildung zu seinem abstrakten, d.h. reinen Ausdruck gelangen. -<br />
Das Verhältnis des Privateigentums ist Arbeit, Kapital und die Beziehung beider. Die Bewegung, die diese Glieder zu durchlaufen haben, sind:<br />
Erstens – unmittelbare oder vermittelte Einheit beider.<br />
Kapital und Arbeit erst noch vereint; dann zwar getrennt und entfremdet, aber sich wechselseitig als positive Bedingungen hebend und fordernd.<br />
[Zweitens -]Gegensatz beider. Schließen sich wechselseitig aus; der Arbeiter weiß den Kapitalisten und umgekehrt als sein Nichtdasein; jeder sucht dem andren sein Dasein zu entreißen.<br />
[Drittens -]Gegensatz jedes gegen sich selbst. Kapital = aufgehäufter Arbeit = Arbeit. Als solche zerfallend in sich und seine Zinsen, wie diese wieder in Zinsen und Gewinn. Restlose Aufopferung des Kapitalisten. Er fällt in die Arbeiterklasse, wie der Arbeiter &#8211; aber nur ausnahmsweise &#8211; Kapitalist wird. Arbeit als Moment des Kapitals, seine Kosten. Also der Arbeitslohn ein Opfer des Kapitals.<br />
Arbeit zerfallen in sich und den Arbeitslohn. Arbeiter selbst ein Kapital, eine Ware.<br />
Feindlicher wechselseitiger Gegensatz.“ [1]</p></blockquote>
<p><strong>Logische Entwicklung des Verhältnisses Kapital und Arbeit</strong></p>
<p>Marx stellt hier eine logische Entwicklung des Verhältnisses Kapital – Arbeit dar. Leider führt er diesen Entwurf nicht weiter aus. Dem mit der Hegelschen Logik Vertrauten ist aber klar, dass es hier nicht um die Darstellung einer historischen Entwicklung geht, sondern um eine kategoriale Rekonstruktion der Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit. Es ist in der kapitalistischen Wirklichkeit auch nicht so, dass etwa eine der drei genannten Bestimmungen des Verhältnisses Kapital-Arbeit die anderen beiden ausschließt. Schon aus diesem Grunde kann die tatsächliche historische Entwicklung des Grundgegensatzes der kapitalistischen Produktionsweise nicht im direkten Zugriff entlang einer solchen logischen Entwicklung Hegel-/Marxscher Kategorien dargestellt werden. Wir finden vielmehr auf jeder Stufe ihrer historischen Entwicklung sowohl die unmittelbare oder vermittelte Einheit von Kapital und Arbeit (o.g. erste Entwicklung) als auch deren wechselseitiges Ausschließen (tödlicher Gegensatz) sowie die Tatsache, dass jede Seite den Gegensatz zur anderen in sich selbst entwickelt (drittens).</p>
<p>Die einstige revolutionäre Sozialdemokratie und später die Parteien der kommunistischen Internationale bzw. der reale Sozialismus sind in ihrem Selbstverständnis von der sogenannten antagonistische Beziehung zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie ausgegangen. Sie haben sich also eher auf den zweiten Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit als auf die anderen beiden bezogen und für sich – zumindest in der Theorie – die beiden anderen Bestimmungen ausgeschlossen. Beide Seiten verstanden sie sozusagen als ein festgeronnenes Ausschließen des anderen. „Feuer oder Wasser“. Entweder-Oder. So fasste etwa E. Honecker den sogenannten Klassenstandpunkt. [2] So schilderte es J. Reed in seinem Revolutionsbericht von 1917. [3] Ein Ineinanderübergehen beider Seiten konnte von diesem Standpunkt aus höchstens verstanden werden als etwas der eigenen Klasse bloß Äußerliches, ihre inneren Bestimmungen überhaupt nicht Berührendes, als Deklassierung oder Verrat einzelner Individuen. So standen sich in der Logik der zweiten Bestimmung und unter Ausschließung der anderen tatsächlich in einer ausschließenden und fast tödlichen  Weise zwei Weltsysteme gegenüber.</p>
<p>Und doch bestand auch in diesen schärfsten Konfrontationen die „Einheit beider“ im Sinne der ersten wie der dritten Bestimmung („Gegensatz jedes gegen sich selbst“). Auch die letztere Bestimmung war in jener Zeit eine treffende Beschreibung des Verhältnisses Kapitalismus/Sozialismus, Kapital/Arbeit und der jeweiligen inneren Entwicklung beider Seiten. Es gab nicht nur Handels-, wissenschaftliche, politische und persönliche Beziehungen zwischen den „Systemen“ sondern auch kalte oder sogar heiße Kriege, die diese Einheit der Gegensätze „vermittelten“. Die Konvergenztheorie [4] der 1960er Jahre drückte auf ihre Weise eine Anerkennung dieser Einheit beider aus. Der Marxismus-Leninismus reagierte mit ideologischen Kampagnen gegen diese Theorie, die in keiner Weise in die Feuer-Wasser-Bestimmungen passte. Sie behauptete ein zukünftig unumgängliches Ineinanderaufgehen der beiden Systeme und brachte damit eine tatsächliche Entwicklung zum Ausdruck. Dies geschah allerdings unbegriffen, da diese Entwicklung ohne Verständnis für die sozialökonomischen Formen als Wirkung einer technischen Entwicklung an sich angesehen wurde, der damals beginnenden wissenschaftlich-technischen Revolution. [5]</p>
<p>Der heutige historische Standort macht die Gleichzeitigkeiten der drei o.g. Bestimmungen im Verhältnis Kapital/Arbeit leichter erkennbar, damit eben auch die (wachsende) Gültigkeit der o.g. dritten Bestimmung. Die schärfste Systemkonfrontation ist inzwischen aufgehoben und zwar auf eine friedliche Weise, die weder Freund noch Feind für möglich gehalten hatten. Der historisch-zivilisatorische Sinn der besonderen östlichen (nachholenden) Variante der bürgerlich-kapitalistischen Form von Vergesellschaftung, die fast allgemein als der totale Gegensatz zum Westen (miss-)verstanden wurde, hatte sich im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts erfüllt. Der Zusammenbruch des Ostens ist Ausdruck und Katalysator einer tiefen Krise, in die die kapitalistische Formation insgesamt geraten ist. Es ist heute auch in der Utopie nicht mehr vorstellbar, dass eine Alternative zum Ganzen dadurch etabliert werden könnte, dass einer der Seiten des Verhältnisses Kapital und Arbeit „dem andren sein Dasein zu entreißen“ sucht, das Proletariat der Bourgeoisie etwa die Produktionsmittel.</p>
<p>Die großen proletarischen Klassenkampforganisationen können immer weniger eine relativ eigenständige Lebenswelt konstituieren, die in weitgehend ausschließender Gegensätzlichkeit zu der der Unternehmerschaft steht und die sich als ein potentieller gesellschaftlicher Gegenentwurf verstehen kann. In den Metropolen sind sie immer mehr gezwungen, in defensiven Kämpfen um die Bewahrung von Interessen ihrer schwindenden Mitgliedschaft Co-Management zu betreiben, also in ihrem Klientel selbst die traditionellen Funktionen des Kapitals zur Geltung zu bringen. Diese Kämpfe können auch immer weniger für sich in Anspruch nehmen, dem allgemeinen zivilisatorischen Fortschritt zu dienen. Das Ringen etwa um die Bewahrung von gewaltigen Überkapazitäten im Automobilbau, um die Weiterführung von ökologisch verheerenden Produktionen, um den Erhalt von Lohnarbeit überhaupt, all das ist wie die kapitalistische Produktionsweise insgesamt inzwischen als Bedrohung der menschlichen Zivilisation zu begreifen. Die proletarischen Organisationen, sofern sie noch eine gesellschaftliche Macht darstellen, werden so zu Instrumenten zur Durchsetzung oder Bewahrung von solchen Sonderinteressen, die einer allgemeinmenschlichen Emanzipation zunehmend entgegenstehen. Damit wächst der Zwang aber auch die Möglichkeit jenseits der Hoffnung auf die proletarische Revolution nach Alternativen sowohl zum (westlichen) Kapitalismus als auch zum einstigen „Sozialismus“ zu suchen.</p>
<p>Es ist heute leichter als in den Zeiten der schärfsten Klassen- und Systemkonfrontationen zu verstehen, dass immer schon in der Geschichte der kapitalistischen (und real-“sozialistischen“) Produktionsweise jede Seite nicht nur der ausschließende Gegensatz des anderen war, sondern auch die Bestimmungen das anderen in sich reproduzierte – das was im anderen bekämpft wurde. So reproduzierten sich – hier auf staatskapitalistische Art – im Osten Klassen- und Monopolverhältnisse, eine so genannte „sozialistische“ Warenproduktion gemäß den Kategorien der Marxschen Kritik der (kapitalistischen) Politischen Ökonomie, die in enger Anlehnung daran in der positiv gemeinsten sogenannten Politischen Ökonomie des Sozialismus Anwendung fand (in der Volks- und Betriebswirtschaftslehre und im allgemeinen ML-Unterricht). Obgleich die Reproduktion von Verhältnissen stattfand, die zu überschreiten der „Sozialismus“ im ursprünglichen Selbstverständnis eigentlich angetreten war, obwohl damit kein Schritt auf die angenommene kommunistische Zukunft hin unternommen wurde, ist diese „Abweichung“ nicht primär zu begreifen als Ausdruck einer fehlerhaften Politik der führenden Parteien, falscher Theorien usw., sondern als eine, den gegebenen Möglichkeiten durchaus adäquate Form einer gesellschaftlichen Entwicklung, die notwendigerweise innerhalb der Grenzen der industriellen Warenproduktion verbleiben musste. Der Fehler vielmehr bestand in der Selbstbezeichnung „Sozialismus“ bzw. „Kommunismus“.</p>
<p>Der Westen entwickelte seinerseits etwa mit dem New Deal, dessen Akteure wiederholt der Einführung des Kommunismus bezichtigt wurden, sowie mit der späteren sogenannten sozialen Marktwirtschaft eine enorme und lange Zeit unverzichtbare Ausweitung der sozialen Funktionen des Staates, planwirtschaftliche Elemente, die ansonsten zur Denunziation des Ostens genutzt wurden.</p>
<p>Das muss hier als Einwand genügen gegen eine umstandslose Lesart der Marxschen logischen Entwicklung des Verhältnisses Kapital und Arbeit als eine Beschreibung eines realen Geschichtsprozesses.</p>
<p><strong>Historische Entwicklung des Verhältnisses Kapital – Arbeit</strong></p>
<p>Dies vorausgesetzt kann man mit dem Blick etwa auf Marx&#8217; spätere Arbeiten [6], auf die sehr unterschiedlichen Rezeptionen der Marxschen Theorie etwa bei Bernstein und Lenin [7], und vor allem auf die tatsächliche historische Entwicklung des innerkapitalistischen Klassenkampfes Kapital – Arbeit auch sagen:<br />
In der logischen Entfaltung des Verhältnisses von Kapital und Arbeit, in der kategorialen Entwicklung des „unvollendeten Kapitals“ zu „seiner Weltbildung“, kann man im globalen Sinne auch eine Antizipation zeitlich aufeinander folgende Entwicklungsphasen des Verhältnisses Kapital-Arbeit erkennen und zwar im Sinne einer Dominanz über die jeweils anderen, ebenfalls gültigen Bestimmungen.</p>
<p>So wurde von den Generationen seit Marx&#8217; Zeiten bis in jüngere Geschichte hinein der „Gegensatz beider“, Kapital und Arbeit schließen sich wechselseitig aus &#8230; jeder sucht dem andren sein Dasein zu entreißen“, also die zweite Bestimmung der oben zitierter Marxscher Entwicklung, als dominierende Wirklichkeit erlebt. Diese Bestimmung kann gelesen werden eben als eine konzentrierte Zusammenfassung des Selbstverständnisses und der versuchten Praxis der einst revolutionären Sozialdemokratie und der kommunistischen Internationale bzw. des realen „Sozialismus“. Diese Vorstellungen waren in  dieser Zeit unverzichtbare Voraussetzungen für die große Wirksamkeit der proletarischen Bewegung und dieser Institutionen. „Übersetzt“ man diese logische Entwicklung von Marx im Sinne der Hervorhebung der historisch jeweils dominierenden Tendenz so kann man heute auch die dritte Bestimmung als eine theoretische Vorwegnahme sich immer mehr zur Geltung bringender Entwicklungen innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise verstehen: „Feindlicher wechselseitiger Gegensatz“, allerdings ein „Gegensatz jedes gegen sich selbst.“ „Arbeit als Moment des Kapitals, &#8230; Arbeiter selbst ein Kapital.“ [8]</p>
<p>Die soganannten Ich-AGs, die Unmengen von Menschen in prekären Selbständigkeiten aber auch durchaus besser situierte freischaffende Projektentwickler, die ihre gesamte Existenz im Sinne der Verwertbarkeit ihres gesamten Lebens beständig neu entwerfen müssen, aber auch die neuen Anforderungen an Teams innerhalb der kapitalistischen Großproduktion, die sich innerhalb der Abeitsteilung selbst als Profitcenter, als quasi eigenständige Unternehmen, zu behaupten haben – all das soll hier symbolisch stehen für diesen heute immer wirklicher werdenden Prozess, in dem die unmittelbaren Produzenten massenhaft auch solche Funktionen in sich hineinnehmen, die früher entschieden mehr an Unternehmer selbst bzw. an ihre Manager gebundene waren bzw. die in Form der großen Maschinerie eben als Maschine das Kapitalverhältnis direkt gegenüber etwa den Fließbandarbeitern zur Geltung brachte (Marx handelt dies später ab unter der Kategorie reelle Subsumtion). In diesen neueren Entwicklungsformen des Verhältnisses Kapital/Arbeit „wandert“ der Gegensatz noch entschieden mehr als in den früheren Formen und direkt in die agierenden Individuen hinein: „jedes gegen sich selbst“. In der Ich-AG rebelliert der Proletarier in mir gegen mich selbst, der ich in eigener Verantwortung mich als mich selbst verwertender Wert dressieren muss. Meine menschlichen Bedürfnisse rebellieren gegen beide, gegen den kapitalistischen Entwerfer, Dirigenten, Kontrolleur, Antreiber, zu dem ich mir selbst gegenüber geworden bin, und gegen den proletarischen Arbeiter in mir, der im Interesse seiner Existenz gegen jene Zumutungen Widerstand leistet, die meine Existenz als eine sich selbst unternehmende Ware Arbeitskraft sichert. Ein Dilemma, das nicht im Widerstand gegen andere Menschengruppen, die Bourgeoisie etwa, oder noch begriffloser eng gefasst, gegen die sogenannten Heuschrecken, aufgelöst oder in den Folgen gedämpft werden kann, nicht einmal mehr vorübergehend. Dies ist eine  Gegensätzlichkeit, eine innere Zerrissenheit, aus der keine noch so große Klassenorganisation heraus helfen kann, kein Sozialstaat, auch kein proletarischer, sondern nur eines: die völlige Aufhebung von Kapital und Arbeit selbst, von Warenproduktion, und zwar durch eine solche soziale Form von Produktions- und Lebensweise, die nicht über Wert und Staat vermittelt ist.</p>
<p>Seitdem sich die kapitalistischen Produktionsweise auf ihrer eigenen Grundlage entwickelt war diese o.g. Marxsche dritte Bestimmung immer schon vorhanden. Aber in der heutigen postfordistischen Phase wird sie zur dominierenden Erscheinung des Verhältnisses Kapital-Arbeit. Dies legt ganz andere Vorstellungen von einer nichtkapitalistischen Gesellschaft nahe als dies möglich war in den Zeiten der großen Klassen- und Systemkämpfe, in denen sich die Gegensätzlichkeit von Kapital und Arbeit als tödliche Feindschaft sich äußerlich gegenüberstehenden großer Menschengruppen und Staaten darstellte. Die Konstitution der neuen Gesellschaft war da massenhaft nur vorstellbar als Sieg der einen Seite über die angeblich ganz andere, mit der man nichts gemein hatte, der man etwa die Produktionsmittel, den Staat, die Herrschaft über die ideologischen Institutionen, also „sein Dasein zu entreißen“ hatte.</p>
<p>In der dritten Bestimmung der Marxschen logischen Entwicklung des Verhältnisses Kapital-Arbeit und eben angesichts heutiger realer Entwicklungen eröffnen sich theoretisch und praktisch ganz andere Wege aus dem Kapitalismus als dem früher geschichtsmächtigen Arbeiterbewegungsmarxismus der zweiten und dritten Internationalen oder aus der Sicht großer gewerkschaftlicher Kämpfe.</p>
<p>Die möglichen Momente einer solchen neuen Vergesellschaftung, deren Voraussetzungen in der jetzigen entstehen, können nur in solchen sozialen Räumen und Bewegungen ihre eigene neue Logik entwickeln, die von vornherein jenseits der Grundstrukturen der kapitalistischen Produktions- und Lebensweise agieren, jenseits der Vermittlung durch Wert, Staat, Ideologie, durch solche, die in ihren keimförmigen Existenzen bereits die Auflösung genau dieser Grundstrukturen sind.</p>
<p>Der frühe Marx suchte nach einer sozialen Kraft, die die kapitalistische Gesellschaft aufheben könnte, und nach sozialen Formen, in denen das geschehen konnte. Irrtümlicher Weise – dies machte ihm kommunistisches Denken überhaupt erst möglich – glaubte  er, dies im Proletariat gefunden zu haben: Er bestimmte das Proletariat als eine „Klasse der bürgerlichen Gesellschaft, welche keine Klasse der bürgerlichen Gesellschaft ist“ sondern deren Auflösung [9]. Das Geniale an diesem Irrtum von Marx war, dass er in einer Zeit, in der die tatsächlichen Subjekte der Aufhebung des Kapitalismus durch eine neue Gesellschaft noch nicht erkennbar sein konnten, u.a. eine solche Charakteristik eines potentiellen Subjektes der Aufhebung gab: keine Klasse der bürgerlichen Gesellschaft sondern ihre Auflösung. Es ist zu fragen, inwiefern dies auf heute sich entwickelnde Praxen, auf sozialen Räume zutrifft, die sich jenseits von Verwertungs- und Herrschaftslogiken konstituieren und in denen die Akteure für sich selbst und für andere Menschen jenseits von Wert- und Herrschaftsvermittlung allgemein zugänglichen Reichtum produzieren. Es ist zu fragen, inwiefern solcherart tatsächlich Keimformen, also verallgemeinerbar sein können. Mittels der Marxschen Bestimmungen könnten sich heute entsprechende Assoziationen in ihrer historischen Potenz selbst begreifen.</p>
<p>Ulrich Weiß</p>
<p><strong>Fußnoten</strong></p>
<p>[1]  Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, MEW EB I/529.</p>
<p>[2] Erhard Eppler zitiert im Sozialdemokratischen Pressedienst vom 17. Februar 1988 Erich Honecker: „Kapitalismus und Sozialismus verhalten sich zueinander wie Feuer und Wasser.“ Er fügt hinzu: Dieser „könnte der Zustimmung Reagans für seinen eingängigen Satz sicher sein.“</p>
<p>[3]  „Am Stationseingang standen zwei Soldaten mit Gewehren und aufgepflanzten Bajonetten, umringt von zirka hundert hitzig auf sie einredenden Geschäftsleuten, Regierungsbeamten und Studenten. Die Soldaten waren unzugänglich &#8230; . Ein großer junger Mann &#8230;. in der Uniform eines Studenten, führte das Wort. „Ihr werdet doch wohl begreifen, daß ihr euch zu Werkzeugen von Mördern und Verrätern macht, wenn ihr die Waffen gegen eure Brüder erhebt&#8221;, sagte er in unverschämtem Ton. „Ach, Bruder&#8221;, antwortete der Soldat ernsthaft, „du verstehst nicht. Es gibt zwei Klassen. Kannst du das nicht sehen? Das Proletariat und die Bourgeoisie. Wir&#8230;.&#8221; Oh, ich kenne dieses dumme Gerede &#8230; Ich bin selbst Marxist! &#8230; Du scheinst zu glauben, Lenin ist ein aufrichtiger Freund des Proletariats &#8230; weißt du dann auch, daß Lenin in einem geschlossenen Zuge durch Deutschland gefahren ist und daß er von den Deutschen Geld genommen hat?&#8221; „Davon weiß ich nichts&#8221;, antwortete der Soldat. „Aber mir scheint, daß er gerade das sagt, was ich und meinesgleichen hören wollen. Es gibt zwei Klassen, die Bourgeoisie und das Proletariat.&#8221; Du bist ein Narr, mein Freund. Ich habe zwei Jahre lang in der Schlüsselburg gesessen, als du noch Revolutionäre niederschossest &#8230; Und ich bin ein Gegner der Bolschewiki, die unser Rußland und die Revolution zugrunde richten. Wie erklärst du dir das?&#8221; Der Soldat kratzte sich am Kopf. „Das kann ich mir nicht erklären. Mir erscheint die Sache ganz einfach; aber ich bin ja kein gebildeter Mann. Es gibt nur zwei Klassen, die Bourgeoisie und das Proletariat&#8230;&#8221; Da kommst du schon wieder mit deinen dummen Phrasen&#8221;, schrie der Student. „Nur zwei Klassen&#8221;, fuhr der Soldat hartnäckig fort, und wer nicht auf der einen Seite ist, der ist auf der anderen.&#8221; John Reed, 10 Tage, die die Welt erschütterten. <a href="http://www.ml-werke.de/andere/reed.htm">www.ml-werke.de/andere/reed.htm</a>, 17. Juli 2009</p>
<p>[4]  „Sozialwissenschaftliche und politisch-ökonomische These der 1950er/1960er Jahre, die von einer strukturell bedingten Annäherung zwischen kapitalistischen und sozialistischen Systemen ausging: Da beide Ideologien und Wirtschaftsformen mit den gleichen innergesellschaftlichen Anforderungen der modernen Industrieproduktion konfrontiert sind (z.B. Arbeitskräftekonzentration, hochgradige Arbeitsteilung, zunehmender Kapitalbedarf, Abkehr vom Familieneigentum, zunehmende Effizienzsteigerung), werden sie sich organisatorisch, technisch und wirtschaftlich angleichen.“ &#8212; Lexikon der Bundeszentrale der Politischen Bildung, Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 4., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2006. <a href="http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=9WCT23">www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=9WCT23</a>, 21.07. 2009</p>
<p>[5]  Die dementsprechende Kritik von Marxisten, dass die technische Entwicklung und deren Konsequenzen ohne Verständnis der sozialen Formen der Produktionsweise in Ost und West betrachtet werden, war zutreffend. Problematisch ist der Standpunkt, von dem aus diese berechtigte Kritik geleistet wird, die Annahme, die sogeannte sozialistische Warenproduktion und der westliche industrielle Warenproduktion und die mit beiden verbundenen Klassen- und Herrschaftsstrukturen seinen von gegensätzlicher, einander ausschließender sozialökonomischer Qualität. Siehe Stichwort „Konvergenztheorie“, Philosophisches Wörterbuch“, Leipzig 1996, Hg. Georg Klaus und Manfred Buhr, Bd. 2, S. 599ff.</p>
<p>[6]   In den Grundrissen der Kritik der Politischen Ökonomie kam Marx zu Aussagen über einen Entwicklungsstand der kapitalistischen Produktionsweise, der Produktivität menschlicher Arbeit, der technischen Entwicklung und der Entwicklung des Charakters der Arbeit noch innerhalb des Kapitalismus, die die sachlichen und menschlichen Voraussetzungen dafür hervorbringen, dass die kapitalistische Form der Reichtumsproduktion zu miserablen Grundlage und die wertvermittelte Produktionsweise aufhebbar wird. Dies Aussagen sind logische Entwicklung und Antizipation eines zukünftigen Zustandes in einem. MEW 24/592ff.6  In den Grundrissen der Kritik der Politischen Ökonomie kam Marx zu Aussagen über einen Entwicklungsstand der kapitalistischen Produktionsweise, der Produktivität menschlicher Arbeit, der technischen Entwicklung und der Entwicklung des Charakters der Arbeit noch innerhalb des Kapitalismus, die die sachlichen und menschlichen Voraussetzungen dafür hervorbringen, dass die kapitalistische Form der Reichtumsproduktion zu miserablen Grundlage und die wertvermittelte Produktionsweise aufhebbar wird. Dies Aussagen sind logische Entwicklung und Antizipation eines zukünftigen Zustandes in einem. MEW 24/592ff.</p>
<p>[7]  Von einem jeweils unterschiedlichem Entwicklungsniveau der kapitalistischen Produktionsweise ausgehend, sahen sie sozusagen einzelne der o.g. Marxschen Bestimmungen das Verhältnisses Kapital/Arbeit als die entscheidenden an. Bernstein sah die proletarische Bewegung für eine noch unbestimmte Zeit mehr als ein relativ selbständiges Moment des organischen Ganzen bürgerliche Gesellschaft. Konsequenterweise sah er die Vorstellung vom sogenannten Endziel der proletarischen Bewegung, dass als Ergebnis einer letzten (Vernichtuns-)Schlacht begriffen und besungen wurde, als eine für die tatsächlich anstehenden Kämpfe des (deutschen) Proletariats lässliche propagandistische Floskel an. Lenin dagegen bewegte sich viel mehr in den Kategorien der Marxschen zweiten Bestimmung. Er agierte bezogen auf einen Weltteil, der in voller Konkurrenz zum westlichen entwickelten Kapitalismus stehend selbst eher an einem Mangel an bürgerlich-kapitalistischer Entwicklung litt als an solchen Krisen, die bereits deren zivilisatorische Überlebtheit anzeigten. Was die schwache russische Bourgeoisie nicht vermochte, schaffte der russische Staatskapitalismus unter bolschewistischer Führung: Die ursprüngliche Akkumulation, die weitgehende Proletarisierung der Bevölkerung. Dies geschah in einer solch forcierten Weise, dass tatsächlich eine solche industrielle Warenproduktion zustande kam, die sich (bis an die Grenzen, die der Fordismus setzte) in der internationalen Konkurrenz behaupten konnte. Dies erschien als ein Daseinskrieg gegen die Weltbourgeoisie und auf diese Auseinandersetzung wurden auch die inneren Konflikte projiziert, die sich notwendig mit der industriellen Warenproduktions und der entsprechenden Klassenspaltung ergab.</p>
<p>[8]  Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, MEW EB I/529.</p>
<p>[9]  Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. MEW 1/390.</p>
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		<title>Hubert Herfurth: Zur WAK- und Peer-Ökonomie Diskussion</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Jun 2009 15:39:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein paar Überlegungen zum Gesellschaftsverständnis der radikalen Linken am Beispiel neuester Äußerungen Uli Weiß (Quelle) Rückblickend lässt sich ja sehen, dass die frühzeitliche Nichtexistenz der Wertformen in den menschlichen Ur-Gemeinschaften gebunden war an sehr, sehr enge Lebensverhältnisse (der Begriff Kommunismus macht hier wenn überhaupt nur ebenso eng gefasst einen Sinn). Die Erweiterung dieser Lebensverhältnisse machte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Ein paar Überlegungen zum Gesellschaftsverständnis der radikalen Linken am Beispiel neuester Äußerungen Uli Weiß (<a href="http://docs.google.com/View?docid=dfr5rqhg_1jdpvgrf5">Quelle</a>)</h3>
<p>Rückblickend lässt sich ja sehen, dass die frühzeitliche Nichtexistenz der Wertformen in den menschlichen Ur-Gemeinschaften gebunden war an sehr, sehr enge Lebensverhältnisse (der Begriff Kommunismus macht hier wenn überhaupt nur ebenso eng gefasst einen Sinn). Die Erweiterung dieser Lebensverhältnisse machte das Aufkommen der Wertformen notwendig, weil die vorhandene Gesellschaftlichkeit dieser voneinander getrennten aber sich einander &#8216;nähernden&#8217; Gemeinschaften diese Trennung in Gänze nicht überwinden konnte.<span id="more-260"></span> Inzwischen leben wir einige tausend Jahre später nun in Zeiten, in denen die historische Be­grenztheit dieser Formen praktisch erfahrbar wird und daher zumindest das Nachden­ken über die Möglichkeiten zur Aufhebung einen Sinn macht, insbesondere wenn der Fundus des hinter uns liegenden realen Ge­schichtsprozesses in dieses Nach­denken einfließt. Damit sollte uns heute freilich aber vor allem klar sein, dass das übereilte Herbei­sehnen und Herbeireden der Aufhebung der Wertformen die dazuge­hörigen Verän­derungen im Ver­halten der Menschen, in ihrem Verhältnis zueinander nicht automa­tisch mit bedin­gen. Diese For­men sind ja nicht an sich überflüssig und sie stellen auch keinen Sün­denfall in der menschlichen Entwicklung dar. Die Veränderung der Verhältnisse braucht offenbar einfach mehr Zeit als erhofft oder ge­dacht. Auch Marx interpretierte in diesem Zusammen­hang die Zeichen seiner Zeit zumindest teil­weise geschichtsperpektivisch so falsch wie die russi­schen Okto­berrevolutionäre spä­ter praktisch – aber auch daraus lässt sich nur lernen oder das totale Scheitern wird andauern. So traurig das für un­sere individuellen Lebensspannen sein mag, weil sich ganz praktisch zeigt, dass dieser Aufhebungs-Traum im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden Zeit­spannen erstmal eben immer noch nur ein Traum bleiben wird (ich bin Jahrgang 56). Was aber zu­gleich überhaupt nicht ausschließt, das sich dies zukünftig ändert. Doch die genauere Einschät­zung dieser Problematik, die Klärung der Bedin­gungen also, die für diese Veränderung aller Wahr­scheinlichkeit nach notwendig sind, gelingt nicht ohne ein Einlassen auf die konkreten Zusammen­hänge. Die Leichtfertigkeit mit der Uli hier zu Ur­teilen kommt, die seinen eigenen, inhaltlichen Ein­schätzungen an anderer Stelle diametral entgegen stehen (Stichwort Sassulitsch) bereitet mir regel­recht Schmerzen beim Lesen.</p>
<blockquote><p><em>„Dass das Proletariat (und dessen Diktatur) der Schöpfer eines neuen Ganzen sein könn­te, das ist geschichtlich (und inzwischen auch logisch) widerlegt“ </em>(aus Ulis WAK mail).</p></blockquote>
<p>&#8220;Proletariat&#8221; ist hier immer noch nur ein Mythos und nicht einfach die &#8216;ganze&#8217; Gesellschaft (die es allerdings im Singular noch gar nicht gibt) der lohnabhängigen &#8220;ArbeiterInnen&#8221;, die sich ihres objek­tiven Zusammenhangs und der daran hängenden Möglichkeiten in der kapitalistischen Warenpro­duktion aber natürlich auch erstmal subjektiv bewusst werden müssen. Wobei ich hier unter &#8220;bewusst werden&#8221; vor allem einen praktischen Prozess verstehe, in dem aus dem Neben-, Durch- und Gegeneinander von ge­sellschaftlichen und (!) ungesellschaftlichen Ambitionen der gesellschaftlichen Akteure sich erst die wirklich gesellschaftlichen Zusammenhänge als die stärkeren durch setzen (müssen). Allerdings, ohne die berühmte, im Augenblick wie nie wirkende &#8220;Notwendigkeit&#8221; (z. B. ökonomische [Jahrhundert]-Kri­se und drohende Klimakatastrophe) ist dies für mich so wenig vorstellbar wie ohne die (selbst)kritische Betrachtung und Aufarbeitung der bisherigen (Bewegungs)geschichte.</p>
<p>Ulis angeblicher Beweis be­steht ja praktisch nur darin, dass eine bestimmte Vorstellung (!) vom Ergebnis des Geschichtspro­zesses bisher in der Tat nicht eingetreten ist. Abgerundet wird diese &#8220;Einsicht&#8221; mit dem inzwischen schon klassischen Lamento, das Proletariat ringe</p>
<blockquote><p><em>„gemäß seiner Interessenlage um den Erhalt der Ausbeutungsverhältnisse“</em> (ebenda),</p></blockquote>
<p>anstatt seiner eigentlichen Mission entsprechend, dem Kapital eben diese Ausbeutungsverhältnisse um die Ohren zu schlagen. Uli diskutiert hier so abstrakt wie ungenau. Schon sein Versuch in <a id="ml9l" title="http://www.keimform.de/2009/02/20/peer-oekonomie-in-der-diskussion-ii/#more-1276" href="http://www.keimform.de/2009/02/20/peer-oekonomie-in-der-diskussion-ii/#more-1276" target="_blank">&#8220;Kein Weg aus dem Kapitalismus!&#8221;</a> Christi­an Siefkes&#8217; Peer-Ökonomie Konzept von meiner Kritik <a id="zqhn" title="http://www.keimform.de/2008/12/11/hubert-herfurth-gesellschaftlichkeitsdefizit-in-der-peer-oekonomie/" href="http://www.keimform.de/2008/12/11/hubert-herfurth-gesellschaftlichkeitsdefizit-in-der-peer-oekonomie/" target="_blank">&#8220;Gesellschaftlichkeitsdefizite der Peer-Ökonomie&#8221;</a> freizustellen, basiert auf dem grundsätzli­chen Fehlverständnis der Gesellschaftlichkeitsproblematik, die letztlich durch keinen Modellvorbe­halt außer Kraft gesetzt werden kann. Im Gegenteil, das Modell muss zeigen, dass es diese Anforde­rungen in der Lage ist abzudecken oder die Grenzen müssen abgesteckt werden, bis wohin das Mo­dell aussagekräftig sein kann oder soll. Was Christian auch bei gutwilligster Interpretation aller­dings genau nicht macht, denn so hat er nach meiner Beobachtung (Treffen in Hattingen, Diskussion im Blog und Vortrag in Berlin) die Möglichkeit, je nach Publikum, zwischen Modellüberlegungen und der Definition von Produk­tionsweisen mit Realitäts-Charakter ziemlich beliebig hin und her zu springen. Methodisch ist das m. E. ein eher katastropha­ler Ansatz. Er zeigt aber, auf welch einem wissenschaftlichen Niveau sich viele linke Auseinan­dersetzungen bewegen. Uli wehrt die Kritik hier nicht ab, weil sie inhaltlich nicht passt, sondern weil sie ihm selbst nicht passt. Stattdessen formuliert er dann eine Kritik die auf einem Zirkel­schluss basiert, weil er die Freiheit vom Zwang zur Arbeit im Ziel („Kommunismus“) zur absoluten Voraussetzung schon für den Weg zum Ziel selbst macht.</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Die PRODUKTIONSTÄTIGKEIT, für die Christian ausdrücklich einen ÄUSSEREN ANTRIEB für notwendig hält, ist die UNGELIEBTE ARBEIT. Es ist eine Arbeit, die als OPFER angesehen wird. Man verrichtet sie nicht als Bedürfnis um ihrer selbst und um des konkreten Produktes Willen. Man leistet sie, um sich Ansprüche auf solche Güter zu erwerben, die von anderen Menschen hergestellt werden&#8221; in </em><a id="ml9l" title="http://www.keimform.de/2009/02/20/peer-oekonomie-in-der-diskussion-ii/#more-1276" href="http://www.keimform.de/2009/02/20/peer-oekonomie-in-der-diskussion-ii/#more-1276" target="_blank">&#8220;Kein Weg aus dem Kapitalismus!&#8221;</a></p></blockquote>
<p>Wenn er eine solche Voraussetzung wirklich ernst meinte, müssten die Veränderungsbestrebungen eigentlich als sinnlose eingestellt werden, denn wenn überhaupt, käme der Kapitalismus dann automatisch irgendwann dorthin oder nie. Er ist hier noch idealistischer als Christian, weil sein Ausgangspunkt noch weniger der Realität verhaftet ist.</p>
<p>Aber darüber hinaus verfehlt er selbst in diesem Ziel den eigentlichen Charakter dieser Arbeit – gesellschaftliche Arbeit zu sein &#8211; sehr weit­gehend, womit sich dann auch deutlich zeigt, dass es meine Gesellschaftlichkeitsvorstellungen selbst sind, die er für falsch hält bzw. halten muss.</p>
<p>Er schließt hier an Christians selbstbezüglichen Anfang an und lässt die gesellschaftlichen Bestimmungen, wie die dazugehörigen inhaltlichen Implikationen unbeachtet außen vor. Nega­tiv erwähnt er die Zwangsarbeit und positiv geht es um die schöpferische Selbstbetäti­gung (der Ar­beitenden), als Selbstzweck dieser Arbeit. Doch das dies nur funktioniert im Verhältnis &#8211; und dieses Verhältnis einer der Springpunkte ist, um den sich die Problematik hier dreht &#8211; zum Empfän­ger der erarbeiteten Dinge und Leistungen entfällt. Aber:  Arbeit ist  erst gesellschaftliche Arbeit, wenn sie nützli­che Arbeit für Andere ist. Sie dient deren Bedürfnisbefriedigung und damit deren Selbstentfaltung. Das eigene Selbst kann sich nur entfalten, entwickeln in der Anerkennung, Bejahung und Unterstützung aller anderen und ihrer Selbstentfaltung. Schon in der gerade wiedergegebenen Textstelle tauchten 2 Bedingungen auf, an denen Uli &#8220;kommunistische Arbeit&#8221; zu erkennen glaubt:</p>
<blockquote><p><em>Man muss sie verrichten um ihrer selbst willen und um des Produkts willen.</em></p></blockquote>
<p>Die Empfänger dieser Arbeiten, die Anderen, die Gesellschaft tauchen hier als direkter Grund jedoch überhaupt nicht auf. Die kommunistische Gesellschaftlichkeit erweist sich damit auch bei ihm als eine einzige Fehlstelle, weil er sie mit ihrer Spezifik nicht an einer Stelle berührt, benennt oder gar problematisiert.</p>
<p>Uli sieht in der Lohnarbeit nur den Zwang, nicht auch das Positive der Warenproduktion, das durch deren Aufhebung zu bewahren und auf eine höhere Stufe zu heben wäre. In der Gesellschaft der voneinander unabhängigen Privateigentümer wird die zugrunde lie­gend­e gesellschaftliche Abhängigkeit voneinander als Verhängnis erlebt <strong>und genau so spiegelt sich dies auch noch in den Veränderungsbestrebungen</strong>:</p>
<p><strong>Denn im Prinzip wird die Gesellschaft bei Uli wie bei Christian ebenfalls gebildet von einander unabhängigen Individuen, die jeweils nur ihrer Selbst­entfaltung verpflichtet sind</strong></p>
<p>und irgendwie gemeinsam und natürlich kooperativ ihre jeweiligen Be­dürfnisse befriedigen (als wenn in der kapitalistischen Produktion irgendetwas ohne Kooperation zustande käme). Das diese Gesellschaft zusammen haltende Band ist dem Handeln der Menschen damit schon vorausgesetzt und somit diesem Handeln völlig äußerlich &#8211; so lange das Eigeninteresse der Dreh- und An­gelpunkt bleibt und eine andere überprüfbare Definition ausbleibt.</p>
<p>Sein zunächst verständliches Bestreben, jeden Zwang auszuschließen, übersieht allerdings, das auch dieser Zwang kein der Gesellschaft äußerer ist. Er entspringt aus diesen gesellschaftlichen Verhältnissen. Aufzuheben ist er nur, wenn die Menschen in geänderten Verhältnissen zueinander ihrer Gesellschaftlichkeit einen anderen Ausdruck geben, so dass der äußere Zwang seine Notwendigkeit verliert, eben weil er nicht mehr gebraucht wird, wenn die Menschen sich zueinander anders verhalten.</p>
<p>Die Probleme welche das Proletariat hat, wenn es sich als EIN SUBJEKT, mit EINEM gemeinsamen Interesse kon­stituieren muss auf der Basis ei­ner größeren, immerhin mehrere Milliarden Individuen fassende An­sammlung unterschiedlicher Menschen, aus unterschiedlichen sozialen Lagen, aus unterschiedlichen Betrieben, aus unterschiedlichen Pro­duktions- und Arbeitssphä­ren, aus unterschiedlichen Ländern, mit unterschiedlichen Sprachen sieht Uli nicht, noch interessiert er sich dafür. ER setzt dieses SUBJEKT und die dazugehörigen INTERESSEN einfach BEGRIFFLICH ein, und wenn diese BEGRIFFE nicht so funktionieren, wie ER es braucht, KONSTRUIERT er sich neue &#8211; als wenn die begrifflichen Fest­legungen automatisch identisch mit dem realen Geschichtsprozess sein könnten oder gar identisch sein müssten. Christian Siefkes etwa beschreibt den so realen wie gegenwärtigen Ausgangspunkt der Warenproduktion – Produktion für andere zu sein – völlig richtig und glaubt dann doch, mit seiner begrifflichen Abkehr von dieser Realität und dem Wechsel zu einem überschau­bareren, faktisch jedoch genauso idealistischen &#8216;Subjektes&#8217; (WIR) eines ebenso idealistischen Gemeinschaftsinteres­ses wäre seine neue Produktionsweise schon begrün­det oder eine neue Produktionsweise so begründbar (siehe meine Kritik an Robert Kurz die übrigens nicht ! wg Kurz in die Kritik am Christian aufgenommen wurde), obwohl die Peer-Produk­tion nach seiner eigenen Argumentation ge­nau dies weitgehend schuldig bleibt, Produktion für andere zu sein. Denn genau da kommt sie nach Christians eigener Einschätzung an die durch die Warenproduktion angestoßene Bedürfnisbefriedi­gung nicht ran (er outet die bekannten OS Vor­zeigebeispiele firefox und thunder­bird als durch den Markt angestoßene, außergewöhnlich nutzer­freundliche Programme), eben weil sonst der Selbstbe­zug dominiert und daher &#8211; als dessen Kehr­seite – für eine Veränderung über den Kapitalismus hinaus der absolut notwendige Gesellschafts­bezug eigentlich fehlt. Diese Ungesellschaftlichkeit der Peer-Produktion bestätigt <a id="v:uz" title="http://www.keimform.de/2008/12/11/hubert-herfurth-gesellschaftlichkeitsdefizit-in-der-peer-oekonomie/#comment-15550" href="http://www.keimform.de/2008/12/11/hubert-herfurth-gesellschaftlichkeitsdefizit-in-der-peer-oekonomie/#comment-15550" target="_blank">Christian</a> sogar in einer Anwort an mich, denn auch für ihn</p>
<blockquote><p><em> &#8220;(vertreten) die heutigen Peer-Produzent/innen und ihre Theoretiker, () eher ungesellschaftliche Vorstellungen&#8221; </em>(Diskussion im Keimform-Blog)</p></blockquote>
<p>und doch versteht er überhaupt nicht, dass genau daraus sein Erklärungsdefizit resultiert, weil seine Prophezeiung so vollkommen in der Luft hängt und eben kein realer, praktischer Ausgangspunkt sondern reines Wunschdenken ist.</p>
<p>Das Proletariat ist so für Uli nicht mehr als das Objekt seiner politischen Begierde (ob anhimmelnd oder niedermachend ist dabei aus meiner Sicht ziemlich gleichgültig). Die Diskrepanz zwischen Ulis In­teressenlage auf das Objekt Proletariat und der Interessenlage der Menschen die dieses Proletariat bilden (denen er sich im übrigen offenbar auch nicht zugehörig fühlt) ist so eklatant wie interessant. Da Uli jede Mühe dabei vermissen lässt, die Interessenlage der Menschen die das Proletariat bilden nachzuvollziehen und die Schwierigkeiten offen zu legen, die der Subjektwerdung hier zum &#8216;Prole­tariat für sich&#8217; im Wege stehen, offenbart sein Eigeninteresse so eine völlige Gleichgültigkeit gegen­über den Menschen die das Proletariat bilden und damit faktisch zur gesamten Gesellschaft &#8211; so lan­ge diese nicht so funktioniert wie er meint, dass sie funktionieren müsste. Die Objektsetzung ist hier nicht weniger total als bei den Charaktermasken &#8216;der anderen Seite&#8217;, die das ganze Ungemach wel­ches diese Verhältnisse einem Großteil der Menschen antun, als in deren eigener Verantwortung be­gründet ansehen. Das Subjekt Uli mutiert hier zum Puppenspieler und wenn das Spiel mit der Pup­pe &#8216;Proletariat&#8217; keinen Spaß mehr macht, wird sie ausrangiert. Das ergänzt sich übrigens sehr gut mit der hier bei Uli anschließenden, jedoch genau so oberflächlichen &#8216;Klassenanalyse&#8217;</p>
<blockquote><p><em>„Die Geschichte hat allerdings neue soziale Phänomene hervorgebracht, Menschen (aus ganz verschiedenen Klassen und Schichten) mit Interessen und Fähigkeiten, mit konkre­ten Praxisformen, die &#8211; anderes als bei Proletariat &#8211; inkompatibel zur kapitalistischen Produktionsweise sind (wenngleich sie bisher deren Funktion noch voraussetzen)“ </em>(WAK email).</p></blockquote>
<p>Wenn heute die Marxsche – ich sage ausdrücklich nicht marxistische &#8211; Proletariatsbestimmung auf die &#8220;übergroße Mehrzahl&#8221; (Marxscher Ausdruck aus dem K-Manifest mit dem er vor ca. 160 Jahren den Geschichtsprozess erstaunlich richtig antizipierte, wohingegen der elitäre Minderheitenbezug der heutigen &#8216;revolutionären&#8217; Linken das ganze Gesellschaftlichkeitsdesaster hier offen vor fast aller Augen treten lässt) der Gesellschaft zutrifft, dann müssen Ulis &#8220;neue soziale Phänomene&#8221; auch hier einzu­ordnen sein. Damit ist allerdings der von ihm aufgemachte Gegensatz zwischen Proletariat und Menschen &#8211; der ja nichts ist als der Widerspruch zwischen einem Teil (oder verschiedenen Teilen) und dem Ganzen &#8211; von vornherein hinfällig und dient allein der Aufrechterhaltung seines Puppen­spiel­erstatus: das ausrangierte Spielzeug muss schließlich ersetzt werden &#8211; seine „Menschen“ sind nur der so abstrakte wie leere Ersatz für sein ganz und gar nicht stimmiges Bild von der Realität. Dieses will und muss er nun anpassen, aber er benutzt dafür die gleichen Werkzeuge wie zuvor: leere Abstraktionen. Womit zugleich deutlich wird, das das Interesse an realen gesell­schaftlichen Veränderungen und Veränderungsmöglichkeiten ersetzt wird von periodisch zu erneu­ernden, irrealen Träumereien, denn auf den Nachweis, dass die von ihm erwähnte Inkompati­bilität über die subjektiven Befindlichkeiten der Träger dieser Praxisformen und damit über deren Selbst­einschätzung hinausreicht, wird man lange warten dürfen. Schon sein eigener Klammer­zusatz schränkt die behauptete Inkompatibilität weit mehr ein, als seine vollmundige Aussage ver­trägt. Die Peer-Produktion (OS etc.) mag in einem gewissen Spannungsverhältnis zur kapitalistischen Produkt­ionsweise stehen, doch diese ist durchaus kompatibel mit anderen, auch gegensätzlichen Pro­duktionsweisen wie etwa der Haus-und Familienarbeit, weil (oder so weit) sie von der kapitalistischen Pro­duktion abhängig blei­ben und diese ergänzen. Doch so lange Uli sich im Schein seines Überlegen­heitsge­fühls sonnt, wird er einen Teufel tun und nicht mit Hilfe auch sich selbst gegenüber schonungsloser Analyseverfah­ren den Vereinfachungen seiner eigenen, absolut abstrakten Sichtweise zu Laibe rücken, nur um dann am Ende zu sehen, dass seine Überlegenheit nicht mehr war als eine so ju­gendlich wie spießi­g eitle Wunschvorstellung von den tollen Revolutionären als den gesellschaftli­chen Erneuerern und Er­rettern.</p>
<p>Aus meiner Sicht spiegelt gerade diese weitgehende Gleichgültig­keit sol­cherart &#8216;revolutio­närer Führungskräfte&#8217; gegen die reale Anmaßung der Fakten nur das immer noch vorhandene, ob­jektive Unvermögen der Gesellschaft selbst (freilich zynisch gewendet), in der feh­lenden Rücksicht auf die Bedürfnisse der jeweils Anderen die Ursache für die nichtvorhandene Be­rücksichtigung der jeweils eigenen Bedürfnisse zu sehen. Zugleich zeigt sich in diesem intel­lektuel­len Besser-Wisser-Dünkel der noch nicht überwundene Verlust der Sonderstellung, der Frust dar­über, dass die angestrebte und erträumte Führungsrolle in einer historischen &#8216;Niederlage&#8217; ko­lossalen Ausmaßes geendet ist, in dem dann auch noch die unbewusste Abwehr vor der nivellie­renden Wir­kung der Lohnarbeit aufscheinen mag.</p>
<p>Allerdings müsste schon der Blick auf die Gesamtszenerie bewusst revolutionärer Bestrebungen deutlich machen, das hier etwas nicht stimmt, denn das von Uli so genannte Unvermögen des Prole­tariats steht dort neben der heillosen Zerstrittenheit und dem nicht vorhandenen Zugang auf die Gesellschaft als konkretes Ganzes. Die jeweiligen, sich einander feindselig oder gleichgültig gegen­überstehenden Auffassungen von (aber immer) abstrakter Gesellschaft (Proletariat etc.) werden hier wie von Privatei­gentümern gehändelt, unter denen allein die Konkurrenz ums beste Geschäft alles beherrscht. Die scheinbar klare Differenz zwischen scheinbar versagendem Proletariat einerseits und scheinbar durchblickenden, revolu­tionären Intellektuellen andererseits funktioniert ja nur so lange, wie die jeweiligen Intellektuellen es für sich schaffen, diesen Streit (und alle damit verbunde­nen Probleme) auszuklammern und ihren jeweils eigenen Weg für den einzig maßgebli­chen zu hal­ten, weil nur in dieser Perspektive das Versagen des Proletariats das scheinbare Zentrum ist, an dem die Revolution stockt. Die bereits erwähnte Gleichgültigkeit der Gesell­schaft gegenüber findet auch in diesem Verhalten ihren Widerhall. Ulis angeblicher Beweis ist damit in der Tat der allerdings vollständig überflüssige, nur eine Selbstverständlichkeit beschreibende Hinweis, das eine völlig selbstbezügliche Ausrichtung der Gesellschaft kei­nen Umschlagpunkt zu einer höheren Gesell­schaftlichkeit in sich finden kann.</p>
<p>Konkret kann das gemeinsame Interesse des Proletariats in der &#8216;Klasse für sich&#8217; aber m. E. spezifisch gar nicht an­ders dargestellt werden als durch einen Ausdruck, in dem die Beziehungen und Verhältnisse der Individuen zueinander explizit erfasst sind– nämlich <strong>in </strong><strong>dem Interesse an den In­teressen und Bedürfnissen der Anderen</strong>. Ein Zustand der sich ja bereits in der realen, alltäglichen, praktischen Tätigkeit (Produktion von Pro­dukten und Dienstleistungen) für die Be­dürfnisbefriedigung der Anderen recht unspektakulär äu­ßern MUSS, dort aber (noch und solange) als Zwangsverhältnis wirkt, wie die Gegenseitigkeit und reale Abhängigkeit voneinander über das Eigeninteresse vermittelt ist– schließlich ist dies ja nichts weniger als eine ganz zentrale Säule der (kapitalistischen) Warenproduktion. Daher ist genau DAS die Klammer die die Gegenwart mit der Zukunft verknüpft, DAS ist der Keim des neuen im alten und nicht die fehlenden Preisschilder auf irgendwelchen Produkten. Die WERTVERHÄLTNISSE und damit die WERTFORMEN sind doch nichts als der objektivierte, gegenständliche Ausdruck des notwendigen Zusammenhangs der voneinander unabhängigen Privatproduzenten. Ein Zustand den Marx im absurden Ausdruck <em>ungesellschaftliche Gesellschaftlichkei</em>t kennzeichnet, um die hier liegende Entwicklungsmöglich- und Notwendigkeit heraus zu arbeiten. Die ganze notwendige, kom­munistische Gesellschaft­lichkeit ist in diesem Aus­druck auf ihren einfachsten und zugleich inhalt­lich auch ausreichend konkreten Punkt ge­bracht, denn der spezifische, inhaltliche Unterschied zu aller Gesellschaft(lichkeit) vor ihr ist darin so eingefangen wie die materialistische Angebundenheit an den real bestehenden Zustand.</p>
<p>Die bloße Verfolgung der jeweils eigenen Interessen ist doch geschichtlich nichts Neues und konstitu­iert auch für sich keine Ge­sellschaft, sondern höchstens eine Gemeinschaft (der aber andere Gemeinschaften zur Seite stehen, mit denen die Auseinandersetzungen um die Gesellschaft wieder neu beginnen). Nochmal zur Erinne­rung der selbstbezügliche Kurzschluss von Robert Kurz der den Fortschritt über den Kapitaltismus hinaus, ausgerechnet darin er­kennen will</p>
<blockquote><p><em>„dass Leute sich zusammenschließen, um für sich selbst, für den eigenen Bedarf“</em></p></blockquote>
<p>zu pro­duzieren (krisis 19). Sieht man von der scheinbaren Negation in Richtung Kapitalverhältnis ab, ent­hält der Ausdruck nicht nur kein Gramm Fortschritt, sondern in der Definition der Gesellschaftlichkeit fällt er mit dem Selbstbezug sogar hinter das zurück, was er zu kritisieren vorgibt.</p>
<p>Überhaupt &#8216;entsteht&#8217; erst mit diesem spezifischen Blick auf das Proletariat ein Proletariat, in dem die einzelnen Individuen als selbstbewusst füreinander täti­ge Individuen noch er­kennbar sind und nicht im abstrakten Meta-Subjekt namenlos verschwinden, um den mehr oder we­niger bürokratischen Vor­gaben &#8216;ihrer Organisationen&#8217; faktisch willenlos zu folgen, dafür aber im Einklang mit dem hehren, allgemeinen Ge­samtinteresse stehen (der ganze bisherige Realsozialismus von der frühen KPD bis zur stalinistischen KPdSU ist hiermit glasklar beschrieben). Die kommunistische Ge­sellschaftlichkeit fällt doch nicht vom Himmel, in ihr kann ja nur das bewusst umgesetzt werden, wofür die Vorläuferge­sellschaft den äußeren Zwang der (Wert)verhältnisse brauchte. Die leere Ab­straktheit in der tradi­tionellen Sicht auf die In­teressen des Meta-Subjektes „Proletariat“ spricht da eine ganz klare Spra­che. Führer und Führung, Partei und Staat und nicht zu vergessen, der Plan, sind auch von dieser Seite aus historisch nicht mehr als die untauglichen Ersatzmittelchen und da­mit DER Zeiger auf eine noch nicht vorhandene (kommunistische) Gesellschaftlichkeit. Alle bishe­rigen Veränderungs­bestrebungen basieren auf ab­strakten Kapitalismus-Negationen und Gesellschaftlichkeits-Vereinfa­chungen (da passt Ulis „Beweis“ so gut rein wie die Peer-Ökonomie Diskussion). Die Gesellschaft verfügt somit noch über keinerlei praktikable, positive Aufhebungslösung. Diese einfache Tatsache spiegelt sich im massenhaften Desinteresse an den vorhandenen Scheinlösungen.  Und es wirft ein bezeichnendes Licht auf die selbsternannten Führungskräfte, dass sie die hier zum Ausdruck kommende praktische Kritik nicht verstehen. In völliger Verkennung der Tatsachen glauben sie gar gute Gründe dafür zu haben, die Kritik hier in Richtung der großen Mehrzahl der Menschen umzudrehen weil diese ihnen nicht folgt.</p>
<p>Ein weiteres aufschlussreiches Beispiel für die zugrunde liegende Hilflosigkeit dieser Ansätze offenbart z. B. die Diskussion zwischen Karl Reitter und Michael Heinrich in den „grundrissen“ 11 von 2004. <a id="ia2l" title="http://www.grundrisse.net/grundrisse11/11karl_reitter.htm" href="http://www.grundrisse.net/grundrisse11/11karl_reitter.htm" target="_blank">Reitter</a> beginnt die­se mit dem Versuch einer „Bereicher­ung“ der Heinrichschen Kapi­tal Einführung über den Begriff des Klassen­kampfs, welchen <a id="j_:n" title="http://www.grundrisse.net/grundrisse11/11michael_heinrich.htm" href="http://www.grundrisse.net/grundrisse11/11michael_heinrich.htm" target="_blank">Heinrich</a> aus meiner Sicht allerdings erfolgreich abwehrt, nur das auch diese Position letztlich völlig unbefriedigend bleibt.</p>
<p>Reitters Klassenkampfansprü­che sind so ab­strakt wie sein Subjekt-Bezug zum Prole­tariat und das dazugehörige proletarische Klassenin­teresse. Michael Heinrich antwortet mit einer Aufzählung von mehr oder weniger offenen Fragestellungen (Gemeinsamkeiten der heterogen zusammengesetzten Klassengemengelagen, Klassenzugehörigkeiten etc.) und zeigt so die Problematik eines meist floskelhaften bzw. abstrakten Umgangs ganz gut auf. Ein Inhalt, über die Verteidigung des Werts der Ware Arbeitskraft hinaus (der auf dieser Ebene die einzige und dazu eben zugleich sehr widersprüchliche Gemeinsamkeit ist, den die Klasse hat), ist hier außer in inhaltsleeren Parolen m. E. nicht zu entdecken. Aber so richtig Heinrichs Zurückwei­sung auch ist, als Antwort offenbart sie doch zugleich die ganze Leere der Marxistischen Vor­stellungen, da für ihn kein Inhalt, kein Grund in den Verhältnissen existiert, durch welchen eine andere Ent­wicklung an­getrieben wird oder angetrieben werden kann – die kapita­listische Gesellschaft ist auch bei ihm im engen Sinn des Wortes kein wirklicher Forschungs­ge­gen­stand. Letztlich ist daher alles Zufall. Sein berechtigtes Misstrauen ge­genüber den objektiv vorher bestimmten Geschichtsverläufen steht neben einem weitgehend verlorenen, analyti­schen Blick auf die sich entwickelnde Realität. Mit ihren Widersprü­chen und den darauf fußenden Möglichkei­ten und Zwängen kann Michael Heinrich nicht viel anfangen, eine Entwicklungslogik (die zu berücksichtigen wäre) ist für ihn nicht zu erkennen.</p>
<p>Es muss also nicht verwundern, wenn der abstrakte Antikapita­lismus sich prinzipiell in 2 Beschwörungsformeln erschöpft. Die fehlenden Inhalte werden durch die moralische und meist martialische Überbetonung der Formen kompensiert. Dies ist zum 1. der Kampf selbst und zum 2. die Solidarität. Altvater etwa hat letztere als „soli­darische Ökonomie“ im Buch „das Endes des Kapitalismus wie wir ihn kennen“ sogar in den Rang einer Produktionsweise erhoben, vom Anspruch her also durchaus vergleichbar mit Christians Produktionsweise Behauptungen bei der Peerökonomie. Doch kann sie allenfalls als Zufallslösung herhalten, weil hier kein materialistischer Gesellschaftszusam­menhang konstituiert wird, sie also nur moralisch wirkt in Abhängigkeit von vielerlei, auch völlig ge­gensätzlichen Nebenumstän­den. Altvater &#8211; der die schwa­che Wirkung der Solidarität für das 20. Jahrhundert sehr wohl sieht – weiß sich keinen anderen Rat als genau darauf zu setzen, wobei die eigentliche Begründung in der Negierung der Bedürfnisse der Menschen durch die liberalen Globalisierungsbestrebungen liegt. Dabei muss er sogar davon ausgehen, eine „solidarische Ökonomie“ sei sogar auf Basis der Wertformen möglich, also auf der Basis einer unbewussten Gesellschaftlichkeit die sich bekanntlich dadurch auszeichnet, dass sie nur hinter dem Rücken der Akteure funktioniert. Michael Heinrichs sehr vor­sichtigen, von der hier angesprochenen Schwäche dominierten Versuch, die kapitalistische Warenproduktion selbst zu problematisieren (&#8220;Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung.&#8221; S. 216 ff), führt er sogar ein Stück weit ad absurdum, weil er keine innere Verbindung zwischen dieser Warenproduktion und ihrer möglichen Aufhebung sieht. Das eigentliche Problem löst er so natürlich nicht und dokumentiert da­mit zugleich, dass bisher marxistisch noch nicht mal eine Lösung angedacht werden konnte bei der nicht im Mittelpunkt irgendwelche abstrakten Annahmen standen:</p>
<blockquote><p><em>„Die Frage stellt sich aber, ob und inwiefern die ökonomische und politische Praxis über kapitalistische Formen hinausweist. Was ist das transzendierende Potential von so­lidarischer Ökonomie und nachhaltiger Gesellschaft?“ (Altvater, S. 203).</em></p></blockquote>
<p>Da er darauf keine Antwort hat, wird der Rückgriff auf die traditionellen Vorstellungen wieder in den Mittelpunkt gerückt und etwa Holloways Machtkritik (als Kritik am Desaster des Realsozialismus) auf das schärfste kritisiert, obwohl er die Schwierigkeiten der Machtausübung &#8211; angesichts eines nicht greif­baren, also abstrakten Subjektes, welches diese Macht ausüben könnte bzw. müsste &#8211; nicht aushebeln kann. So lange die notwendige Gesellschaftlichkeit nicht da existiert, wo sie hingehört, also bei der ungeheuren Mehrzahl der geselllschaftlichen Individuen, können die Lösungen nur sehr zweifelhafte sein, weil sie Ersatzsubjekte brauchen, um die fehlende Gesellschaftlichkeit der Individuen zu ersetzen.</p>
<p>Die Gesellschaftlichkeit der heutigen Gesellschaften ist einerseits nun zwar weitgehend diesem be­schränkten historischen Stand entwachsen &#8211; was sich ja u. a. darin zeigt, dass die scheinradikalen Poli­tikformen etwa der KPD aus der Zwischenkriegszeit nicht wirklich wiederholbar sind &#8211; eben weil der Geschichtsverlauf praktisch klar gemacht hat, dass die den Anhängern versprochene ! Lösung aus der Beziehung zwischen Führung und Gefolgschaft gar keine war. Was zugleich den Irrtum der K-Gruppen-Bewegung im Gefolge der so genannten Studentenbe­wegung markiert, die ahistorisch glaubte, den roten Faden scheinbar unterbrochener, in Wirklichkeit aber bereits vollständig gescheiterter „kommunistischer“ Politik wieder aufgreifen zu können. Ulis „Beweis“ beweist daher vor allem, dass die Inhalte dieser vergangenen Arbeiterbewegungsverhältnisse intellektuell noch nicht wirklich überwunden sind, in denen die Masse der Arbeiterinnen nur die Aufgabe hatte, den Parolen ihrer Führer Folge zu leisten die das abstrakte Gesamtinteresse managten (zu den hier vorhandenen Widersprüchen; erfüllten, hintergangenen und oder zurückgewiesenen Ansprüchen: Klaus-Michael Mallmann, &#8220;Kommunisten in der Weimarer Republik. Sozialgeschichte einer revolutionären Bewegung&#8221;). Dieser &#8216;Manager-Sozialismus&#8217; hat sich erledigt und auch das weinerlichste Selbstmitleid der verhinderten Manager kann die „Schreie“ (Holloway) der „übergroßen Mehrzahl“ nicht übertönen &#8211; einer Mehrzahl die natürlich mit diesen Verhältnissen keinen wirklichen Frieden machen kann.</p>
<p>Andererseits ist freilich ebenso offensichtlich der notwendige, neue Gesellschaftlichkeitsgrad für den nächsten qualitativen Sprung der „übergroßen Mehrzahl“ nach vorn noch nicht erreicht, dazu müssen deren „Schreie“ sich in ein bewusstes Handeln verwandeln, mit dem sie sich ihre Gesell­schaftlichkeit aneignen können. Stefan Breuers Behauptung jedoch, die Revolution sei</p>
<blockquote><p><em>„nicht länger aus der immanenten Dialektik des Kapitals zu begründen“, weil „die Arbeiterbewegung in ihrem blinden Wechsel von reformistischer Inte­gration und verzweifeltem Voluntarismus demonstrierte, dass es durchaus keinen not­wendigen Zusammenhang zwischen Kritik der politischen Ökonomie und Revolutions­theorie in dem von Marx unterstellten Sinne gab, dass &gt;in dem positiven Verständnis des Bestehenden&lt; &gt;zugleich auch das Verständnis seiner Negation, seines notwendigen Untergangs&lt; (MEW 23, S. 28) eingeschlossen sei, gab sie die höhnische Antwort des Kapitals auf die Hoffnung des revolutionären Sozialismus, dass die bürgerliche Gesell­schaft im Proletariat als einer gleichsam exterritorialen Instanz ihre absolute Grenze ge­funden habe“ (Die Krise der Revolutionstheorie, S. 63, Frankfurt a. M. 1977)</em></p></blockquote>
<p>ist allerdings zu revidieren. Denn „das Verständnis des Bestehenden“ hat das Bestehende in der Zeit nach Marx bisher genau nur völlig unzureichend erfasst, so dass die Veränderungsansätze gar nicht da angesetzt haben, wo sie aber hätten ansetzen müssen, um überhaupt erfolgreich sein zu können (Gesellschaftlichkeitsentwicklung statt Machtübernahme, da Machtübernahme eine entsprechende Gesellschaftlichkeitsentwicklung voraussetzt).</p>
<p>Die absolut mögliche, praktische Erkenntnis, dass das in der gegenseitigen Abhängigkeit aufscheinende Verhängnis ein solches nicht sein muss, da die Pro­duktion für die Bedürfnisse der Anderen ihres Zwangscharakters beraubt wird, wenn sie erst zum Gegenstand der persönlichen Sorge und der persönlichen Verantwortung „der übergroßen Mehr­zahl“ gemacht werden kann und damit dann stattdessen auf Basis einer bewussten Handlung der Individuen stattfindet. Dieses bisherige &#8216;Versagen&#8217; lässt sich der „übergroßen Mehrzahl“ daher überhaupt nicht ankrei­den, der Versuch allein zeigt schon, wie klein das Verständnis dieser Zusammenhänge bisher ist. Das bisherige Festsitzen in einer Sackgasse betrifft alle. Nur die selbst ernannten Durchblicker schwelgen in Selbstmitleid, hantieren lieber mit Schuldzuweisungen und fühlen sich den &#8220;Normalos&#8221; ja sooo überlegen, anstatt sich an vernünftigen Erklärungsversuchen abzuarbeiten. Ein realistischeres und damit notwendigerweise kritischeres Selbstbewußtsein sieht anders aus.</p>
<p><em>Bochum im Juni 2009</em></p>
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		<title>Extra-Termin: Historisches und Überhistorisches</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Mar 2007 08:58:08 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Zur Weiterführung der Diskussion des Textes von Matti »Das Verhältnis des Historischen zum Überhistorischen« haben wir uns eine kompetente Gesprächspartnerin eingeladen: Annette Schlemm aus Jena. Freitag, 30. März 2007, 17:00 Uhr (ja, eine Stunde früher als sonst), Helle Panke]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Weiterführung der Diskussion des Textes von Matti <a href="http://wadk.de/2007/das-verhaeltnis-des-historischen-zum-ueberhistorischen/">»Das Verhältnis des Historischen zum Überhistorischen«</a> haben wir uns eine kompetente Gesprächspartnerin eingeladen: <a href="http://www.thur.de/philo/">Annette Schlemm</a> aus Jena.</p>
<p>Freitag, 30. März 2007, 17:00 Uhr (ja, eine Stunde früher als sonst), <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a></p>
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		<title>Historisches und Überhistorisches</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Feb 2007 09:30:49 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wir diskutieren den Text von Matti: »Das Verhältnis des Historischen zum Überhistorischen« Mittwoch, 28. Februar 2007, 18:00 Uhr, Helle Panke]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir diskutieren den Text von Matti: <a href="http://wadk.de/2007/das-verhaeltnis-des-historischen-zum-ueberhistorischen/">»Das Verhältnis des Historischen zum Überhistorischen«</a></p>
<p>Mittwoch, 28. Februar 2007, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a></p>
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		<title>Das Verhältnis des Historischen zum Überhistorischen</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Feb 2007 09:06:10 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Von Matthias Schulz [Kopie aus opentheory.org inkl. der Diskussion] (1) Es gehört schon sehr viel dazu, diese Gesellschaft als nur historisch , als vorübergehend und damit als veränderlich zu erkennen. Leider gelangen nur sehr wenige zu dieser Einsicht. Dennoch soll es in diesem Text darum nicht gehen, sondern ich möchte das voraussetzen. (2) Wenn man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Matthias Schulz</em></p>
<p>[Kopie aus opentheory.org inkl. der Diskussion]</p>
<p>(1) Es gehört schon sehr viel dazu, diese Gesellschaft als nur historisch , als vorübergehend und damit als veränderlich zu erkennen. Leider gelangen nur sehr wenige zu dieser Einsicht. Dennoch soll es in diesem Text darum nicht gehen, sondern ich möchte das voraussetzen.</p>
<p><span id="more-145"></span>(2) Wenn man einmal so weit gekommen ist, passiert es leicht in ein anderes Extrem zu verfallen, nämlich nichts überhistorisches mehr gelten zu lassen. Alles soll nur noch vergänglich sein und nichts Bleibendes an sich haben. Es ist selbstverständlich ganz richtig, das alles was ist, immer historisch ist. Das heißt aber nicht, das daran nichts Bleibendes sein kann, denn dann könnte es in nichts anderes übergehen. Das Neue in das es übergeht, muss dem Alten bereits immanent gewesen sein, sonst kann es nicht daraus hervorgehen. Damit ist es aber ein Bleibendes, welches nur seine Form ändert. Soll etwas also nur historisch sein, kann es in nichts anderes übergehen und ist so ewig, fest, starr, ohne Entwicklung. Es ist genau das, was man eigentlich überwinden wollte. Ganz abgesehen davon, das die Aussage, das alles historisch ist, immer zutrifft, also selbst überhistorisch ist.</p>
<p>(3) Alles was ist, ist also sowohl historisch als auch überhistorisch. Wie ist dieses Verhältnis nun näher zu bestimmen? Das Bleibende an Etwas ist was es ist, das es ist, der Inhalt. Dieser Inhalt muss sich realisieren, muss auf bestimmte Art und Weise sein. Dieses wie er ist, ist die Besonderheit, die Bestimmtheit, ist die Form. Und er muss auf irgendeine Weise sein, sonst ist er gar nicht. So ist der Mensch immer ein gesellschaftlicher, wozu gehört, das diese Gesellschaftlichkeit immer eine historisch besondere Form annimmt.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(3.1) Ein Inhalt, viele Formen, 26.02.2007, 11:49, Stefan Meretz: Verstehe ich dich richtig, dass du von einem konstanten Inhalt und vielen sich ändernden Formen (Besonderheiten, Bestimmtheiten) ausgehst?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(3.1.1) Re: Ein Inhalt, viele Formen, 29.03.2007, 11:00, Matthias Schulz: Ich weiß nicht recht, was du unter &#8220;konstantem Inhalt&#8221; verstehst. Man darf sich hier nicht vorstellen, das der Inhalt für sich schon etwas wäre. Für sich genommen ist er ganz unbestimmt, ohne Realität.<br />
Das konkrete Ganze ist aber immer ein Bestimmtes, eine bestimmte Weise der Realisierung. Diese Realisierung ist, wie etwas ist, die Form. Veränderung ist immer Veränderung in der Bestimmtheit, damit der Form.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(3.1.2) Re: Ein Inhalt, viele Formen, 29.03.2007, 11:31, Matthias Schulz: Ich gehe im Übrigen auch nicht davon aus, in dem Sinne, dass es ein Vorrausgesetztes wäre, sondern im Gegenteil, dieses Verständnis hat sich mir als Resultat meiner Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Verhältnissen ergeben.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(3.2) Was ist Inhalt, was die Form?, 26.02.2007, 12:00, Stefan Meretz: Ich denke, dass wir genau sagen müssen, was der Inhalt und was seine Form ist. Hier vermischst du IHMO die gesellschaftstheoretische und individualtheoretische Ebene: Die &#8220;Gesellschaftsform&#8221; ist nicht die Form des Inhalts &#8220;Gesellschaftlichkeit des Menschen&#8221;. Gesellschaftsform ist eine gesellschaftstheoretische Kategorie und Gesellschaftlichkeit des Menschen eine individualtheoretische. Klar kannst du das nicht trennen, aber du musst es begrifflich unterscheiden.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(3.2.1) Re: Was ist Inhalt, was die Form?, 29.03.2007, 11:12, Matthias Schulz: Ich verstehe sowohl die menschliche Gesellschaft, als auch den gesellschaftlichen Menschen als gesellschaftstheoretische Kategorien. (In dem Sinne, das die besondere Weise des gesellschaftlichen Menschen jetzt die Warenmonade ist.) Der Inhalt wäre dann, dass sie nur zusammen ein Ganzes ausmachen, im Verhältnis zueinander stehen. Die Form ist dann das jeweils bestimmte Verhältnis.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(3.3) Inhalt-Form-Paare, 26.02.2007, 12:03, Stefan Meretz: Die &#8220;richtigen&#8221; Inhalt-Form-Paare lauten: a) Gesellschaftlichkeit des Menschen und realisierte Gesellschaftlichkeit zum Beispiel durch Position in einer feudalen Hierarchie oder als Beruf in der bürgerlichen Gesellschaft; b) Produktivkraftentwicklung und Vergesellschaftungsform &#8211; vgl. dazu http://www.opentheory.org/vergesellschaftung/text.phtml</p>
<p>(4) Die Form ist nun allerdings keine beliebige. Der Inhalt realisiert sich nicht irgendwie und er kann auch nicht in seinem ganzen Umfang unmittelbar vorhanden sein. Er verwirklicht, entwickelt sich, seine Momente in notwendiger Weise, und nicht alles mit einem mal, sondern in notwendiger Abfolge. Entwicklung ist so im Übrigen als eine Veränderung der Form anzusehen, nicht des Inhalts.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(4.1) 06.02.2007, 17:06, Konrad Stoeber: Wenn das so ist, das sich am Inhalt nichts verändert, wieso sollte dann die Form sich verändern. Entwickelt sich die Form trotzdem, wäre die Formentwicklung gleichgültig gegen die Veränderungen des Inhalts. Bleiben wir für einen Moment nicht im Reich der philosophischen Kategorien, hieße das, dass die Produktivkräfte als Inhalt, gegen die gesellschaftliche Form gleichgültig wären ?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(4.1.1) Inhalt &#8211; Form, 08.02.2007, 18:31, Konrad Stoeber: Korrigiere obiges wie folgt: &#8230; wäre die Formentwicklung gleichgültig gegen den sich selbst gleichbleibenden Inhalt.<br />
Der Inhalt &#8211; etwa Produktivkräfte &#8211; entwickelt sich nicht ?</p>
<p style="padding-left: 90px;">(4.1.1.1) Re: Inhalt &#8211; Form, 09.02.2007, 17:20, Matthias Schulz: Unser Unterschied ist hier wohl, das meinem Verständnis nach alles was ist, eine bestimmte Realisierung, Form seiner selbst ist, also sowohl Inhalt als auch Form. Einen Inhalt ohne Form, also ohne Realität, gibt es nicht.<br />
Vielmehr ist das sich entwickeln, realisieren, also die Form, dem Inhalt ganz immanent. Trennt man beide voneinander, sind es nur noch abstrakte Kategorien.<br />
Das was sich entwickelt bleibt insofern trotz aller Veränderung ganz bei sich.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(4.1.1.1.1) Re: Inhalt &#8211; Form, 10.02.2007, 19:33, Konrad Stoeber: Was ich nicht nachvollziehen kann, ist, dass die Form dem Inhalt Realität verleiht. Im Kommentar zum nächsten Abschnitt wird vielleicht deutlicher, warum.<br />
Den letzten Satz verstehe ich nicht.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(4.1.1.2) Produktivkräfte, 09.02.2007, 17:28, Matthias Schulz: In dem Sinne würde ich auch die Produktivkräfte nicht als nur ein Inhalt begreifen. Sie sind ja gerade das historisch bestimmte Niveau, inwiefern das objektiv Vorhandene, die äußere Natur und die des Menschen hervorgebracht, für uns geworden ist. Auch hier ist es nur eine Änderung der Form, nämlich ob es für mich geworden ,oder erst nur an sich ist und mir damit nicht zur Verfügung steht.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(4.1.1.2.1) Re: Produktivkräfte, 10.02.2007, 21:21, Konrad Stoeber: Wenn Du mit diesem Text meinst, dass die Menschen in Ihrem praktischen Lebensprozeß die Bestimmtheit der äußeren Natur und ihre eigene Bestimmtheit hervorgebracht haben, stimme ich Dir zu.<br />
Der Prozeß der Auseinandersetzung mit der Natur ist selbst formiert, insofern nicht nur Inhalt. Deinen letzten Satz würde ich folgendermaßen lesen: In der Produktion erfährt der Arbeitsgegenstand eine Formveränderung.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(4.1.1.2.2) Re: Produktivkräfte, 10.02.2007, 21:27, Konrad Stoeber: Wozu dann aber die völlig unbestimmte Natur &#8220;an sich&#8221; will mir nicht einleuchten. Der Arbeitsgegenstand ist doch kein &#8220;an sich&#8221; seiender Gegenstand. Was willst Du damit erklären oder retten ?<br />
Die Möglichkeiten, die sich im &#8220;An sich&#8221; verbergen? Da das &#8220;An sich&#8221; unbestimmt ist, kannst Du auch nichts sinnvolles über dessen Möglichkeiten aussagen.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(4.1.1.3) Re: Inhalt &#8211; Form, 26.02.2007, 12:13, Stefan Meretz: Konrad: &#8220;Der Inhalt &#8211; etwa Produktivkräfte &#8211; entwickelt sich nicht?&#8221; &#8211; Hier ist wieder die Frage: Was ist Inhalt, was ist Form? Produktivkräfte ist ja schon selbst ein Formbegriff, er drückt das historisch spezifische Verhältnis von Mensch, Mittel und (äußerer) Natur als &#8220;Inhalt&#8221; aus. Der Inhalt (die Tatsache, dass sich der Mensch Mittel bedient, um seinen Naturstoffwechsel zu betreiben) ist demgegenüber immer gleich, nur in welcher Weise es sich historisch entwickelt, ändert sich.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(4.1.1.3.1) Re: Inhalt &#8211; Form, 03.03.2007, 18:44, Konrad Stoeber: &#8220;Produktivkräfte&#8221; drückt in der Tat den Stoffwechselprozeß mit der Natur mit den genannten &#8220;Bestimmungsstücken&#8221; aus. Dein folgender Satz mit &#8220;in welcher Weise es sich historisch entwickelt&#8221; bleibt allerdings vage. Was bei Dir als Inhalt fungiert, ist abstrakt Allgemeines, ein Beispiel davon wäre abstrakt Einzelnes, etwa Brot im Backofen backen.<br />
Der historische Unterschied erscheint dann im &#8220;Wie&#8221;, in der technologischen Produktionsweise von Brot: Im Gemeindebackofen oder in der Brotfabrik. Damit ist ausdrücklich nicht die unterschiedliche Formbestimmtheit nach der gesellschaftlichen Seite hin angesprochen.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(4.1.1.3.2) Re: Inhalt &#8211; Form, 03.03.2007, 18:52, Konrad Stoeber: Für die verschiedenen Produkte läßt sich das empirisch relativ leicht zeigen. Für den gesamten Komplex gesellschaftlicher Produktivkräfte liegt das allerdings nicht so offenkundig auf der Hand, zumal die technologischen Produktionsweisen in einer Gesellschaft selbst beim gleichen Produkt nicht homogen sind. (Bäcker an der Ecke und Backwarenfabrik im Gewerbegebiet nebenan).</p>
<h3>Geschichte</h3>
<p>(5) So ist die ganze bisherige Geschichte als eine schrittweise Realisierung, Verwirklichung dessen, was den gesellschaftlichen Menschen in seinem und die menschliche Gesellschaft in ihrem ganzen Umfange ausmacht. Eine historische Epoche entwickelt so ein Moment dieses ganzen Umfangs, wobei dieses eine Moment in dieser Epoche den ganzen Umfang ausmacht, es also nicht als Moment, sondern als das Ganze ist. Erst wenn dieses Moment vollständig entfaltet ist, kann die Entwicklung fortschreiten. Und das kann sie, weil dieses Moment, welches zuvor den gesamten Zusammenhang ausmachte, tatsächlich nur ein Moment eines umfassenderen Zusammenhanges ist und so auf diesen verweist. Damit wird es nur zu dem gemacht, was es tatsächlich ist, nämlich herabgesetzt zu nur noch einem Moment eines umfassenderen Ganzen.</p>
<p>(6) Es ist allerdings nicht so, das nur dieses eine Prinzip, welches einer Epoche zugrunde liegt, existieren würde und der ganze Umfang der menschlichen Gesellschaft noch gar nicht wäre. Denn es ist ja die menschliche Gesellschaft, die sich auf historisch besondere Weise realisiert, so ist sie auch immer in ihrem ganzen Umfange vorhanden. Aber dieser gesamte Umfang ist eben von nur einem Moment seiner selbst strukturiert, konstituiert und nicht von sich als Ganzes. Damit ist also das allgemein menschliche immer vorhanden, nur eben noch relativ unentwickelt.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(6.1) Der ganze Umfang, 26.02.2007, 12:17, Stefan Meretz: Was ist denn der &#8220;ganze Umfang der menschlichen Gesellschaft&#8221;? Von welchem Moment des Ganzen ist dieser Umfang denn zur Zeit strukturiert?</p>
<p style="padding-left: 30px;">(6.2) Inhalt und Momente, 26.02.2007, 12:22, Stefan Meretz: Verstehe ich dich richtig, dass die historisch sich verändernden Formen des konstanten Inhalts die Momente dieses Inhalts sind?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(6.2.1) Re: Inhalt und Momente, 29.03.2007, 11:51, Matthias Schulz: Ich denke schon.</p>
<h3>Menschliche Gesellschaft</h3>
<p>(7) Einerseits habe ich also diesen überhistorischen Inhalt des gesellschaftlichen Menschen und andererseits die historische Form seiner Realisierung, wobei diese Form immer nur ein Moment dieses ganzen Inhalts verwirklicht und nicht diesen in seinem ganzen Umfange. In diesem Sinne würde ich von Vorgeschichte sprechen, denn diese Entwicklung ist keine Endlose, sondern hat ein Ziel nämlich, dass was den gesellschaftlichen Menschen und die menschliche Gesellschaft in ihrem Gesamt ausmacht auch zu realisieren. Das heißt, dass das Historische und das Überhistorische zusammenfallen, also eine Epoche ist, der der vollständig entfaltete gesellschaftliche Mensch zugrunde liegt und die diesen in seinem ganzen Umfange und Besonderheit entwickelt. Das ist Kommunismus und der Beginn der eigentlichen Geschichte.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(7.1) Re: 5-7, 06.02.2007, 17:08, Konrad Stoeber: Das riecht mir alles sehr Präformation. Alles ist schon angelegt, da und muß „nur noch“ realisiert werden. Auf diese Weise entstünde nichts qualitativ Neues. Außerdem fürchte ich, dass sich hinter der Formulierung &#8220;allgemein Menschliches&#8221; &#8220;in seinem ganzen Umfang&#8221; wieder eine abstrakte Anthropologie versteckt, ganz abgesehen davon, dass ich keine Ahnung habe, was Du unter &#8220;allgemein Menschlich&#8221; verstehst.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(7.1.1) Neues, 09.02.2007, 17:41, Matthias Schulz: Kann man sich denn Neues so vorstellen, das es aus dem nichts kommt? Es muss doch wenigstens als Potenz bereits vorhanden sein. So ist es erst noch ganz eingeschlossen, noch nicht realisiert, dann aber entwickelt und so überhaupt erst vorhanden. Das ist doch ein gigantischer, qualitativer Unterschied, oder?<br />
Das weitere ist, dass das, was sich entwickelt nicht realisiert wird, sondern sich realisiert, damit seiner Entwicklung vorausgesetzt ist.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(7.1.1.1) Re: Neues, 10.02.2007, 21:39, Konrad Stoeber: Neues geht natürlich nicht aus dem Nichts hervor, sondern aus dem Alten. Die Frage also genauer gestellt: Ist das Neue im Alten als Potenz vorhanden ? Wo war das Puddingpulver vor seiner Entstehung &#8220;noch ganz eingeschlossen&#8221; vorhanden ? Doch bestenfalls im Kopf von Herrn Oetker sen.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(7.1.2) allgemein Menschliches, 09.02.2007, 17:51, Matthias Schulz: Es ist ja gerade der Clou, das ich das, was ich unter allgemein Menschliches verstehe, nicht von irgendwoher zu nehmen brauche, sondern die bürgerliche Gesellschaft ja eine besondere Realisierung der menschlichen Gesellschaft ist, ich also durch begreifendes aufschließen der tatsächlichen, vorhandenen Verhältnisse dieses allgemeine Verständnis erhalte, welches ich aber natürlich immer an der konkreten, tatsächlichen Gesellschaft, und dem tatsächlichen, vorhandenen Menschen aufzeigen können muß.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(7.1.2.1) Re: allgemein Menschliches, 10.02.2007, 21:43, Konrad Stoeber: &#8230;und was ist das allgemein Menschliche in der bürgerlichen Gesellschaft ?</p>
<p style="padding-left: 120px;">(7.1.2.1.1) Re: allgemein Menschliches, 12.02.2007, 22:18, Wolf Göhring: Lustreisen</p>
<p style="padding-left: 150px;">(7.1.2.1.1.1) Re: allgemein Menschliches, 13.02.2007, 08:19, Konrad Stoeber: &#8230;ins allgemein Menschliche.</p>
<p style="padding-left: 150px;">(7.1.2.1.2) Re: allgemein Menschliches, 26.02.2007, 12:26, Stefan Meretz: Das kann man doch ziemlich gut sagen: Alle zivilisatorischen Errungenschaften (was im Einzelnen wir auch immer als solches auch werten wollen). Der Kapitalismus hat damit seine allgemein menschlichen Potenzen entfaltet, aber das ist over, sie sind ausgereizt.</p>
<p style="padding-left: 180px;">(7.1.2.1.2.1) Re: allgemein Menschliches, 01.03.2007, 15:29, Konrad Stoeber: Die Kehrseiten der zivilisatorischen Errungenschaften bleiben dann einfach ausgeblendet. Sind die nicht allgemein menschlich ?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(7.1.3) Re: 5-7, 26.02.2007, 12:35, Stefan Meretz: Konrad: &#8220;Das riecht mir alles sehr Präformation.&#8221; &#8211; Das ist Präformation in dem Sinne, dass &#8211; nach der Logik des Textes gehend &#8211; die dem Inhalt adäquate Form noch nicht entwickelt ist, aber dabei ist, sich zu entwickeln. Es ist keine Präformation in dem Sinne, dass die konkreten Realisationsformen vorgegeben sind. Das qualitativ Neue entsteht in der Tat nicht bzgl. des Inhalts &#8220;gesellschaftlicher Mensch&#8221; (etwa durch Entstehung einer neuen biologischen Gattung), sondern &#8220;nur&#8221; bzgl. seiner konkreten Realisierungsformen &#8211; also etwa der konkreten Lebensweise der globalen Menschheit.</p>
<p>(8) Aufgrund dieses Verhältnisses kann ich die Geschichte erst im Nachhinein begreifen, wenn ich erkannt habe, was sich darin entwickelt. Da das Kommunistische der vollständig realisierte Inhalt ist, so ist es eben dieses, was sich in der Geschichte realisiert. Es ist also Kommunistisches in aller Geschichte und es ist nur das Kommunistische, allgemein Menschliche was in aller Geschichte ist und sich in dieser entwickelt.</p>
<p>(9) Was für den Kommunismus gilt, gelten soll, muss so für die ganze Geschichte gelten, und nur was für die ganze Geschichte gilt, ist kommunistisch. Ich habe so auch das kommunistische in der bürgerlichen Gesellschaft aufzuzeigen, denn nur so kann ich verstehen, wie sie dazu übergehen kann.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(9.1) Kommunistisches in aller Geschichte, 26.02.2007, 12:42, Stefan Meretz: Verstehe ich dich richtig, dass die Argumentation so geht: Wenn das unentfaltete Ganze die Entfaltung von Momenten des Ganzen ist, dann muss Kommunistisches auch in den Momenten sein &#8211; weil sie eben Momente des Ganzen sind. &#8211; Damit bestätigt sich allerdings nur die angegebene Voraussetzung.</p>
<p>(10) Es ist sich allerdings nicht so vorzustellen, als wäre das Kommunistische, das allgemein Menschliche in irgend einer besonderen Form, oder einer bestimmten Praxis im Kapitalismus vorhanden. Denn das allgemein Menschliche ist als allgemein Menschliches noch nicht realisiert, damit in keiner Form. Das ist es erst im Kommunismus, und dieser ist eben noch nicht. Vielmehr ist das, was den Kapitalismus konstituiert, eine bestimmte Form der Realisierung des allgemein Menschlichen, in der oben beschriebenen Weise und als solche zu begreifen. So ist nach dem Neuen im Alten nicht zu suchen, als wäre es schon irgendwo vorhanden, sondern es ist hervorzubringen und in die Realität zu setzen.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(10.1) Realisiert oder nicht?, 26.02.2007, 13:47, Stefan Meretz: &#8220;Denn das allgemein Menschliche ist als allgemein Menschliches noch nicht realisiert, damit in keiner Form. Das ist es erst im Kommunismus, und dieser ist eben noch nicht. Vielmehr ist das, was den Kapitalismus konstituiert, eine bestimmte Form der Realisierung des allgemein Menschlichen&#8221; &#8211; &#8220;in keiner Form&#8221; und &#8220;eine bestimmte Form&#8221; widersprechen sich. Müsste es nicht vielmehr heißen: &#8220;Vielmehr ist das, was den Kapitalismus konstituiert, ein Moment der Realisierung des allgemein Menschlichen&#8221;? Oder: &#8220;Vielmehr ist das, was den Kapitalismus konstituiert, die Form der Realisierung eines bestimmten Moments des allgemein Menschlichen&#8221;?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(10.1.1) Re: Realisiert oder nicht?, 29.03.2007, 16:38, Matthias Schulz: &#8220;&#8230; das allgemein Menschliche ist als allgemein Menschliches noch nicht &#8230;&#8221;, was ja heißen soll, es ist noch nicht in der Form des allgemein Menschlichen, sondern erst in der Form der bürgerlichen Gesellschaft.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(10.1.2) Re: Realisiert oder nicht?, 29.03.2007, 16:53, Matthias Schulz: Ein Moment des allgemein Menschlichen liegt einer Epoche als Prinzip zugrunde und strukturiert, konstituiert es. Das bedeutet aber nicht, das nur dieses Prinzip existieren würde. Denn das was strukturiert, formiert wird, ist immer das allgemein Menschliche in seiner Gesamtheit.</p>
<p>(11) Außerdem kann das allgemein Menschliche nicht in einer nur beschränkten Weise, also in nur unmittelbaren, kooperativen Verhältnissen auftreten, denn als allumfassend kann es, wenn es sich denn realisiert, nur sogleich auf allgemeinem, gesellschaftlichem Niveau sich verwirklichen.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(11.1) 26.02.2007, 13:50, Stefan Meretz: Mit diesem &#8220;Außerdem&#8221; bringst du eine neue Dimension ins Spiel, nämlich die der unmittelbar-kooperativen Beziehungen (inter-individuelle Ebene). Bisher ging es um gesellschaftlich-kooperative Beziehungen (gesellschaftliche Ebene). Was meinst du hier genau? Familienbeziehungen?</p>
<h3>Theorie und Praxis</h3>
<p>(12) Aus dem oben gesagten erhellt auch das Verhältnis von Theorie und Praxis, von Denken und Wollen. Denken ist nicht einfach das Aufnehmen des schon Vorhandenen, Realisierten, sondern das Hervorbringen dessen, was noch nicht ist, was erst nur an sich, als Potenz ist. Da das über sich Hinausgehen der Sache selbst immanent ist, kann ich, durch begreifendes aufschließen eben dieser, über sie hinausgehen. Ich überschreite so die Grenzen des Gegebenen. Das was zuvor nur erst an sich, als Potenzial war, ist jetzt durch die Theorie für mich geworden und kann so Gegenstand meiner Praxis werden.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(12.1) Re: Theorie und Praxis, 26.02.2007, 13:54, Stefan Meretz: Wie willst du etwas denkend hervorbringen, was nur Potenz ist? Die Überlegung, dass das &#8220;über sich Hinausgehen der Sache selbst immanent&#8221; ist, gilt ja von Anbeginn an. Doch das denkende Überschreiten braucht Voraussetzungen, sonst wäre es ebenfalls seit Anbeginn an &#8220;da&#8221;. Welche Voraussetzunge sind das? Warum sind diese heute gegeben? Sind sie?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(12.1.1) Re: Theorie und Praxis, 29.03.2007, 12:20, Matthias Schulz: Ja, das ist mir auch aufgefallen.<br />
Ich kann dazu erstmal nur sagen, dass dieses hervorbringen beinhaltet, das Hervorgebrachte zu einer neuen Voraussetzung zu machen. Das bedeutet jedoch, es zum Stand der Bildung zu machen und sogar die Verhältnisse danach zu strukturieren. Die ganze Umgestaltung der Welt ist nötig, damit dieses ehemals neu Hervorgebrachte eine Voraussetzung für mich sein kann, von der ich dann ausgehe.</p>
<p>(13) Da dieses für mich gewordene mir ein neues Potenzial zugänglich macht, damit erweiterte Möglichkeiten für mich darstellt, will ich es auch realisieren. Das heißt, ich will das theoretisch Hervorgebrachte auch praktisch verwirklichen. Damit nehme ich mein Wollen nicht aus mir heraus, es ist nichts nur subjektives, sondern die Dinge sollen zu dem werden was sie sind. Ich kann nur Etwas wollen, von dem ich weiß. Und ich kann nur von Etwas wissen, was objektiv vorhanden ist.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(13.1) &#8230;von etwas wissen, 08.02.2007, 18:36, Konrad Stoeber: Woher weisst Du von einer Subjekt-Objekt-Spaltung, wenn Du nur von etwas weisst, was objektiv vorhanden ist ? Du möchtest schon vom Subjekt was wissen, um eine solche Spaltung (wie weiter unten eine Einheit) konstatieren zu können.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(13.1.1) Re: &#8230;von etwas wissen, 14.02.2007, 23:18, Wolf Göhring: &#8220;Ich esse schweinebraten&#8221;: Subjekt-objekt-spaltung par excellence. Wenn nicht schon meine altvordern um diese spaltung gewußt hätten, hätten sie mir nicht eine sprache hinterlassen, in der die einfachsten sätze diese spaltung bereits wiedergeben.<br />
Schweinebraten essend bin ich objektiv vorhanden (ergo sum!), und ich weiß es, es sei denn, eine in den hirnkatalogen verzeichnete bestimmte ecke in meiner grauen masse ist kaputt.<br />
Aber: schweinebraten essend vernichtet das subjekt das objekt, macht einen teil davon zu einem teil des subjekts und mit dem rest verunreinigt dieses subjekt objektiv objekte.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(13.1.1.1) Re: &#8230;von etwas wissen, 17.02.2007, 19:22, Konrad Stoeber: Offensichtlich bringen wir’s nur und ausschließlich zuwege, über Objekte zu sprechen. Und wenn das Objekt zufällig mal ein Subjekt ist, macht’s auch nichts, da rette ich die Objektivität &#8211; alles muß objektiv sein &#8211; indem ich die Redeweise vom „objektiv vorhandenen Subjekt“ pflege. Weniger verklausuliert ist also auch in Ansehung eines Subjekts die Rede von einem Objekt, Wir sitzen offensichtlich in der Falle der Sprache unserer Altvorderen und unserer eigenen Sprache. Deswegen bin ich immer ein wenig erstaunt, wie jemand, dem alles objektiv sein muß, über Subjekte reden kann. Denn in dieser Trennung ist ja gerade das Objektive das „nicht Subjektive“.<br />
„Schweinebraten essend“ bist Du objektiv vorhanden. Da Du es weißt, bist Du selbst das wissende Subjekt. dem das Schweinebraten essende Objekt gegenübersteht. Ist es jemand anderes dem Du also Schweinebraten konsumierend als Objekt gegenüberstehst, ist dieser das beobachtende resp. wissende Subjekt. In dieser Konstruktion ist das Subjekt ein Abstraktum.<br />
Mit Deinem „Aber“ vollziehst Du (mindestens) einen Bedeutungswechsel von „Subjekt“. Bis dahin war das Subjekt selbst Objekt oder ein nur erkenndes, beobachtendes, wissendes Subjekt. Jetzt sprichst Du nicht mehr von einem beobachtenden resp. wissenden Subjekt, sondern von der Praxis des Schweinebratenessens. Das Mittel Deiner Tätigkeit (nicht das Objekt) ist der Schweinebraten, den Du ohne jeden Skrupel vernichtest. In Deinem „Aber“ ist also die Rede von einem konkreten und bestimmten Subjekt.<br />
Vom Objekt wäre dann die Rede, wenn Du ein ordentliches Stück Lende gekauft hast, das Du noch braten mußt, damit es Dir Mittel der Konsumtion sein kann. Mittel zur Aneignung des Lendenstücks wäre dann unter anderem Deine Bratpfanne.<br />
Die angemerkte objektive Verunreinigung von Objekten machen sich womöglich andere zum Mittel der Herstellung von Biogas, wo nicht, ist das Resultat unerfreulich.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(13.1.1.2) Re: &#8230;von etwas wissen, 17.02.2007, 19:23, Konrad Stoeber: Damit ich wegen Unterschlagung der spezifisch kapitalistischen Verfaßtheit unseres praktischen Handelns nicht exkommuniziert werde, noch eine Ergänzung: Bevor Du schweinebratenessend Dein Konsumtionsmittel vernichten kannst, tritt Dir zunächst Dein Objekt als Objekt der Begierde im Fleischregal im Supermarkt gegenüber. Da isses tatsächlich als Ware Objekt. Um es Dir Mittel werden zu lassen, mußt Du ein Quantum Geldes (als Mittel) an der Kasse lassen.<br />
Dem objektivierenden Verstand ist der Schweinebraten vor und hinter der Kasse derselbe. Das Bezahlen stört zwar ein wenig, ändert aber für den Verstand nichts am Gebrauchswert. So gesehen ist dann aber der Gebrauchswert „nur“ ein Wesen der Vorstellung, ein Gedachtes. An die Realisierung des Gebrauchswertes kannst Du Dich erst nach besagtem Tauschakt machen. Vor der Kasse ist der Schweinebraten Dir deshalb Objekt, hinter der Kasse Mittel.<br />
Unter dem Blickwinkel der politischen Ökonomie des Kapitalismus betrachtet, ist damit die Sache (soweit sie den sog. Endkunden betrifft) abgeschlossen. Marx: „Der Gebrauchswert in dieser Gleichgültigkeit gegen die ökonomische Formbestimmung, d.h. der Gebrauchswert als Gebrauchswert, liegt jenseits des Betrachtungskreises der politischen Ökonomie. In ihren Kreis fällt er nur, wo er selbst Formbestimmung. Unmittelbar ist er die stoffliche Basis, woran sich ein bestimmtes ökonomisches Verhältnis darstellt, der Tauschwert.“ (MEW 13, S. 15-16)<br />
Summa: Die jeweiligen Bestimmungsstücke Subjekt, Mittel und Objekt erhalten offenbar ihre Bestimmtheit (Besonderheit) durch den jeweiligen praktischen Kontext. In dem in dieser Gesellschaft unhintergehbaren Tauschakt, realisierst Du die gesellschaftliche Formbestimmtheit eines Prozesses, dessen stofflichen Hintergrund Du ja unter dem Titel „Tasse Kaffee“ ja mal diskutiert hast.</p>
<h3>Subjekt-Objekt-Spaltung</h3>
<p>(14) Um das Ganze vielleicht etwas verständlicher zu machen, möchte ich es am Beispiel der Subjekt-Objekt-Spaltung näher erläutern.</p>
<p>(15) Die Trennung von Subjekt und Objekt ist konstitutiv für die bürgerliche Gesellschaft in dem Sinne, dass die objektiven Verhältnisse als für sich stehend, sich selbst reproduzierend erscheinen und das Subjekt nur darunter steht, das Gegebene nur ausführt.</p>
<p>(16) Um die bürgerliche Gesellschaft zu überwinden, muss also diese Trennung aufgehoben werden. Subjekt und Objekt sollen nicht mehr einander gegenüberstehen, sondern die objektiven Verhältnisse sollen nur noch eine Realisierung der subjektiven Zwecke sein, welche damit Objektiv sind. Das Subjekt kann sich so darin finden und indem es durch die objektiven Verhältnisse bestimmt ist, diese realisiert, ist es nur durch sich selbst bestimmt, realisiert sich selbst.</p>
<p>(17) Subjekt und Objekt sollen also eine Einheit ausmachen. Aber wie kann ich denn überhaupt etwas von dieser Einheit wissen, wenn doch deren Trennung diese Epoche konstituiert, und deren Einheit noch gar nicht existiert? Wie ist es denn miteinander vereinbar, wenn ich behaupte, dass das was für die menschliche Gesellschaft gelten soll, immer gilt?</p>
<p>(18) Nun, indem ich von einer Trennung zwischen Subjekt und Objekt spreche, beziehe ich sie aufeinander. Das Subjekt ist so in dieser Getrenntheit durch das Objekt bestimmt und umgekehrt. Die Subjekt-Objekt-Spaltung ist eine bestimmte Form der Einheit beider.</p>
<p>(19) Die Einheit ist also vorhanden, ist immer vorhanden. Das ist es was Subjekt und Objekt sind, in Beziehung zueinander zu stehen. Nur die Art dieser Beziehung, die Form ihrer Einheit ist historisch besonders.</p>
<p>(20) Die Einheit beider ist genau das, was sein soll, ist was ich will. Nur ist diese Einheit erst eine nur äußerliche. Subjekt und Objekt erscheinen als jeweils selbstständige, sind bis ins extrem auseinander, sie differenzieren, besondern sich. Diese bestimmte Einheit ist konstituiert durch die Differenz, welche ein notwendiges Moment der Einheit ausmacht und sich hier entwickelt.</p>
<p>(21) In der menschlichen Gesellschaft soll das Verhältnis zwischen Subjekt und Objekt konstituiert sein durch die in sich differenzierte Einheit beider, so das diese sich in ihrer Besonderheit gegenseitig durchdringen.</p>
<p>(22) Blicke ich nun wieder zurück, auf die gegenwärtigen Verhältnisse, so muss ich deren besondere Einheit auch hier darstellen. Da Subjekt und Objekt immer durch einander bestimmt sind, bringt das eine das andere in seiner besonderen Weise hervor. Die objektiven Verhältnisse sind so nicht selbstständig, sondern durch mich konstituiert, aber in einer Weise, das ich mich darin nicht finden kann, obwohl ich darin bin. Und weil ich mich darin nicht finden kann, realisiere ich die darin liegenden Zwecke, Bedeutungen, als mir fremde, obwohl es meine sind. Und weil sie mir fremd sind, konstituiere ich die objektiven Verhältnisse als mir gegenüberstehend. So ist das, was mir dort als fremdes gegenübersteht, nur ich selbst.</p>
<p>(23) So befinde ich mich auf beiden Seiten dieses Gegensatzes, greife darüber hinaus, umschließe sie. Die Trennung verläuft so durch mich hindurch.</p>
<p>(24) Hier ist Platz für Kommentare, die den ganzen Text betreffen.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(24.1) Fazit, 08.02.2007, 18:42, Konrad Stoeber: Die ganze Konstruktion scheint mir arg hegelsche Manier und verbleibt so im Reich abstrakter Bestimmungen.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(24.2) Fazit, 26.02.2007, 14:06, Stefan Meretz: Vielen Dank für den Text, ich finde ihn sehr anregend! Mir ist die Argumentation jedoch nicht immer klar, ich hoffe, meine Fragen zeigen das. Der Text könnte gewinnen, wenn du ihn durch weitere konkrete Argumente unterfütterst dort, wo er jetzt noch notwendig abstrakt ist. Aber das ist vielleicht auch ein gemeinsame Entwicklungsaufgabe. Meine Abschlussfrage ist: Zeichnest du nach deiner eigenen Meinung mit dem Text ein teleologisches Bild der gesellschaftlichen Entwicklung? Wenn ja/nein, warum (nicht)?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(24.2.1) Re: Fazit, 29.03.2007, 12:44, Matthias Schulz: Ich weiß nicht, ob Teleologie es trifft. Aber es ist nötig, um Entwicklung und das sich Entwickelnde nicht zu trennen. Ist das Resultat einer Entwicklung nur erst dieses Resultat und nicht in seiner Entwicklung schon präsent, dann hat es sich nicht selbst hervorgebracht, sondern wurde gemacht und hat damit seinen Grund nicht in sich selbst, sondern in einem anderen.<br />
Für die gesellschaftliche Entwicklung kann das nicht sein. Es gibt kein Außerhalb. Wenn diese sich jedoch selbst entwickelt, das wirkende, verwirklichende in ihrer Entwicklung ist, so ist sie dieser ständig gegenwärtig.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(24.3) Langer Kommentar zum ganzen Text, 14.05.2007, 14:34, Annette Schlemm: Hallo, ich habe jetzt einen ziemlich langen Text zum Thema &#8220;Inhalt-Form-Dialektik&#8221; im Zusammenhang mit Mattis (und unserer) Fragestellung gemacht. Er steht online unter: <a href="http://www.thur.de/philo/Inhalt_Form.htm">http://www.thur.de/philo/Inhalt_Form.htm</a></p>
<p style="padding-left: 60px;">(24.3.1) Re: Langer Kommentar zum ganzen Text, 30.05.2007, 10:14, Stefan Meretz: Sehr interessanter Text! Bin gespannt auf den zweiten Teil&#8230; Hättest du etwas dagegen, den Text zusätzlich trotzdem bei opentheory einzustellen? Dort wäre er direkt kommentierbar. Ich würde gerne den Begriff &#8220;Grund&#8221; besser verstehen und dazu Fragen stellen. Bilder könnten bei thur.de/philo referenziert werden.</p>
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		<title>Nachgeholtes Planungstreffen</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Jan 2007 09:57:18 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Was wünschen wir uns für 2007? Welche Themen wollen angehen oder weiterverfolgen? Welche Veranstaltungen wollen wir planen? Mittwoch, 31. Januar 2007, 18:00 Uhr, in »Pertisau« Stichpunkte zu Vorhaben 2007 (vom o.g. Treffen): Liselotte Welskopf-Henrich: &#8220;Das Blut des Adlers&#8221; (5 Bände) Marianne Fredriksson: &#8220;Marcus und Eneides&#8221; Max Weber Eske Bockelmann: &#8220;Im Takt des Geldes&#8221; (Einladen für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Was wünschen wir uns für 2007?</h3>
<p>Welche Themen wollen angehen oder weiterverfolgen? Welche Veranstaltungen wollen wir planen?</p>
<p>Mittwoch, 31. Januar 2007, 18:00 Uhr, in »Pertisau«</p>
<p>Stichpunkte zu Vorhaben 2007 (vom o.g. Treffen):</p>
<ul>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Liselotte_Welskopf-Henrich">Liselotte Welskopf-Henrich</a>: &#8220;Das Blut des Adlers&#8221; (5 Bände)</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marianne_Fredriksson">Marianne Fredriksson</a>: &#8220;Marcus und Eneides&#8221;</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weber">Max Weber</a></li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eske_Bockelmann">Eske Bockelmann</a>: &#8220;Im Takt des Geldes&#8221; (Einladen für Juni? ⇒Uli fragt an)</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Weiss">Peter Weiss</a>: &#8220;Ästhetik des Widerstands&#8221; (&#8220;Kommunismus, eine Frage der Wahrnehmung?&#8221;)</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant">Immanuel Kant</a> &#8211; Konstitution des Subjekts</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wole_Soyinka">Wole Soyinka</a> &#8211; Nachbereitung der Veranstaltung vom 10. Januar 2007</li>
<li>Konkrete Utopie: Am Beispiel Arbeitsteilung &#8211; Herr-Knecht-Dialektik bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel">Hegel</a> &#8211; Historisch Mögliches und Gewolltes</li>
<li>Lieder der Arbeiterbewegung &#8211; &#8220;Kann nicht mehr gesungen werden?&#8221;</li>
<li>Theorie &amp; Praxis</li>
<li>Neues zur Theorie des Informationskapitalismus (mit Sabine Nuss und Ernst Lohoff)</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_H%C3%B6lderlin">Friedrich Hölderlin</a> &#8211; Die Wirklichkeit des Möglichen</li>
</ul>
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		<title>Mentale Modelle &#8212; ein zweiter Beitrag</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Nov 2006 11:26:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Von Annette Schlemm [Kopie aus opentheory.org inkl. der Diskussion] (1) Das Konzept der mentalen Modelle erhält seine Bedeutung nicht zuletzt von seiner Herkunft und seiner Beziehung zu anderen Konzepten. Die Verwendung des Konzepts in anderen Bereichen muss darauf Rücksicht nehmen. Bis jetzt ist das Konzept der mentalen Modelle noch nicht einmal in der Wissenschaftstheorie für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Annette Schlemm</em></p>
<p>[Kopie aus opentheory.org inkl. der Diskussion]</p>
<p>(1) Das Konzept der mentalen Modelle erhält seine Bedeutung nicht zuletzt von seiner Herkunft und seiner Beziehung zu anderen Konzepten. Die Verwendung des Konzepts in anderen Bereichen muss darauf Rücksicht nehmen. Bis jetzt ist das Konzept der mentalen Modelle noch nicht einmal in der Wissenschaftstheorie für die Naturwissenschaften ein allgemein anerkanntes Konzept. Bei der Übertragung in den Bereich der Gesellschaftswissenschaft ist genau auszuarbeiten, wie deren Spezifik sich für das Konzept auswirkt.</p>
<p><span id="more-175"></span>(2) Das Konzept der mentalen Modelle ist nicht nur irgend ein Modell, sondern es ist vor allem wichtig für die Diskussion der Übergänge zwischen Theorien. Es ist deshalb eng verwandt mit dem Konzept der Paradigmen nach Thomas S. Kuhn.</p>
<h3>Paradigmen</h3>
<p>(3) Unter Paradigmen versteht Kuhn &#8220;anerkannte wissenschaftliche Leistungen, die für eine gewisse Zeit einer Gemeinschaft von Fachleuten maßgebende Probleme und Lösungen liefern.&#8221; (Kuhn 1999: 10). Der Begriff trägt in sich nicht nur die Feststellung, dass es vorbildhafte Konzepte gibt, sondern ist vor allem deshalb bedeutend, weil er sich gegen jene Auffassungen richtet, die in der Wissenschaftsgeschichte eine fortschreitende Kumulation von immer angemessenerem Wissen über die Welt sehen. Kuhn dagegen betont das &#8220;offenbar willkürliche Element, das sich aus zufälligen persönlichen und historischen Umständen zusammensetzt&#8221; als &#8220;ein formgebender Bestandteil der Überzeugungen, die von einer bestimmten wissenschaftlichen Gemeinschaft in einer bestimmten Zeit angenommen wird.&#8221; (ebd.: 19) Die Wissenschaftsgeschichte ist nach Kuhn durch die Aufeinanderfolge von Phasen sog. &#8220;normaler Wissenschaft&#8221;, in der vor allem Fakten innerhalb des gerade gegebenen Paradigmas gesammelt werden und neue Phänomene eher systematisch übersehen werden, und Phasen von revolutionären Umbrüchen, in denen vor allem die Paradigmen ausgewechselt werden und dadurch ganz neue Fakten in den Blick geraten bzw. geschaffen werden. In das Paradigma gehen die &#8220;Erfahrungen des Menschengeschlechtes, der &#8230; betreffenden Kultur und schließlich der Fachwissenschaft&#8221; (ebd.: 139) ein.</p>
<p>(4) Kuhn spricht von der &#8220;Inkommensurabilität konkurrierender Paradigma&#8221; (ebd.: 161) und gibt zu bedenken, dass eine veraltete Theorie zwar als Spezialfall der moderneren Nachfolgerin angesehen werden kann, aber er verweist darauf, dass sich dabei fundamentale Strukturelemente verändern. Wissenschaftliche Revolutionen im Sinne eines Paradigmenwechsels wandeln auch das Weltbild, denn Paradigmen bestimmen auch, &#8220;welche Entitäten es in der Natur gibt und welche nicht, und wie sie sich verhalten&#8221; (ebd.: 121). Das betrifft natürlich nicht die objektiv-reale Welt, aber &#8220;wenn auch die Welt mit dem Wechsel eines Paradigmas nicht wechselt, so arbeitet doch der Wissenschaftler danach in einer anderen Welt&#8221; (ebd.: 133). Wenn die Theorien nicht in einer korrespondenzartigen Beziehung stehen, sondern inkommensurabel sind, steht der Fortschritt der Wissenschaftsentwicklung in Frage. Kuhn selbst meint: &#8220;Bei wissenschaftlichen Revolutionen gibt es Verlust und Gewinn, und Wissenschaftler neigen dazu, gegenüber dem Verlust besonders blind zu sein.&#8221; (ebd.: 178) Einen roten Faden haben die einander abwechselnden Paradigmen aber doch: sie bewahren &#8220;eine große Zahl der konkretesten Bestandteile vergangener Leistungen&#8221; und gestatten &#8220;immer zusätzliche Problemlösungen&#8221; (ebd.: 181). Was Kuhn auf jeden Fall vermeiden möchte, ist aber eine Bezugnahme auf die &#8220;reale&#8221; Natur. Fortschritt in der Wissenschaft kann Verbesserungen in Problemlösungen bedeuten &#8211; aber es lässt sich nach Kuhn nicht behaupten, dass Wissenschaft &#8220;eine bessere Darstellung dessen sei, was die Natur wirklich ist&#8221; (ebd.: 217).</p>
<p>(5) Für die reale Wissenschaftsentwicklung betont Jürgen Renn, dass unter den vielen Versuchen, die Spezielle Relativitätstheorie weiter zu entwickeln, sich der Einsteins Versuch gerade deshalb als erfolgreich erwies, weil er auf die Weitergeltung des Galileischen Trägheitsgesetzes (auch als 1. Newtonsches Axiom bekannt) &#8211; also eine ganz deutliche Korrespondenz zur klassischen Mechanik &#8211; setzte. Dass er sich gegen andere Versuche durchsetzte, lässt sich nicht durch außerwissenschaftliche Machtkämpfe begründen, sondern nach wie vor kann wissenschaftlich keine der damals konkurrierenden Ansätze erfolgreich in eine gültige Theorie umgesetzt werden. Es muss also doch etwas dran sein, dass es nicht nur beliebige Paradigmen und beliebige Ansätze gibt, unter denen dann durch Konkurrenzkampf der Wissenschaftsgemeinden irgendwann machtgestützte Entscheidungen fallen, sondern dass die Gültigkeit oder Ungültigkeit von Theorien (und ihren Beziehungen zu den Vorläufern) etwas mit den Aussagen zu tun haben, die ihre Anwendung auf die Wirklichkeit hervorbringen.</p>
<h3>Mentale Modelle und Paradigmen</h3>
<p>(6) In Form von mentalen Modellen werden Momente der Wissenschaft erfasst, die in gewissem Sinne paradigmatisch sind. Mentale Modelle unterscheiden sich aber auch von Paradigmen:</p>
<p>* Mentale Modelle sind eher &#8220;kleinteiliger&#8221; als die Paradigmen nach Kuhn. Es sind konkrete Vorstellungen im Rahmen der jeweiligen Theorien, nicht ganze Weltbilder.<br />
* Während das Paradigmen-Konzept die Diskontinuität in der Wissenschaftsentwicklung (über-)betont, bemüht sich das Konzept der mentalen Modelle um ein genaueres Verständnis der Übergänge selbst.<br />
* Das Konzept der mentalen Modelle versucht das Moment der Willkür zu negieren. Wenn ein mentales Modell durch ein anderes ersetzt wird, so hat das mit langen Erfahrungen der Menschen mit der Wirklichkeit zu tun. Dies wird für entscheidende Phasen der Wissenschaftsentwicklung auch aufgezeigt.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(6.1) Re: Mentale Modelle und Paradigmen, 05.12.2006, 20:52, Wolf Göhring: Ist das konzept der mentalen modelle ein paradigma oder ein mentales modell &#8211; oder was?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(6.1.1) Re: Mentale Modelle und Paradigmen, 07.12.2006, 17:13, Annette Schlemm: Es ist ein &#8220;wissenschaftliche Erkenntnismoment&#8221; wie auch weitere aufgezählt sind im Text http://www.opentheory.org/kf_wissensch_theorie/text.phtml unter Punkt 6ff.</p>
<h3>Mentale Modelle in der Wahrnehmungspsychologie</h3>
<p>(7) Der Begriff &#8220;mentales Modell&#8221; erklärt in der Wahrnehmungspsychologie die &#8220;Umsetzung des Reizes in einen Zusammenhang&#8221;. Es entstehen dabei &#8220;logische Verknüpfungen, kurze Bilder und Filme aus Erinnerungen und Erfahrungen die vor dem geistigen Auge des Wahrnehmenden aufgebaut werden, um so eine Repräsentation der für die Realität relevanten Aspekte und ihrer dynamischen Wechselwirkungen im Gehirn zu schaffen.&#8221; (Wikipedia) Wichtige Merkmale derartiger Modelle sind:</p>
<p>* Kontextabhängigkeit,<br />
* Einfluss der Erfahrung,<br />
* Filtereffekte und<br />
* Bewertung.</p>
<p>Dieses Konzept wurde von Kenneth Craik aufgenommen und in eine umfassende Theorie des Denkens umgewandelt (vgl. Johnson-Laird, Byrne 2000).</p>
<h3>Mentale Modelle in der Naturwissenschaftsgeschichte</h3>
<p>(8) Jürgen Renn fand, dass derartige zusammenhängende vorstellungsartige Momente in der Wissenschaftsgeschichte ebenfalls eine große Rolle spielen. Ein mentales Modell ist demnach &#8220;eine bestimmte Form der Repräsentation von Wissen [...], die besonders geeignet ist, Schlussfolgerungen und deren Veränderungen zu erfassen, die auf unvollständigen Informationen beruhen&#8221; (Renn 2006: 43). Mit ihnen lassen sich &#8220;auch implizite Schlußfolgerungen erfassen, die in der Handlungslogik von Praktiken verkörpert sind und keine explizite Darstellung in sprachlicher oder schriftlicher Form besitzen&#8221; (ebd.). Innerhalb einer Wissenschaftstheorie können mentale Modelle also Bindeglieder zwischen der Alltagserfahrung und dem wissenschaftlichen Arbeiten, bei dem wissenschaftliche Erfahrung auf spezifische Weise organisiert wird, darstellen.</p>
<p>(9) Insgesamt nennt Renn folgende Charakteristika von mentalen Modellen (ebd.: 43):</p>
<p>* Sie sind eine Form der Repräsentation von Wissen, die besonders geeignet ist, Schlussfolgerungen und deren Veränderungen zu erfassen, die auf unvollständigen Informationen beruhen.<br />
* Sie sind kontext-spezifisch und nicht universell gültig.<br />
* Sie sind an neue Erfahrungen adaptierbar.<br />
* Sie verknüpfen gegenwärtige mit vergangenen Erfahrungen.<br />
* Sie sind ein Bindeglied zwischen praktischem Handlungswissen und theoretischem Wissen.<br />
* Sie ermöglichen implizite Schlussfolgerungen aus praktischem Handlungswissen, die keine explizite Darstellung besitzen.<br />
* Sie sind eine Anwendung nichtmonotoner Logik (mit zusätzlichen Informationen können sich die Schlüsse verändern, siehe dazu unten).</p>
<p>(10) Für die aristotelische Physik können folgende mentalen Modelle genannt werden:</p>
<p>* &#8220;Bewegung-impliziert-Kraft-Modell&#8221; erklärt die &#8220;erzwungenen Bewegungen&#8221;<br />
* &#8220;Schwere-erzeugt-Fall-Modell&#8221; erklärt die &#8220;natürlichen Bewegungen&#8221; (ebd.: 320)</p>
<p>(11) Als Beispiele für mentale Modelle können wohl auch bildliche Vorstellungen über die Welt und ihre Teile gelten (Quelle: Hawking 2001, S. 229):</p>
<p>* Schildkrötenuniversum<br />
* Rutherfords Atom<br />
* Wurmloch-Modell</p>
<p>(12) Mentale Modelle stabilisieren zwar einerseits eine bestimmte Weise der Wissenschaft, gleichzeitig gilt es als Zeichen der Entwicklungskrise für eine wissenschaftliche Theorie, wenn immer mehr neue Erfahrungen bzw. Überlegungen mit dem bisher vorausgesetzten mentalen Modell in Konflikte geraten. So überschreitet beispielsweise die Bewegung eines Geschoss die Trennung der bei Aristoteles vorausgesetzten Trennung der beiden Modelle. &#8220;Probleme wie das der Geschoßbewegung waren Gegenstand kritischer Diskussionen und Revisionen der aristotelischen Naturphilosophie und führten schließlich in der frühen Neuzeit zum Aufstieg der Mechanik, allerdings erst, nachdem solche Probleme eine entschiedene Herausforderung für die zeitgenössischen Praktiker und Theoretiker geworden waren.&#8221; (ebd.)</p>
<p>(13) Als weiteres mentales Modell in der Physik wird der Atombegriff genannt (ebd.: 144), das Feldmodell nach Lorentz, das für Einsteins Suche nach den Feldgleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie heuristisch richtungsleitend war (ebd.: 189, 232) sowie das &#8220;Eimermodell&#8221;, das von Newton ausgehend von Ernst Mach verwendet wurde, um Newtons absoluten Raum in Frage zu stellen (ebd.: 215).</p>
<p>(14) Interessanterweise ist es oft die Verknüpfung vorher getrennter mentaler Modelle, die das wissenschaftliche Denken voranbringt. Das Äquivalenzprinzip der Allgemeinen Relativitätstheorie vereinigt das mentale Modell &#8220;Im frei fallenden Aufzug wirken Trägheitskräfte&#8221; und das mentale Modell &#8220;Im ruhenden Aufzug wirken Schwerkräfte&#8221;. Aufgrund der Nichtunterscheidbarkeit der Bewegungsweise der Bezugssysteme werden Trägheitskräfte und Schwerkräfte äquivalent, was auch der bereits bekannten numerischen Gleichheit von träger und schwerer Masse entspricht. Mentale Modelle erfassen in modellhaft-intuitiver Weise wesentliche Züge bestimmter Gegenstandsbereiche und in der Entwicklung der Physik werden vorher gültige Wesensunterschiede zusammen geführt (ebd.: 208).</p>
<p>(15) Am Beispiel der Einsteinschen Allgemeinen Relativitätstheorie zeigte Renn, inwieweit mentale Modelle quasi als Barrieren wirken, die erst grundlegend verändert werden müssen, ehe heuristische Prinzipien, neue Erfahrungen und mathematische Methoden zu neuen Theorien führen können.</p>
<h3>Nichtmonotone Logik und mentale Modelle</h3>
<p>(16) Die Bedeutung der mentalen Modelle erklärt sich vor allem durch ihre Rolle in der nichtmonotonen Schließweise in der wissenschaftlichen Erkenntnis. Es geht darum, neue Informationen in das Schlussfolgern einzubeziehen, nicht lediglich vorhandenes Wissen in verschiedenster Weise umzuformulieren. Eine klassische, monotone Schlussweise wäre z.B. folgende:</p>
<p>* Aussage 1: &#8220;Tux ist ein Vogel&#8221;<br />
* Aussage 2: &#8220;Die meisten Vögel können fliegen&#8221;<br />
* Schluss: &#8220;Tux kann fliegen.&#8221;</p>
<p>Das stimmt zwar &#8211; wenn wir jetzt aber zusätzlich erfahren, dass Tux ein Pinguin ist, erweist sich unser Schluss als falsch, denn Pinguine können nicht fliegen. Was nun? Die nichtmonotone Logik hat einen Ausweg. Die Aussage 2 wird nun als &#8220;Default-&#8221;Annahme betrachtet, die den Überlegungen zwar zugrunde gelegt wird, die unter dem Eindruck neuer Informationen aber außer Kraft gesetzt werden kann &#8211; wir ersetzen sie durch die Aussage &#8220;Pinguine wie Tux können nicht fliegen.&#8221; (Wikipedia (nichtmonotone Logik), vgl. auch Renn 2006: 44f.).</p>
<p>(17) In der Wissenschaftsgeschichte zeigte sich, dass der Übergang von einem Theoriensystem zu einem anderen i.a. mit dem Wechsel der Defaultannahmen verbunden war, und um diese näher zu bestimmen, spricht Renn von &#8220;mentalen Modellen&#8221;. Die Aristotelische Physik funktioniert, solange ihre Defaultannahme (ihr mentales Modell): &#8220;Bewegung wird durch Kräfte erzeugt&#8221; als geltend angenommen werden kann. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Bewegung von Wurfgeschossen damit nicht ausreichend erklärt werden kann. Über mehrere Jahrhunderte hinweg wird diese Frage diskutiert, bis bei Galilei schließlich diese Defaultannahme verändert: Kraft ist nicht die Bewegungsursache, sondern sie verändert lediglich den Bewegungszustand, d.h. Kraft ist nicht verbunden mit der Erzeugung einer Geschwindigkeit, sondern einer Beschleunigung. Mit dieser neuen Annahme kann dann schließlich die klassische Mechanik durch Newton geschaffen werden. Wir sehen, dass gerade diese Annahme, also dass Bewegung nicht durch Kraft erzeugt wird, sondern sozusagen als der &#8220;Normalzustand&#8221; vorausgesetzt (und nach einer Ursache von geradlinig-gleichförmiger Bewegung nicht mehr gefragt wird), nicht gerade unserer ersten Intuition entspricht. Wir nehmen ständig wahr, dass ein sich mit konstanter Geschwindigkeit bewegender Körper abbremst, dass seine weitere Bewegung einer Kraftzuführung bedarf. Aber wenn wir eine gute Physiklehrkraft hatten, wir haben gelernt, dass hier die eine bremsende Krafteinwirkung durch die Reibung zu berücksichtigen ist. Ohne diese Krafteinwirkung gilt Galileis Satz: Der Körper bewegt sich geradlinig-gleichförmig weiter. Die Vorstellungen über die Verursachung verschiedener Bewegungszustände sind derartige mentale Modelle, deren Rolle in der Wissenschaftsentwicklung fast immer nicht ausreichend genug betrachtet wird.</p>
<h3>Wahrheitsanspruch der mentalen Modelle</h3>
<p>(18) Während in der Diskussion der Paradigmen oft verschiedene Paradigmen als gleichermaßen gerechtfertigt neben einander gestellt werden, wird bei der Untersuchung mentaler Modelle der Übergang von vorherigen zu neueren mentalen Modellen durchaus eher als Fortschritt gesehen. (Vorausgesetzt ist hier das mentale Modell von dialektischer Entwicklung).</p>
<p>(19) Es wird betont, dass auf Grundlage des jeweils vorherigen mentalen Modells Probleme und Widersprüche (Problemantinomien nach Narski 1973 und Röseberg 1984) entstehen, die erst nach dem Übergang zu neuen Theorien auf Grundlage neuer mentaler Modelle gelöst werden konnten. Dass dies so ist, wird nicht durch die Behauptung einer &#8220;unverrückbaren Wahrheit&#8221; (Bärmann 2006) gerechtfertigt, sondern damit, dass unserem Erkenntnisbemühen durchaus eine äußere Welt, die relativ zu unseren Erkenntnisbewegungen stabiler und in sich konsistent ist, entgegen steht und zumindest Widerstand gegen beliebige Erkenntnisbilder, die sich als nicht angemessen erweisen, ausübt.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(19.1) 25.11.2006, 13:25, Benni Bärmann: Ich zitiere mal den kompletten Absatz auf den Du Dich beziehst:<br />
&#8220;Mentale Modelle&#8221; halten daran fest, dass es eine unverrückbare &#8220;Wahrheit&#8221; gibt, die wir zwar nur unzureichend oder garnicht erfassen können, die aber trotzdem der Bezugs- und Überprüfbarkeitspunkt ist auf den man sich immer zurückziehen kann. Demgegenüber betonen &#8220;Bedeutungswirbel&#8221; die Konstruiertheit des Sozialen.<br />
Ich sehe da (noch?) nicht den Widerspruch zu Deiner Formulierung.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(19.1.1) Kein Widerspruch?, 26.11.2006, 19:21, Annette Schlemm: Ich wollte klar stellen, dass das Konzept der Wahrheitsmodelle NICHT behauptet, dass es eine &#8220;unverrückbare &#8220;Wahrheit&#8221;" gibt und gleich gar nicht &#8220;daran festhält&#8221;. Wenn jemand diesen Satz bei Dir liest, bekommt er eine nicht zutreffende Vorstellung von dem, was das Konzept der &#8220;mentale Modelle&#8221; von sich behauptet.<br />
Tatsächlich allerdings vertritt das Konzept der &#8220;mentalen Modelle&#8221; nicht die Vorstellung, jedes Modell wäre gleichermaßen sinnvoll und beliebig nebeneinander zu stellen.<br />
Ich denke, es ist deshalb schon wichtig, sich auch immer konkret anzuschauen, wie die &#8220;mentalen Modelle&#8221; (zumindest bei dem Autor, auf den ich mich beziehe, siehe Renn) konkret eingesetzt werden. Siehe z.B. Punkt (10). An diesem Beispiel wird dann auch klar, welchen Rolle mentale Modelle spielen auch im Zusammenhang mit dem Wahrheitsanspruch für wissenschaftliche Erkenntnisse, die mentale Modelle verwenden (ein Modell alleine kann eh nicht als &#8220;wahr&#8221; oder &#8220;unwahr&#8221; bestimmt werden).<br />
Dieses kleine Unterkapitel ist quasi der Vermerk, dass wir genau diese Frage noch genauer klären müssen.<br />
Deutlich wird aber, dass eine Entgegensetzung: &#8220;Entweder &#8220;unverrückbare Wahrheit&#8221; &#8211; oder Verzicht auf Wahrheitsanspruch&#8221; eine unfruchtbare Extremisierung wäre. Es gibt noch andere Wahrheitsvorstellungen außer der von Dir genannten &#8220;unverrückbaren Wahrheit&#8221;.<br />
Die Wahrheit selbst wäre sowieso kein &#8220;Bezugs- und Überprüfbarkeitspunkt&#8221;, sondern Wahrheit hat was mit Bezug und Überprüfung zu tun &#8211; aber der Bezug und die Überprüfung bezieht sich auf die Wirklichkeit, in die unsere Erkennen und unser Tun eingebettet ist und auf die unser Veränderungswille hinzielt.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(19.1.1.1) Re: Kein Widerspruch?, 27.11.2006, 08:59, Benni Bärmann: Ok. Ich meinte was ganz ähnliches, wie Du. Hab es aber nicht so formuliert, das versteh ich jetzt. Hättest Du Lust an Ort und Stelle die Formulierung des Absatzes so umzubasteln, dass sie in Deinem Sinn richtig ist? Schließlich sind ja die &#8220;mentalen Modelle&#8221; euer Ding und ich werd da immer nur rummurksen, weil ich ja grade erst versuche zu verstehen was ihr überhaupt meint.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(19.1.1.1.1) Mehr zur Wahrheit, 02.12.2006, 17:55, Annette Schlemm: Weil das auf die Schnelle nicht so recht geht hab ich mich hingesetzt und meine Erfahrungen und meine Position dazu extra aufgeschrieben: http://www.opentheory.org/kf_wahrheit/text.phtml</p>
<p style="padding-left: 150px;">(19.1.1.1.1.1) Re: Mehr zur Wahrheit, 03.12.2006, 22:48, Benni Bärmann: Uff. Einen ganzen Text zu schreiben ist einfacher, als einen Satz umzuformulieren? Du überraschst mich immer wieder, Annette <img src='http://wadk.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /><br />
Ich hab jetzt einfach mal beides an Ort und Stelle verlinkt, damit das nicht verloren geht. Vielleicht kommen wir dann irgendwann auch zu einer Formulierung. Danke auf jeden Fall für die Mühe!</p>
<p style="padding-left: 180px;">(19.1.1.1.1.1.1) Re: Mehr zur Wahrheit, 05.12.2006, 14:48, Annette Schlemm: Einfacher ist es wohl nicht. Aber es hilft anderen besser, meine Grundlagen zu verstehen, von denen meine Formulierung ausgeht. Im &#8220;DorfTratsch&#8221; war die Konsequenz zu spüren, was passiert, wenn man ganz viel in einen Satz quetscht. Das Ergebnis klingt dann tatsächlich &#8220;schwülstig&#8221; für jene, die nicht wissen, was für mich welcher verwendete Begriff bedeutet.<br />
Und die ganze Wahrheitsfrage ist es tatsächlich wert, ausführlicher betrachtet zu werden, die Literaturstellen sind ein Hinweiszeichen darauf, dass wir da nicht von Null anfangen (für mich war es ja auch ein Lernprozess, nach der Wende das was früher einfach unter &#8220;bürgerlich&#8221; abgetan worden war, mir anzueignen und selbst bewerten zu lernen).</p>
<p>(20) Auch unter Berücksichtigung der Überlegungen aus den Science Studies, die den &#8220;Zusammenhang des epistemischen Status von Wissenschaft und ihrer institutionellen Stellung in der Gesellschaft&#8221; (Scharping 2001:9) untersuchen und davon ausgehen, dass auch das wahre Wissen sozial konstruiert ist, läuft die soziale Konstruktion nicht im luftleeren Raum ab, sondern gerade aus der Art und Weise der Konstitution von Wissen lässt sich auf die Konstituenten selbst &#8211; und damit auch die Wirklichkeit &#8211; zurück schließen (wenn auch tatsächlich keine Erkenntnis der Welt, &#8220;so wie sie ohne unsere Erkenntnis wäre&#8221; zu erreichen ist).</p>
<h3>Mentale Modelle in der Gesellschaftstheorie</h3>
<p>(21) Es ist tatsächlich nicht einfach komplikationslos möglich, einen Begriff aus der Wissenschaftstheorie für Naturwissenschaften auf die Gesellschaftswissenschaften zu übertragen. Trotzdem besteht auch in der Gesellschaft das berechtigte Ziel, die objektive Veränderbarkeit zu erkunden. Das darauf orientierte Erkenntnisinteresse ist Moment der gesellschaftlichen Praxis und ihr nicht entgegen zu stellen. Gesellschaftliche Strukturen und Bewegungen sind besondere Formen, die sich nicht in reduktionistischer Weise mit rein naturwissenschaftlichen (oder allgemeinwissenschaftlichen, z.B. systemtheoretischen) Mitteln angemessen begreifen lassen.</p>
<p>(22) Die Besonderheit der Gesellschaftstheorie ist vor allem darin zu sehen, dass es eine Theorie über die Praxis der Menschen ist, zu denen die Erkenntnissubjekte selbst auch gehören. Eigentlich ist auch in der Naturwissenschaft der Naturwissenschaftler zugleich immer auch praktisch Tätiger (wissenschaftliche Erfahrung bedarf des praktischen Eingreifens), und sein Gegenstand ist nicht etwa ein natürliches Ding, so wie es ohne seine Einwirkung wäre sondern ist seine Praxis. Aber trotzdem ist er dann nur ein Moment des Prozesses, während in der Gesellschaftswissenschaft seine Erkenntnis unmittelbar auch selbstreflexiv auf ihn als gesellschaftliches Wesen gerichtet ist. Die Kernchemie eines Sterns kann ich als Wissenschaftlerin untersuchen, ohne meine eigene Körperchemie berücksichtigen zu müssen (ich kann die Entstehung meiner Körperatome in einer Supernova durchaus ausblenden). Die Gesellschaftlichkeit steckt jedoch immer in mir drin. Dies ist in jeder Gesellschaftsform so.</p>
<h3>Denkformen und Mentale Modelle im Kapitalismus</h3>
<p>(23) Zusätzlich erschwert ist die Situation in der kapitalistisch-bürgerlichen Gesellschaftsform. Hier begegnet den Menschen ihre Gesellschaftlichkeit als scheinbar äußere Macht. Menschen müssen ihr Leben als vereinzelte Individuen im Konkurrenzkampf gegen andere (und als Kapitalabhängige insgesamt noch gegen die Kapitalinteressen) führen, so dass ihnen ihre gesellschaftlichen Beziehungen als von außen auferlegte erscheinen. Diese Erscheinung ist einerseits so gegeben (anders als innerhalb dieser vereinzelnden Verhältnisse kann niemand leben) &#8211; andererseits verdeckt diese Erscheinung des individuellen Vereinzeltseins und der Äußerlichkeit gesellschaftlicher Beziehungen die tatsächlichen gesellschaftlichen Zwangs- und Machtverhältnisse. Es entsteht ein &#8220;notwendig falsches&#8221; Bewusstsein. Es ist notwendig, weil es in dieser Gesellschaft angelegt ist, und jede Person sich im Verhalten anderen gegenüber danach richtet und sie tendenziell auch so denkt und &#8220;falsch&#8221; im Sinne von &#8220;verkehrt&#8221;, weil es so nicht stimmt: Wir sind nicht wirklich Vereinzelte, denen die Gesellschaftlichkeit von außen zukommt, sondern wir bleiben auch als Individuen gesellschaftliche Wesen. Als ein Begriff für solche in sich widersprüchlichen Denkformen gibt es das Wort &#8220;Ideologien&#8221;. Diese sind dann Auffassungen, die</p>
<p>* eine strukturierende, grundlegende Rolle in der Gesellschaft darstellen (nicht nur &#8220;Überbau&#8221; sind),<br />
* das Handeln von Menschen trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Widersprüchlichkeit ermöglichen (sie ermöglichen entsprechend den entfremdeten Verhältnisse ein Verhalten, das sich den Gegebenheiten anpasst und sie für das handelnde Individuum auch rechtfertigt).</p>
<p style="padding-left: 30px;">(23.1) Re: Denkformen und Mentale Modelle im Kapitalismus, 26.11.2006, 19:46, Annette Schlemm: Ich denke, dass es einerseits möglich wäre, &#8220;mentale Modelle&#8221; nur als anderes Wort für &#8220;Denkformen&#8221; zu verwenden, vielleicht noch mit der Unterscheidung, dass mentale Modelle auch eher emotionale Momente enthalten als das reine Denken<br />
Nachdem ich schon länger drüber nachdenke, ziehe ich etwas anderes vor: Ich würde &#8220;Denkformen&#8221; mit Marx als allgemeinere Bezeichnung für &#8220;gesellschaftlich gültige, also objektive Gedankenformen für die Produktionsverhältnisse&#8230;&#8221; (Marx MEW 23: 89f.) (wäre noch genauer weiter zu entwickeln&#8230;) ansehen. Diese Denkformen gelten für alle Denk- und Wissenstypen, also auch das unreflektierte Alltagsdenken.<br />
Mentale Modelle haben zwar mit diesen Alltagsauffassungen viel zu tun, haben aber eine konkretere, präzisere Bestimmung: Sie sind jeweils die &#8220;Default-Annahmen&#8221; innerhalb wissenschaftlicher Theorien (wie in den Naturwissenschaften jetzt auch für die Gesellschaftstheorien).<br />
Eine der Defaultannahmen der bürgerlichen Gesellschaftstheorien ist: &#8220;Der Mensch ist eigentlich isoliert und die Gesellschaftlichkeit wird durch den Individuen äußerliche Beziehungen hergestellt.&#8221; Unter dieser Voraussetzung kommt dann die &#8220;unsichtbare Hand&#8221; usw. ins Spiel und die Notwendigkeit der äußerliche Regulierung über Pläne oder Kapitalinvestitionsressourcenallokationen (schönes langes Wort <img src='http://wadk.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  ). Wenn wir mit dieser Art Gesellschaftstheorien zu tun haben, sind solche Defaultannahmen nicht auf den ersten Blick entschlüsselbar, und es ist bedeutsam, sie wenigstens erst mal transparent zu machen um zu schauen, ob sie wirklich so stimmen, wie angenommen.<br />
Auf diese Weise zeigt sich noch mal, dass die mentalen Modelle in präziserer Weise bei der konkreten Analyse (von gesellschaftswissenschaftlichen Theorien und anderen Denkformen) helfen können als das Sprechen über Paradigmen aus der Kuhnschen Paradigmenlehre (mit Paradigmen können wir trotzdem auch arbeiten, aber die mentalen Modelle sind ein zusätzliches Erkenntnismittel).</p>
<p style="padding-left: 60px;">(23.1.1) Re: Denkformen und Mentale Modelle im Kapitalismus, 27.11.2006, 09:04, Benni Bärmann: Versteh ich das richtig, dass Du &#8220;mentale Modelle&#8221; also eher auf der Wissenschaftsseite angesiedelt siehst und weniger im Alltag? Das fände ich schade, weil ich glaube, dass was wirksam ist sind ja weniger die Wissenschaftstheorien, sondern eben mehr das Alltagsverständnis. Bei unserem Thema ist es glaube ich also dann nicht so sehr eine abstrakte Vorstellung vom isolierten Individuum, sondern mehr so ein &#8220;jeder sieht wo er bleibt&#8221;, was Ausnahmen (Familie, Freunde, &#8230;) immer mit meint.<br />
Die Theorie vom isolierten Homo oeconomicus ist ja eben gerade nicht alltagskonform. Das durchwursteln und dabei auf den eigenen Vorteil gucken aber schon. Sich nur auf wissenschaftlicher Ebene auseinanderzusetzen ist viel zu einfach, fürchte ich.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(23.1.1.1) Re: Denkformen und Mentale Modelle im Kapitalismus, 28.11.2006, 06:40, Annette Schlemm: Ich denke, irgendwo sollte aber schon ein Unterschied zwischen Alltagsdenken und wissenschaftlichem Denken bestehen und man muss ihn auch irgendwo fest machen.<br />
Man sollte einen Begriff, der schon eine Bedeutung hat, nicht ständig neu erfinden. Das, was &#8220;mentale Modelle&#8221; bei Renn in der Untersuchung der Entwicklung der Wissenschaft bedeuten, könnte auch in der Entwicklung von Gesellschaftstheorie fruchtbar werden. Als Bezeichnung für &#8220;irgendwas, was die Leute im Kopf haben&#8221;, gibts vielleicht andere Worte.<br />
Auf der Berechtigung auch einer wissenschaftlichen Ebene der Betrachtung würde ich bestehen. Um die Verbindung zwischen diesen Ebenen (Alltag-, Wissenschaft-) näher zu bestimmen, muss ich auch die Ebenen selbst in sich weiter entwickeln und nicht immer nur bis ins Ununterscheidbare zusammenmauscheln.<br />
Wir können das auch mit der Naturwissenschaft vergleichen: Einerseits haben wir eher immer noch ein &#8220;aristotelisches Gefühl&#8221; für fallende Gegenstände (Steine fallen eben schneller als Federn), andererseits haben viele von uns sich auch schon dran gewöhnt, sich die Luft wegzudenken und sich vorstellen zu können, dass im Vakuum die Feder genau so schnell fällt wie ein Stein. Das Alltagsgefühl für Bewegung und die jeweilige wissenschaftliche Theorie dafür muss jedoch erst mal für sich untersucht werden um dann zu schauen, welche Beziehungen beides haben. Bzw. aus dem Durcheinander muss zuerst unterschieden werden und nach einer Bestimmung jeder Ebene kann dann deren Verhältnis genauer erkannt werden, was vorher zusammengemauschelt unfassbar war.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(23.1.1.1.1) Re: Denkformen und Mentale Modelle im Kapitalismus, 29.11.2006, 11:05, Benni Bärmann: Naja, die Diskussion hatte ich letztens erst mit Stefan. Ihr scheint beide immer davon auszugehen, das man erst die Dinge unterscheiden muss um sie benennen zu können. Dumm nur, wenn die Dinge sich erst durch ihre Relationen definieren. Ich denke statt dessen: Man muß immer bei beidem anfangen, bei den Verbindungen und bei den Spezifika. Steckt da bei euch nicht noch der alte Reduktionismus drinnen, der immer nach einem Anfang des Denkens sucht? Diesen Anfang gibt es nicht und kann es nicht geben. Ok, aber das ist jetzt vielleicht eine sehr abstrakte Ebene.<br />
Ein bisschen konkreter geht es doch also gerade darum das alltägliche Wirken der Wissenschaft und die Wissenschaft des Alltags zu durchleuchten. Und das geht gerade nicht, wenn ich beides voneinander trenne und erst hinterher wieder zusammentue. Vielmehr liegt in dieser Trennung immer schon auch ein Stück Herrschaftsanspruch (so wie in jeder Trennung). Das hat doch deswegen noch nix mit (scheinbar abwertend gemeintem) &#8220;zusammenmauscheln&#8221; zu tun.</p>
<p style="padding-left: 150px;">(23.1.1.1.1.1) Re: Denkformen und Mentale Modelle im Kapitalismus, 02.12.2006, 15:28, Annette Schlemm: Es ist ja, als hättest Du inzwischen Hegel gelesen: &#8220;Man muß immer bei beidem anfangen, bei den Verbindungen und bei den Spezifika.&#8221;<br />
Das Problem ist aber, dass wir keine &#8220;Wissenschaft des Alltags&#8221; mehr haben und der &#8220;Alltag der Wissenschaft&#8221; hat nichts mit dem Alltag einer Hausfrau beim Essenkochen zu tun. Wir leben nicht in einer unbestimmten Welt, in der wir durch Unterscheidungen erst die Unterscheidung, bzw. Trennung erschüfen. So etwas wie &#8220;Wissenschaft des Alltags&#8221; ist ein spekulatives Konstrukt, das mich nicht weiter bringt.<br />
Eine sinnvollere Einheit von Alltag und Wissenschaft könnte im &#8220;konkrete Leben von Menschen auf einer bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungsstufe&#8221; gesehen werden und wir können dann fragen, wie sich ihr Alltagsleben und ihre wissenschaftliche Arbeit zueinander verhält. Und tatsächlich, ich setze bei der Fragestellung bereits voraus, dass es da eine Unterscheidung gibt und über die sage ich dann auch etwas. Eine Unterscheidung ist aber nicht gleich eine Trennung. Wenn Du das immer gleich in einen Topf wirfst und dann auch noch einen Herrschaftsanspruch unterstellst, geht wirklich zu viel durcheinander.</p>
<p style="padding-left: 180px;">(23.1.1.1.1.1.1) Re: Denkformen und Mentale Modelle im Kapitalismus, 03.12.2006, 22:49, Benni Bärmann: Ok, Du nennst &#8220;Wissenschaft des Alltags&#8221; ein &#8220;spekulatives Konstrukt&#8221;, ich finde das überall. &#8220;Massenintelektualität&#8221; wäre ein vielleicht geläufigeres Schlagwort, das in die selbe Richtung geht.<br />
Ich hab im übrigen von &#8220;alltäglichem Wirken der Wissenschaft&#8221; geschrieben und nicht von &#8220;Alltag der Wissenschaft&#8221;, das ist doch was ganz anderes.<br />
In einem von den Texten, die Du gerade verlinkt hast (im Wahrheits-Projekt: http://www.thur.de/philo/as237.htm ) hast Du übrigens ziemlich offen darüber gesprochen, dass für Dich Wissenschaft früher ein Mittel war den Alltag hinter Dir zu lassen. Mal ganz vorsichtig angefragt: Könnte es damit zu tun haben, dass Du jetzt so sehr auf dieser Trennung beharrst? Das würde ich verstehen.</p>
<p style="padding-left: 210px;">(23.1.1.1.1.1.1.1) Re: Denkformen und Mentale Modelle im Kapitalismus, 05.12.2006, 14:52, Annette Schlemm: Ich meine: Wir leben nicht in einem Null-Raum. Wir leben in einer Welt, in der sich das, was im Alltag so gedacht wird und das, was Wissenschaft ist, bereits geschieden haben. Siehe in der Physik: Alltagsphysik: Eine Feder fällt langsamer als ein Stein. Wissenschaftliche Physik: Galileisches Fallgesetz: Unter der Bedingung, dass störende Luft- und Medieneinflüsse ausgeschaltet sind, fallen alle Körper unabhängig von ihrer Masse gleich schnell. Ich kann das auch nicht einfach wieder zusammenkleben, sondern ich kann es zusammen denken, wenn ich zusätzlich die unterschiedlichen Bedingungen dieser Weltauffassungsformen mit denke. Diese Einheit ist aber nicht einfach die Summe von beiden Aussagen.<br />
&#8220;Wissenschaft um Alltag hinter mir zu lassen&#8221; &#8211; nein: meinen Alltag zu bereichern. Und nur einen solchen Alltag zu leben, erschien und erscheint mir für mich lebenswert.<br />
Und noch einmal: Eine UNTERSCHEIDUNG ist KEINE TRENNUNG !!</p>
<p style="padding-left: 240px;">(23.1.1.1.1.1.1.1.1) Wissenschaftliche physik, 05.12.2006, 21:10, Wolf Göhring: Oh je, die wissenschaftliche physik waere keine, wenn sie nicht die alltagsprobleme untersuchen und somit auf alltaegliche erfahrungen und erkenntnisse zurueckgreifen wuerde. Als ein solches alltagsproblem hat sich mittlerweile auch der luftwiderstand entpuppt, der eine feder langsamer als einen stein fallen und ein wenig windschnittiges auto viel sprit saufen laesst.<br />
Bedauerlicherweise ist so, dass man im alltag ein auto nicht im luftleeren raum rumduesen lassen kann, um &#8220;stoerende lufteinfluesse&#8221; auszuschalten.</p>
<p style="padding-left: 270px;">(23.1.1.1.1.1.1.1.1.1) Re: Wissenschaftliche physik, 07.12.2006, 17:38, Annette Schlemm: Der Bezug von Wissenschaft auf Alltag ist ja damit nicht abgerissen. Nur wird der Wissenschaftler/Ingenieur sich damit systematisch in anderer Weise beschäftigen, als beispielsweise ein Kind, das einfach mal auf allen Knöpfen herumdrückt, ohne über tieferliegende Zusammenhänge nachzudenken, und zu überprüfen, wann welche Faktoren wichtig werden und wie sie zu beeinflussen sind.<br />
Das Beispiel mit dem Fallgesetz ist ein typischer Fall um zu zeigen, dass Wissenschaft nicht einfach nur Erscheinungen sprachlich verdoppelt, bzw. beschreibt, sondern jeweils wesentlichen und unwesentlichen Einflussfaktoren unterscheidet. Was wann wesentlich und unwesentlich ist, bestimmt sich an der konkreten Aufgabe aus dem Alltag.</p>
<p style="padding-left: 240px;">(23.1.1.1.1.1.1.1.2) Weltauffassungsformen, 05.12.2006, 21:28, Wolf Göhring: Sind es wirklich unterschiedliche weltauffassungsformen, deren sich &#8211; beispielsweise &#8211; ein ingenieur befleissigt, wenn er ueber einen sparsamen automotor nachdenkt und wenn er &#8211; zehn minuten zuvor &#8211; darueber geschimpft hat, dass er mal wieder so schlecht einen parkplatz in der naehe seines wissenschaftlichen arbeitsplatzes gefunden hat?<br />
Oder: Ist die weltaufassungsform eines sozialwissenschaftlers ueber die produktion seines laptops, der in einer fernoestlichen schwitzbude zur welt kam und an dem er ein soziologisches traktat verfasst, von der weltauffassungsform in seinem traktat wesentlich verschieden?</p>
<p style="padding-left: 270px;">(23.1.1.1.1.1.1.1.2.1) Re: Weltauffassungsformen, 07.12.2006, 17:41, Annette Schlemm: Ja, es ist so, dass diese Weltauffassungsformen unterschieden (nicht getrennt) sind. Ohne Unterscheidung bliebe alles grau-in-grau, unbestimmt, ohne die Möglichkeit einer reflektierenden Distanz, die uns erst die Möglichkeit gibt, bewußt über Veränderungen nachzudenken und nicht nur im Strom des Gegebenen mitschwimmen zu müssen.<br />
Ich unterstütze jeden Gedanken, Weltauffassungsformen &#8211; wo sie sich getrennt und zu stark unterschieden haben &#8211; auch wieder zueinander zu bringen. Aber nicht in ein ununterscheidbares Einerlei, sondern in eine höherer Komplexität, in der die Vorteile jeder Weise genutzt werden können.</p>
<p style="padding-left: 240px;">(23.1.1.1.1.1.1.1.3) Unterscheidung und Trennung, 06.12.2006, 10:06, Benni Bärmann: Natürlich ist das nicht das Selbe. Aber es gibt natürlich auch keine Trennung ohne nicht vorher unterschieden zu haben. Wenn dann auch noch eine Hierarchie zur Unterscheidung hinzukommt, ist man schon ziemlich nah bei der Trennung. Das ist hier glaube ich der Fall. Eure Argumentation geht doch mehr oder weniger so: Keimformdenken ist wichtig für Keimformen, mentale Modelle sind wichtig für Keimformdenken. Wenn dann mentale Modelle als was Exklusives aus der Wissenschaftssphäre behandelt werden, ist doch schon klar, dass die Wissenschaftssphäre irgendwie wichtiger zu sein scheint für Keimformen als die Alltagssphäre. Und schon ist da eine Hierarchie und damit auch eine Trennung. Oder wo ist da mein Denkfehler?</p>
<p style="padding-left: 270px;">(23.1.1.1.1.1.1.1.3.1) Hierarchie und Wissenschaft, 07.12.2006, 17:34, Annette Schlemm: Okay, dann hier zum Mitmeißeln: Ich habe den Anspruch, HIER in Opentheory, in DIESEM Projekt wissenschaftlich an die Fragestellung heranzugehen und nicht nur meinen diesbezüglichen Alltag zu leben. Ob das besser ist oder schlechter, wird damit nicht behauptet. Es ist MEIN Versuch, auch mit dem Alltagsleben besser zurecht zu kommen, weil ich mich dann besser darin zurecht finden kann. Insofern folge ich noch der altmodischen Anschauung, dass Wissenschaft nicht nur ein Macht- und Herrschaftsmittel ist, sondern ein Orientierungsmittel gerade für Menschen, die das Gegebene bewußt verändern wollen. Diese Ansicht musst Du nicht teilen.<br />
Problematisch wird es nur, wenn daraus eine Situation wird, in der die braven Nicht-Hierarchisierer allen wissenschaftlich Denkenden Hierarchie und Machtgeilheit vorzuwerfen beginnen und Wissenschafts- und Denkverbote eingeführt werden.</p>
<p style="padding-left: 300px;">(23.1.1.1.1.1.1.1.3.1.1) Re: Hierarchie und Wissenschaft, 08.12.2006, 17:03, Benni Bärmann: Wieso glaubst Du, ich wollte Dir Deine Wissenschaft wegnehmen? Du reagierst grad ziemlich angefressen, so kenn ich Dich sonst nicht. Vielleicht belassen wir es einfach mal dabei anstatt uns weiter im Eckenboxen zu üben. Vielleicht noch zum Abschluß: Dass ich hier so viel nachfrage tue ich ja gerade, weil ich euer Projekt spannend finde. Und natürlich hast Du oder habt Ihr alles Recht der Welt da so ranzugehen, wie ihr es für sinnvoll haltet. Wenn ihr das hier semi-öffentlich tut, dann denke ich halt ihr seid interessiert dran andere Perspektiven zu hören und äußere die dann auch.</p>
<p style="padding-left: 330px;">(23.1.1.1.1.1.1.1.3.1.1.1) Re: Hierarchie und Wissenschaft, 11.12.2006, 21:37, Annette Schlemm: Ich hab mir vorgenommen, nicht mehr immer soooo sehr kompromisslerisch zu sein wie so oft. Manchmal macht ein immer-wieder-Zurückweichen die Position auch nicht klarer. Deshalb hab ich auf der Metaebene das mit dem Ecken-Boxen angesprochen, um es wenigstens auf einer sachlichen Ebene klären zu können und nicht in persönliche Vorwürfe zu kommen. Deine Interventionen sind sehr oft auch sehr hilfreich, aber in diesem Fall weiß ich auch nicht mehr, wie ich inhaltlich reagieren könnte, weil die Differenzen auf einer tieferen inhaltlichen Ebene liegen, als auf der wir uns grad befinden&#8230;</p>
<p style="padding-left: 120px;">(23.1.1.1.2) Alltagsdenken und wissenschaftliches Denken, 16.12.2006, 15:57, Ronny Hirsch: Der Begriff des Alltagsdenkens trifft meiner Ansicht nach nicht das, was in diesen Fall gemeint wird. Der Alltag wird natürlich in wesentlichen Teilen vom nicht wissenschaftliches Denken dominiert, es geht einfach schneller und ist auch effektiver. Alte Erfahungen die funktuionieren, funktionieren auch weiterhin &#8211; auch ohne sich darüber wissenschaftliche Gedanken machen zu müßen. Aber trotzdem ist das wissenschaftliche Denken im Alltag natürlich nicht ausgeschloßen, im Gegenteil, z.B. die Hausfrau, die ihre Arbeiten effektivieren will kann durchaus wissenschaftlich an die Sache herran gehen! (der wissenschaftliche Denkprozeß wäre übrigens auch ein eigenes Thema wert) Auch wenn sich im Laufe der Zeit die Wissenschaft zur Institution entwickelte, sich die Methoden der Wissenschaft spezialisiert haben und Alltagsuntauglich geworden sind &#8211; die wissenschaftliche Herrangehensweise, an welche Probleme auch immer, ist im Alltag durchaus möglich. &#8211;&gt; Die Unterscheidung der beiden Denkweisen an sich halte ich also für richtig aber an den Begriffen müßte gefeilt werden.</p>
<p>(24) Die Widersprüchlichkeit dieser &#8220;ideologischen&#8221; Denkformen zeigt sich vor allem darin, dass</p>
<p>* sie einerseits Oberflächenerscheinungen vom Wesen trennen und als das Wahre nehmen &#8211; und andererseits auch in diesen Erscheinungen das Wesen &#8211; allerdings nicht in trivialer Weise ersichtlich &#8211; erscheint;<br />
* die Menschen gleichzeitig Subjekte sind (indem sie es sind, die die Gesellschaft reproduzieren) und es gleichzeitig nicht sind (indem sich das von ihnen Geschaffene gegen sie verselbständigt) und<br />
* diese Denkformen einerseits durch die gesellschaftlichen Verhältnisse vorherbestimmt sind aber andererseits aktiv reproduziert werden müssen, um wirksam zu werden. (sie sind nicht lediglich aufgezwungen).</p>
<p style="padding-left: 30px;">(24.1) 26.11.2006, 19:54, Annette Schlemm: Her bricht mein Text ab, weil ich einfach noch nicht weiter bin&#8230; Diese letzten Punkte sind im Prinzip nur &#8220;Merkzettel&#8221; für jene Probleme, die hier an dieser Stelle auf uns zukommen&#8230;</p>
<h3>Literatur</h3>
<p>(25)<br />
Bärmann, Benni (2006): Wirbel und mentale Modelle. Internet http://www.aymargeddon.de/laboratorium/index.php/Bedeutungswirbel#Wirbel_und_mentale_Modelle. (2006-11-19)<br />
Hawking, Stephen (2001): Die illustrierte kurze Geschichte der Zeit. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag.<br />
Johnson-Laird, Phil; Byrne, Ruth (2000): Mental Models Website: http://www.tcd.ie/Psychology/Ruth_Byrne/mental_models/<br />
Kuhn, Thomas S. (1999): Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Frankfurt am Main: Suhrkamp. (Erstauflage 1962)<br />
Narski, Igor S. (1973): Dialektischer Widerspruch und Erkenntnislogik. Berlin: Deutscher Verlag der Wissenschaften.<br />
Renn, Jürgen (2006): Auf den Schultern von Riesen und Zwergen. Einsteins unvollendete Revolution. Weinheim: Wiley-VCH-Verlag. Kapitel 1 online (PDF): http://www.wiley-vch.de/templates/pdf/352740595X_c01.pdf<br />
Röseberg, Ulrich (1984): Szenarium einer Revolution. Nichtrelativistische Quantenmechanik und philosophische Widerspruchsproblematik. Berlin: Akademieverlag.<br />
Scharping, Michael (Hrsg.) (2001): Wissenschaftsfeinde? &#8220;Science Wars&#8221; und die Provokation der Wissenschaftsforschung. Münster: Westfälisches Dampfboot.<br />
Wikipedia (Mentales Modell): http://de.wikipedia.org/wiki/Mentales_Modell#Das_Mentale_Modell. (2006-11-19)<br />
Wikipedia (nichtmonotone Logiken): http://de.wikipedia.org/wiki/Logik#Nichtmonotone_Logiken. (2006-11-19)</p>
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		<title>Der jugoslawische Selbstverwaltungs-Sozialismus in Theorie und Praxis</title>
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		<pubDate>Fri, 20 May 2005 12:12:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Freitag/Sonnabend 27./28. Mai 2005, Helle Panke. Inhaltliche Vorbereitung: W. Rösler (ausführliches Programm bei ihm erhältlich) Referentin und Seminarleiterin: Dr. Gabriele Herbert, Institut für Selbstorganisation ( ISO ) Ffm. Moderation: MA Lena Tietgen Freitag, 18-21 Uhr: Vortrag und Gespräch: Die neue Gesellschaftskonzeption des BdK vom Selbstverwaltungs-Sozialismus. Auf welchen praktischen und theoretischen Grundlagen beruhte das Konzept? Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Freitag/Sonnabend 27./28. Mai 2005, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a>.</p>
<p>Inhaltliche Vorbereitung: W. Rösler (ausführliches Programm bei ihm erhältlich)</p>
<p>Referentin und Seminarleiterin: Dr. Gabriele Herbert, Institut für Selbstorganisation ( <a href="http://coforum.de/?427">ISO</a> ) Ffm.</p>
<p>Moderation: MA Lena Tietgen</p>
<p><span id="more-195"></span>Freitag, 18-21 Uhr: Vortrag und Gespräch:</p>
<ol>
<li>Die neue Gesellschaftskonzeption des BdK vom Selbstverwaltungs-Sozialismus. Auf welchen praktischen und theoretischen Grundlagen beruhte das Konzept?</li>
<li>Die Hauptergebnisse des Versuchs, Betriebe an Arbeiterräte zu übertragen und eine Selbstverwaltungsgesellschaft zu errichten.</li>
</ol>
<p>Samstag, 10-17 Uhr: Seminar:</p>
<ol>
<li>Die Bedeutung der Selbstbefreiung Jugoslawiens für seinen späteren Weg.</li>
<li>Selbstverwaltete Betriebe</li>
<li>Sozialistische Marktwirtschaft</li>
<li>Selbstverwaltungsgesellschaft</li>
<li>Die jugoslawische Selbstverwaltungsgesellschaft im Kampf der Systeme</li>
<li>Gegenwart: Was bleibt vom Selbstverwaltungsmodell? Weshalb ist es weitgehend gescheitert?</li>
</ol>
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