<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Wege aus dem Kapitalismus &#187; Arbeit / Arbeitskritik</title>
	<atom:link href="http://wadk.de/thema/arbeit-arbeitskritik/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://wadk.de</link>
	<description>Berlin</description>
	<lastBuildDate>Sun, 11 Jul 2010 16:07:21 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.1</generator>
		<item>
		<title>Der fr&#252;he Marx zu Weltbildung des Kapitals – Logisches und Historisches</title>
		<link>http://wadk.de/2009/der-fruehe-marx-zu-weltbildung-des-kapitals-logisches-und-historisches/</link>
		<comments>http://wadk.de/2009/der-fruehe-marx-zu-weltbildung-des-kapitals-logisches-und-historisches/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2009 21:49:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>UliW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit / Arbeitskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie / Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[arbeiterbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[historisches]]></category>
		<category><![CDATA[kapital]]></category>
		<category><![CDATA[lenin]]></category>
		<category><![CDATA[logisches]]></category>
		<category><![CDATA[marx]]></category>
		<category><![CDATA[uli weiss]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wadk.de/?p=274</guid>
		<description><![CDATA[In den &#214;konomisch-philosophischen Manuskripten von Marx habe ich folgende Darstellung der logischen Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit gefunden und daran einige &#220;berlegungen gekn&#252;pft. Die ber&#252;hren direkt sowohl unser letztes Hegel-Seminar (Begriffslogik) als auch das Kommunismus-Seminar und das folgende zu den Logiken von Hegel und Marx und eben die letzte Diskussion zu „Keimform wovon?“ Beste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den &#214;konomisch-philosophischen Manuskripten von Marx habe ich folgende Darstellung der logischen Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit gefunden und daran einige &#220;berlegungen gekn&#252;pft. Die ber&#252;hren direkt sowohl unser letztes Hegel-Seminar (Begriffslogik) als auch das <a href="http://wadk.de/2009/philosophische-spekulation-wissenschaft-konkrete-utopie/">Kommunismus-Seminar</a> und das folgende zu den Logiken von Hegel und Marx und eben die letzte Diskussion zu <a href="http://wadk.de/2009/keimform-wovon/">„Keimform wovon?“</a></p>
<p>Beste Gr&#252;&#223;e Uli</p>
<p><span id="more-274"></span>Marx:</p>
<blockquote><p>„ &#8230; das noch unvollendete Kapital &#8230; mu&#223; im Laufe seiner Weltbildung zu seinem abstrakten, d.h. reinen Ausdruck gelangen. -<br />
Das Verh&#228;ltnis des Privateigentums ist Arbeit, Kapital und die Beziehung beider. Die Bewegung, die diese Glieder zu durchlaufen haben, sind:<br />
Erstens – unmittelbare oder vermittelte Einheit beider.<br />
Kapital und Arbeit erst noch vereint; dann zwar getrennt und entfremdet, aber sich wechselseitig als positive Bedingungen hebend und fordernd.<br />
[Zweitens -]Gegensatz beider. Schlie&#223;en sich wechselseitig aus; der Arbeiter wei&#223; den Kapitalisten und umgekehrt als sein Nichtdasein; jeder sucht dem andren sein Dasein zu entrei&#223;en.<br />
[Drittens -]Gegensatz jedes gegen sich selbst. Kapital = aufgeh&#228;ufter Arbeit = Arbeit. Als solche zerfallend in sich und seine Zinsen, wie diese wieder in Zinsen und Gewinn. Restlose Aufopferung des Kapitalisten. Er f&#228;llt in die Arbeiterklasse, wie der Arbeiter &#8211; aber nur ausnahmsweise &#8211; Kapitalist wird. Arbeit als Moment des Kapitals, seine Kosten. Also der Arbeitslohn ein Opfer des Kapitals.<br />
Arbeit zerfallen in sich und den Arbeitslohn. Arbeiter selbst ein Kapital, eine Ware.<br />
Feindlicher wechselseitiger Gegensatz.“ [1]</p></blockquote>
<p><strong>Logische Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit</strong></p>
<p>Marx stellt hier eine logische Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital – Arbeit dar. Leider f&#252;hrt er diesen Entwurf nicht weiter aus. Dem mit der Hegelschen Logik Vertrauten ist aber klar, dass es hier nicht um die Darstellung einer historischen Entwicklung geht, sondern um eine kategoriale Rekonstruktion der Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit. Es ist in der kapitalistischen Wirklichkeit auch nicht so, dass etwa eine der drei genannten Bestimmungen des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit die anderen beiden ausschlie&#223;t. Schon aus diesem Grunde kann die tats&#228;chliche historische Entwicklung des Grundgegensatzes der kapitalistischen Produktionsweise nicht im direkten Zugriff entlang einer solchen logischen Entwicklung Hegel-/Marxscher Kategorien dargestellt werden. Wir finden vielmehr auf jeder Stufe ihrer historischen Entwicklung sowohl die unmittelbare oder vermittelte Einheit von Kapital und Arbeit (o.g. erste Entwicklung) als auch deren wechselseitiges Ausschlie&#223;en (t&#246;dlicher Gegensatz) sowie die Tatsache, dass jede Seite den Gegensatz zur anderen in sich selbst entwickelt (drittens).</p>
<p>Die einstige revolution&#228;re Sozialdemokratie und sp&#228;ter die Parteien der kommunistischen Internationale bzw. der reale Sozialismus sind in ihrem Selbstverst&#228;ndnis von der sogenannten antagonistische Beziehung zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie ausgegangen. Sie haben sich also eher auf den zweiten Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit als auf die anderen beiden bezogen und f&#252;r sich – zumindest in der Theorie – die beiden anderen Bestimmungen ausgeschlossen. Beide Seiten verstanden sie sozusagen als ein festgeronnenes Ausschlie&#223;en des anderen. „Feuer oder Wasser“. Entweder-Oder. So fasste etwa E. Honecker den sogenannten Klassenstandpunkt. [2] So schilderte es J. Reed in seinem Revolutionsbericht von 1917. [3] Ein Ineinander&#252;bergehen beider Seiten konnte von diesem Standpunkt aus h&#246;chstens verstanden werden als etwas der eigenen Klasse blo&#223; &#196;u&#223;erliches, ihre inneren Bestimmungen &#252;berhaupt nicht Ber&#252;hrendes, als Deklassierung oder Verrat einzelner Individuen. So standen sich in der Logik der zweiten Bestimmung und unter Ausschlie&#223;ung der anderen tats&#228;chlich in einer ausschlie&#223;enden und fast t&#246;dlichen  Weise zwei Weltsysteme gegen&#252;ber.</p>
<p>Und doch bestand auch in diesen sch&#228;rfsten Konfrontationen die „Einheit beider“ im Sinne der ersten wie der dritten Bestimmung („Gegensatz jedes gegen sich selbst“). Auch die letztere Bestimmung war in jener Zeit eine treffende Beschreibung des Verh&#228;ltnisses Kapitalismus/Sozialismus, Kapital/Arbeit und der jeweiligen inneren Entwicklung beider Seiten. Es gab nicht nur Handels-, wissenschaftliche, politische und pers&#246;nliche Beziehungen zwischen den „Systemen“ sondern auch kalte oder sogar hei&#223;e Kriege, die diese Einheit der Gegens&#228;tze „vermittelten“. Die Konvergenztheorie [4] der 1960er Jahre dr&#252;ckte auf ihre Weise eine Anerkennung dieser Einheit beider aus. Der Marxismus-Leninismus reagierte mit ideologischen Kampagnen gegen diese Theorie, die in keiner Weise in die Feuer-Wasser-Bestimmungen passte. Sie behauptete ein zuk&#252;nftig unumg&#228;ngliches Ineinanderaufgehen der beiden Systeme und brachte damit eine tats&#228;chliche Entwicklung zum Ausdruck. Dies geschah allerdings unbegriffen, da diese Entwicklung ohne Verst&#228;ndnis f&#252;r die sozial&#246;konomischen Formen als Wirkung einer technischen Entwicklung an sich angesehen wurde, der damals beginnenden wissenschaftlich-technischen Revolution. [5]</p>
<p>Der heutige historische Standort macht die Gleichzeitigkeiten der drei o.g. Bestimmungen im Verh&#228;ltnis Kapital/Arbeit leichter erkennbar, damit eben auch die (wachsende) G&#252;ltigkeit der o.g. dritten Bestimmung. Die sch&#228;rfste Systemkonfrontation ist inzwischen aufgehoben und zwar auf eine friedliche Weise, die weder Freund noch Feind f&#252;r m&#246;glich gehalten hatten. Der historisch-zivilisatorische Sinn der besonderen &#246;stlichen (nachholenden) Variante der b&#252;rgerlich-kapitalistischen Form von Vergesellschaftung, die fast allgemein als der totale Gegensatz zum Westen (miss-)verstanden wurde, hatte sich im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts erf&#252;llt. Der Zusammenbruch des Ostens ist Ausdruck und Katalysator einer tiefen Krise, in die die kapitalistische Formation insgesamt geraten ist. Es ist heute auch in der Utopie nicht mehr vorstellbar, dass eine Alternative zum Ganzen dadurch etabliert werden k&#246;nnte, dass einer der Seiten des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit „dem andren sein Dasein zu entrei&#223;en“ sucht, das Proletariat der Bourgeoisie etwa die Produktionsmittel.</p>
<p>Die gro&#223;en proletarischen Klassenkampforganisationen k&#246;nnen immer weniger eine relativ eigenst&#228;ndige Lebenswelt konstituieren, die in weitgehend ausschlie&#223;ender Gegens&#228;tzlichkeit zu der der Unternehmerschaft steht und die sich als ein potentieller gesellschaftlicher Gegenentwurf verstehen kann. In den Metropolen sind sie immer mehr gezwungen, in defensiven K&#228;mpfen um die Bewahrung von Interessen ihrer schwindenden Mitgliedschaft Co-Management zu betreiben, also in ihrem Klientel selbst die traditionellen Funktionen des Kapitals zur Geltung zu bringen. Diese K&#228;mpfe k&#246;nnen auch immer weniger f&#252;r sich in Anspruch nehmen, dem allgemeinen zivilisatorischen Fortschritt zu dienen. Das Ringen etwa um die Bewahrung von gewaltigen &#220;berkapazit&#228;ten im Automobilbau, um die Weiterf&#252;hrung von &#246;kologisch verheerenden Produktionen, um den Erhalt von Lohnarbeit &#252;berhaupt, all das ist wie die kapitalistische Produktionsweise insgesamt inzwischen als Bedrohung der menschlichen Zivilisation zu begreifen. Die proletarischen Organisationen, sofern sie noch eine gesellschaftliche Macht darstellen, werden so zu Instrumenten zur Durchsetzung oder Bewahrung von solchen Sonderinteressen, die einer allgemeinmenschlichen Emanzipation zunehmend entgegenstehen. Damit w&#228;chst der Zwang aber auch die M&#246;glichkeit jenseits der Hoffnung auf die proletarische Revolution nach Alternativen sowohl zum (westlichen) Kapitalismus als auch zum einstigen „Sozialismus“ zu suchen.</p>
<p>Es ist heute leichter als in den Zeiten der sch&#228;rfsten Klassen- und Systemkonfrontationen zu verstehen, dass immer schon in der Geschichte der kapitalistischen (und real-“sozialistischen“) Produktionsweise jede Seite nicht nur der ausschlie&#223;ende Gegensatz des anderen war, sondern auch die Bestimmungen das anderen in sich reproduzierte – das was im anderen bek&#228;mpft wurde. So reproduzierten sich – hier auf staatskapitalistische Art – im Osten Klassen- und Monopolverh&#228;ltnisse, eine so genannte „sozialistische“ Warenproduktion gem&#228;&#223; den Kategorien der Marxschen Kritik der (kapitalistischen) Politischen &#214;konomie, die in enger Anlehnung daran in der positiv gemeinsten sogenannten Politischen &#214;konomie des Sozialismus Anwendung fand (in der Volks- und Betriebswirtschaftslehre und im allgemeinen ML-Unterricht). Obgleich die Reproduktion von Verh&#228;ltnissen stattfand, die zu &#252;berschreiten der „Sozialismus“ im urspr&#252;nglichen Selbstverst&#228;ndnis eigentlich angetreten war, obwohl damit kein Schritt auf die angenommene kommunistische Zukunft hin unternommen wurde, ist diese „Abweichung“ nicht prim&#228;r zu begreifen als Ausdruck einer fehlerhaften Politik der f&#252;hrenden Parteien, falscher Theorien usw., sondern als eine, den gegebenen M&#246;glichkeiten durchaus ad&#228;quate Form einer gesellschaftlichen Entwicklung, die notwendigerweise innerhalb der Grenzen der industriellen Warenproduktion verbleiben musste. Der Fehler vielmehr bestand in der Selbstbezeichnung „Sozialismus“ bzw. „Kommunismus“.</p>
<p>Der Westen entwickelte seinerseits etwa mit dem New Deal, dessen Akteure wiederholt der Einf&#252;hrung des Kommunismus bezichtigt wurden, sowie mit der sp&#228;teren sogenannten sozialen Marktwirtschaft eine enorme und lange Zeit unverzichtbare Ausweitung der sozialen Funktionen des Staates, planwirtschaftliche Elemente, die ansonsten zur Denunziation des Ostens genutzt wurden.</p>
<p>Das muss hier als Einwand gen&#252;gen gegen eine umstandslose Lesart der Marxschen logischen Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit als eine Beschreibung eines realen Geschichtsprozesses.</p>
<p><strong>Historische Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital – Arbeit</strong></p>
<p>Dies vorausgesetzt kann man mit dem Blick etwa auf Marx&#8217; sp&#228;tere Arbeiten [6], auf die sehr unterschiedlichen Rezeptionen der Marxschen Theorie etwa bei Bernstein und Lenin [7], und vor allem auf die tats&#228;chliche historische Entwicklung des innerkapitalistischen Klassenkampfes Kapital – Arbeit auch sagen:<br />
In der logischen Entfaltung des Verh&#228;ltnisses von Kapital und Arbeit, in der kategorialen Entwicklung des „unvollendeten Kapitals“ zu „seiner Weltbildung“, kann man im globalen Sinne auch eine Antizipation zeitlich aufeinander folgende Entwicklungsphasen des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit erkennen und zwar im Sinne einer Dominanz &#252;ber die jeweils anderen, ebenfalls g&#252;ltigen Bestimmungen.</p>
<p>So wurde von den Generationen seit Marx&#8217; Zeiten bis in j&#252;ngere Geschichte hinein der „Gegensatz beider“, Kapital und Arbeit schlie&#223;en sich wechselseitig aus &#8230; jeder sucht dem andren sein Dasein zu entrei&#223;en“, also die zweite Bestimmung der oben zitierter Marxscher Entwicklung, als dominierende Wirklichkeit erlebt. Diese Bestimmung kann gelesen werden eben als eine konzentrierte Zusammenfassung des Selbstverst&#228;ndnisses und der versuchten Praxis der einst revolution&#228;ren Sozialdemokratie und der kommunistischen Internationale bzw. des realen „Sozialismus“. Diese Vorstellungen waren in  dieser Zeit unverzichtbare Voraussetzungen f&#252;r die gro&#223;e Wirksamkeit der proletarischen Bewegung und dieser Institutionen. „&#220;bersetzt“ man diese logische Entwicklung von Marx im Sinne der Hervorhebung der historisch jeweils dominierenden Tendenz so kann man heute auch die dritte Bestimmung als eine theoretische Vorwegnahme sich immer mehr zur Geltung bringender Entwicklungen innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise verstehen: „Feindlicher wechselseitiger Gegensatz“, allerdings ein „Gegensatz jedes gegen sich selbst.“ „Arbeit als Moment des Kapitals, &#8230; Arbeiter selbst ein Kapital.“ [8]</p>
<p>Die soganannten Ich-AGs, die Unmengen von Menschen in prek&#228;ren Selbst&#228;ndigkeiten aber auch durchaus besser situierte freischaffende Projektentwickler, die ihre gesamte Existenz im Sinne der Verwertbarkeit ihres gesamten Lebens best&#228;ndig neu entwerfen m&#252;ssen, aber auch die neuen Anforderungen an Teams innerhalb der kapitalistischen Gro&#223;produktion, die sich innerhalb der Abeitsteilung selbst als Profitcenter, als quasi eigenst&#228;ndige Unternehmen, zu behaupten haben – all das soll hier symbolisch stehen f&#252;r diesen heute immer wirklicher werdenden Prozess, in dem die unmittelbaren Produzenten massenhaft auch solche Funktionen in sich hineinnehmen, die fr&#252;her entschieden mehr an Unternehmer selbst bzw. an ihre Manager gebundene waren bzw. die in Form der gro&#223;en Maschinerie eben als Maschine das Kapitalverh&#228;ltnis direkt gegen&#252;ber etwa den Flie&#223;bandarbeitern zur Geltung brachte (Marx handelt dies sp&#228;ter ab unter der Kategorie reelle Subsumtion). In diesen neueren Entwicklungsformen des Verh&#228;ltnisses Kapital/Arbeit „wandert“ der Gegensatz noch entschieden mehr als in den fr&#252;heren Formen und direkt in die agierenden Individuen hinein: „jedes gegen sich selbst“. In der Ich-AG rebelliert der Proletarier in mir gegen mich selbst, der ich in eigener Verantwortung mich als mich selbst verwertender Wert dressieren muss. Meine menschlichen Bed&#252;rfnisse rebellieren gegen beide, gegen den kapitalistischen Entwerfer, Dirigenten, Kontrolleur, Antreiber, zu dem ich mir selbst gegen&#252;ber geworden bin, und gegen den proletarischen Arbeiter in mir, der im Interesse seiner Existenz gegen jene Zumutungen Widerstand leistet, die meine Existenz als eine sich selbst unternehmende Ware Arbeitskraft sichert. Ein Dilemma, das nicht im Widerstand gegen andere Menschengruppen, die Bourgeoisie etwa, oder noch begriffloser eng gefasst, gegen die sogenannten Heuschrecken, aufgel&#246;st oder in den Folgen ged&#228;mpft werden kann, nicht einmal mehr vor&#252;bergehend. Dies ist eine  Gegens&#228;tzlichkeit, eine innere Zerrissenheit, aus der keine noch so gro&#223;e Klassenorganisation heraus helfen kann, kein Sozialstaat, auch kein proletarischer, sondern nur eines: die v&#246;llige Aufhebung von Kapital und Arbeit selbst, von Warenproduktion, und zwar durch eine solche soziale Form von Produktions- und Lebensweise, die nicht &#252;ber Wert und Staat vermittelt ist.</p>
<p>Seitdem sich die kapitalistischen Produktionsweise auf ihrer eigenen Grundlage entwickelt war diese o.g. Marxsche dritte Bestimmung immer schon vorhanden. Aber in der heutigen postfordistischen Phase wird sie zur dominierenden Erscheinung des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit. Dies legt ganz andere Vorstellungen von einer nichtkapitalistischen Gesellschaft nahe als dies m&#246;glich war in den Zeiten der gro&#223;en Klassen- und Systemk&#228;mpfe, in denen sich die Gegens&#228;tzlichkeit von Kapital und Arbeit als t&#246;dliche Feindschaft sich &#228;u&#223;erlich gegen&#252;berstehenden gro&#223;er Menschengruppen und Staaten darstellte. Die Konstitution der neuen Gesellschaft war da massenhaft nur vorstellbar als Sieg der einen Seite &#252;ber die angeblich ganz andere, mit der man nichts gemein hatte, der man etwa die Produktionsmittel, den Staat, die Herrschaft &#252;ber die ideologischen Institutionen, also „sein Dasein zu entrei&#223;en“ hatte.</p>
<p>In der dritten Bestimmung der Marxschen logischen Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit und eben angesichts heutiger realer Entwicklungen er&#246;ffnen sich theoretisch und praktisch ganz andere Wege aus dem Kapitalismus als dem fr&#252;her geschichtsm&#228;chtigen Arbeiterbewegungsmarxismus der zweiten und dritten Internationalen oder aus der Sicht gro&#223;er gewerkschaftlicher K&#228;mpfe.</p>
<p>Die m&#246;glichen Momente einer solchen neuen Vergesellschaftung, deren Voraussetzungen in der jetzigen entstehen, k&#246;nnen nur in solchen sozialen R&#228;umen und Bewegungen ihre eigene neue Logik entwickeln, die von vornherein jenseits der Grundstrukturen der kapitalistischen Produktions- und Lebensweise agieren, jenseits der Vermittlung durch Wert, Staat, Ideologie, durch solche, die in ihren keimf&#246;rmigen Existenzen bereits die Aufl&#246;sung genau dieser Grundstrukturen sind.</p>
<p>Der fr&#252;he Marx suchte nach einer sozialen Kraft, die die kapitalistische Gesellschaft aufheben k&#246;nnte, und nach sozialen Formen, in denen das geschehen konnte. Irrt&#252;mlicher Weise – dies machte ihm kommunistisches Denken &#252;berhaupt erst m&#246;glich – glaubte  er, dies im Proletariat gefunden zu haben: Er bestimmte das Proletariat als eine „Klasse der b&#252;rgerlichen Gesellschaft, welche keine Klasse der b&#252;rgerlichen Gesellschaft ist“ sondern deren Aufl&#246;sung [9]. Das Geniale an diesem Irrtum von Marx war, dass er in einer Zeit, in der die tats&#228;chlichen Subjekte der Aufhebung des Kapitalismus durch eine neue Gesellschaft noch nicht erkennbar sein konnten, u.a. eine solche Charakteristik eines potentiellen Subjektes der Aufhebung gab: keine Klasse der b&#252;rgerlichen Gesellschaft sondern ihre Aufl&#246;sung. Es ist zu fragen, inwiefern dies auf heute sich entwickelnde Praxen, auf sozialen R&#228;ume zutrifft, die sich jenseits von Verwertungs- und Herrschaftslogiken konstituieren und in denen die Akteure f&#252;r sich selbst und f&#252;r andere Menschen jenseits von Wert- und Herrschaftsvermittlung allgemein zug&#228;nglichen Reichtum produzieren. Es ist zu fragen, inwiefern solcherart tats&#228;chlich Keimformen, also verallgemeinerbar sein k&#246;nnen. Mittels der Marxschen Bestimmungen k&#246;nnten sich heute entsprechende Assoziationen in ihrer historischen Potenz selbst begreifen.</p>
<p>Ulrich Wei&#223;</p>
<p><strong>Fu&#223;noten</strong></p>
<p>[1]  Karl Marx, &#214;konomisch-philosophische Manuskripte, MEW EB I/529.</p>
<p>[2] Erhard Eppler zitiert im Sozialdemokratischen Pressedienst vom 17. Februar 1988 Erich Honecker: „Kapitalismus und Sozialismus verhalten sich zueinander wie Feuer und Wasser.“ Er f&#252;gt hinzu: Dieser „k&#246;nnte der Zustimmung Reagans f&#252;r seinen eing&#228;ngigen Satz sicher sein.“</p>
<p>[3]  „Am Stationseingang standen zwei Soldaten mit Gewehren und aufgepflanzten Bajonetten, umringt von zirka hundert hitzig auf sie einredenden Gesch&#228;ftsleuten, Regierungsbeamten und Studenten. Die Soldaten waren unzug&#228;nglich &#8230; . Ein gro&#223;er junger Mann &#8230;. in der Uniform eines Studenten, f&#252;hrte das Wort. „Ihr werdet doch wohl begreifen, da&#223; ihr euch zu Werkzeugen von M&#246;rdern und Verr&#228;tern macht, wenn ihr die Waffen gegen eure Br&#252;der erhebt&#8221;, sagte er in unversch&#228;mtem Ton. „Ach, Bruder&#8221;, antwortete der Soldat ernsthaft, „du verstehst nicht. Es gibt zwei Klassen. Kannst du das nicht sehen? Das Proletariat und die Bourgeoisie. Wir&#8230;.&#8221; Oh, ich kenne dieses dumme Gerede &#8230; Ich bin selbst Marxist! &#8230; Du scheinst zu glauben, Lenin ist ein aufrichtiger Freund des Proletariats &#8230; wei&#223;t du dann auch, da&#223; Lenin in einem geschlossenen Zuge durch Deutschland gefahren ist und da&#223; er von den Deutschen Geld genommen hat?&#8221; „Davon wei&#223; ich nichts&#8221;, antwortete der Soldat. „Aber mir scheint, da&#223; er gerade das sagt, was ich und meinesgleichen h&#246;ren wollen. Es gibt zwei Klassen, die Bourgeoisie und das Proletariat.&#8221; Du bist ein Narr, mein Freund. Ich habe zwei Jahre lang in der Schl&#252;sselburg gesessen, als du noch Revolution&#228;re niederschossest &#8230; Und ich bin ein Gegner der Bolschewiki, die unser Ru&#223;land und die Revolution zugrunde richten. Wie erkl&#228;rst du dir das?&#8221; Der Soldat kratzte sich am Kopf. „Das kann ich mir nicht erkl&#228;ren. Mir erscheint die Sache ganz einfach; aber ich bin ja kein gebildeter Mann. Es gibt nur zwei Klassen, die Bourgeoisie und das Proletariat&#8230;&#8221; Da kommst du schon wieder mit deinen dummen Phrasen&#8221;, schrie der Student. „Nur zwei Klassen&#8221;, fuhr der Soldat hartn&#228;ckig fort, und wer nicht auf der einen Seite ist, der ist auf der anderen.&#8221; John Reed, 10 Tage, die die Welt ersch&#252;tterten. <a href="http://www.ml-werke.de/andere/reed.htm">www.ml-werke.de/andere/reed.htm</a>, 17. Juli 2009</p>
<p>[4]  „Sozialwissenschaftliche und politisch-&#246;konomische These der 1950er/1960er Jahre, die von einer strukturell bedingten Ann&#228;herung zwischen kapitalistischen und sozialistischen Systemen ausging: Da beide Ideologien und Wirtschaftsformen mit den gleichen innergesellschaftlichen Anforderungen der modernen Industrieproduktion konfrontiert sind (z.B. Arbeitskr&#228;ftekonzentration, hochgradige Arbeitsteilung, zunehmender Kapitalbedarf, Abkehr vom Familieneigentum, zunehmende Effizienzsteigerung), werden sie sich organisatorisch, technisch und wirtschaftlich angleichen.“ &#8212; Lexikon der Bundeszentrale der Politischen Bildung, Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 4., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2006. <a href="http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=9WCT23">www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=9WCT23</a>, 21.07. 2009</p>
<p>[5]  Die dementsprechende Kritik von Marxisten, dass die technische Entwicklung und deren Konsequenzen ohne Verst&#228;ndnis der sozialen Formen der Produktionsweise in Ost und West betrachtet werden, war zutreffend. Problematisch ist der Standpunkt, von dem aus diese berechtigte Kritik geleistet wird, die Annahme, die sogeannte sozialistische Warenproduktion und der westliche industrielle Warenproduktion und die mit beiden verbundenen Klassen- und Herrschaftsstrukturen seinen von gegens&#228;tzlicher, einander ausschlie&#223;ender sozial&#246;konomischer Qualit&#228;t. Siehe Stichwort „Konvergenztheorie“, Philosophisches W&#246;rterbuch“, Leipzig 1996, Hg. Georg Klaus und Manfred Buhr, Bd. 2, S. 599ff.</p>
<p>[6]   In den Grundrissen der Kritik der Politischen &#214;konomie kam Marx zu Aussagen &#252;ber einen Entwicklungsstand der kapitalistischen Produktionsweise, der Produktivit&#228;t menschlicher Arbeit, der technischen Entwicklung und der Entwicklung des Charakters der Arbeit noch innerhalb des Kapitalismus, die die sachlichen und menschlichen Voraussetzungen daf&#252;r hervorbringen, dass die kapitalistische Form der Reichtumsproduktion zu miserablen Grundlage und die wertvermittelte Produktionsweise aufhebbar wird. Dies Aussagen sind logische Entwicklung und Antizipation eines zuk&#252;nftigen Zustandes in einem. MEW 24/592ff.6  In den Grundrissen der Kritik der Politischen &#214;konomie kam Marx zu Aussagen &#252;ber einen Entwicklungsstand der kapitalistischen Produktionsweise, der Produktivit&#228;t menschlicher Arbeit, der technischen Entwicklung und der Entwicklung des Charakters der Arbeit noch innerhalb des Kapitalismus, die die sachlichen und menschlichen Voraussetzungen daf&#252;r hervorbringen, dass die kapitalistische Form der Reichtumsproduktion zu miserablen Grundlage und die wertvermittelte Produktionsweise aufhebbar wird. Dies Aussagen sind logische Entwicklung und Antizipation eines zuk&#252;nftigen Zustandes in einem. MEW 24/592ff.</p>
<p>[7]  Von einem jeweils unterschiedlichem Entwicklungsniveau der kapitalistischen Produktionsweise ausgehend, sahen sie sozusagen einzelne der o.g. Marxschen Bestimmungen das Verh&#228;ltnisses Kapital/Arbeit als die entscheidenden an. Bernstein sah die proletarische Bewegung f&#252;r eine noch unbestimmte Zeit mehr als ein relativ selbst&#228;ndiges Moment des organischen Ganzen b&#252;rgerliche Gesellschaft. Konsequenterweise sah er die Vorstellung vom sogenannten Endziel der proletarischen Bewegung, dass als Ergebnis einer letzten (Vernichtuns-)Schlacht begriffen und besungen wurde, als eine f&#252;r die tats&#228;chlich anstehenden K&#228;mpfe des (deutschen) Proletariats l&#228;ssliche propagandistische Floskel an. Lenin dagegen bewegte sich viel mehr in den Kategorien der Marxschen zweiten Bestimmung. Er agierte bezogen auf einen Weltteil, der in voller Konkurrenz zum westlichen entwickelten Kapitalismus stehend selbst eher an einem Mangel an b&#252;rgerlich-kapitalistischer Entwicklung litt als an solchen Krisen, die bereits deren zivilisatorische &#220;berlebtheit anzeigten. Was die schwache russische Bourgeoisie nicht vermochte, schaffte der russische Staatskapitalismus unter bolschewistischer F&#252;hrung: Die urspr&#252;ngliche Akkumulation, die weitgehende Proletarisierung der Bev&#246;lkerung. Dies geschah in einer solch forcierten Weise, dass tats&#228;chlich eine solche industrielle Warenproduktion zustande kam, die sich (bis an die Grenzen, die der Fordismus setzte) in der internationalen Konkurrenz behaupten konnte. Dies erschien als ein Daseinskrieg gegen die Weltbourgeoisie und auf diese Auseinandersetzung wurden auch die inneren Konflikte projiziert, die sich notwendig mit der industriellen Warenproduktions und der entsprechenden Klassenspaltung ergab.</p>
<p>[8]  Karl Marx, &#214;konomisch-philosophische Manuskripte, MEW EB I/529.</p>
<p>[9]  Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. MEW 1/390.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wadk.de/2009/der-fruehe-marx-zu-weltbildung-des-kapitals-logisches-und-historisches/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Arbeitsteilung</title>
		<link>http://wadk.de/2008/arbeitsteilung-2/</link>
		<comments>http://wadk.de/2008/arbeitsteilung-2/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 25 Mar 2008 20:20:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit / Arbeitskritik]]></category>
		<category><![CDATA[» Treffen]]></category>
		<category><![CDATA[arbeitsteilung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wadk.de/?p=98</guid>
		<description><![CDATA[Wir diskutieren Thesen von Matti. Mittwoch, 2. April 2008, 18:00 Uhr, Helle Panke]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir diskutieren Thesen von Matti.</p>
<p>Mittwoch, 2. April 2008, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wadk.de/2008/arbeitsteilung-2/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
