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	<title>Wege aus dem Kapitalismus &#187; universalität</title>
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		<title>Gebrauchswert und Universalit&#228;t</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Oct 2009 10:02:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie / Praxis]]></category>
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		<description><![CDATA[In einer Maildiskussion kritisierte Juli die These vom Gebrauchswert als nicht-&#246;konomischer Kategorie. Ich entgegnete, dass Marx dies aber durchaus auch so sah und zitierte aus »Zur Kritik der politischen &#214;konomie« (MEW 13, S. 16) folgenden Abschnitt: Obgleich Gegenstand gesellschaftlicher Bed&#252;rfnisse, und daher in gesellschaftlichem Zusammenhang, dr&#252;ckt der Gebrauchswert jedoch kein gesellschaftliches Produktionsverh&#228;ltnis aus. (&#8230;) Gebrauchswert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In einer Maildiskussion kritisierte <a href="http://emanzipationoderbarbarei.blogsport.de/">Juli</a> die These vom Gebrauchswert als nicht-&#246;konomischer Kategorie. Ich entgegnete, dass Marx dies aber durchaus auch so sah und zitierte aus »Zur Kritik der politischen &#214;konomie« (MEW 13, S. 16) folgenden Abschnitt:</p>
<blockquote><p><em>Obgleich Gegenstand gesellschaftlicher Bed&#252;rfnisse, und daher in gesellschaftlichem Zusammenhang, dr&#252;ckt der Gebrauchswert jedoch kein gesellschaftliches Produktionsverh&#228;ltnis aus. (&#8230;) Gebrauchswert zu sein scheint notwendige Voraussetzung f&#252;r die Ware, aber Ware zu sein gleichg&#252;ltige Bestimmung f&#252;r den Gebrauchswert. Der Gebrauchswert in dieser Gleichg&#252;ltigkeit gegen die &#246;konomische Formbestimmung, d.h. der Gebrauchswert als Gebrauchswert, liegt jenseits des Betrachtungskreises der politischen &#214;konomie.</em></p></blockquote>
<p><span id="more-305"></span>Es geht also um die Frage, ob der Gebrauchswert eine &#252;berhistorische oder spezifisch-kapitalistische Kategorie ist. Juli verwies auf eine <a href="http://www.canalc2.tv/video.asp?idVideo=7034&amp;voir=oui">Diskussion</a> zwischen <span>Etienne Balibar und Moishe Postone, in der Postone den Gebrauchswert als kapitalistische Formbestimmung ansieht. Juli fasst zusammen:</span></p>
<blockquote><p><em>er argumentiert, dass gebrauchswert ja die nutzbarkeit eines gegenstandes als solche bezeichnet. der gegenstand, der als ware verh&#246;kert wird, ist f&#252;r alle menschen prinzipiell nutzbar, soweit sie ihn nur erwerben k&#246;nnen. in vormodernen gesellschaften hingegen sei es so gewesen, dass die nutzbarkeit von gegenst&#228;nden ebenso wie die gesellschaftliche arbeit als solche in ein korsett gesellschaftlicher regeln und normen eingebunden war. es gab entsprechend gegenst&#228;nde, die von bestimmten menschen nicht genutzt werden durften und andere gegenst&#228;nde, die von anderen menschen nicht genutzt werden durften. das konnte beispielsweise an kategorien wie geschlecht oder stand entlang definiert sein. insofern kann &#8212; so postone &#8212; von einer universellen nutzbarkeit von gebrauchsgegenst&#228;nden erst mit dem kapitalismus die rede sein. was nun nicht hei&#223;t, dass das mit dem kapitalismus verschwinden muss. aber zumindest ist der gebrauchswert &#8212; so verstanden &#8212; eine kategorie, die durchaus auch in ihrer form als kapitalistisch und damit als gesellschaftliche oder &#246;konomische kategorie beschrieben werden kann.</em></p></blockquote>
<p>Postone argumentiert vom Begriff der Universalit&#228;t aus, die der Kapitalismus als eine abstrakte in die Welt gebracht hat. Er argumentiert, dass Objekte vor dem Kapitalismus sozial gebunden waren, Objekt und Verf&#252;gung waren sozusagen eins. Das erinnert an Eske Bockelmanns These vom materialen Taktverst&#228;ndnis vor dem Kapitalismus (w&#228;hrend sich das abstrakte Taktverst&#228;ndnis erst mit der Verallgemeinerung der Waren- und Geldform durchsetzte). Doch ist es das Gleiche?</p>
<p>Die Frage nach dem Charakter der Kategorie Gebrauchswert ist nun verschoben auf die Frage nach dem Begriff der Universalit&#228;t. Ist Universalit&#228;t notwendig mit Abstraktion verbunden? K&#246;nnte man nicht in Anlehnung an Bockelmann von einer vormodernen »materialen Universalit&#228;t« ausgehen, die erst mit der Durchsetzung des Kapitalismus zur »abstrakten Universalit&#228;t« wurde wie wir sie kennen?</p>
<p>Was k&#246;nnte eine materiale, sozial gebundene Universalit&#228;t sein?</p>
<p>Es war ja nicht so, dass es eine strikte soziale Trennung beim Zugriff auf Objekte gab, sondern die Angeh&#246;rigen der herrschenden Klasse konnten durchaus willk&#252;rlich auf alles zugreifen, inklusive auf die subalternen Menschen selbst, die dadurch den Status von Sachen bekamen. Universalit&#228;t war also eine sozial gebundene Universalit&#228;t der herrschenden Klassen.</p>
<p>Nun mag man einw&#228;nden, dass eine so verstandene Universalit&#228;t gar keine »richtige«, sondern nur eine begrenzte, also gar keine sei. Dieses Argument lie&#223;e sich jedoch genauso f&#252;r den abstrakt-allgemeinen Begriff der Universalit&#228;t der b&#252;rgerlichen Gesellschaft in Anschlag bringen. Auch hier ist die Universalit&#228;t eine begrenzte, weil sie sich immer erst im Nachhinein beweist und nicht a priori. Zwar war die b&#252;rgerliche Gesellschaft auf der Grundlage eines Begriffes der abstrakt-allgemeinen Universalit&#228;t so etwa wie »universelle Menschenrechte« zu formulieren, aber eben nicht zu realisieren. Die Realisierung von Menschenrechten h&#228;ngt eben doch allzuoft der Zahlungsf&#228;higkeit der Betroffenen ab.</p>
<p>Kurz: Einen Begriff von Universalit&#228;t oder Allgemeinheit gab es auch schon vor dem Kapitalismus, er war nur v&#246;llig anders beschaffen. Entsprechend erscheint es mir zwingend, dass auch die Nutzbarkeit »allgemein« gedacht werden konnte &#8212; allgemein im Sinne des historisch-spezifisch denk- und machbaren Allgemeinen. Es ist also erforderlich, dass wir f&#252;r N&#252;tzlichkeit einen &#252;berhistorischen Begriff ben&#246;tigen, der jedoch dann, wenn es an die konkrete Analyse einer Gesellschaftsform geht, entsprechend konkretisiert werden muss.</p>
<p>Aus meiner Sicht ist also der Gebrauchswert eine Konkretisierung eines allgemeinen Begriffs der N&#252;tzlichkeit f&#252;r kapitalistische Verh&#228;ltnisse und insofern <em>nicht</em> &#252;berhistorisch verwendbar. Hier widerspreche ich wie Postone also auch Marx, nur w&#252;rde ich anders als Postone argumentieren. In der Postone&#8217;schen Argumentation liegt mir zu sehr die Gefahr der Hypostasierung von Verh&#228;ltnissen, die der Kapitalismus hervorgebracht hat. Auch die spezifisch kapitalistischen Kategorien sind immer als historisch relative zu behandeln. Das und damit die M&#246;glichkeit der Aufhebung geht mir bei Postone tendenziell verloren.</p>
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