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	<title>Wege aus dem Kapitalismus &#187; uli weiss</title>
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		<title>Audio-Dokumentation der Kommunismus-Veranstaltung</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Sep 2009 13:00:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Audio-Dokumentation der Verstaltung »Philosophische Spekulation – Wissenschaft – konkrete Utopie?« der Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus« vom 11./12. September 2009 liegt vor. Sie besteht aus sechs Teilen (direkte Download-Links auf die OGG-Dateien): Freitag, 11.9.: Vortrag, erster Teil (Dauer 1:45 Std., Gr&#246;&#223;e 47,0 MB) Diskussion (Dauer 0:55 Std., Gr&#246;&#223;e 24,3, MB) Samstag, 12.9.: Vortrag, zweiter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Audio-Dokumentation der Verstaltung <a href="http://wadk.de/2009/philosophische-spekulation-wissenschaft-konkrete-utopie/">»Philosophische Spekulation – Wissenschaft – konkrete Utopie?«</a> der Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus« vom 11./12. September 2009 liegt vor. Sie besteht aus sechs Teilen (direkte Download-Links auf die OGG-Dateien):</p>
<p>Freitag, 11.9.:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-1.ogg">Vortrag, erster Teil (Dauer 1:45 Std., Gr&#246;&#223;e 47,0 MB)</a></li>
<li> <a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-2.ogg">Diskussion (Dauer 0:55 Std., Gr&#246;&#223;e 24,3, MB)</a></li>
</ul>
<p>Samstag, 12.9.:</p>
<ul>
<li> <a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-3.ogg">Vortrag, zweiter Teil, mit Diskussion dazwischen (Dauer 2:01 Std., Gr&#246;&#223;e 54,5 MB)</a></li>
<li> <a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-4.ogg">Diskussion mittags (Dauer 0:25 Std., Gr&#246;&#223;e 11,5 MB)</a></li>
<li> <a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-5.ogg">Diskussion nachmittags (Dauer 1:37 Std., Gr&#246;&#223;e 43,3 MB)</a></li>
<li> <a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-6.ogg">Abschluss (Dauer 0:21 Std., Gr&#246;&#223;e 9,5 MB)</a></li>
</ul>
<p>Die Dateien liegen auf einer <a href="http://www.archive.org/details/kommunismen-in-der-zeit">eigenen Seite bei archive.org</a>. <span style="text-decoration: line-through;">Dort stehen die Daten auch im MP3-Format und als Streaming zum direkten Anh&#246;ren zur Verf&#252;gung.</span></p>
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		<title>Der fr&#252;he Marx zu Weltbildung des Kapitals – Logisches und Historisches</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jul 2009 21:49:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>UliW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit / Arbeitskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[In den &#214;konomisch-philosophischen Manuskripten von Marx habe ich folgende Darstellung der logischen Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit gefunden und daran einige &#220;berlegungen gekn&#252;pft. Die ber&#252;hren direkt sowohl unser letztes Hegel-Seminar (Begriffslogik) als auch das Kommunismus-Seminar und das folgende zu den Logiken von Hegel und Marx und eben die letzte Diskussion zu „Keimform wovon?“ Beste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den &#214;konomisch-philosophischen Manuskripten von Marx habe ich folgende Darstellung der logischen Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit gefunden und daran einige &#220;berlegungen gekn&#252;pft. Die ber&#252;hren direkt sowohl unser letztes Hegel-Seminar (Begriffslogik) als auch das <a href="http://wadk.de/2009/philosophische-spekulation-wissenschaft-konkrete-utopie/">Kommunismus-Seminar</a> und das folgende zu den Logiken von Hegel und Marx und eben die letzte Diskussion zu <a href="http://wadk.de/2009/keimform-wovon/">„Keimform wovon?“</a></p>
<p>Beste Gr&#252;&#223;e Uli</p>
<p><span id="more-274"></span>Marx:</p>
<blockquote><p>„ &#8230; das noch unvollendete Kapital &#8230; mu&#223; im Laufe seiner Weltbildung zu seinem abstrakten, d.h. reinen Ausdruck gelangen. -<br />
Das Verh&#228;ltnis des Privateigentums ist Arbeit, Kapital und die Beziehung beider. Die Bewegung, die diese Glieder zu durchlaufen haben, sind:<br />
Erstens – unmittelbare oder vermittelte Einheit beider.<br />
Kapital und Arbeit erst noch vereint; dann zwar getrennt und entfremdet, aber sich wechselseitig als positive Bedingungen hebend und fordernd.<br />
[Zweitens -]Gegensatz beider. Schlie&#223;en sich wechselseitig aus; der Arbeiter wei&#223; den Kapitalisten und umgekehrt als sein Nichtdasein; jeder sucht dem andren sein Dasein zu entrei&#223;en.<br />
[Drittens -]Gegensatz jedes gegen sich selbst. Kapital = aufgeh&#228;ufter Arbeit = Arbeit. Als solche zerfallend in sich und seine Zinsen, wie diese wieder in Zinsen und Gewinn. Restlose Aufopferung des Kapitalisten. Er f&#228;llt in die Arbeiterklasse, wie der Arbeiter &#8211; aber nur ausnahmsweise &#8211; Kapitalist wird. Arbeit als Moment des Kapitals, seine Kosten. Also der Arbeitslohn ein Opfer des Kapitals.<br />
Arbeit zerfallen in sich und den Arbeitslohn. Arbeiter selbst ein Kapital, eine Ware.<br />
Feindlicher wechselseitiger Gegensatz.“ [1]</p></blockquote>
<p><strong>Logische Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit</strong></p>
<p>Marx stellt hier eine logische Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital – Arbeit dar. Leider f&#252;hrt er diesen Entwurf nicht weiter aus. Dem mit der Hegelschen Logik Vertrauten ist aber klar, dass es hier nicht um die Darstellung einer historischen Entwicklung geht, sondern um eine kategoriale Rekonstruktion der Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit. Es ist in der kapitalistischen Wirklichkeit auch nicht so, dass etwa eine der drei genannten Bestimmungen des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit die anderen beiden ausschlie&#223;t. Schon aus diesem Grunde kann die tats&#228;chliche historische Entwicklung des Grundgegensatzes der kapitalistischen Produktionsweise nicht im direkten Zugriff entlang einer solchen logischen Entwicklung Hegel-/Marxscher Kategorien dargestellt werden. Wir finden vielmehr auf jeder Stufe ihrer historischen Entwicklung sowohl die unmittelbare oder vermittelte Einheit von Kapital und Arbeit (o.g. erste Entwicklung) als auch deren wechselseitiges Ausschlie&#223;en (t&#246;dlicher Gegensatz) sowie die Tatsache, dass jede Seite den Gegensatz zur anderen in sich selbst entwickelt (drittens).</p>
<p>Die einstige revolution&#228;re Sozialdemokratie und sp&#228;ter die Parteien der kommunistischen Internationale bzw. der reale Sozialismus sind in ihrem Selbstverst&#228;ndnis von der sogenannten antagonistische Beziehung zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie ausgegangen. Sie haben sich also eher auf den zweiten Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit als auf die anderen beiden bezogen und f&#252;r sich – zumindest in der Theorie – die beiden anderen Bestimmungen ausgeschlossen. Beide Seiten verstanden sie sozusagen als ein festgeronnenes Ausschlie&#223;en des anderen. „Feuer oder Wasser“. Entweder-Oder. So fasste etwa E. Honecker den sogenannten Klassenstandpunkt. [2] So schilderte es J. Reed in seinem Revolutionsbericht von 1917. [3] Ein Ineinander&#252;bergehen beider Seiten konnte von diesem Standpunkt aus h&#246;chstens verstanden werden als etwas der eigenen Klasse blo&#223; &#196;u&#223;erliches, ihre inneren Bestimmungen &#252;berhaupt nicht Ber&#252;hrendes, als Deklassierung oder Verrat einzelner Individuen. So standen sich in der Logik der zweiten Bestimmung und unter Ausschlie&#223;ung der anderen tats&#228;chlich in einer ausschlie&#223;enden und fast t&#246;dlichen  Weise zwei Weltsysteme gegen&#252;ber.</p>
<p>Und doch bestand auch in diesen sch&#228;rfsten Konfrontationen die „Einheit beider“ im Sinne der ersten wie der dritten Bestimmung („Gegensatz jedes gegen sich selbst“). Auch die letztere Bestimmung war in jener Zeit eine treffende Beschreibung des Verh&#228;ltnisses Kapitalismus/Sozialismus, Kapital/Arbeit und der jeweiligen inneren Entwicklung beider Seiten. Es gab nicht nur Handels-, wissenschaftliche, politische und pers&#246;nliche Beziehungen zwischen den „Systemen“ sondern auch kalte oder sogar hei&#223;e Kriege, die diese Einheit der Gegens&#228;tze „vermittelten“. Die Konvergenztheorie [4] der 1960er Jahre dr&#252;ckte auf ihre Weise eine Anerkennung dieser Einheit beider aus. Der Marxismus-Leninismus reagierte mit ideologischen Kampagnen gegen diese Theorie, die in keiner Weise in die Feuer-Wasser-Bestimmungen passte. Sie behauptete ein zuk&#252;nftig unumg&#228;ngliches Ineinanderaufgehen der beiden Systeme und brachte damit eine tats&#228;chliche Entwicklung zum Ausdruck. Dies geschah allerdings unbegriffen, da diese Entwicklung ohne Verst&#228;ndnis f&#252;r die sozial&#246;konomischen Formen als Wirkung einer technischen Entwicklung an sich angesehen wurde, der damals beginnenden wissenschaftlich-technischen Revolution. [5]</p>
<p>Der heutige historische Standort macht die Gleichzeitigkeiten der drei o.g. Bestimmungen im Verh&#228;ltnis Kapital/Arbeit leichter erkennbar, damit eben auch die (wachsende) G&#252;ltigkeit der o.g. dritten Bestimmung. Die sch&#228;rfste Systemkonfrontation ist inzwischen aufgehoben und zwar auf eine friedliche Weise, die weder Freund noch Feind f&#252;r m&#246;glich gehalten hatten. Der historisch-zivilisatorische Sinn der besonderen &#246;stlichen (nachholenden) Variante der b&#252;rgerlich-kapitalistischen Form von Vergesellschaftung, die fast allgemein als der totale Gegensatz zum Westen (miss-)verstanden wurde, hatte sich im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts erf&#252;llt. Der Zusammenbruch des Ostens ist Ausdruck und Katalysator einer tiefen Krise, in die die kapitalistische Formation insgesamt geraten ist. Es ist heute auch in der Utopie nicht mehr vorstellbar, dass eine Alternative zum Ganzen dadurch etabliert werden k&#246;nnte, dass einer der Seiten des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit „dem andren sein Dasein zu entrei&#223;en“ sucht, das Proletariat der Bourgeoisie etwa die Produktionsmittel.</p>
<p>Die gro&#223;en proletarischen Klassenkampforganisationen k&#246;nnen immer weniger eine relativ eigenst&#228;ndige Lebenswelt konstituieren, die in weitgehend ausschlie&#223;ender Gegens&#228;tzlichkeit zu der der Unternehmerschaft steht und die sich als ein potentieller gesellschaftlicher Gegenentwurf verstehen kann. In den Metropolen sind sie immer mehr gezwungen, in defensiven K&#228;mpfen um die Bewahrung von Interessen ihrer schwindenden Mitgliedschaft Co-Management zu betreiben, also in ihrem Klientel selbst die traditionellen Funktionen des Kapitals zur Geltung zu bringen. Diese K&#228;mpfe k&#246;nnen auch immer weniger f&#252;r sich in Anspruch nehmen, dem allgemeinen zivilisatorischen Fortschritt zu dienen. Das Ringen etwa um die Bewahrung von gewaltigen &#220;berkapazit&#228;ten im Automobilbau, um die Weiterf&#252;hrung von &#246;kologisch verheerenden Produktionen, um den Erhalt von Lohnarbeit &#252;berhaupt, all das ist wie die kapitalistische Produktionsweise insgesamt inzwischen als Bedrohung der menschlichen Zivilisation zu begreifen. Die proletarischen Organisationen, sofern sie noch eine gesellschaftliche Macht darstellen, werden so zu Instrumenten zur Durchsetzung oder Bewahrung von solchen Sonderinteressen, die einer allgemeinmenschlichen Emanzipation zunehmend entgegenstehen. Damit w&#228;chst der Zwang aber auch die M&#246;glichkeit jenseits der Hoffnung auf die proletarische Revolution nach Alternativen sowohl zum (westlichen) Kapitalismus als auch zum einstigen „Sozialismus“ zu suchen.</p>
<p>Es ist heute leichter als in den Zeiten der sch&#228;rfsten Klassen- und Systemkonfrontationen zu verstehen, dass immer schon in der Geschichte der kapitalistischen (und real-“sozialistischen“) Produktionsweise jede Seite nicht nur der ausschlie&#223;ende Gegensatz des anderen war, sondern auch die Bestimmungen das anderen in sich reproduzierte – das was im anderen bek&#228;mpft wurde. So reproduzierten sich – hier auf staatskapitalistische Art – im Osten Klassen- und Monopolverh&#228;ltnisse, eine so genannte „sozialistische“ Warenproduktion gem&#228;&#223; den Kategorien der Marxschen Kritik der (kapitalistischen) Politischen &#214;konomie, die in enger Anlehnung daran in der positiv gemeinsten sogenannten Politischen &#214;konomie des Sozialismus Anwendung fand (in der Volks- und Betriebswirtschaftslehre und im allgemeinen ML-Unterricht). Obgleich die Reproduktion von Verh&#228;ltnissen stattfand, die zu &#252;berschreiten der „Sozialismus“ im urspr&#252;nglichen Selbstverst&#228;ndnis eigentlich angetreten war, obwohl damit kein Schritt auf die angenommene kommunistische Zukunft hin unternommen wurde, ist diese „Abweichung“ nicht prim&#228;r zu begreifen als Ausdruck einer fehlerhaften Politik der f&#252;hrenden Parteien, falscher Theorien usw., sondern als eine, den gegebenen M&#246;glichkeiten durchaus ad&#228;quate Form einer gesellschaftlichen Entwicklung, die notwendigerweise innerhalb der Grenzen der industriellen Warenproduktion verbleiben musste. Der Fehler vielmehr bestand in der Selbstbezeichnung „Sozialismus“ bzw. „Kommunismus“.</p>
<p>Der Westen entwickelte seinerseits etwa mit dem New Deal, dessen Akteure wiederholt der Einf&#252;hrung des Kommunismus bezichtigt wurden, sowie mit der sp&#228;teren sogenannten sozialen Marktwirtschaft eine enorme und lange Zeit unverzichtbare Ausweitung der sozialen Funktionen des Staates, planwirtschaftliche Elemente, die ansonsten zur Denunziation des Ostens genutzt wurden.</p>
<p>Das muss hier als Einwand gen&#252;gen gegen eine umstandslose Lesart der Marxschen logischen Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit als eine Beschreibung eines realen Geschichtsprozesses.</p>
<p><strong>Historische Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital – Arbeit</strong></p>
<p>Dies vorausgesetzt kann man mit dem Blick etwa auf Marx&#8217; sp&#228;tere Arbeiten [6], auf die sehr unterschiedlichen Rezeptionen der Marxschen Theorie etwa bei Bernstein und Lenin [7], und vor allem auf die tats&#228;chliche historische Entwicklung des innerkapitalistischen Klassenkampfes Kapital – Arbeit auch sagen:<br />
In der logischen Entfaltung des Verh&#228;ltnisses von Kapital und Arbeit, in der kategorialen Entwicklung des „unvollendeten Kapitals“ zu „seiner Weltbildung“, kann man im globalen Sinne auch eine Antizipation zeitlich aufeinander folgende Entwicklungsphasen des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit erkennen und zwar im Sinne einer Dominanz &#252;ber die jeweils anderen, ebenfalls g&#252;ltigen Bestimmungen.</p>
<p>So wurde von den Generationen seit Marx&#8217; Zeiten bis in j&#252;ngere Geschichte hinein der „Gegensatz beider“, Kapital und Arbeit schlie&#223;en sich wechselseitig aus &#8230; jeder sucht dem andren sein Dasein zu entrei&#223;en“, also die zweite Bestimmung der oben zitierter Marxscher Entwicklung, als dominierende Wirklichkeit erlebt. Diese Bestimmung kann gelesen werden eben als eine konzentrierte Zusammenfassung des Selbstverst&#228;ndnisses und der versuchten Praxis der einst revolution&#228;ren Sozialdemokratie und der kommunistischen Internationale bzw. des realen „Sozialismus“. Diese Vorstellungen waren in  dieser Zeit unverzichtbare Voraussetzungen f&#252;r die gro&#223;e Wirksamkeit der proletarischen Bewegung und dieser Institutionen. „&#220;bersetzt“ man diese logische Entwicklung von Marx im Sinne der Hervorhebung der historisch jeweils dominierenden Tendenz so kann man heute auch die dritte Bestimmung als eine theoretische Vorwegnahme sich immer mehr zur Geltung bringender Entwicklungen innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise verstehen: „Feindlicher wechselseitiger Gegensatz“, allerdings ein „Gegensatz jedes gegen sich selbst.“ „Arbeit als Moment des Kapitals, &#8230; Arbeiter selbst ein Kapital.“ [8]</p>
<p>Die soganannten Ich-AGs, die Unmengen von Menschen in prek&#228;ren Selbst&#228;ndigkeiten aber auch durchaus besser situierte freischaffende Projektentwickler, die ihre gesamte Existenz im Sinne der Verwertbarkeit ihres gesamten Lebens best&#228;ndig neu entwerfen m&#252;ssen, aber auch die neuen Anforderungen an Teams innerhalb der kapitalistischen Gro&#223;produktion, die sich innerhalb der Abeitsteilung selbst als Profitcenter, als quasi eigenst&#228;ndige Unternehmen, zu behaupten haben – all das soll hier symbolisch stehen f&#252;r diesen heute immer wirklicher werdenden Prozess, in dem die unmittelbaren Produzenten massenhaft auch solche Funktionen in sich hineinnehmen, die fr&#252;her entschieden mehr an Unternehmer selbst bzw. an ihre Manager gebundene waren bzw. die in Form der gro&#223;en Maschinerie eben als Maschine das Kapitalverh&#228;ltnis direkt gegen&#252;ber etwa den Flie&#223;bandarbeitern zur Geltung brachte (Marx handelt dies sp&#228;ter ab unter der Kategorie reelle Subsumtion). In diesen neueren Entwicklungsformen des Verh&#228;ltnisses Kapital/Arbeit „wandert“ der Gegensatz noch entschieden mehr als in den fr&#252;heren Formen und direkt in die agierenden Individuen hinein: „jedes gegen sich selbst“. In der Ich-AG rebelliert der Proletarier in mir gegen mich selbst, der ich in eigener Verantwortung mich als mich selbst verwertender Wert dressieren muss. Meine menschlichen Bed&#252;rfnisse rebellieren gegen beide, gegen den kapitalistischen Entwerfer, Dirigenten, Kontrolleur, Antreiber, zu dem ich mir selbst gegen&#252;ber geworden bin, und gegen den proletarischen Arbeiter in mir, der im Interesse seiner Existenz gegen jene Zumutungen Widerstand leistet, die meine Existenz als eine sich selbst unternehmende Ware Arbeitskraft sichert. Ein Dilemma, das nicht im Widerstand gegen andere Menschengruppen, die Bourgeoisie etwa, oder noch begriffloser eng gefasst, gegen die sogenannten Heuschrecken, aufgel&#246;st oder in den Folgen ged&#228;mpft werden kann, nicht einmal mehr vor&#252;bergehend. Dies ist eine  Gegens&#228;tzlichkeit, eine innere Zerrissenheit, aus der keine noch so gro&#223;e Klassenorganisation heraus helfen kann, kein Sozialstaat, auch kein proletarischer, sondern nur eines: die v&#246;llige Aufhebung von Kapital und Arbeit selbst, von Warenproduktion, und zwar durch eine solche soziale Form von Produktions- und Lebensweise, die nicht &#252;ber Wert und Staat vermittelt ist.</p>
<p>Seitdem sich die kapitalistischen Produktionsweise auf ihrer eigenen Grundlage entwickelt war diese o.g. Marxsche dritte Bestimmung immer schon vorhanden. Aber in der heutigen postfordistischen Phase wird sie zur dominierenden Erscheinung des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit. Dies legt ganz andere Vorstellungen von einer nichtkapitalistischen Gesellschaft nahe als dies m&#246;glich war in den Zeiten der gro&#223;en Klassen- und Systemk&#228;mpfe, in denen sich die Gegens&#228;tzlichkeit von Kapital und Arbeit als t&#246;dliche Feindschaft sich &#228;u&#223;erlich gegen&#252;berstehenden gro&#223;er Menschengruppen und Staaten darstellte. Die Konstitution der neuen Gesellschaft war da massenhaft nur vorstellbar als Sieg der einen Seite &#252;ber die angeblich ganz andere, mit der man nichts gemein hatte, der man etwa die Produktionsmittel, den Staat, die Herrschaft &#252;ber die ideologischen Institutionen, also „sein Dasein zu entrei&#223;en“ hatte.</p>
<p>In der dritten Bestimmung der Marxschen logischen Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit und eben angesichts heutiger realer Entwicklungen er&#246;ffnen sich theoretisch und praktisch ganz andere Wege aus dem Kapitalismus als dem fr&#252;her geschichtsm&#228;chtigen Arbeiterbewegungsmarxismus der zweiten und dritten Internationalen oder aus der Sicht gro&#223;er gewerkschaftlicher K&#228;mpfe.</p>
<p>Die m&#246;glichen Momente einer solchen neuen Vergesellschaftung, deren Voraussetzungen in der jetzigen entstehen, k&#246;nnen nur in solchen sozialen R&#228;umen und Bewegungen ihre eigene neue Logik entwickeln, die von vornherein jenseits der Grundstrukturen der kapitalistischen Produktions- und Lebensweise agieren, jenseits der Vermittlung durch Wert, Staat, Ideologie, durch solche, die in ihren keimf&#246;rmigen Existenzen bereits die Aufl&#246;sung genau dieser Grundstrukturen sind.</p>
<p>Der fr&#252;he Marx suchte nach einer sozialen Kraft, die die kapitalistische Gesellschaft aufheben k&#246;nnte, und nach sozialen Formen, in denen das geschehen konnte. Irrt&#252;mlicher Weise – dies machte ihm kommunistisches Denken &#252;berhaupt erst m&#246;glich – glaubte  er, dies im Proletariat gefunden zu haben: Er bestimmte das Proletariat als eine „Klasse der b&#252;rgerlichen Gesellschaft, welche keine Klasse der b&#252;rgerlichen Gesellschaft ist“ sondern deren Aufl&#246;sung [9]. Das Geniale an diesem Irrtum von Marx war, dass er in einer Zeit, in der die tats&#228;chlichen Subjekte der Aufhebung des Kapitalismus durch eine neue Gesellschaft noch nicht erkennbar sein konnten, u.a. eine solche Charakteristik eines potentiellen Subjektes der Aufhebung gab: keine Klasse der b&#252;rgerlichen Gesellschaft sondern ihre Aufl&#246;sung. Es ist zu fragen, inwiefern dies auf heute sich entwickelnde Praxen, auf sozialen R&#228;ume zutrifft, die sich jenseits von Verwertungs- und Herrschaftslogiken konstituieren und in denen die Akteure f&#252;r sich selbst und f&#252;r andere Menschen jenseits von Wert- und Herrschaftsvermittlung allgemein zug&#228;nglichen Reichtum produzieren. Es ist zu fragen, inwiefern solcherart tats&#228;chlich Keimformen, also verallgemeinerbar sein k&#246;nnen. Mittels der Marxschen Bestimmungen k&#246;nnten sich heute entsprechende Assoziationen in ihrer historischen Potenz selbst begreifen.</p>
<p>Ulrich Wei&#223;</p>
<p><strong>Fu&#223;noten</strong></p>
<p>[1]  Karl Marx, &#214;konomisch-philosophische Manuskripte, MEW EB I/529.</p>
<p>[2] Erhard Eppler zitiert im Sozialdemokratischen Pressedienst vom 17. Februar 1988 Erich Honecker: „Kapitalismus und Sozialismus verhalten sich zueinander wie Feuer und Wasser.“ Er f&#252;gt hinzu: Dieser „k&#246;nnte der Zustimmung Reagans f&#252;r seinen eing&#228;ngigen Satz sicher sein.“</p>
<p>[3]  „Am Stationseingang standen zwei Soldaten mit Gewehren und aufgepflanzten Bajonetten, umringt von zirka hundert hitzig auf sie einredenden Gesch&#228;ftsleuten, Regierungsbeamten und Studenten. Die Soldaten waren unzug&#228;nglich &#8230; . Ein gro&#223;er junger Mann &#8230;. in der Uniform eines Studenten, f&#252;hrte das Wort. „Ihr werdet doch wohl begreifen, da&#223; ihr euch zu Werkzeugen von M&#246;rdern und Verr&#228;tern macht, wenn ihr die Waffen gegen eure Br&#252;der erhebt&#8221;, sagte er in unversch&#228;mtem Ton. „Ach, Bruder&#8221;, antwortete der Soldat ernsthaft, „du verstehst nicht. Es gibt zwei Klassen. Kannst du das nicht sehen? Das Proletariat und die Bourgeoisie. Wir&#8230;.&#8221; Oh, ich kenne dieses dumme Gerede &#8230; Ich bin selbst Marxist! &#8230; Du scheinst zu glauben, Lenin ist ein aufrichtiger Freund des Proletariats &#8230; wei&#223;t du dann auch, da&#223; Lenin in einem geschlossenen Zuge durch Deutschland gefahren ist und da&#223; er von den Deutschen Geld genommen hat?&#8221; „Davon wei&#223; ich nichts&#8221;, antwortete der Soldat. „Aber mir scheint, da&#223; er gerade das sagt, was ich und meinesgleichen h&#246;ren wollen. Es gibt zwei Klassen, die Bourgeoisie und das Proletariat.&#8221; Du bist ein Narr, mein Freund. Ich habe zwei Jahre lang in der Schl&#252;sselburg gesessen, als du noch Revolution&#228;re niederschossest &#8230; Und ich bin ein Gegner der Bolschewiki, die unser Ru&#223;land und die Revolution zugrunde richten. Wie erkl&#228;rst du dir das?&#8221; Der Soldat kratzte sich am Kopf. „Das kann ich mir nicht erkl&#228;ren. Mir erscheint die Sache ganz einfach; aber ich bin ja kein gebildeter Mann. Es gibt nur zwei Klassen, die Bourgeoisie und das Proletariat&#8230;&#8221; Da kommst du schon wieder mit deinen dummen Phrasen&#8221;, schrie der Student. „Nur zwei Klassen&#8221;, fuhr der Soldat hartn&#228;ckig fort, und wer nicht auf der einen Seite ist, der ist auf der anderen.&#8221; John Reed, 10 Tage, die die Welt ersch&#252;tterten. <a href="http://www.ml-werke.de/andere/reed.htm">www.ml-werke.de/andere/reed.htm</a>, 17. Juli 2009</p>
<p>[4]  „Sozialwissenschaftliche und politisch-&#246;konomische These der 1950er/1960er Jahre, die von einer strukturell bedingten Ann&#228;herung zwischen kapitalistischen und sozialistischen Systemen ausging: Da beide Ideologien und Wirtschaftsformen mit den gleichen innergesellschaftlichen Anforderungen der modernen Industrieproduktion konfrontiert sind (z.B. Arbeitskr&#228;ftekonzentration, hochgradige Arbeitsteilung, zunehmender Kapitalbedarf, Abkehr vom Familieneigentum, zunehmende Effizienzsteigerung), werden sie sich organisatorisch, technisch und wirtschaftlich angleichen.“ &#8212; Lexikon der Bundeszentrale der Politischen Bildung, Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 4., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2006. <a href="http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=9WCT23">www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=9WCT23</a>, 21.07. 2009</p>
<p>[5]  Die dementsprechende Kritik von Marxisten, dass die technische Entwicklung und deren Konsequenzen ohne Verst&#228;ndnis der sozialen Formen der Produktionsweise in Ost und West betrachtet werden, war zutreffend. Problematisch ist der Standpunkt, von dem aus diese berechtigte Kritik geleistet wird, die Annahme, die sogeannte sozialistische Warenproduktion und der westliche industrielle Warenproduktion und die mit beiden verbundenen Klassen- und Herrschaftsstrukturen seinen von gegens&#228;tzlicher, einander ausschlie&#223;ender sozial&#246;konomischer Qualit&#228;t. Siehe Stichwort „Konvergenztheorie“, Philosophisches W&#246;rterbuch“, Leipzig 1996, Hg. Georg Klaus und Manfred Buhr, Bd. 2, S. 599ff.</p>
<p>[6]   In den Grundrissen der Kritik der Politischen &#214;konomie kam Marx zu Aussagen &#252;ber einen Entwicklungsstand der kapitalistischen Produktionsweise, der Produktivit&#228;t menschlicher Arbeit, der technischen Entwicklung und der Entwicklung des Charakters der Arbeit noch innerhalb des Kapitalismus, die die sachlichen und menschlichen Voraussetzungen daf&#252;r hervorbringen, dass die kapitalistische Form der Reichtumsproduktion zu miserablen Grundlage und die wertvermittelte Produktionsweise aufhebbar wird. Dies Aussagen sind logische Entwicklung und Antizipation eines zuk&#252;nftigen Zustandes in einem. MEW 24/592ff.6  In den Grundrissen der Kritik der Politischen &#214;konomie kam Marx zu Aussagen &#252;ber einen Entwicklungsstand der kapitalistischen Produktionsweise, der Produktivit&#228;t menschlicher Arbeit, der technischen Entwicklung und der Entwicklung des Charakters der Arbeit noch innerhalb des Kapitalismus, die die sachlichen und menschlichen Voraussetzungen daf&#252;r hervorbringen, dass die kapitalistische Form der Reichtumsproduktion zu miserablen Grundlage und die wertvermittelte Produktionsweise aufhebbar wird. Dies Aussagen sind logische Entwicklung und Antizipation eines zuk&#252;nftigen Zustandes in einem. MEW 24/592ff.</p>
<p>[7]  Von einem jeweils unterschiedlichem Entwicklungsniveau der kapitalistischen Produktionsweise ausgehend, sahen sie sozusagen einzelne der o.g. Marxschen Bestimmungen das Verh&#228;ltnisses Kapital/Arbeit als die entscheidenden an. Bernstein sah die proletarische Bewegung f&#252;r eine noch unbestimmte Zeit mehr als ein relativ selbst&#228;ndiges Moment des organischen Ganzen b&#252;rgerliche Gesellschaft. Konsequenterweise sah er die Vorstellung vom sogenannten Endziel der proletarischen Bewegung, dass als Ergebnis einer letzten (Vernichtuns-)Schlacht begriffen und besungen wurde, als eine f&#252;r die tats&#228;chlich anstehenden K&#228;mpfe des (deutschen) Proletariats l&#228;ssliche propagandistische Floskel an. Lenin dagegen bewegte sich viel mehr in den Kategorien der Marxschen zweiten Bestimmung. Er agierte bezogen auf einen Weltteil, der in voller Konkurrenz zum westlichen entwickelten Kapitalismus stehend selbst eher an einem Mangel an b&#252;rgerlich-kapitalistischer Entwicklung litt als an solchen Krisen, die bereits deren zivilisatorische &#220;berlebtheit anzeigten. Was die schwache russische Bourgeoisie nicht vermochte, schaffte der russische Staatskapitalismus unter bolschewistischer F&#252;hrung: Die urspr&#252;ngliche Akkumulation, die weitgehende Proletarisierung der Bev&#246;lkerung. Dies geschah in einer solch forcierten Weise, dass tats&#228;chlich eine solche industrielle Warenproduktion zustande kam, die sich (bis an die Grenzen, die der Fordismus setzte) in der internationalen Konkurrenz behaupten konnte. Dies erschien als ein Daseinskrieg gegen die Weltbourgeoisie und auf diese Auseinandersetzung wurden auch die inneren Konflikte projiziert, die sich notwendig mit der industriellen Warenproduktions und der entsprechenden Klassenspaltung ergab.</p>
<p>[8]  Karl Marx, &#214;konomisch-philosophische Manuskripte, MEW EB I/529.</p>
<p>[9]  Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. MEW 1/390.</p>
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		<title>Keimform &#8212; wovon?</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Jul 2009 17:36:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Uli Wei&#223;</em></p>
<p><strong>1.</strong> Ich gehe von einem unverzichtbaren Zusammenhang zwischen der Praxis der Lohnarbeit, der Individualit&#228;ten der darin agierenden Menschen und der m&#246;glichen Aufhebung des Kapitalismus aus. Siehe meine Argumente gegen Robert Kurz: <a href="http://opentheory.org/sintflut/text.phtml">»Sintlut ohne Arche«</a>. In dessen Schwarzbuch wird der ganze Kapitalismus als ein l&#228;sslicher Irrtum der Geschichte angesehen, an dem vorbei etwa die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Luddismus">Ludditen</a> direkt in den Kommunismus h&#228;tten marschieren k&#246;nnen, wenn nicht die b&#252;rgerlichen Ideologen &#8230; Ohne bestimmte gesellschaftliche (sachliche und menschliche) Voraussetzungen, die erst im Kapitalismus entstehen, also wesentlich durch die Lohnarbeit geschaffen werden, ist Kommunismus undenkbar.</p>
<p><span id="more-268"></span><strong>2.</strong> Meines Erachtens geht das zusammen mit meiner Annahme, dass die Lohnarbeiter in ihrer Bestimmung <em>als Lohnarbeiter nicht</em> die Potenz haben, den Kapitalismus durch die Konstitution der kommunistischen Gesellschaft aufzuheben.</p>
<p>Ich stimme der Marxschen Aussage zu (Dt. Ideologie; MEW 3/77), dass der Proletarier „innerhalb seiner Klasse“, innerhalb seiner „Lebensbedingungen, der [Lohn-]Arbeit“ keine Chance hat &#8230;  pers&#246;nlich zur Geltung zu kommen“, dass um dies zu erm&#246;gliche, diese Lebensbedingungen, die Lohnarbeit und damit der Staat, die „Form, in der die Individuen der Gesellschaft sich bisher einen Gesamtausdruck gaben“ aufgehoben werden m&#252;ssen.</p>
<p>Ich meine aber nicht mehr, dass diese Bedingungen durch irgendeinen Klassenkampf aufgehoben werden k&#246;nnen, nicht durch „die Erhebung des Proletariats zur herrschenden Klasse“, nicht durch die Diktatur des Proletariats.</p>
<p>Ich schlie&#223;e &#252;berhaupt eine solche &#220;bergangsgesellschaft zwischen Kapitalismus und Kommunismus aus, die durch irgendeine politische Macht (auch nicht durch eine proletarische) konstituiert werden k&#246;nnte.</p>
<p>Ich habe mich auch von der Annahme einer solchen ersten Phase des Kommunismus verabschiedet, wie sie Marx in der Kritik am Gothaer Programm beschreibt (auf die sich der fr&#252;here Osten nicht zu unrecht bezog), in der „dasselbe Prinzip wie beim Austausch von Waren&#228;quivalenten“ herrscht, sozusagen sozialistische Warenproduktion in einem sozialistischen Staat. Die Vorstellungen, in einer &#220;bergangszeit Prinzipien und Formen der b&#252;rgerlichen Gesellschaft nutzen zu k&#246;nnen und zu m&#252;ssen, um eine neue Gesellschaft zu konstituieren, hatten – obwohl irrige – eine erhebliche gesellschaftliche Wirksamkeit. (Siehe Lenin: N&#214;P, DDR: N&#214;S, Sozialismus als relativ selbst&#228;ndige Gesellschaftsformation). Sie geh&#246;ren einer vergangenen Zeit an. Sie sind Ausdruck des – was das behauptete Ziel betrifft, unrealisierbaren – Versuchs, einen Weg in den Kommunismus zur er&#246;ffnen unter Bedingungen, da dessen Voraussetzungen noch nicht gegeben waren.</p>
<p><strong>3.</strong> Hier muss etwas gesagt werden zum Unterschied zwischen <em>Voraussetzungen</em> und <em>Bedingungen</em> des Kommunismus. Wird das nicht klar getrennt, entstehen erhebliche Missverst&#228;ndnisse.</p>
<p>Die im Kapitalismus entstehenden Voraussetzungen des Kommunismus sind solche, auf deren Grundlage es &#252;berhaupt erst m&#246;glich wird, dass das Schaffen der materiellen Voraussetzungen menschlicher Existenz nicht mehr (oder minder) des &#228;u&#223;eren Zwang der &#214;konomie bedarf. Es geht um solche zivilisatorischen Errungenschaften, auf deren Basis die sch&#246;pferischen T&#228;tigkeiten nicht mehr wie die Lohnarbeit „nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbed&#252;rfnis“ werden k&#246;nnen und damit auch der „b&#252;rgerliche Rechtshorizont &#8230; &#252;berschritten werden“ kann.“</p>
<p>Ich halte diese Charakteristik kommunistischer sch&#246;pferischer T&#228;tigkeit nicht f&#252;r eine l&#228;ssliche Floskel von Marx und die Frage danach, inwiefern solches innerhalb der heutigen kapitalistischen Gesellschaft entsteht nicht als Ausdruck weltfremden Spekulierens. Es ist ein wichtiger (nicht der einzige) Ma&#223;stab, um &#252;berhaupt die Voraussetzungen einer Gesellschaft f&#252;r eine kommunistische Entwicklung einsch&#228;tzen zu k&#246;nnen, sich selbst mit der Frage nach Wegen aus dem Kapitalismus ernst zu nehmen. Ich will dar&#252;ber reden – und halte das nicht als einen verzichtbaren alten ML-Ballast (Benni) – ob die fortgeschrittenste kapitalistische Produktionsweise heute solche Voraussetzungen geschaffen hat, an die Marx die Aufhebbarkeit einer auf Verwertung gegr&#252;ndeten Produktionsweise und der entsprechenden b&#252;rgerlichen Gesellschaft kn&#252;pfte. Besonders geht es dabei um die sich noch innerhalb des Kapitalismus vollziehenden Ver&#228;nderungen im Arbeitsprozess. (sh. meinen diese Diskussion ausl&#246;senden Text, ausf&#252;hrlicher u.a. in <a href="http://www.trend.infopartisan.net/trd0499/t090499.html">„Marx und der m&#246;gliche Sozialismus“</a>). Es ist nicht nur so, dass ohne solche Voraussetzungen ist Warenproduktion nicht aufhebbar, kann keine kommunistische Bewegung erfolgreich sein, landen entsprechende Versuche immer wieder in der „alte Schei&#223;e“. Wenn ich richtig lese, dann h&#228;lt Ingolf dies („Arbeit“ oder Arbeit als Lebensbed&#252;rfnis) &#252;berhaupt f&#252;r v&#246;llig illusorisch und zwar f&#252;r ewig. Und Hubert sieht solche Voraussetzungen noch nicht gegeben. Was ist an meinen Annahmen betreffs der Voraussetzungen nicht zutreffend? Das zu diskutieren w&#228;re sinnvoll. Es gibt hier keine Selbstverst&#228;ndlichkeiten. Dies vor allem nicht, weil das, was mensch als Voraussetzungen ansieht, wesentlich davon abh&#228;ngt, was er sich unter einer kommunistischen Form der Vergesellschaftung vorstellt. Deshalb eben die Frage: Keimform – <em>wovon</em>?</p>
<p><strong>4.</strong> Wenn ich solchen Wert auf die Diskussion von geschichtlichen Voraussetzungen des Kommunismus leben, dann hei&#223;t das <em>nicht</em>, dass dieser aus den inneren Logiken der kapitalistischen Produktionsweise ableitbar ist, auch nicht, wenn die entfaltetsten Voraussetzungen gegeben w&#228;ren. Es sind Voraus-Setzungen einer m&#246;glichen Entwicklung. Die Voraussetzungen selbst <em>bedingen</em> aber den Kommunismus <em>nicht</em>. Kapitalismus ist nicht unentfalteter Kommunismus – wie Matti in Hegelscher Konsequenz wohl sagen w&#252;rde? Und dieser ist nicht ein vollendeter Kapitalismus.</p>
<p>Wenn ich das so sehe und zugleich eine &#220;bergangsgesellschaft ausschlie&#223;e, in der etwa ein vern&#252;nftig (im proletarischen oder allgemeinen Sinne) agierender Staat oder ein Automatismus (wie bei Christian) die Waren-/Produktproduktion und -zuteilung entsprechend irgendwie erfasster Bed&#252;rfnisse und gebunden an die Arbeitsleistungen regelt, kann es aber dann &#252;berhaupt Wege aus dem Kapitalismus geben? L&#228;sst sich das &#252;berhaupt denken?</p>
<p>Es m&#252;ssen eben nicht nur <em>Voraussetzungen</em>, sondern zugleich die <em>Bedingungen</em> des Kommunismus benannt werden. Was sind solche Bedingungen im Unterschied zu Voraussetzungen? Es m&#252;ssten solche jenseits der kapitalistischen Produktionsweise und jenseits ihren Logiken entstehende Praxen sein, die solche sozialen <em>Formen</em> auszeichnen, deren Verallgemeinerung die Konstitution einer kommunistischen Gesellschaft bedeuten w&#252;rde – eben <em>Keim-Formen</em> einer kommunistischen Vergesellschaftung. Die sachlichen und menschlichen Voraussetzungen solcher Praxen und der M&#246;glichkeit, dass sie zur gesellschaftskonstituierenden Kraft werden k&#246;nnen (erst wenn auch dies zweite gegeben, k&#246;nnen diese Praxen als Keimformen begriffen werden) entstehen  innerhalb des kapitalistischen Produktionsweise. Die Praxen selbst und ihre Formen sind jedoch eine Neusch&#246;pfung, eine geschichtliche Tat.</p>
<p>Konstituiert werden solche Praxen von den beteiligten Individuen <em>nicht als Klassenindividuen</em>. Insofern diese Menschen zugleich Lohnarbeiter oder als Wissenschaftler erwerbst&#228;tig sind, ergibt sich ihre freie T&#228;tigkeit, die ihnen selbst Lebensbed&#252;rfnis ist, gerade nicht aus der Logik ihrer (Lohn-)Arbeit.</p>
<p><strong>5.</strong> Ein solcher Gedankengang ist f&#252;r Menschen, die in ihrer Engagement auf die Bef&#246;rderung der Arbeiterbewegung mit ihren zivilisatorischen Potenzen orientiert waren oder sind, offenkundig eine Zumutung. Als Analogie verweise ich auf die Entstehung der kapitalistischen Produktionsweise. (Das ist kein Beweis, aber vielleicht hilft es, sich dem Keimformdenken zu &#246;ffnen.) Deren Voraussetzungen waren</p>
<ul>
<li>akkumuliertes Handels- und Raub-“Kapital“,</li>
<li> von Sklaverei oder feudaler Abh&#228;ngigkeit freie Menschen,</li>
<li> kulturelle und technische Voraussetzungen,</li>
<li> &#8216;Konsumbed&#252;rfnisse, die nur beschr&#228;nkt oder gar nicht in der gegebenen Produktionsweise befriedigt werden konnten. (Marx verweist darauf, dass es wesentliche derartiger Voraussetzungen schon im alten Rom gegeben habe: Proletarier, freies „Kapital“, Bed&#252;rfnisse, auch in Handelszentralen des Mittelalters.)</li>
</ul>
<p>Die Konstitution der kapitalistischen Produktionsweise selbst ging nicht etwa aus dem mittelalterlichen Zunftwesen hervor, nicht aus dem Kampf der feudalen Klassen gegeneinander. Es war in keiner Weise eine Fortsetzung der Bewegungslogiken feudaler Institutionen.</p>
<p>Was die &#214;konomie betrifft, so hat die Verbindung der genannten Voraussetzungen in den <em>Manufakturen</em>, also etwa <em>jenseits</em> der <em>Zunftverh&#228;ltnisse</em>, diejenigen Praxisformen konstituiert, die in ihrer Verallgemeinerung die kapitalistische Produktionsweise <em>bedingten</em>. Keimformen einer neuen Vergesellschaftung.</p>
<p><strong>6.</strong> Unter anderem sind die Marxschen Kategorien „Arbeitsteilung“ sowie „formelle und reelle Subsumtion der Arbeit unter das Kapital“ geeignet, sowohl das Entstehen unverzichtbarer Voraussetzungen f&#252;r den Kommunismus zu erfassen als auch zu verstehen, dass sie selbst den Kommunismus nicht bedingen.</p>
<p>Marx beschreibt wie es mit der Entwicklung der Maschinerie dazu kommt, dass die urspr&#252;nglich (etwa in den fr&#252;hkapitalistischen Manufakturen) nur bestehende formelle Subsumtion (hier wurde die Arbeit noch in der alten Weise handwerklicher Produktions geleistet aber eben formell als Verwertungsprozess) zugleich zur reellen wird. Mit der mechanisierten Produktion, in der die unmittelbaren Produzenten dann zum Anh&#228;ngsel der Maschine werden, sie werden sozusagen von der Maschinerie angewendet, entstehen die dem Kapital eigentlich erst angemessenen Produktionsmittel und Arbeitsweisen. Darin kommt die kapitalistische Produktionsweise sozusagen erst zu sich selbst. Diese Entwicklung findet ihren H&#246;hepunkt in Flie&#223;bandproduktion der tayloristischen-fordistischen Produktionsweise, in der die L&#252;cken in der Maschinerie in einer solchen Weise durch Lohnarbeiter ausgef&#252;llt werden, dass die Arbeiten idealerweise auch von einem intelligenten Gorilla ausgef&#252;hrt werden k&#246;nnten (Taylor). In dieser reellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital ist die formelle Subsumtion auf die Spitze getrieben.</p>
<p>Mit den postfordistischen &#196;nderungen des Charakters der Arbeit werden beide Unterordnungen immer problematischer.</p>
<p>Marx hatte in Verbindung mit der Automatisierung erwartet, dass die wissenschaftliche, k&#252;nstlerische und spielerische F&#228;higkeiten sowie die der sozialen Kompetenzen f&#252;r die Reichtumsproduktion eine solche Bedeutung gewinnen, dass die Einbindung dieser T&#228;tigkeiten in den Verwertungsprozess zur miserablen Grundlage der Reichtumsproduktion &#252;berhaupt wird. In den entscheidenden Kernbereichen kapitalistischer Produktion vollzieht sich heute tats&#228;chlich dieses Heraustreten von Produzenten aus dem unmittelbaren Fertigungsprozess. Aber angesichts der weiterhin bestehenden formellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital kommt es nicht dahin, wof&#252;r mit diesem Prozess wesentliche Voraussetzungen gegeben werden: zur Aufhebung der reellen Subsumtion. Im Gegenteil. Die postfordistischen Produktionsformen sind mit einer weiteren Vertiefung der menschlichen Unterwerfung unter die Kapitalverh&#228;ltnisse verbunden. Nicht nur dass viele Akteure die Kontrollfunktionen im kapitalistischen Produktionsprozess in ihre eigene T&#228;tigkeit hineinnehmen. Sie sind gezwungen, ihren gesamten Lebensprozess gem&#228;&#223; der Anforderung der Kapitalverwertung zu unterwerfen. Die so genannte Ich-AG kann als Symbol hierf&#252;r gelten.</p>
<p>Das hei&#223;t die Voraussetzungen einer m&#246;glichen Aufhebung der Kapitalverh&#228;ltnisse konstituieren mitnichten aus ihren eigenen Logiken heraus eine Vergesellschaftungsform jenseits des Es/Ich-muss-sich/mich-rechnen. Selbst die gr&#246;&#223;te M&#246;glichkeit individueller Selbstst&#228;ndigkeit, solange der Akteur innerhalb der Kapitalverh&#228;ltnisse agiert, bleibt eine rein abstrakte M&#246;glichkeit, verkehrt sich real und vom Akteur selbst exekutiert best&#228;ndig in Unterwerfungen unter den nun nun auch noch selbst exekutierten stummen Zwang der &#214;konomie.</p>
<p><strong>7.</strong> Aber genau hier rebelliert auf eine neue Weise die menschliche Produktivkraft gegen ihre Unterordnung unter die Zw&#228;nge der Kapitalverwertung. Als Reaktion auf entsprechende Beleidigung menschlicher Sch&#246;pferkraft geht es nunmehr nicht mehr wie im proletarischen &#246;konomischen und politischen Klassenkampf vorrangig darum, die Reproduktionsbedingungen der Arbeitskraft innerhalb der gegebenen Grundstruktur zu sichern und zu verbessern. Dieser Kampf wird  freilich weitergef&#252;hrt. F&#252;r unsere Frage bedeutsam ist vielmehr, dass auf der Grundlage der inzwischen geschaffenen Voraussetzungen freier T&#228;tigkeiten au&#223;erhalb der kapitalistischen Produktion auch Praxen entstehen, in denen dieses Sch&#246;pfertum seine Befriedigung findet. Es sind Praxen, in denen das Schaffen n&#252;tzlicher Dinge als Selbstgenuss der Akteure sich freier entfalten kann. Im Unterschied etwa zu Kleingartenvereinen, in der dieser Selbstgenuss auch eine Rolle spielt – insofern auch eine Gegenst&#252;ck zur Unterordnung unter das Kapital in der Lohnarbeit – geht es hier um Praxen mit der inneren Potenz geschichtsm&#228;chtig zu werden, eine neue Produktionsweise zu bedingen. Der ganze Bereich freier Software ist eine solche Praxis, eine solche Reaktion auf die im high-tech-Bereich geknechtete menschliche Sch&#246;pferkraft. Es ist eine arbeitsteilig tief gestaffelte, international vernetzte Praxis, in der die Wert- und Herrschaftsf&#246;rmigkeit und damit die Kapitalverh&#228;ltnisse aufgehoben sind. Hier ist der Genuss an sch&#246;pferischer T&#228;tigkeit und am selbst geschaffenen Produkt die entscheidende Triebkraft das Entstehens von n&#252;tzlichen Dingen, die auch noch allgemein ohne &#228;quivalente Gegenleistung zug&#228;nglich sind. Kein &#228;u&#223;erliche Zwang treibt hier die Akteure, keine Notwendigkeit, Anspr&#252;che auf die Leistungen anderer zu akkumulieren (etwa durch Lohnarbeit), keine Verpflichtung, &#196;quivalente zu bieten, keine Askese, keine Uneigenn&#252;tzigkeit treibt hier an, kein Klassenkampf konstituiert dies, keine staatliche oder sonstige Herrschaft – und doch werden hier in den entsprechenden Assoziationen mit der Erf&#252;llung der je eigenen Bed&#252;rfnisse der Akteure gesellschaftliche Bed&#252;rfnisse erf&#252;llt und zwar zuverl&#228;ssig.</p>
<p><strong>8.</strong> Ein entscheidendes Wak-Problem ist die Konstitution solcher Praxisformen auch in solchen Bereichen deren (nichtvirtuelle) Produkte sich (anders als etwa bei Software) in der Konsumtion vernutzen. Je nachdem, ob man dies f&#252;r m&#246;glich h&#228;lt und zwar in einer Weise, dass in diese Form von sch&#246;pferischer T&#228;tigkeit auch die gesamten materiellen Lebensbedingungen geschaffen werden k&#246;nnen, begreift man solche Praxen wie die der freien Software-Szene als Keimform einer neuen Vergesellschaftung oder eben nicht.</p>
<p><strong>9.</strong> Das Entstehen dieser Praxen jenseits der Logiken der kapitalistischen Produktionsweise ist eine Neukonstitution. Diese entwickelt von vornherein ihre eigenen Logiken. Sie stellen nicht (wie Marx etwa in der Kritik am Gothaer Programm annahm, eine solche Phase einer neuen Vergesellschaftung in der f&#252;r ihre Konstitution bzw. ihren Fortschritt Fortschritt wenigstens vor&#252;bergehend noch solche Instrumente und Strukturen zu nutzen w&#228;ren, die f&#252;r die kapitalistische Produktionsweise charakteristisch sind. Diese Praxen konstituieren in diesem Sinne nicht eine erste Phase (die etwa noch der Warenproduktion und des b&#252;rgerlichen Rechts bedarf), nach der dann die zweite, die eigentliche k&#228;me. Diese Praxen sind nicht das Ergebnis irgendeines Klassenkampfes. Sie folgen keinerlei Klassen- und Herrschaftslogik. Sie bedeuten von vornherein die praktische Aufl&#246;sungen der Grundinstitutionen der b&#252;rgerlichen Gesellschaft (Warenproduktion, Lohnarbeit, Wertvermittlung, &#196;quivalenzverh&#228;ltnisse &#252;berhaupt, Staatlichkeit). Eine Gesellschaftlichkeit, die solchen Praxen ad&#228;quate ist, ist die kommunistische. Was die inneren sozialen Formen betrifft, ist entsteht damit etwas, wozu kein Real-“Sozialismus“ in der Lage sein konnte: Es konstituieren sich vornherein Keime einer Gesellschaftlichkeit, die in ihrer Existenz und in ihrer m&#246;glichen Verallgemeinerung nicht derjenigen Mittel der alten Gesellschaft bed&#252;rfen, die einst eben auch Marx als &#220;bergangsnotwendigkeit angesehen hatte.</p>
<p><strong>10.</strong> Ist das die Idylle eines Hineinwachsens in den Kommunismus?</p>
<p>Die Individuen, die solche Praxisformen konstituieren, deren Verallgemeinerung einen Kommunismus konstituieren w&#252;rde, leben, was ihren materiellen Lebensunterhalt betrifft, vorerst zugleich von einem mehr oder minder funktionierenden Kapitalismus.</p>
<p>Wie alle Menschen der b&#252;rgerlichen Gesellschaft sind sie gezwungen, sich innerhalb der knechtenden Erwerbsarbeit oder als durch solche alimentiert, kontrolliert und erniedrigt zu behaupten. Dem gegen&#252;ber steht deren parallele Praxis einer freien Assoziation, in der die Individualit&#228;ten als solche zur Geltung kommen. Diese Zerrissenheit ihrer Existenz, ist alles andere als eine Idylle. Die Zw&#228;nge der einen, sich verwerten, sich verwursten zu m&#252;ssen und die menschlichen M&#246;glichkeiten der anderen stellen sich best&#228;ndig gegenseitig in Frage. Was die Akteure, die solche Keimform-Praxen tragen, ist diese Geschichte auch immer eine der best&#228;ndigen elenden Kompromisse und menschlicher Niederlagen. Doch genau entlang dieser Widerspr&#252;che findet das Ringen um eine neue Vergesellschaftung statt.</p>
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		<title>Hubert Herfurth: Zur WAK- und Peer-&#214;konomie Diskussion</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Jun 2009 15:39:22 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ein paar &#220;berlegungen zum Gesellschaftsverst&#228;ndnis der radikalen Linken am Beispiel neuester &#196;u&#223;erungen Uli Wei&#223; (Quelle) R&#252;ckblickend l&#228;sst sich ja sehen, dass die fr&#252;hzeitliche Nichtexistenz der Wertformen in den menschlichen Ur-Gemeinschaften gebunden war an sehr, sehr enge Lebensverh&#228;ltnisse (der Begriff Kommunismus macht hier wenn &#252;berhaupt nur ebenso eng gefasst einen Sinn). Die Erweiterung dieser Lebensverh&#228;ltnisse machte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Ein paar &#220;berlegungen zum Gesellschaftsverst&#228;ndnis der radikalen Linken am Beispiel neuester &#196;u&#223;erungen Uli Wei&#223; (<a href="http://docs.google.com/View?docid=dfr5rqhg_1jdpvgrf5">Quelle</a>)</h3>
<p>R&#252;ckblickend l&#228;sst sich ja sehen, dass die fr&#252;hzeitliche Nichtexistenz der Wertformen in den menschlichen Ur-Gemeinschaften gebunden war an sehr, sehr enge Lebensverh&#228;ltnisse (der Begriff Kommunismus macht hier wenn &#252;berhaupt nur ebenso eng gefasst einen Sinn). Die Erweiterung dieser Lebensverh&#228;ltnisse machte das Aufkommen der Wertformen notwendig, weil die vorhandene Gesellschaftlichkeit dieser voneinander getrennten aber sich einander &#8216;n&#228;hernden&#8217; Gemeinschaften diese Trennung in G&#228;nze nicht &#252;berwinden konnte.<span id="more-260"></span> Inzwischen leben wir einige tausend Jahre sp&#228;ter nun in Zeiten, in denen die historische Be­grenztheit dieser Formen praktisch erfahrbar wird und daher zumindest das Nachden­ken &#252;ber die M&#246;glichkeiten zur Aufhebung einen Sinn macht, insbesondere wenn der Fundus des hinter uns liegenden realen Ge­schichtsprozesses in dieses Nach­denken einflie&#223;t. Damit sollte uns heute freilich aber vor allem klar sein, dass das &#252;bereilte Herbei­sehnen und Herbeireden der Aufhebung der Wertformen die dazuge­h&#246;rigen Ver&#228;n­derungen im Ver­halten der Menschen, in ihrem Verh&#228;ltnis zueinander nicht automa­tisch mit bedin­gen. Diese For­men sind ja nicht an sich &#252;berfl&#252;ssig und sie stellen auch keinen S&#252;n­denfall in der menschlichen Entwicklung dar. Die Ver&#228;nderung der Verh&#228;ltnisse braucht offenbar einfach mehr Zeit als erhofft oder ge­dacht. Auch Marx interpretierte in diesem Zusammen­hang die Zeichen seiner Zeit zumindest teil­weise geschichtsperpektivisch so falsch wie die russi­schen Okto­berrevolution&#228;re sp&#228;­ter praktisch – aber auch daraus l&#228;sst sich nur lernen oder das totale Scheitern wird andauern. So traurig das f&#252;r un­sere individuellen Lebensspannen sein mag, weil sich ganz praktisch zeigt, dass dieser Aufhebungs-Traum im Rahmen der uns zur Verf&#252;gung stehenden Zeit­spannen erstmal eben immer noch nur ein Traum bleiben wird (ich bin Jahrgang 56). Was aber zu­gleich &#252;berhaupt nicht ausschlie&#223;t, das sich dies zuk&#252;nftig &#228;ndert. Doch die genauere Einsch&#228;t­zung dieser Problematik, die Kl&#228;rung der Bedin­gungen also, die f&#252;r diese Ver&#228;nderung aller Wahr­scheinlichkeit nach notwendig sind, gelingt nicht ohne ein Einlassen auf die konkreten Zusammen­h&#228;nge. Die Leichtfertigkeit mit der Uli hier zu Ur­teilen kommt, die seinen eigenen, inhaltlichen Ein­sch&#228;tzungen an anderer Stelle diametral entgegen stehen (Stichwort Sassulitsch) bereitet mir regel­recht Schmerzen beim Lesen.</p>
<blockquote><p><em>„Dass das Proletariat (und dessen Diktatur) der Sch&#246;pfer eines neuen Ganzen sein k&#246;nn­te, das ist geschichtlich (und inzwischen auch logisch) widerlegt“ </em>(aus Ulis WAK mail).</p></blockquote>
<p>&#8220;Proletariat&#8221; ist hier immer noch nur ein Mythos und nicht einfach die &#8216;ganze&#8217; Gesellschaft (die es allerdings im Singular noch gar nicht gibt) der lohnabh&#228;ngigen &#8220;ArbeiterInnen&#8221;, die sich ihres objek­tiven Zusammenhangs und der daran h&#228;ngenden M&#246;glichkeiten in der kapitalistischen Warenpro­duktion aber nat&#252;rlich auch erstmal subjektiv bewusst werden m&#252;ssen. Wobei ich hier unter &#8220;bewusst werden&#8221; vor allem einen praktischen Prozess verstehe, in dem aus dem Neben-, Durch- und Gegeneinander von ge­sellschaftlichen und (!) ungesellschaftlichen Ambitionen der gesellschaftlichen Akteure sich erst die wirklich gesellschaftlichen Zusammenh&#228;nge als die st&#228;rkeren durch setzen (m&#252;ssen). Allerdings, ohne die ber&#252;hmte, im Augenblick wie nie wirkende &#8220;Notwendigkeit&#8221; (z. B. &#246;konomische [Jahrhundert]-Kri­se und drohende Klimakatastrophe) ist dies f&#252;r mich so wenig vorstellbar wie ohne die (selbst)kritische Betrachtung und Aufarbeitung der bisherigen (Bewegungs)geschichte.</p>
<p>Ulis angeblicher Beweis be­steht ja praktisch nur darin, dass eine bestimmte Vorstellung (!) vom Ergebnis des Geschichtspro­zesses bisher in der Tat nicht eingetreten ist. Abgerundet wird diese &#8220;Einsicht&#8221; mit dem inzwischen schon klassischen Lamento, das Proletariat ringe</p>
<blockquote><p><em>„gem&#228;&#223; seiner Interessenlage um den Erhalt der Ausbeutungsverh&#228;ltnisse“</em> (ebenda),</p></blockquote>
<p>anstatt seiner eigentlichen Mission entsprechend, dem Kapital eben diese Ausbeutungsverh&#228;ltnisse um die Ohren zu schlagen. Uli diskutiert hier so abstrakt wie ungenau. Schon sein Versuch in <a id="ml9l" title="http://www.keimform.de/2009/02/20/peer-oekonomie-in-der-diskussion-ii/#more-1276" href="http://www.keimform.de/2009/02/20/peer-oekonomie-in-der-diskussion-ii/#more-1276" target="_blank">&#8220;Kein Weg aus dem Kapitalismus!&#8221;</a> Christi­an Siefkes&#8217; Peer-&#214;konomie Konzept von meiner Kritik <a id="zqhn" title="http://www.keimform.de/2008/12/11/hubert-herfurth-gesellschaftlichkeitsdefizit-in-der-peer-oekonomie/" href="http://www.keimform.de/2008/12/11/hubert-herfurth-gesellschaftlichkeitsdefizit-in-der-peer-oekonomie/" target="_blank">&#8220;Gesellschaftlichkeitsdefizite der Peer-&#214;konomie&#8221;</a> freizustellen, basiert auf dem grunds&#228;tzli­chen Fehlverst&#228;ndnis der Gesellschaftlichkeitsproblematik, die letztlich durch keinen Modellvorbe­halt au&#223;er Kraft gesetzt werden kann. Im Gegenteil, das Modell muss zeigen, dass es diese Anforde­rungen in der Lage ist abzudecken oder die Grenzen m&#252;ssen abgesteckt werden, bis wohin das Mo­dell aussagekr&#228;ftig sein kann oder soll. Was Christian auch bei gutwilligster Interpretation aller­dings genau nicht macht, denn so hat er nach meiner Beobachtung (Treffen in Hattingen, Diskussion im Blog und Vortrag in Berlin) die M&#246;glichkeit, je nach Publikum, zwischen Modell&#252;berlegungen und der Definition von Produk­tionsweisen mit Realit&#228;ts-Charakter ziemlich beliebig hin und her zu springen. Methodisch ist das m. E. ein eher katastropha­ler Ansatz. Er zeigt aber, auf welch einem wissenschaftlichen Niveau sich viele linke Auseinan­dersetzungen bewegen. Uli wehrt die Kritik hier nicht ab, weil sie inhaltlich nicht passt, sondern weil sie ihm selbst nicht passt. Stattdessen formuliert er dann eine Kritik die auf einem Zirkel­schluss basiert, weil er die Freiheit vom Zwang zur Arbeit im Ziel („Kommunismus“) zur absoluten Voraussetzung schon f&#252;r den Weg zum Ziel selbst macht.</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Die PRODUKTIONST&#196;TIGKEIT, f&#252;r die Christian ausdr&#252;cklich einen &#196;USSEREN ANTRIEB f&#252;r notwendig h&#228;lt, ist die UNGELIEBTE ARBEIT. Es ist eine Arbeit, die als OPFER angesehen wird. Man verrichtet sie nicht als Bed&#252;rfnis um ihrer selbst und um des konkreten Produktes Willen. Man leistet sie, um sich Anspr&#252;che auf solche G&#252;ter zu erwerben, die von anderen Menschen hergestellt werden&#8221; in </em><a id="ml9l" title="http://www.keimform.de/2009/02/20/peer-oekonomie-in-der-diskussion-ii/#more-1276" href="http://www.keimform.de/2009/02/20/peer-oekonomie-in-der-diskussion-ii/#more-1276" target="_blank">&#8220;Kein Weg aus dem Kapitalismus!&#8221;</a></p></blockquote>
<p>Wenn er eine solche Voraussetzung wirklich ernst meinte, m&#252;ssten die Ver&#228;nderungsbestrebungen eigentlich als sinnlose eingestellt werden, denn wenn &#252;berhaupt, k&#228;me der Kapitalismus dann automatisch irgendwann dorthin oder nie. Er ist hier noch idealistischer als Christian, weil sein Ausgangspunkt noch weniger der Realit&#228;t verhaftet ist.</p>
<p>Aber dar&#252;ber hinaus verfehlt er selbst in diesem Ziel den eigentlichen Charakter dieser Arbeit – gesellschaftliche Arbeit zu sein &#8211; sehr weit­gehend, womit sich dann auch deutlich zeigt, dass es meine Gesellschaftlichkeitsvorstellungen selbst sind, die er f&#252;r falsch h&#228;lt bzw. halten muss.</p>
<p>Er schlie&#223;t hier an Christians selbstbez&#252;glichen Anfang an und l&#228;sst die gesellschaftlichen Bestimmungen, wie die dazugeh&#246;rigen inhaltlichen Implikationen unbeachtet au&#223;en vor. Nega­tiv erw&#228;hnt er die Zwangsarbeit und positiv geht es um die sch&#246;pferische Selbstbet&#228;ti­gung (der Ar­beitenden), als Selbstzweck dieser Arbeit. Doch das dies nur funktioniert im Verh&#228;ltnis &#8211; und dieses Verh&#228;ltnis einer der Springpunkte ist, um den sich die Problematik hier dreht &#8211; zum Empf&#228;n­ger der erarbeiteten Dinge und Leistungen entf&#228;llt. Aber:  Arbeit ist  erst gesellschaftliche Arbeit, wenn sie n&#252;tzli­che Arbeit f&#252;r Andere ist. Sie dient deren Bed&#252;rfnisbefriedigung und damit deren Selbstentfaltung. Das eigene Selbst kann sich nur entfalten, entwickeln in der Anerkennung, Bejahung und Unterst&#252;tzung aller anderen und ihrer Selbstentfaltung. Schon in der gerade wiedergegebenen Textstelle tauchten 2 Bedingungen auf, an denen Uli &#8220;kommunistische Arbeit&#8221; zu erkennen glaubt:</p>
<blockquote><p><em>Man muss sie verrichten um ihrer selbst willen und um des Produkts willen.</em></p></blockquote>
<p>Die Empf&#228;nger dieser Arbeiten, die Anderen, die Gesellschaft tauchen hier als direkter Grund jedoch &#252;berhaupt nicht auf. Die kommunistische Gesellschaftlichkeit erweist sich damit auch bei ihm als eine einzige Fehlstelle, weil er sie mit ihrer Spezifik nicht an einer Stelle ber&#252;hrt, benennt oder gar problematisiert.</p>
<p>Uli sieht in der Lohnarbeit nur den Zwang, nicht auch das Positive der Warenproduktion, das durch deren Aufhebung zu bewahren und auf eine h&#246;here Stufe zu heben w&#228;re. In der Gesellschaft der voneinander unabh&#228;ngigen Privateigent&#252;mer wird die zugrunde lie­gend­e gesellschaftliche Abh&#228;ngigkeit voneinander als Verh&#228;ngnis erlebt <strong>und genau so spiegelt sich dies auch noch in den Ver&#228;nderungsbestrebungen</strong>:</p>
<p><strong>Denn im Prinzip wird die Gesellschaft bei Uli wie bei Christian ebenfalls gebildet von einander unabh&#228;ngigen Individuen, die jeweils nur ihrer Selbst­entfaltung verpflichtet sind</strong></p>
<p>und irgendwie gemeinsam und nat&#252;rlich kooperativ ihre jeweiligen Be­d&#252;rfnisse befriedigen (als wenn in der kapitalistischen Produktion irgendetwas ohne Kooperation zustande k&#228;me). Das diese Gesellschaft zusammen haltende Band ist dem Handeln der Menschen damit schon vorausgesetzt und somit diesem Handeln v&#246;llig &#228;u&#223;erlich &#8211; so lange das Eigeninteresse der Dreh- und An­gelpunkt bleibt und eine andere &#252;berpr&#252;fbare Definition ausbleibt.</p>
<p>Sein zun&#228;chst verst&#228;ndliches Bestreben, jeden Zwang auszuschlie&#223;en, &#252;bersieht allerdings, das auch dieser Zwang kein der Gesellschaft &#228;u&#223;erer ist. Er entspringt aus diesen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen. Aufzuheben ist er nur, wenn die Menschen in ge&#228;nderten Verh&#228;ltnissen zueinander ihrer Gesellschaftlichkeit einen anderen Ausdruck geben, so dass der &#228;u&#223;ere Zwang seine Notwendigkeit verliert, eben weil er nicht mehr gebraucht wird, wenn die Menschen sich zueinander anders verhalten.</p>
<p>Die Probleme welche das Proletariat hat, wenn es sich als EIN SUBJEKT, mit EINEM gemeinsamen Interesse kon­stituieren muss auf der Basis ei­ner gr&#246;&#223;eren, immerhin mehrere Milliarden Individuen fassende An­sammlung unterschiedlicher Menschen, aus unterschiedlichen sozialen Lagen, aus unterschiedlichen Betrieben, aus unterschiedlichen Pro­duktions- und Arbeitssph&#228;­ren, aus unterschiedlichen L&#228;ndern, mit unterschiedlichen Sprachen sieht Uli nicht, noch interessiert er sich daf&#252;r. ER setzt dieses SUBJEKT und die dazugeh&#246;rigen INTERESSEN einfach BEGRIFFLICH ein, und wenn diese BEGRIFFE nicht so funktionieren, wie ER es braucht, KONSTRUIERT er sich neue &#8211; als wenn die begrifflichen Fest­legungen automatisch identisch mit dem realen Geschichtsprozess sein k&#246;nnten oder gar identisch sein m&#252;ssten. Christian Siefkes etwa beschreibt den so realen wie gegenw&#228;rtigen Ausgangspunkt der Warenproduktion – Produktion f&#252;r andere zu sein – v&#246;llig richtig und glaubt dann doch, mit seiner begrifflichen Abkehr von dieser Realit&#228;t und dem Wechsel zu einem &#252;berschau­bareren, faktisch jedoch genauso idealistischen &#8216;Subjektes&#8217; (WIR) eines ebenso idealistischen Gemeinschaftsinteres­ses w&#228;re seine neue Produktionsweise schon begr&#252;n­det oder eine neue Produktionsweise so begr&#252;ndbar (siehe meine Kritik an Robert Kurz die &#252;brigens nicht ! wg Kurz in die Kritik am Christian aufgenommen wurde), obwohl die Peer-Produk­tion nach seiner eigenen Argumentation ge­nau dies weitgehend schuldig bleibt, Produktion f&#252;r andere zu sein. Denn genau da kommt sie nach Christians eigener Einsch&#228;tzung an die durch die Warenproduktion angesto&#223;ene Bed&#252;rfnisbefriedi­gung nicht ran (er outet die bekannten OS Vor­zeigebeispiele firefox und thunder­bird als durch den Markt angesto&#223;ene, au&#223;ergew&#246;hnlich nutzer­freundliche Programme), eben weil sonst der Selbstbe­zug dominiert und daher &#8211; als dessen Kehr­seite – f&#252;r eine Ver&#228;nderung &#252;ber den Kapitalismus hinaus der absolut notwendige Gesellschafts­bezug eigentlich fehlt. Diese Ungesellschaftlichkeit der Peer-Produktion best&#228;tigt <a id="v:uz" title="http://www.keimform.de/2008/12/11/hubert-herfurth-gesellschaftlichkeitsdefizit-in-der-peer-oekonomie/#comment-15550" href="http://www.keimform.de/2008/12/11/hubert-herfurth-gesellschaftlichkeitsdefizit-in-der-peer-oekonomie/#comment-15550" target="_blank">Christian</a> sogar in einer Anwort an mich, denn auch f&#252;r ihn</p>
<blockquote><p><em> &#8220;(vertreten) die heutigen Peer-Produzent/innen und ihre Theoretiker, () eher ungesellschaftliche Vorstellungen&#8221; </em>(Diskussion im Keimform-Blog)</p></blockquote>
<p>und doch versteht er &#252;berhaupt nicht, dass genau daraus sein Erkl&#228;rungsdefizit resultiert, weil seine Prophezeiung so vollkommen in der Luft h&#228;ngt und eben kein realer, praktischer Ausgangspunkt sondern reines Wunschdenken ist.</p>
<p>Das Proletariat ist so f&#252;r Uli nicht mehr als das Objekt seiner politischen Begierde (ob anhimmelnd oder niedermachend ist dabei aus meiner Sicht ziemlich gleichg&#252;ltig). Die Diskrepanz zwischen Ulis In­teressenlage auf das Objekt Proletariat und der Interessenlage der Menschen die dieses Proletariat bilden (denen er sich im &#252;brigen offenbar auch nicht zugeh&#246;rig f&#252;hlt) ist so eklatant wie interessant. Da Uli jede M&#252;he dabei vermissen l&#228;sst, die Interessenlage der Menschen die das Proletariat bilden nachzuvollziehen und die Schwierigkeiten offen zu legen, die der Subjektwerdung hier zum &#8216;Prole­tariat f&#252;r sich&#8217; im Wege stehen, offenbart sein Eigeninteresse so eine v&#246;llige Gleichg&#252;ltigkeit gegen­&#252;ber den Menschen die das Proletariat bilden und damit faktisch zur gesamten Gesellschaft &#8211; so lan­ge diese nicht so funktioniert wie er meint, dass sie funktionieren m&#252;sste. Die Objektsetzung ist hier nicht weniger total als bei den Charaktermasken &#8216;der anderen Seite&#8217;, die das ganze Ungemach wel­ches diese Verh&#228;ltnisse einem Gro&#223;teil der Menschen antun, als in deren eigener Verantwortung be­gr&#252;ndet ansehen. Das Subjekt Uli mutiert hier zum Puppenspieler und wenn das Spiel mit der Pup­pe &#8216;Proletariat&#8217; keinen Spa&#223; mehr macht, wird sie ausrangiert. Das erg&#228;nzt sich &#252;brigens sehr gut mit der hier bei Uli anschlie&#223;enden, jedoch genau so oberfl&#228;chlichen &#8216;Klassenanalyse&#8217;</p>
<blockquote><p><em>„Die Geschichte hat allerdings neue soziale Ph&#228;nomene hervorgebracht, Menschen (aus ganz verschiedenen Klassen und Schichten) mit Interessen und F&#228;higkeiten, mit konkre­ten Praxisformen, die &#8211; anderes als bei Proletariat &#8211; inkompatibel zur kapitalistischen Produktionsweise sind (wenngleich sie bisher deren Funktion noch voraussetzen)“ </em>(WAK email).</p></blockquote>
<p>Wenn heute die Marxsche – ich sage ausdr&#252;cklich nicht marxistische &#8211; Proletariatsbestimmung auf die &#8220;&#252;bergro&#223;e Mehrzahl&#8221; (Marxscher Ausdruck aus dem K-Manifest mit dem er vor ca. 160 Jahren den Geschichtsprozess erstaunlich richtig antizipierte, wohingegen der elit&#228;re Minderheitenbezug der heutigen &#8216;revolution&#228;ren&#8217; Linken das ganze Gesellschaftlichkeitsdesaster hier offen vor fast aller Augen treten l&#228;sst) der Gesellschaft zutrifft, dann m&#252;ssen Ulis &#8220;neue soziale Ph&#228;nomene&#8221; auch hier einzu­ordnen sein. Damit ist allerdings der von ihm aufgemachte Gegensatz zwischen Proletariat und Menschen &#8211; der ja nichts ist als der Widerspruch zwischen einem Teil (oder verschiedenen Teilen) und dem Ganzen &#8211; von vornherein hinf&#228;llig und dient allein der Aufrechterhaltung seines Puppen­spiel­erstatus: das ausrangierte Spielzeug muss schlie&#223;lich ersetzt werden &#8211; seine „Menschen“ sind nur der so abstrakte wie leere Ersatz f&#252;r sein ganz und gar nicht stimmiges Bild von der Realit&#228;t. Dieses will und muss er nun anpassen, aber er benutzt daf&#252;r die gleichen Werkzeuge wie zuvor: leere Abstraktionen. Womit zugleich deutlich wird, das das Interesse an realen gesell­schaftlichen Ver&#228;nderungen und Ver&#228;nderungsm&#246;glichkeiten ersetzt wird von periodisch zu erneu­ernden, irrealen Tr&#228;umereien, denn auf den Nachweis, dass die von ihm erw&#228;hnte Inkompati­bilit&#228;t &#252;ber die subjektiven Befindlichkeiten der Tr&#228;ger dieser Praxisformen und damit &#252;ber deren Selbst­einsch&#228;tzung hinausreicht, wird man lange warten d&#252;rfen. Schon sein eigener Klammer­zusatz schr&#228;nkt die behauptete Inkompatibilit&#228;t weit mehr ein, als seine vollmundige Aussage ver­tr&#228;gt. Die Peer-Produktion (OS etc.) mag in einem gewissen Spannungsverh&#228;ltnis zur kapitalistischen Produkt­ionsweise stehen, doch diese ist durchaus kompatibel mit anderen, auch gegens&#228;tzlichen Pro­duktionsweisen wie etwa der Haus-und Familienarbeit, weil (oder so weit) sie von der kapitalistischen Pro­duktion abh&#228;ngig blei­ben und diese erg&#228;nzen. Doch so lange Uli sich im Schein seines &#220;berlegen­heitsge­f&#252;hls sonnt, wird er einen Teufel tun und nicht mit Hilfe auch sich selbst gegen&#252;ber schonungsloser Analyseverfah­ren den Vereinfachungen seiner eigenen, absolut abstrakten Sichtweise zu Laibe r&#252;cken, nur um dann am Ende zu sehen, dass seine &#220;berlegenheit nicht mehr war als eine so ju­gendlich wie spie&#223;i­g eitle Wunschvorstellung von den tollen Revolution&#228;ren als den gesellschaftli­chen Erneuerern und Er­rettern.</p>
<p>Aus meiner Sicht spiegelt gerade diese weitgehende Gleichg&#252;ltig­keit sol­cherart &#8216;revolutio­n&#228;rer F&#252;hrungskr&#228;fte&#8217; gegen die reale Anma&#223;ung der Fakten nur das immer noch vorhandene, ob­jektive Unverm&#246;gen der Gesellschaft selbst (freilich zynisch gewendet), in der feh­lenden R&#252;cksicht auf die Bed&#252;rfnisse der jeweils Anderen die Ursache f&#252;r die nichtvorhandene Be­r&#252;cksichtigung der jeweils eigenen Bed&#252;rfnisse zu sehen. Zugleich zeigt sich in diesem intel­lektuel­len Besser-Wisser-D&#252;nkel der noch nicht &#252;berwundene Verlust der Sonderstellung, der Frust dar­&#252;ber, dass die angestrebte und ertr&#228;umte F&#252;hrungsrolle in einer historischen &#8216;Niederlage&#8217; ko­lossalen Ausma&#223;es geendet ist, in dem dann auch noch die unbewusste Abwehr vor der nivellie­renden Wir­kung der Lohnarbeit aufscheinen mag.</p>
<p>Allerdings m&#252;sste schon der Blick auf die Gesamtszenerie bewusst revolution&#228;rer Bestrebungen deutlich machen, das hier etwas nicht stimmt, denn das von Uli so genannte Unverm&#246;gen des Prole­tariats steht dort neben der heillosen Zerstrittenheit und dem nicht vorhandenen Zugang auf die Gesellschaft als konkretes Ganzes. Die jeweiligen, sich einander feindselig oder gleichg&#252;ltig gegen­&#252;berstehenden Auffassungen von (aber immer) abstrakter Gesellschaft (Proletariat etc.) werden hier wie von Privatei­gent&#252;mern geh&#228;ndelt, unter denen allein die Konkurrenz ums beste Gesch&#228;ft alles beherrscht. Die scheinbar klare Differenz zwischen scheinbar versagendem Proletariat einerseits und scheinbar durchblickenden, revolu­tion&#228;ren Intellektuellen andererseits funktioniert ja nur so lange, wie die jeweiligen Intellektuellen es f&#252;r sich schaffen, diesen Streit (und alle damit verbunde­nen Probleme) auszuklammern und ihren jeweils eigenen Weg f&#252;r den einzig ma&#223;gebli­chen zu hal­ten, weil nur in dieser Perspektive das Versagen des Proletariats das scheinbare Zentrum ist, an dem die Revolution stockt. Die bereits erw&#228;hnte Gleichg&#252;ltigkeit der Gesell­schaft gegen&#252;ber findet auch in diesem Verhalten ihren Widerhall. Ulis angeblicher Beweis ist damit in der Tat der allerdings vollst&#228;ndig &#252;berfl&#252;ssige, nur eine Selbstverst&#228;ndlichkeit beschreibende Hinweis, das eine v&#246;llig selbstbez&#252;gliche Ausrichtung der Gesellschaft kei­nen Umschlagpunkt zu einer h&#246;heren Gesell­schaftlichkeit in sich finden kann.</p>
<p>Konkret kann das gemeinsame Interesse des Proletariats in der &#8216;Klasse f&#252;r sich&#8217; aber m. E. spezifisch gar nicht an­ders dargestellt werden als durch einen Ausdruck, in dem die Beziehungen und Verh&#228;ltnisse der Individuen zueinander explizit erfasst sind– n&#228;mlich <strong>in </strong><strong>dem Interesse an den In­teressen und Bed&#252;rfnissen der Anderen</strong>. Ein Zustand der sich ja bereits in der realen, allt&#228;glichen, praktischen T&#228;tigkeit (Produktion von Pro­dukten und Dienstleistungen) f&#252;r die Be­d&#252;rfnisbefriedigung der Anderen recht unspektakul&#228;r &#228;u­&#223;ern MUSS, dort aber (noch und solange) als Zwangsverh&#228;ltnis wirkt, wie die Gegenseitigkeit und reale Abh&#228;ngigkeit voneinander &#252;ber das Eigeninteresse vermittelt ist– schlie&#223;lich ist dies ja nichts weniger als eine ganz zentrale S&#228;ule der (kapitalistischen) Warenproduktion. Daher ist genau DAS die Klammer die die Gegenwart mit der Zukunft verkn&#252;pft, DAS ist der Keim des neuen im alten und nicht die fehlenden Preisschilder auf irgendwelchen Produkten. Die WERTVERH&#196;LTNISSE und damit die WERTFORMEN sind doch nichts als der objektivierte, gegenst&#228;ndliche Ausdruck des notwendigen Zusammenhangs der voneinander unabh&#228;ngigen Privatproduzenten. Ein Zustand den Marx im absurden Ausdruck <em>ungesellschaftliche Gesellschaftlichkei</em>t kennzeichnet, um die hier liegende Entwicklungsm&#246;glich- und Notwendigkeit heraus zu arbeiten. Die ganze notwendige, kom­munistische Gesellschaft­lichkeit ist in diesem Aus­druck auf ihren einfachsten und zugleich inhalt­lich auch ausreichend konkreten Punkt ge­bracht, denn der spezifische, inhaltliche Unterschied zu aller Gesellschaft(lichkeit) vor ihr ist darin so eingefangen wie die materialistische Angebundenheit an den real bestehenden Zustand.</p>
<p>Die blo&#223;e Verfolgung der jeweils eigenen Interessen ist doch geschichtlich nichts Neues und konstitu­iert auch f&#252;r sich keine Ge­sellschaft, sondern h&#246;chstens eine Gemeinschaft (der aber andere Gemeinschaften zur Seite stehen, mit denen die Auseinandersetzungen um die Gesellschaft wieder neu beginnen). Nochmal zur Erinne­rung der selbstbez&#252;gliche Kurzschluss von Robert Kurz der den Fortschritt &#252;ber den Kapitaltismus hinaus, ausgerechnet darin er­kennen will</p>
<blockquote><p><em>„dass Leute sich zusammenschlie&#223;en, um f&#252;r sich selbst, f&#252;r den eigenen Bedarf“</em></p></blockquote>
<p>zu pro­duzieren (krisis 19). Sieht man von der scheinbaren Negation in Richtung Kapitalverh&#228;ltnis ab, ent­h&#228;lt der Ausdruck nicht nur kein Gramm Fortschritt, sondern in der Definition der Gesellschaftlichkeit f&#228;llt er mit dem Selbstbezug sogar hinter das zur&#252;ck, was er zu kritisieren vorgibt.</p>
<p>&#220;berhaupt &#8216;entsteht&#8217; erst mit diesem spezifischen Blick auf das Proletariat ein Proletariat, in dem die einzelnen Individuen als selbstbewusst f&#252;reinander t&#228;ti­ge Individuen noch er­kennbar sind und nicht im abstrakten Meta-Subjekt namenlos verschwinden, um den mehr oder we­niger b&#252;rokratischen Vor­gaben &#8216;ihrer Organisationen&#8217; faktisch willenlos zu folgen, daf&#252;r aber im Einklang mit dem hehren, allgemeinen Ge­samtinteresse stehen (der ganze bisherige Realsozialismus von der fr&#252;hen KPD bis zur stalinistischen KPdSU ist hiermit glasklar beschrieben). Die kommunistische Ge­sellschaftlichkeit f&#228;llt doch nicht vom Himmel, in ihr kann ja nur das bewusst umgesetzt werden, wof&#252;r die Vorl&#228;uferge­sellschaft den &#228;u&#223;eren Zwang der (Wert)verh&#228;ltnisse brauchte. Die leere Ab­straktheit in der tradi­tionellen Sicht auf die In­teressen des Meta-Subjektes „Proletariat“ spricht da eine ganz klare Spra­che. F&#252;hrer und F&#252;hrung, Partei und Staat und nicht zu vergessen, der Plan, sind auch von dieser Seite aus historisch nicht mehr als die untauglichen Ersatzmittelchen und da­mit DER Zeiger auf eine noch nicht vorhandene (kommunistische) Gesellschaftlichkeit. Alle bishe­rigen Ver&#228;nderungs­bestrebungen basieren auf ab­strakten Kapitalismus-Negationen und Gesellschaftlichkeits-Vereinfa­chungen (da passt Ulis „Beweis“ so gut rein wie die Peer-&#214;konomie Diskussion). Die Gesellschaft verf&#252;gt somit noch &#252;ber keinerlei praktikable, positive Aufhebungsl&#246;sung. Diese einfache Tatsache spiegelt sich im massenhaften Desinteresse an den vorhandenen Scheinl&#246;sungen.  Und es wirft ein bezeichnendes Licht auf die selbsternannten F&#252;hrungskr&#228;fte, dass sie die hier zum Ausdruck kommende praktische Kritik nicht verstehen. In v&#246;lliger Verkennung der Tatsachen glauben sie gar gute Gr&#252;nde daf&#252;r zu haben, die Kritik hier in Richtung der gro&#223;en Mehrzahl der Menschen umzudrehen weil diese ihnen nicht folgt.</p>
<p>Ein weiteres aufschlussreiches Beispiel f&#252;r die zugrunde liegende Hilflosigkeit dieser Ans&#228;tze offenbart z. B. die Diskussion zwischen Karl Reitter und Michael Heinrich in den „grundrissen“ 11 von 2004. <a id="ia2l" title="http://www.grundrisse.net/grundrisse11/11karl_reitter.htm" href="http://www.grundrisse.net/grundrisse11/11karl_reitter.htm" target="_blank">Reitter</a> beginnt die­se mit dem Versuch einer „Bereicher­ung“ der Heinrichschen Kapi­tal Einf&#252;hrung &#252;ber den Begriff des Klassen­kampfs, welchen <a id="j_:n" title="http://www.grundrisse.net/grundrisse11/11michael_heinrich.htm" href="http://www.grundrisse.net/grundrisse11/11michael_heinrich.htm" target="_blank">Heinrich</a> aus meiner Sicht allerdings erfolgreich abwehrt, nur das auch diese Position letztlich v&#246;llig unbefriedigend bleibt.</p>
<p>Reitters Klassenkampfanspr&#252;­che sind so ab­strakt wie sein Subjekt-Bezug zum Prole­tariat und das dazugeh&#246;rige proletarische Klassenin­teresse. Michael Heinrich antwortet mit einer Aufz&#228;hlung von mehr oder weniger offenen Fragestellungen (Gemeinsamkeiten der heterogen zusammengesetzten Klassengemengelagen, Klassenzugeh&#246;rigkeiten etc.) und zeigt so die Problematik eines meist floskelhaften bzw. abstrakten Umgangs ganz gut auf. Ein Inhalt, &#252;ber die Verteidigung des Werts der Ware Arbeitskraft hinaus (der auf dieser Ebene die einzige und dazu eben zugleich sehr widerspr&#252;chliche Gemeinsamkeit ist, den die Klasse hat), ist hier au&#223;er in inhaltsleeren Parolen m. E. nicht zu entdecken. Aber so richtig Heinrichs Zur&#252;ckwei­sung auch ist, als Antwort offenbart sie doch zugleich die ganze Leere der Marxistischen Vor­stellungen, da f&#252;r ihn kein Inhalt, kein Grund in den Verh&#228;ltnissen existiert, durch welchen eine andere Ent­wicklung an­getrieben wird oder angetrieben werden kann – die kapita­listische Gesellschaft ist auch bei ihm im engen Sinn des Wortes kein wirklicher Forschungs­ge­gen­stand. Letztlich ist daher alles Zufall. Sein berechtigtes Misstrauen ge­gen&#252;ber den objektiv vorher bestimmten Geschichtsverl&#228;ufen steht neben einem weitgehend verlorenen, analyti­schen Blick auf die sich entwickelnde Realit&#228;t. Mit ihren Widerspr&#252;­chen und den darauf fu&#223;enden M&#246;glichkei­ten und Zw&#228;ngen kann Michael Heinrich nicht viel anfangen, eine Entwicklungslogik (die zu ber&#252;cksichtigen w&#228;re) ist f&#252;r ihn nicht zu erkennen.</p>
<p>Es muss also nicht verwundern, wenn der abstrakte Antikapita­lismus sich prinzipiell in 2 Beschw&#246;rungsformeln ersch&#246;pft. Die fehlenden Inhalte werden durch die moralische und meist martialische &#220;berbetonung der Formen kompensiert. Dies ist zum 1. der Kampf selbst und zum 2. die Solidarit&#228;t. Altvater etwa hat letztere als „soli­darische &#214;konomie“ im Buch „das Endes des Kapitalismus wie wir ihn kennen“ sogar in den Rang einer Produktionsweise erhoben, vom Anspruch her also durchaus vergleichbar mit Christians Produktionsweise Behauptungen bei der Peer&#246;konomie. Doch kann sie allenfalls als Zufallsl&#246;sung herhalten, weil hier kein materialistischer Gesellschaftszusam­menhang konstituiert wird, sie also nur moralisch wirkt in Abh&#228;ngigkeit von vielerlei, auch v&#246;llig ge­gens&#228;tzlichen Nebenumst&#228;n­den. Altvater &#8211; der die schwa­che Wirkung der Solidarit&#228;t f&#252;r das 20. Jahrhundert sehr wohl sieht – wei&#223; sich keinen anderen Rat als genau darauf zu setzen, wobei die eigentliche Begr&#252;ndung in der Negierung der Bed&#252;rfnisse der Menschen durch die liberalen Globalisierungsbestrebungen liegt. Dabei muss er sogar davon ausgehen, eine „solidarische &#214;konomie“ sei sogar auf Basis der Wertformen m&#246;glich, also auf der Basis einer unbewussten Gesellschaftlichkeit die sich bekanntlich dadurch auszeichnet, dass sie nur hinter dem R&#252;cken der Akteure funktioniert. Michael Heinrichs sehr vor­sichtigen, von der hier angesprochenen Schw&#228;che dominierten Versuch, die kapitalistische Warenproduktion selbst zu problematisieren (&#8220;Kritik der politischen &#214;konomie. Eine Einf&#252;hrung.&#8221; S. 216 ff), f&#252;hrt er sogar ein St&#252;ck weit ad absurdum, weil er keine innere Verbindung zwischen dieser Warenproduktion und ihrer m&#246;glichen Aufhebung sieht. Das eigentliche Problem l&#246;st er so nat&#252;rlich nicht und dokumentiert da­mit zugleich, dass bisher marxistisch noch nicht mal eine L&#246;sung angedacht werden konnte bei der nicht im Mittelpunkt irgendwelche abstrakten Annahmen standen:</p>
<blockquote><p><em>„Die Frage stellt sich aber, ob und inwiefern die &#246;konomische und politische Praxis &#252;ber kapitalistische Formen hinausweist. Was ist das transzendierende Potential von so­lidarischer &#214;konomie und nachhaltiger Gesellschaft?“ (Altvater, S. 203).</em></p></blockquote>
<p>Da er darauf keine Antwort hat, wird der R&#252;ckgriff auf die traditionellen Vorstellungen wieder in den Mittelpunkt ger&#252;ckt und etwa Holloways Machtkritik (als Kritik am Desaster des Realsozialismus) auf das sch&#228;rfste kritisiert, obwohl er die Schwierigkeiten der Machtaus&#252;bung &#8211; angesichts eines nicht greif­baren, also abstrakten Subjektes, welches diese Macht aus&#252;ben k&#246;nnte bzw. m&#252;sste &#8211; nicht aushebeln kann. So lange die notwendige Gesellschaftlichkeit nicht da existiert, wo sie hingeh&#246;rt, also bei der ungeheuren Mehrzahl der geselllschaftlichen Individuen, k&#246;nnen die L&#246;sungen nur sehr zweifelhafte sein, weil sie Ersatzsubjekte brauchen, um die fehlende Gesellschaftlichkeit der Individuen zu ersetzen.</p>
<p>Die Gesellschaftlichkeit der heutigen Gesellschaften ist einerseits nun zwar weitgehend diesem be­schr&#228;nkten historischen Stand entwachsen &#8211; was sich ja u. a. darin zeigt, dass die scheinradikalen Poli­tikformen etwa der KPD aus der Zwischenkriegszeit nicht wirklich wiederholbar sind &#8211; eben weil der Geschichtsverlauf praktisch klar gemacht hat, dass die den Anh&#228;ngern versprochene ! L&#246;sung aus der Beziehung zwischen F&#252;hrung und Gefolgschaft gar keine war. Was zugleich den Irrtum der K-Gruppen-Bewegung im Gefolge der so genannten Studentenbe­wegung markiert, die ahistorisch glaubte, den roten Faden scheinbar unterbrochener, in Wirklichkeit aber bereits vollst&#228;ndig gescheiterter „kommunistischer“ Politik wieder aufgreifen zu k&#246;nnen. Ulis „Beweis“ beweist daher vor allem, dass die Inhalte dieser vergangenen Arbeiterbewegungsverh&#228;ltnisse intellektuell noch nicht wirklich &#252;berwunden sind, in denen die Masse der Arbeiterinnen nur die Aufgabe hatte, den Parolen ihrer F&#252;hrer Folge zu leisten die das abstrakte Gesamtinteresse managten (zu den hier vorhandenen Widerspr&#252;chen; erf&#252;llten, hintergangenen und oder zur&#252;ckgewiesenen Anspr&#252;chen: Klaus-Michael Mallmann, &#8220;Kommunisten in der Weimarer Republik. Sozialgeschichte einer revolution&#228;ren Bewegung&#8221;). Dieser &#8216;Manager-Sozialismus&#8217; hat sich erledigt und auch das weinerlichste Selbstmitleid der verhinderten Manager kann die „Schreie“ (Holloway) der „&#252;bergro&#223;en Mehrzahl“ nicht &#252;bert&#246;nen &#8211; einer Mehrzahl die nat&#252;rlich mit diesen Verh&#228;ltnissen keinen wirklichen Frieden machen kann.</p>
<p>Andererseits ist freilich ebenso offensichtlich der notwendige, neue Gesellschaftlichkeitsgrad f&#252;r den n&#228;chsten qualitativen Sprung der „&#252;bergro&#223;en Mehrzahl“ nach vorn noch nicht erreicht, dazu m&#252;ssen deren „Schreie“ sich in ein bewusstes Handeln verwandeln, mit dem sie sich ihre Gesell­schaftlichkeit aneignen k&#246;nnen. Stefan Breuers Behauptung jedoch, die Revolution sei</p>
<blockquote><p><em>„nicht l&#228;nger aus der immanenten Dialektik des Kapitals zu begr&#252;nden“, weil „die Arbeiterbewegung in ihrem blinden Wechsel von reformistischer Inte­gration und verzweifeltem Voluntarismus demonstrierte, dass es durchaus keinen not­wendigen Zusammenhang zwischen Kritik der politischen &#214;konomie und Revolutions­theorie in dem von Marx unterstellten Sinne gab, dass &gt;in dem positiven Verst&#228;ndnis des Bestehenden&lt; &gt;zugleich auch das Verst&#228;ndnis seiner Negation, seines notwendigen Untergangs&lt; (MEW 23, S. 28) eingeschlossen sei, gab sie die h&#246;hnische Antwort des Kapitals auf die Hoffnung des revolution&#228;ren Sozialismus, dass die b&#252;rgerliche Gesell­schaft im Proletariat als einer gleichsam exterritorialen Instanz ihre absolute Grenze ge­funden habe“ (Die Krise der Revolutionstheorie, S. 63, Frankfurt a. M. 1977)</em></p></blockquote>
<p>ist allerdings zu revidieren. Denn „das Verst&#228;ndnis des Bestehenden“ hat das Bestehende in der Zeit nach Marx bisher genau nur v&#246;llig unzureichend erfasst, so dass die Ver&#228;nderungsans&#228;tze gar nicht da angesetzt haben, wo sie aber h&#228;tten ansetzen m&#252;ssen, um &#252;berhaupt erfolgreich sein zu k&#246;nnen (Gesellschaftlichkeitsentwicklung statt Macht&#252;bernahme, da Macht&#252;bernahme eine entsprechende Gesellschaftlichkeitsentwicklung voraussetzt).</p>
<p>Die absolut m&#246;gliche, praktische Erkenntnis, dass das in der gegenseitigen Abh&#228;ngigkeit aufscheinende Verh&#228;ngnis ein solches nicht sein muss, da die Pro­duktion f&#252;r die Bed&#252;rfnisse der Anderen ihres Zwangscharakters beraubt wird, wenn sie erst zum Gegenstand der pers&#246;nlichen Sorge und der pers&#246;nlichen Verantwortung „der &#252;bergro&#223;en Mehr­zahl“ gemacht werden kann und damit dann stattdessen auf Basis einer bewussten Handlung der Individuen stattfindet. Dieses bisherige &#8216;Versagen&#8217; l&#228;sst sich der „&#252;bergro&#223;en Mehrzahl“ daher &#252;berhaupt nicht ankrei­den, der Versuch allein zeigt schon, wie klein das Verst&#228;ndnis dieser Zusammenh&#228;nge bisher ist. Das bisherige Festsitzen in einer Sackgasse betrifft alle. Nur die selbst ernannten Durchblicker schwelgen in Selbstmitleid, hantieren lieber mit Schuldzuweisungen und f&#252;hlen sich den &#8220;Normalos&#8221; ja sooo &#252;berlegen, anstatt sich an vern&#252;nftigen Erkl&#228;rungsversuchen abzuarbeiten. Ein realistischeres und damit notwendigerweise kritischeres Selbstbewu&#223;tsein sieht anders aus.</p>
<p><em>Bochum im Juni 2009</em></p>
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		<title>Thesen zum Dialektik-Text von F. O. Wolf</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Aug 2008 15:09:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[dialektik]]></category>
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<h3>U. Wei&#223;: Thesen zu Frieder Otto Wolf, Marx’ Konzept der ‘Grenzen der dialektischen Darstellung’[1]</h3>
<p>F&#252;r unsere WaK-Diskussion, in der wir uns methodisch auch an Hegel anlehnen, erscheinen mir die hier besprochenen Grenzen der dialektischen Darstellung im Marx&#8217; Forschungs- und Darstellungsmethode relevant. Dies obwohl es uns gerade nicht um die Konstitution und die dialektische Darstellung der kapitalistischen Produktionsweise geht, sondern um deren Aufhebung durch eine andere Form der Vergesellschaftung. Analogien, also &#228;u&#223;ere Bezogenheiten, beweisen zwar noch nichts, doch als heuristisches Mittel kann ein Verst&#228;ndnis f&#252;r die Grenzen dialektischer Darstellung neue Sichten auf unseren Gegenstand, die eigene widerspr&#252;chliche Existenz eingeschlossen, er&#246;ffnen.</p>
<p><span id="more-60"></span>Das entstehen etwa der Lohnarbeit, also der Herausbildung entsprechender menschlicher F&#228;higkeiten und Mentalit&#228;ten, wird von Marx als ein Produkt einer theoretisch fassbaren Geschichte angesehen, einer Weltgeschichte der Herausbildung entsprechender Anlagen lebendiger Individuen, deren individuelle und kollektive Reproduktion durch Fortpflanzung sowie Bildung und Erziehung angesehen. Was der dialektischen (von Marx auch verwandt: logischen, systematischen) Darstellung kapitalistischer Produktionsweise, aus denen heraus Lohnarbeit nicht notwendig entsteht, nicht zug&#228;nglich ist (so auch die Entwicklung von Gold zu Geld), das greift Marx als &#8220;kontingente konkrete empirischen oder historischen Tatsachen in Form von Beschreibungen oder Erz&#228;hlungen&#8221;[2] auf. Dies baut er dann in die dialektische Darstellung der auf ihrer eigenen Grundlage (mit der Voraussetzung der Lohnarbeit) sich reproduzierenden kapitalistischen Produktionsweise ein.</p>
<p>Ein zentraler Punkt unserer Suche nach Wegen in eine Gesellschaft allgemeinmenschlicher Emanzipation ist das Entstehen freier sch&#246;pferischer T&#228;tigkeit als Bed&#252;rfnis gesellschaftlicher Individuen und zugleich als materielle Grundlage dieser Gesellschaft. In Analogie zur Marxschen Methode zur Darstellung des Entstehens von Lohnarbeit k&#246;nnte das folgendes bedeuten:</p>
<p>Erstens: Das Entstehen einer entsprechenden freien nichtwarenf&#246;rmiger T&#228;tigkeit muss und kann nicht als logische Konsequenz der kapitalistischen Produktionsweise begriffen werden.</p>
<p>Zweitens: Die Herausbildung entsprechender menschlicher F&#228;higkeiten kann nur als Ergebnis eines weltgeschichtlichen Prozesses verstanden werden, die als Ereignisgeschichte zu fassen ist.</p>
<p>Drittens: Damit erg&#228;be sich auch ein bestimmter (beschr&#228;nkter) Sinn des im WaK-Kreis &#246;fter bem&#252;hten Gedanken, dass Kommunistisches in aller Geschichte sei. &#8220;Beschr&#228;nkt&#8221; bedeutet hier: Es geht um solche Formen von Lebenst&#228;tigkeiten, die wie die menschliche Reproduktion zwar aller menschlichen Existenz und allen Produktionsweisen vorausgesetzt und eigen sind, die aber in ihren potentiellen inneren Logiken keine logisch konstituierenden Elemente dieser Produktionsweisen werden k&#246;nnen. Ihrerseits sind sie an das Funktionieren dieser Produktionsweise gebunden (ist dies f&#252;r die menschliche Reproduktion nicht mehr hinreichend gegeben, bricht diese Produktionsweise zusammen) insofern sie ihr unverzichtbare Lebensmitteln- bzw. Bedingungen sichert. Die Zwecke dieser Produktionsweisen sind gegen&#252;ber diesen Lebenst&#228;tigkeiten &#228;u&#223;erliche, eben einer anderen Logik unterworfen.</p>
<p>Viertens: Befreit von solcher Unterordnung unter &#228;u&#223;erliche Zw&#228;nge h&#228;tten diese Lebenst&#228;tigkeiten die Potenz, eine neue Form von Vergesellschaftung zu begr&#252;nden. Es w&#228;re dann sozusagen l&#228;ngst Vorhandenes, das geschichtsbestimmend w&#252;rde und zwar indem es gem&#228;&#223; den dann entfalteten eigenen Logiken eine neue Form der Vergesellschaftung setzt. Die Herausbildung einer neuen Produktions- und Lebensweise w&#228;re dann nur als Freisetzung dieser l&#228;ngst vorhandenen Elementen aus ihrer Unterordnung unter &#228;u&#223;erliche Zwecke zu verstehen.   F&#252;nftens: In Bezug auf eine solche Produktionsweise, die in die Lebenst&#228;tigkeit eingebunden und dadurch bestimment wird (und nicht umgekehrt wie in der bisherigen Geschichte) kann die freie sch&#246;pferische T&#228;tigkeit und ihre best&#228;ndige Reproduktion dann auch dialektisch dargestellt werden. Sie ergibt sich aber weder in der Praxis noch in der Theorie als logische Konsequenz eines wahren Kapitalismusbegriffs.</p>
<p>Sechstens: Im Begriff Kapitalismus, so wird in der WaK-Diskussion &#246;fter behauptet, sei dessen Aufhebung nicht nur im Sinne des Entstehens letztlich existenzbedrohender Antinomien eingeschlossen, sondern auch als ein positives Setzen einer neuen Vergesellschaftung. Genau das erscheint mir nach o.g. Aussagen als eine solche Art Hegelscher Begriffsentfaltung, die ihre Grenzen nicht kennt und auf die auch Marx&#8217; Hegelkritik zutrifft: Eine theoretische Akkomodation ans Gegebene.</p>
<p>Siebtens: Daf&#252;r, dass in dieser Weise solch immer schon vorhandenes &#8220;Kommunistisches&#8221; tats&#228;chliche geschichtsm&#228;chtig werden kann, sind allerdings gesellschaftliche Voraussetzungen erforderlich, die dieses Handeln selbst nicht konstituieren konnte – so ein bestimmbares Produktivit&#228;tsniveau menschlicher Arbeit. Diese muss ein Niveau erreicht haben, auf dem sch&#246;pferische T&#228;tigkeit zum ersten Lebensbed&#252;rfnis der Individuen und zugleich zu einer Kraft werden kann, die die Gesellschaft materiell zu tragen vermag. Global gesehen kann eine solche Produktivit&#228;t erst mit der kapitalistischen Produktionsweise entstehen. Wie der Kapitalismus kein l&#228;sslicher Irrtum der Geschichte und eine Gesellschaft der allgemeinmenschlichen Emanzipation ohne dessen zivilisatorischen Errungenschaften praktisch nicht realisierbar und zugleich nicht denkbar ist, so ist – ausgehend von dieser konkreten Uopie – auch ein tief erfasster Kapitalismusbegriff diese Voraussetzung einer neuen Gesellschaft geistig antizipieren zu k&#246;nnen.</p>
<p>Achtens: Gest&#252;tzt auf die entsprechenden historischen Voraussetzungen kann freie sch&#246;pferische T&#228;tigkeit sich diese dann unterordnen und in der ihr gem&#228;&#223;en sozialen Form die materiellen Existenzbedingungen hervorbringen, damit eine neue Gesellschaft begr&#252;nden. In Analogie zur systematischen Darstellbarkeit der Lohnarbeit in einer einmal etablierten kapitalistischen Produktionsweise wird verst&#228;ndlich: Erst auf dieser Basis kann dann auch die freie sch&#246;pferische T&#228;tigkeit dialektisch dargestellt werden – sozusagen auf ihrer eigenen Grundlage als best&#228;ndig sich reproduzierendes Element der neuen Vergesellschaftungsform. Das vorhergehende historische Setzten dieser T&#228;tigkeit jedoch ergibt sich nicht als logische Konsequenz des Kapitalismusbegriffs. Es ist damit auch praktisch unm&#246;glich, solche T&#228;tigkeiten und ihr entsprechenden soziale R&#228;ume mittels der Kategorien der Warenproduktion, der Staatlichkeit, unvermeidbar damit verbundener avantgardistischer Theorien zu begr&#252;nden oder zu f&#246;rdern. Eine solche Vergesellschaftung ist nur als gesellschaftliche Tat der sch&#246;pferisch frei t&#228;tigen Individuen m&#246;glich, die sich von vornherein jenseits der Wert-, Staats- und Ideologief&#246;rmigkeit assoziieren. Sie wird in dem Ma&#223;e Realit&#228;t wie die Individuen in dieser Form auch die Bedingungen ihrer materiellen Existenz schaffen.</p>
<h3>Worin best&#252;nde die Aufgabe einer diese Entwicklung antizipierenden Theorie?</h3>
<p>A) Eine hypothetische Vorstellung der Formen von Vergesellschaftung entwickeln, in der sch&#246;pferische Individuen in freier T&#228;tigkeiten sich und ihre sozialen Strukturen reproduzieren k&#246;nnen. Es geht dabei um materielle Voraussetzungen f&#252;r die Konstitution einer freien Gesellschaft und darin eingebunden die menschlichen F&#228;higkeiten, Mentalit&#228;ten.</p>
<p>B) Ausgehend von diesem notwendig utopischen Entwurf einer Gesellschaft allgemeinmenschlicher Emanzipation und der sie tragenden Individuen ausgehend die sich logisch ergebende Voraussetzungen ihrer Konstitution bestimmen.</p>
<p>C) Ausger&#252;stet mit diesen noch immer hypothetischen Annahmen Gegenwart und Geschichte durchforsten: Sind reale Bedingungen f&#252;r eine solche neue Form der Vergesellschaftung vorhanden oder im Entstehen? In welchen sozialen R&#228;umen und Bewegungsformen konstituieren sie sich? In Bezug auf Geschichte und Gegenwart: Die Zusammenh&#228;nge und Widerspr&#252;che zwischen solchen potentiell kommunistischen (nichtwert- und nichtwarenf&#246;rmigen) T&#228;tigkeiten und Denkweisen und den jeweils dominierenden Logiken heutigen Produktions- und Lebensweisen sind zu erkennen und in ihren m&#246;glichen Entwicklungen zu bestimmen.</p>
<p>D) Dies alles ist in den Widerspr&#252;chlichkeiten der Individuen, die der Theoretiker eingeschlossen, darzustellen.</p>
<h4>Anmerkungen</h4>
<p>[1] Dieser Text vertieft die Untersuchung von Wolf 2004.</p>
<p>[2] Frieder Otto Wolf, Marx’ Konzept der ‘Grenzen der dialektischen Darstellung’, <a href="http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/IMG/pdf/FOW_Grenzen.pdf" target="_ ">http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/IMG/pdf/FOW_Grenzen.pdf</a></div>
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		<title>»Grenzen der dialektischen Darstellung«</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Aug 2008 15:07:45 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wir diskutieren den Text von Frieder Otto Wolf: Marx’ Konzept der »Grenzen der dialektischen Darstellung« sowie die Thesen von Uli zu diesem Text. Download des Textes von FOW hier: http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/IMG/pdf/FOW_Grenzen.pdf]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="id">Wir diskutieren den Text von Frieder Otto Wolf: </span>Marx’ Konzept der »Grenzen der dialektischen Darstellung« sowie die <a href="http://wadk.de/2008/thesen-zum-dialektik-text-von-f-o-wolf">Thesen von Uli</a> zu diesem Text.</p>
<p>Download des Textes von FOW hier: <a href="http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/IMG/pdf/FOW_Grenzen.pdf" target="_ ">http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/IMG/pdf/FOW_Grenzen.pdf</a></p>
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