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	<title>Wege aus dem Kapitalismus &#187; proletariat</title>
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		<title>Hubert Herfurth: Zur WAK- und Peer-&#214;konomie Diskussion</title>
		<link>http://wadk.de/2009/hubert-herfurth-zur-wak-und-peer-oekonomie-diskussion/</link>
		<comments>http://wadk.de/2009/hubert-herfurth-zur-wak-und-peer-oekonomie-diskussion/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2009 15:39:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein paar &#220;berlegungen zum Gesellschaftsverst&#228;ndnis der radikalen Linken am Beispiel neuester &#196;u&#223;erungen Uli Wei&#223; (Quelle) R&#252;ckblickend l&#228;sst sich ja sehen, dass die fr&#252;hzeitliche Nichtexistenz der Wertformen in den menschlichen Ur-Gemeinschaften gebunden war an sehr, sehr enge Lebensverh&#228;ltnisse (der Begriff Kommunismus macht hier wenn &#252;berhaupt nur ebenso eng gefasst einen Sinn). Die Erweiterung dieser Lebensverh&#228;ltnisse machte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Ein paar &#220;berlegungen zum Gesellschaftsverst&#228;ndnis der radikalen Linken am Beispiel neuester &#196;u&#223;erungen Uli Wei&#223; (<a href="http://docs.google.com/View?docid=dfr5rqhg_1jdpvgrf5">Quelle</a>)</h3>
<p>R&#252;ckblickend l&#228;sst sich ja sehen, dass die fr&#252;hzeitliche Nichtexistenz der Wertformen in den menschlichen Ur-Gemeinschaften gebunden war an sehr, sehr enge Lebensverh&#228;ltnisse (der Begriff Kommunismus macht hier wenn &#252;berhaupt nur ebenso eng gefasst einen Sinn). Die Erweiterung dieser Lebensverh&#228;ltnisse machte das Aufkommen der Wertformen notwendig, weil die vorhandene Gesellschaftlichkeit dieser voneinander getrennten aber sich einander &#8216;n&#228;hernden&#8217; Gemeinschaften diese Trennung in G&#228;nze nicht &#252;berwinden konnte.<span id="more-260"></span> Inzwischen leben wir einige tausend Jahre sp&#228;ter nun in Zeiten, in denen die historische Be­grenztheit dieser Formen praktisch erfahrbar wird und daher zumindest das Nachden­ken &#252;ber die M&#246;glichkeiten zur Aufhebung einen Sinn macht, insbesondere wenn der Fundus des hinter uns liegenden realen Ge­schichtsprozesses in dieses Nach­denken einflie&#223;t. Damit sollte uns heute freilich aber vor allem klar sein, dass das &#252;bereilte Herbei­sehnen und Herbeireden der Aufhebung der Wertformen die dazuge­h&#246;rigen Ver&#228;n­derungen im Ver­halten der Menschen, in ihrem Verh&#228;ltnis zueinander nicht automa­tisch mit bedin­gen. Diese For­men sind ja nicht an sich &#252;berfl&#252;ssig und sie stellen auch keinen S&#252;n­denfall in der menschlichen Entwicklung dar. Die Ver&#228;nderung der Verh&#228;ltnisse braucht offenbar einfach mehr Zeit als erhofft oder ge­dacht. Auch Marx interpretierte in diesem Zusammen­hang die Zeichen seiner Zeit zumindest teil­weise geschichtsperpektivisch so falsch wie die russi­schen Okto­berrevolution&#228;re sp&#228;­ter praktisch – aber auch daraus l&#228;sst sich nur lernen oder das totale Scheitern wird andauern. So traurig das f&#252;r un­sere individuellen Lebensspannen sein mag, weil sich ganz praktisch zeigt, dass dieser Aufhebungs-Traum im Rahmen der uns zur Verf&#252;gung stehenden Zeit­spannen erstmal eben immer noch nur ein Traum bleiben wird (ich bin Jahrgang 56). Was aber zu­gleich &#252;berhaupt nicht ausschlie&#223;t, das sich dies zuk&#252;nftig &#228;ndert. Doch die genauere Einsch&#228;t­zung dieser Problematik, die Kl&#228;rung der Bedin­gungen also, die f&#252;r diese Ver&#228;nderung aller Wahr­scheinlichkeit nach notwendig sind, gelingt nicht ohne ein Einlassen auf die konkreten Zusammen­h&#228;nge. Die Leichtfertigkeit mit der Uli hier zu Ur­teilen kommt, die seinen eigenen, inhaltlichen Ein­sch&#228;tzungen an anderer Stelle diametral entgegen stehen (Stichwort Sassulitsch) bereitet mir regel­recht Schmerzen beim Lesen.</p>
<blockquote><p><em>„Dass das Proletariat (und dessen Diktatur) der Sch&#246;pfer eines neuen Ganzen sein k&#246;nn­te, das ist geschichtlich (und inzwischen auch logisch) widerlegt“ </em>(aus Ulis WAK mail).</p></blockquote>
<p>&#8220;Proletariat&#8221; ist hier immer noch nur ein Mythos und nicht einfach die &#8216;ganze&#8217; Gesellschaft (die es allerdings im Singular noch gar nicht gibt) der lohnabh&#228;ngigen &#8220;ArbeiterInnen&#8221;, die sich ihres objek­tiven Zusammenhangs und der daran h&#228;ngenden M&#246;glichkeiten in der kapitalistischen Warenpro­duktion aber nat&#252;rlich auch erstmal subjektiv bewusst werden m&#252;ssen. Wobei ich hier unter &#8220;bewusst werden&#8221; vor allem einen praktischen Prozess verstehe, in dem aus dem Neben-, Durch- und Gegeneinander von ge­sellschaftlichen und (!) ungesellschaftlichen Ambitionen der gesellschaftlichen Akteure sich erst die wirklich gesellschaftlichen Zusammenh&#228;nge als die st&#228;rkeren durch setzen (m&#252;ssen). Allerdings, ohne die ber&#252;hmte, im Augenblick wie nie wirkende &#8220;Notwendigkeit&#8221; (z. B. &#246;konomische [Jahrhundert]-Kri­se und drohende Klimakatastrophe) ist dies f&#252;r mich so wenig vorstellbar wie ohne die (selbst)kritische Betrachtung und Aufarbeitung der bisherigen (Bewegungs)geschichte.</p>
<p>Ulis angeblicher Beweis be­steht ja praktisch nur darin, dass eine bestimmte Vorstellung (!) vom Ergebnis des Geschichtspro­zesses bisher in der Tat nicht eingetreten ist. Abgerundet wird diese &#8220;Einsicht&#8221; mit dem inzwischen schon klassischen Lamento, das Proletariat ringe</p>
<blockquote><p><em>„gem&#228;&#223; seiner Interessenlage um den Erhalt der Ausbeutungsverh&#228;ltnisse“</em> (ebenda),</p></blockquote>
<p>anstatt seiner eigentlichen Mission entsprechend, dem Kapital eben diese Ausbeutungsverh&#228;ltnisse um die Ohren zu schlagen. Uli diskutiert hier so abstrakt wie ungenau. Schon sein Versuch in <a id="ml9l" title="http://www.keimform.de/2009/02/20/peer-oekonomie-in-der-diskussion-ii/#more-1276" href="http://www.keimform.de/2009/02/20/peer-oekonomie-in-der-diskussion-ii/#more-1276" target="_blank">&#8220;Kein Weg aus dem Kapitalismus!&#8221;</a> Christi­an Siefkes&#8217; Peer-&#214;konomie Konzept von meiner Kritik <a id="zqhn" title="http://www.keimform.de/2008/12/11/hubert-herfurth-gesellschaftlichkeitsdefizit-in-der-peer-oekonomie/" href="http://www.keimform.de/2008/12/11/hubert-herfurth-gesellschaftlichkeitsdefizit-in-der-peer-oekonomie/" target="_blank">&#8220;Gesellschaftlichkeitsdefizite der Peer-&#214;konomie&#8221;</a> freizustellen, basiert auf dem grunds&#228;tzli­chen Fehlverst&#228;ndnis der Gesellschaftlichkeitsproblematik, die letztlich durch keinen Modellvorbe­halt au&#223;er Kraft gesetzt werden kann. Im Gegenteil, das Modell muss zeigen, dass es diese Anforde­rungen in der Lage ist abzudecken oder die Grenzen m&#252;ssen abgesteckt werden, bis wohin das Mo­dell aussagekr&#228;ftig sein kann oder soll. Was Christian auch bei gutwilligster Interpretation aller­dings genau nicht macht, denn so hat er nach meiner Beobachtung (Treffen in Hattingen, Diskussion im Blog und Vortrag in Berlin) die M&#246;glichkeit, je nach Publikum, zwischen Modell&#252;berlegungen und der Definition von Produk­tionsweisen mit Realit&#228;ts-Charakter ziemlich beliebig hin und her zu springen. Methodisch ist das m. E. ein eher katastropha­ler Ansatz. Er zeigt aber, auf welch einem wissenschaftlichen Niveau sich viele linke Auseinan­dersetzungen bewegen. Uli wehrt die Kritik hier nicht ab, weil sie inhaltlich nicht passt, sondern weil sie ihm selbst nicht passt. Stattdessen formuliert er dann eine Kritik die auf einem Zirkel­schluss basiert, weil er die Freiheit vom Zwang zur Arbeit im Ziel („Kommunismus“) zur absoluten Voraussetzung schon f&#252;r den Weg zum Ziel selbst macht.</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Die PRODUKTIONST&#196;TIGKEIT, f&#252;r die Christian ausdr&#252;cklich einen &#196;USSEREN ANTRIEB f&#252;r notwendig h&#228;lt, ist die UNGELIEBTE ARBEIT. Es ist eine Arbeit, die als OPFER angesehen wird. Man verrichtet sie nicht als Bed&#252;rfnis um ihrer selbst und um des konkreten Produktes Willen. Man leistet sie, um sich Anspr&#252;che auf solche G&#252;ter zu erwerben, die von anderen Menschen hergestellt werden&#8221; in </em><a id="ml9l" title="http://www.keimform.de/2009/02/20/peer-oekonomie-in-der-diskussion-ii/#more-1276" href="http://www.keimform.de/2009/02/20/peer-oekonomie-in-der-diskussion-ii/#more-1276" target="_blank">&#8220;Kein Weg aus dem Kapitalismus!&#8221;</a></p></blockquote>
<p>Wenn er eine solche Voraussetzung wirklich ernst meinte, m&#252;ssten die Ver&#228;nderungsbestrebungen eigentlich als sinnlose eingestellt werden, denn wenn &#252;berhaupt, k&#228;me der Kapitalismus dann automatisch irgendwann dorthin oder nie. Er ist hier noch idealistischer als Christian, weil sein Ausgangspunkt noch weniger der Realit&#228;t verhaftet ist.</p>
<p>Aber dar&#252;ber hinaus verfehlt er selbst in diesem Ziel den eigentlichen Charakter dieser Arbeit – gesellschaftliche Arbeit zu sein &#8211; sehr weit­gehend, womit sich dann auch deutlich zeigt, dass es meine Gesellschaftlichkeitsvorstellungen selbst sind, die er f&#252;r falsch h&#228;lt bzw. halten muss.</p>
<p>Er schlie&#223;t hier an Christians selbstbez&#252;glichen Anfang an und l&#228;sst die gesellschaftlichen Bestimmungen, wie die dazugeh&#246;rigen inhaltlichen Implikationen unbeachtet au&#223;en vor. Nega­tiv erw&#228;hnt er die Zwangsarbeit und positiv geht es um die sch&#246;pferische Selbstbet&#228;ti­gung (der Ar­beitenden), als Selbstzweck dieser Arbeit. Doch das dies nur funktioniert im Verh&#228;ltnis &#8211; und dieses Verh&#228;ltnis einer der Springpunkte ist, um den sich die Problematik hier dreht &#8211; zum Empf&#228;n­ger der erarbeiteten Dinge und Leistungen entf&#228;llt. Aber:  Arbeit ist  erst gesellschaftliche Arbeit, wenn sie n&#252;tzli­che Arbeit f&#252;r Andere ist. Sie dient deren Bed&#252;rfnisbefriedigung und damit deren Selbstentfaltung. Das eigene Selbst kann sich nur entfalten, entwickeln in der Anerkennung, Bejahung und Unterst&#252;tzung aller anderen und ihrer Selbstentfaltung. Schon in der gerade wiedergegebenen Textstelle tauchten 2 Bedingungen auf, an denen Uli &#8220;kommunistische Arbeit&#8221; zu erkennen glaubt:</p>
<blockquote><p><em>Man muss sie verrichten um ihrer selbst willen und um des Produkts willen.</em></p></blockquote>
<p>Die Empf&#228;nger dieser Arbeiten, die Anderen, die Gesellschaft tauchen hier als direkter Grund jedoch &#252;berhaupt nicht auf. Die kommunistische Gesellschaftlichkeit erweist sich damit auch bei ihm als eine einzige Fehlstelle, weil er sie mit ihrer Spezifik nicht an einer Stelle ber&#252;hrt, benennt oder gar problematisiert.</p>
<p>Uli sieht in der Lohnarbeit nur den Zwang, nicht auch das Positive der Warenproduktion, das durch deren Aufhebung zu bewahren und auf eine h&#246;here Stufe zu heben w&#228;re. In der Gesellschaft der voneinander unabh&#228;ngigen Privateigent&#252;mer wird die zugrunde lie­gend­e gesellschaftliche Abh&#228;ngigkeit voneinander als Verh&#228;ngnis erlebt <strong>und genau so spiegelt sich dies auch noch in den Ver&#228;nderungsbestrebungen</strong>:</p>
<p><strong>Denn im Prinzip wird die Gesellschaft bei Uli wie bei Christian ebenfalls gebildet von einander unabh&#228;ngigen Individuen, die jeweils nur ihrer Selbst­entfaltung verpflichtet sind</strong></p>
<p>und irgendwie gemeinsam und nat&#252;rlich kooperativ ihre jeweiligen Be­d&#252;rfnisse befriedigen (als wenn in der kapitalistischen Produktion irgendetwas ohne Kooperation zustande k&#228;me). Das diese Gesellschaft zusammen haltende Band ist dem Handeln der Menschen damit schon vorausgesetzt und somit diesem Handeln v&#246;llig &#228;u&#223;erlich &#8211; so lange das Eigeninteresse der Dreh- und An­gelpunkt bleibt und eine andere &#252;berpr&#252;fbare Definition ausbleibt.</p>
<p>Sein zun&#228;chst verst&#228;ndliches Bestreben, jeden Zwang auszuschlie&#223;en, &#252;bersieht allerdings, das auch dieser Zwang kein der Gesellschaft &#228;u&#223;erer ist. Er entspringt aus diesen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen. Aufzuheben ist er nur, wenn die Menschen in ge&#228;nderten Verh&#228;ltnissen zueinander ihrer Gesellschaftlichkeit einen anderen Ausdruck geben, so dass der &#228;u&#223;ere Zwang seine Notwendigkeit verliert, eben weil er nicht mehr gebraucht wird, wenn die Menschen sich zueinander anders verhalten.</p>
<p>Die Probleme welche das Proletariat hat, wenn es sich als EIN SUBJEKT, mit EINEM gemeinsamen Interesse kon­stituieren muss auf der Basis ei­ner gr&#246;&#223;eren, immerhin mehrere Milliarden Individuen fassende An­sammlung unterschiedlicher Menschen, aus unterschiedlichen sozialen Lagen, aus unterschiedlichen Betrieben, aus unterschiedlichen Pro­duktions- und Arbeitssph&#228;­ren, aus unterschiedlichen L&#228;ndern, mit unterschiedlichen Sprachen sieht Uli nicht, noch interessiert er sich daf&#252;r. ER setzt dieses SUBJEKT und die dazugeh&#246;rigen INTERESSEN einfach BEGRIFFLICH ein, und wenn diese BEGRIFFE nicht so funktionieren, wie ER es braucht, KONSTRUIERT er sich neue &#8211; als wenn die begrifflichen Fest­legungen automatisch identisch mit dem realen Geschichtsprozess sein k&#246;nnten oder gar identisch sein m&#252;ssten. Christian Siefkes etwa beschreibt den so realen wie gegenw&#228;rtigen Ausgangspunkt der Warenproduktion – Produktion f&#252;r andere zu sein – v&#246;llig richtig und glaubt dann doch, mit seiner begrifflichen Abkehr von dieser Realit&#228;t und dem Wechsel zu einem &#252;berschau­bareren, faktisch jedoch genauso idealistischen &#8216;Subjektes&#8217; (WIR) eines ebenso idealistischen Gemeinschaftsinteres­ses w&#228;re seine neue Produktionsweise schon begr&#252;n­det oder eine neue Produktionsweise so begr&#252;ndbar (siehe meine Kritik an Robert Kurz die &#252;brigens nicht ! wg Kurz in die Kritik am Christian aufgenommen wurde), obwohl die Peer-Produk­tion nach seiner eigenen Argumentation ge­nau dies weitgehend schuldig bleibt, Produktion f&#252;r andere zu sein. Denn genau da kommt sie nach Christians eigener Einsch&#228;tzung an die durch die Warenproduktion angesto&#223;ene Bed&#252;rfnisbefriedi­gung nicht ran (er outet die bekannten OS Vor­zeigebeispiele firefox und thunder­bird als durch den Markt angesto&#223;ene, au&#223;ergew&#246;hnlich nutzer­freundliche Programme), eben weil sonst der Selbstbe­zug dominiert und daher &#8211; als dessen Kehr­seite – f&#252;r eine Ver&#228;nderung &#252;ber den Kapitalismus hinaus der absolut notwendige Gesellschafts­bezug eigentlich fehlt. Diese Ungesellschaftlichkeit der Peer-Produktion best&#228;tigt <a id="v:uz" title="http://www.keimform.de/2008/12/11/hubert-herfurth-gesellschaftlichkeitsdefizit-in-der-peer-oekonomie/#comment-15550" href="http://www.keimform.de/2008/12/11/hubert-herfurth-gesellschaftlichkeitsdefizit-in-der-peer-oekonomie/#comment-15550" target="_blank">Christian</a> sogar in einer Anwort an mich, denn auch f&#252;r ihn</p>
<blockquote><p><em> &#8220;(vertreten) die heutigen Peer-Produzent/innen und ihre Theoretiker, () eher ungesellschaftliche Vorstellungen&#8221; </em>(Diskussion im Keimform-Blog)</p></blockquote>
<p>und doch versteht er &#252;berhaupt nicht, dass genau daraus sein Erkl&#228;rungsdefizit resultiert, weil seine Prophezeiung so vollkommen in der Luft h&#228;ngt und eben kein realer, praktischer Ausgangspunkt sondern reines Wunschdenken ist.</p>
<p>Das Proletariat ist so f&#252;r Uli nicht mehr als das Objekt seiner politischen Begierde (ob anhimmelnd oder niedermachend ist dabei aus meiner Sicht ziemlich gleichg&#252;ltig). Die Diskrepanz zwischen Ulis In­teressenlage auf das Objekt Proletariat und der Interessenlage der Menschen die dieses Proletariat bilden (denen er sich im &#252;brigen offenbar auch nicht zugeh&#246;rig f&#252;hlt) ist so eklatant wie interessant. Da Uli jede M&#252;he dabei vermissen l&#228;sst, die Interessenlage der Menschen die das Proletariat bilden nachzuvollziehen und die Schwierigkeiten offen zu legen, die der Subjektwerdung hier zum &#8216;Prole­tariat f&#252;r sich&#8217; im Wege stehen, offenbart sein Eigeninteresse so eine v&#246;llige Gleichg&#252;ltigkeit gegen­&#252;ber den Menschen die das Proletariat bilden und damit faktisch zur gesamten Gesellschaft &#8211; so lan­ge diese nicht so funktioniert wie er meint, dass sie funktionieren m&#252;sste. Die Objektsetzung ist hier nicht weniger total als bei den Charaktermasken &#8216;der anderen Seite&#8217;, die das ganze Ungemach wel­ches diese Verh&#228;ltnisse einem Gro&#223;teil der Menschen antun, als in deren eigener Verantwortung be­gr&#252;ndet ansehen. Das Subjekt Uli mutiert hier zum Puppenspieler und wenn das Spiel mit der Pup­pe &#8216;Proletariat&#8217; keinen Spa&#223; mehr macht, wird sie ausrangiert. Das erg&#228;nzt sich &#252;brigens sehr gut mit der hier bei Uli anschlie&#223;enden, jedoch genau so oberfl&#228;chlichen &#8216;Klassenanalyse&#8217;</p>
<blockquote><p><em>„Die Geschichte hat allerdings neue soziale Ph&#228;nomene hervorgebracht, Menschen (aus ganz verschiedenen Klassen und Schichten) mit Interessen und F&#228;higkeiten, mit konkre­ten Praxisformen, die &#8211; anderes als bei Proletariat &#8211; inkompatibel zur kapitalistischen Produktionsweise sind (wenngleich sie bisher deren Funktion noch voraussetzen)“ </em>(WAK email).</p></blockquote>
<p>Wenn heute die Marxsche – ich sage ausdr&#252;cklich nicht marxistische &#8211; Proletariatsbestimmung auf die &#8220;&#252;bergro&#223;e Mehrzahl&#8221; (Marxscher Ausdruck aus dem K-Manifest mit dem er vor ca. 160 Jahren den Geschichtsprozess erstaunlich richtig antizipierte, wohingegen der elit&#228;re Minderheitenbezug der heutigen &#8216;revolution&#228;ren&#8217; Linken das ganze Gesellschaftlichkeitsdesaster hier offen vor fast aller Augen treten l&#228;sst) der Gesellschaft zutrifft, dann m&#252;ssen Ulis &#8220;neue soziale Ph&#228;nomene&#8221; auch hier einzu­ordnen sein. Damit ist allerdings der von ihm aufgemachte Gegensatz zwischen Proletariat und Menschen &#8211; der ja nichts ist als der Widerspruch zwischen einem Teil (oder verschiedenen Teilen) und dem Ganzen &#8211; von vornherein hinf&#228;llig und dient allein der Aufrechterhaltung seines Puppen­spiel­erstatus: das ausrangierte Spielzeug muss schlie&#223;lich ersetzt werden &#8211; seine „Menschen“ sind nur der so abstrakte wie leere Ersatz f&#252;r sein ganz und gar nicht stimmiges Bild von der Realit&#228;t. Dieses will und muss er nun anpassen, aber er benutzt daf&#252;r die gleichen Werkzeuge wie zuvor: leere Abstraktionen. Womit zugleich deutlich wird, das das Interesse an realen gesell­schaftlichen Ver&#228;nderungen und Ver&#228;nderungsm&#246;glichkeiten ersetzt wird von periodisch zu erneu­ernden, irrealen Tr&#228;umereien, denn auf den Nachweis, dass die von ihm erw&#228;hnte Inkompati­bilit&#228;t &#252;ber die subjektiven Befindlichkeiten der Tr&#228;ger dieser Praxisformen und damit &#252;ber deren Selbst­einsch&#228;tzung hinausreicht, wird man lange warten d&#252;rfen. Schon sein eigener Klammer­zusatz schr&#228;nkt die behauptete Inkompatibilit&#228;t weit mehr ein, als seine vollmundige Aussage ver­tr&#228;gt. Die Peer-Produktion (OS etc.) mag in einem gewissen Spannungsverh&#228;ltnis zur kapitalistischen Produkt­ionsweise stehen, doch diese ist durchaus kompatibel mit anderen, auch gegens&#228;tzlichen Pro­duktionsweisen wie etwa der Haus-und Familienarbeit, weil (oder so weit) sie von der kapitalistischen Pro­duktion abh&#228;ngig blei­ben und diese erg&#228;nzen. Doch so lange Uli sich im Schein seines &#220;berlegen­heitsge­f&#252;hls sonnt, wird er einen Teufel tun und nicht mit Hilfe auch sich selbst gegen&#252;ber schonungsloser Analyseverfah­ren den Vereinfachungen seiner eigenen, absolut abstrakten Sichtweise zu Laibe r&#252;cken, nur um dann am Ende zu sehen, dass seine &#220;berlegenheit nicht mehr war als eine so ju­gendlich wie spie&#223;i­g eitle Wunschvorstellung von den tollen Revolution&#228;ren als den gesellschaftli­chen Erneuerern und Er­rettern.</p>
<p>Aus meiner Sicht spiegelt gerade diese weitgehende Gleichg&#252;ltig­keit sol­cherart &#8216;revolutio­n&#228;rer F&#252;hrungskr&#228;fte&#8217; gegen die reale Anma&#223;ung der Fakten nur das immer noch vorhandene, ob­jektive Unverm&#246;gen der Gesellschaft selbst (freilich zynisch gewendet), in der feh­lenden R&#252;cksicht auf die Bed&#252;rfnisse der jeweils Anderen die Ursache f&#252;r die nichtvorhandene Be­r&#252;cksichtigung der jeweils eigenen Bed&#252;rfnisse zu sehen. Zugleich zeigt sich in diesem intel­lektuel­len Besser-Wisser-D&#252;nkel der noch nicht &#252;berwundene Verlust der Sonderstellung, der Frust dar­&#252;ber, dass die angestrebte und ertr&#228;umte F&#252;hrungsrolle in einer historischen &#8216;Niederlage&#8217; ko­lossalen Ausma&#223;es geendet ist, in dem dann auch noch die unbewusste Abwehr vor der nivellie­renden Wir­kung der Lohnarbeit aufscheinen mag.</p>
<p>Allerdings m&#252;sste schon der Blick auf die Gesamtszenerie bewusst revolution&#228;rer Bestrebungen deutlich machen, das hier etwas nicht stimmt, denn das von Uli so genannte Unverm&#246;gen des Prole­tariats steht dort neben der heillosen Zerstrittenheit und dem nicht vorhandenen Zugang auf die Gesellschaft als konkretes Ganzes. Die jeweiligen, sich einander feindselig oder gleichg&#252;ltig gegen­&#252;berstehenden Auffassungen von (aber immer) abstrakter Gesellschaft (Proletariat etc.) werden hier wie von Privatei­gent&#252;mern geh&#228;ndelt, unter denen allein die Konkurrenz ums beste Gesch&#228;ft alles beherrscht. Die scheinbar klare Differenz zwischen scheinbar versagendem Proletariat einerseits und scheinbar durchblickenden, revolu­tion&#228;ren Intellektuellen andererseits funktioniert ja nur so lange, wie die jeweiligen Intellektuellen es f&#252;r sich schaffen, diesen Streit (und alle damit verbunde­nen Probleme) auszuklammern und ihren jeweils eigenen Weg f&#252;r den einzig ma&#223;gebli­chen zu hal­ten, weil nur in dieser Perspektive das Versagen des Proletariats das scheinbare Zentrum ist, an dem die Revolution stockt. Die bereits erw&#228;hnte Gleichg&#252;ltigkeit der Gesell­schaft gegen&#252;ber findet auch in diesem Verhalten ihren Widerhall. Ulis angeblicher Beweis ist damit in der Tat der allerdings vollst&#228;ndig &#252;berfl&#252;ssige, nur eine Selbstverst&#228;ndlichkeit beschreibende Hinweis, das eine v&#246;llig selbstbez&#252;gliche Ausrichtung der Gesellschaft kei­nen Umschlagpunkt zu einer h&#246;heren Gesell­schaftlichkeit in sich finden kann.</p>
<p>Konkret kann das gemeinsame Interesse des Proletariats in der &#8216;Klasse f&#252;r sich&#8217; aber m. E. spezifisch gar nicht an­ders dargestellt werden als durch einen Ausdruck, in dem die Beziehungen und Verh&#228;ltnisse der Individuen zueinander explizit erfasst sind– n&#228;mlich <strong>in </strong><strong>dem Interesse an den In­teressen und Bed&#252;rfnissen der Anderen</strong>. Ein Zustand der sich ja bereits in der realen, allt&#228;glichen, praktischen T&#228;tigkeit (Produktion von Pro­dukten und Dienstleistungen) f&#252;r die Be­d&#252;rfnisbefriedigung der Anderen recht unspektakul&#228;r &#228;u­&#223;ern MUSS, dort aber (noch und solange) als Zwangsverh&#228;ltnis wirkt, wie die Gegenseitigkeit und reale Abh&#228;ngigkeit voneinander &#252;ber das Eigeninteresse vermittelt ist– schlie&#223;lich ist dies ja nichts weniger als eine ganz zentrale S&#228;ule der (kapitalistischen) Warenproduktion. Daher ist genau DAS die Klammer die die Gegenwart mit der Zukunft verkn&#252;pft, DAS ist der Keim des neuen im alten und nicht die fehlenden Preisschilder auf irgendwelchen Produkten. Die WERTVERH&#196;LTNISSE und damit die WERTFORMEN sind doch nichts als der objektivierte, gegenst&#228;ndliche Ausdruck des notwendigen Zusammenhangs der voneinander unabh&#228;ngigen Privatproduzenten. Ein Zustand den Marx im absurden Ausdruck <em>ungesellschaftliche Gesellschaftlichkei</em>t kennzeichnet, um die hier liegende Entwicklungsm&#246;glich- und Notwendigkeit heraus zu arbeiten. Die ganze notwendige, kom­munistische Gesellschaft­lichkeit ist in diesem Aus­druck auf ihren einfachsten und zugleich inhalt­lich auch ausreichend konkreten Punkt ge­bracht, denn der spezifische, inhaltliche Unterschied zu aller Gesellschaft(lichkeit) vor ihr ist darin so eingefangen wie die materialistische Angebundenheit an den real bestehenden Zustand.</p>
<p>Die blo&#223;e Verfolgung der jeweils eigenen Interessen ist doch geschichtlich nichts Neues und konstitu­iert auch f&#252;r sich keine Ge­sellschaft, sondern h&#246;chstens eine Gemeinschaft (der aber andere Gemeinschaften zur Seite stehen, mit denen die Auseinandersetzungen um die Gesellschaft wieder neu beginnen). Nochmal zur Erinne­rung der selbstbez&#252;gliche Kurzschluss von Robert Kurz der den Fortschritt &#252;ber den Kapitaltismus hinaus, ausgerechnet darin er­kennen will</p>
<blockquote><p><em>„dass Leute sich zusammenschlie&#223;en, um f&#252;r sich selbst, f&#252;r den eigenen Bedarf“</em></p></blockquote>
<p>zu pro­duzieren (krisis 19). Sieht man von der scheinbaren Negation in Richtung Kapitalverh&#228;ltnis ab, ent­h&#228;lt der Ausdruck nicht nur kein Gramm Fortschritt, sondern in der Definition der Gesellschaftlichkeit f&#228;llt er mit dem Selbstbezug sogar hinter das zur&#252;ck, was er zu kritisieren vorgibt.</p>
<p>&#220;berhaupt &#8216;entsteht&#8217; erst mit diesem spezifischen Blick auf das Proletariat ein Proletariat, in dem die einzelnen Individuen als selbstbewusst f&#252;reinander t&#228;ti­ge Individuen noch er­kennbar sind und nicht im abstrakten Meta-Subjekt namenlos verschwinden, um den mehr oder we­niger b&#252;rokratischen Vor­gaben &#8216;ihrer Organisationen&#8217; faktisch willenlos zu folgen, daf&#252;r aber im Einklang mit dem hehren, allgemeinen Ge­samtinteresse stehen (der ganze bisherige Realsozialismus von der fr&#252;hen KPD bis zur stalinistischen KPdSU ist hiermit glasklar beschrieben). Die kommunistische Ge­sellschaftlichkeit f&#228;llt doch nicht vom Himmel, in ihr kann ja nur das bewusst umgesetzt werden, wof&#252;r die Vorl&#228;uferge­sellschaft den &#228;u&#223;eren Zwang der (Wert)verh&#228;ltnisse brauchte. Die leere Ab­straktheit in der tradi­tionellen Sicht auf die In­teressen des Meta-Subjektes „Proletariat“ spricht da eine ganz klare Spra­che. F&#252;hrer und F&#252;hrung, Partei und Staat und nicht zu vergessen, der Plan, sind auch von dieser Seite aus historisch nicht mehr als die untauglichen Ersatzmittelchen und da­mit DER Zeiger auf eine noch nicht vorhandene (kommunistische) Gesellschaftlichkeit. Alle bishe­rigen Ver&#228;nderungs­bestrebungen basieren auf ab­strakten Kapitalismus-Negationen und Gesellschaftlichkeits-Vereinfa­chungen (da passt Ulis „Beweis“ so gut rein wie die Peer-&#214;konomie Diskussion). Die Gesellschaft verf&#252;gt somit noch &#252;ber keinerlei praktikable, positive Aufhebungsl&#246;sung. Diese einfache Tatsache spiegelt sich im massenhaften Desinteresse an den vorhandenen Scheinl&#246;sungen.  Und es wirft ein bezeichnendes Licht auf die selbsternannten F&#252;hrungskr&#228;fte, dass sie die hier zum Ausdruck kommende praktische Kritik nicht verstehen. In v&#246;lliger Verkennung der Tatsachen glauben sie gar gute Gr&#252;nde daf&#252;r zu haben, die Kritik hier in Richtung der gro&#223;en Mehrzahl der Menschen umzudrehen weil diese ihnen nicht folgt.</p>
<p>Ein weiteres aufschlussreiches Beispiel f&#252;r die zugrunde liegende Hilflosigkeit dieser Ans&#228;tze offenbart z. B. die Diskussion zwischen Karl Reitter und Michael Heinrich in den „grundrissen“ 11 von 2004. <a id="ia2l" title="http://www.grundrisse.net/grundrisse11/11karl_reitter.htm" href="http://www.grundrisse.net/grundrisse11/11karl_reitter.htm" target="_blank">Reitter</a> beginnt die­se mit dem Versuch einer „Bereicher­ung“ der Heinrichschen Kapi­tal Einf&#252;hrung &#252;ber den Begriff des Klassen­kampfs, welchen <a id="j_:n" title="http://www.grundrisse.net/grundrisse11/11michael_heinrich.htm" href="http://www.grundrisse.net/grundrisse11/11michael_heinrich.htm" target="_blank">Heinrich</a> aus meiner Sicht allerdings erfolgreich abwehrt, nur das auch diese Position letztlich v&#246;llig unbefriedigend bleibt.</p>
<p>Reitters Klassenkampfanspr&#252;­che sind so ab­strakt wie sein Subjekt-Bezug zum Prole­tariat und das dazugeh&#246;rige proletarische Klassenin­teresse. Michael Heinrich antwortet mit einer Aufz&#228;hlung von mehr oder weniger offenen Fragestellungen (Gemeinsamkeiten der heterogen zusammengesetzten Klassengemengelagen, Klassenzugeh&#246;rigkeiten etc.) und zeigt so die Problematik eines meist floskelhaften bzw. abstrakten Umgangs ganz gut auf. Ein Inhalt, &#252;ber die Verteidigung des Werts der Ware Arbeitskraft hinaus (der auf dieser Ebene die einzige und dazu eben zugleich sehr widerspr&#252;chliche Gemeinsamkeit ist, den die Klasse hat), ist hier au&#223;er in inhaltsleeren Parolen m. E. nicht zu entdecken. Aber so richtig Heinrichs Zur&#252;ckwei­sung auch ist, als Antwort offenbart sie doch zugleich die ganze Leere der Marxistischen Vor­stellungen, da f&#252;r ihn kein Inhalt, kein Grund in den Verh&#228;ltnissen existiert, durch welchen eine andere Ent­wicklung an­getrieben wird oder angetrieben werden kann – die kapita­listische Gesellschaft ist auch bei ihm im engen Sinn des Wortes kein wirklicher Forschungs­ge­gen­stand. Letztlich ist daher alles Zufall. Sein berechtigtes Misstrauen ge­gen&#252;ber den objektiv vorher bestimmten Geschichtsverl&#228;ufen steht neben einem weitgehend verlorenen, analyti­schen Blick auf die sich entwickelnde Realit&#228;t. Mit ihren Widerspr&#252;­chen und den darauf fu&#223;enden M&#246;glichkei­ten und Zw&#228;ngen kann Michael Heinrich nicht viel anfangen, eine Entwicklungslogik (die zu ber&#252;cksichtigen w&#228;re) ist f&#252;r ihn nicht zu erkennen.</p>
<p>Es muss also nicht verwundern, wenn der abstrakte Antikapita­lismus sich prinzipiell in 2 Beschw&#246;rungsformeln ersch&#246;pft. Die fehlenden Inhalte werden durch die moralische und meist martialische &#220;berbetonung der Formen kompensiert. Dies ist zum 1. der Kampf selbst und zum 2. die Solidarit&#228;t. Altvater etwa hat letztere als „soli­darische &#214;konomie“ im Buch „das Endes des Kapitalismus wie wir ihn kennen“ sogar in den Rang einer Produktionsweise erhoben, vom Anspruch her also durchaus vergleichbar mit Christians Produktionsweise Behauptungen bei der Peer&#246;konomie. Doch kann sie allenfalls als Zufallsl&#246;sung herhalten, weil hier kein materialistischer Gesellschaftszusam­menhang konstituiert wird, sie also nur moralisch wirkt in Abh&#228;ngigkeit von vielerlei, auch v&#246;llig ge­gens&#228;tzlichen Nebenumst&#228;n­den. Altvater &#8211; der die schwa­che Wirkung der Solidarit&#228;t f&#252;r das 20. Jahrhundert sehr wohl sieht – wei&#223; sich keinen anderen Rat als genau darauf zu setzen, wobei die eigentliche Begr&#252;ndung in der Negierung der Bed&#252;rfnisse der Menschen durch die liberalen Globalisierungsbestrebungen liegt. Dabei muss er sogar davon ausgehen, eine „solidarische &#214;konomie“ sei sogar auf Basis der Wertformen m&#246;glich, also auf der Basis einer unbewussten Gesellschaftlichkeit die sich bekanntlich dadurch auszeichnet, dass sie nur hinter dem R&#252;cken der Akteure funktioniert. Michael Heinrichs sehr vor­sichtigen, von der hier angesprochenen Schw&#228;che dominierten Versuch, die kapitalistische Warenproduktion selbst zu problematisieren (&#8220;Kritik der politischen &#214;konomie. Eine Einf&#252;hrung.&#8221; S. 216 ff), f&#252;hrt er sogar ein St&#252;ck weit ad absurdum, weil er keine innere Verbindung zwischen dieser Warenproduktion und ihrer m&#246;glichen Aufhebung sieht. Das eigentliche Problem l&#246;st er so nat&#252;rlich nicht und dokumentiert da­mit zugleich, dass bisher marxistisch noch nicht mal eine L&#246;sung angedacht werden konnte bei der nicht im Mittelpunkt irgendwelche abstrakten Annahmen standen:</p>
<blockquote><p><em>„Die Frage stellt sich aber, ob und inwiefern die &#246;konomische und politische Praxis &#252;ber kapitalistische Formen hinausweist. Was ist das transzendierende Potential von so­lidarischer &#214;konomie und nachhaltiger Gesellschaft?“ (Altvater, S. 203).</em></p></blockquote>
<p>Da er darauf keine Antwort hat, wird der R&#252;ckgriff auf die traditionellen Vorstellungen wieder in den Mittelpunkt ger&#252;ckt und etwa Holloways Machtkritik (als Kritik am Desaster des Realsozialismus) auf das sch&#228;rfste kritisiert, obwohl er die Schwierigkeiten der Machtaus&#252;bung &#8211; angesichts eines nicht greif­baren, also abstrakten Subjektes, welches diese Macht aus&#252;ben k&#246;nnte bzw. m&#252;sste &#8211; nicht aushebeln kann. So lange die notwendige Gesellschaftlichkeit nicht da existiert, wo sie hingeh&#246;rt, also bei der ungeheuren Mehrzahl der geselllschaftlichen Individuen, k&#246;nnen die L&#246;sungen nur sehr zweifelhafte sein, weil sie Ersatzsubjekte brauchen, um die fehlende Gesellschaftlichkeit der Individuen zu ersetzen.</p>
<p>Die Gesellschaftlichkeit der heutigen Gesellschaften ist einerseits nun zwar weitgehend diesem be­schr&#228;nkten historischen Stand entwachsen &#8211; was sich ja u. a. darin zeigt, dass die scheinradikalen Poli­tikformen etwa der KPD aus der Zwischenkriegszeit nicht wirklich wiederholbar sind &#8211; eben weil der Geschichtsverlauf praktisch klar gemacht hat, dass die den Anh&#228;ngern versprochene ! L&#246;sung aus der Beziehung zwischen F&#252;hrung und Gefolgschaft gar keine war. Was zugleich den Irrtum der K-Gruppen-Bewegung im Gefolge der so genannten Studentenbe­wegung markiert, die ahistorisch glaubte, den roten Faden scheinbar unterbrochener, in Wirklichkeit aber bereits vollst&#228;ndig gescheiterter „kommunistischer“ Politik wieder aufgreifen zu k&#246;nnen. Ulis „Beweis“ beweist daher vor allem, dass die Inhalte dieser vergangenen Arbeiterbewegungsverh&#228;ltnisse intellektuell noch nicht wirklich &#252;berwunden sind, in denen die Masse der Arbeiterinnen nur die Aufgabe hatte, den Parolen ihrer F&#252;hrer Folge zu leisten die das abstrakte Gesamtinteresse managten (zu den hier vorhandenen Widerspr&#252;chen; erf&#252;llten, hintergangenen und oder zur&#252;ckgewiesenen Anspr&#252;chen: Klaus-Michael Mallmann, &#8220;Kommunisten in der Weimarer Republik. Sozialgeschichte einer revolution&#228;ren Bewegung&#8221;). Dieser &#8216;Manager-Sozialismus&#8217; hat sich erledigt und auch das weinerlichste Selbstmitleid der verhinderten Manager kann die „Schreie“ (Holloway) der „&#252;bergro&#223;en Mehrzahl“ nicht &#252;bert&#246;nen &#8211; einer Mehrzahl die nat&#252;rlich mit diesen Verh&#228;ltnissen keinen wirklichen Frieden machen kann.</p>
<p>Andererseits ist freilich ebenso offensichtlich der notwendige, neue Gesellschaftlichkeitsgrad f&#252;r den n&#228;chsten qualitativen Sprung der „&#252;bergro&#223;en Mehrzahl“ nach vorn noch nicht erreicht, dazu m&#252;ssen deren „Schreie“ sich in ein bewusstes Handeln verwandeln, mit dem sie sich ihre Gesell­schaftlichkeit aneignen k&#246;nnen. Stefan Breuers Behauptung jedoch, die Revolution sei</p>
<blockquote><p><em>„nicht l&#228;nger aus der immanenten Dialektik des Kapitals zu begr&#252;nden“, weil „die Arbeiterbewegung in ihrem blinden Wechsel von reformistischer Inte­gration und verzweifeltem Voluntarismus demonstrierte, dass es durchaus keinen not­wendigen Zusammenhang zwischen Kritik der politischen &#214;konomie und Revolutions­theorie in dem von Marx unterstellten Sinne gab, dass &gt;in dem positiven Verst&#228;ndnis des Bestehenden&lt; &gt;zugleich auch das Verst&#228;ndnis seiner Negation, seines notwendigen Untergangs&lt; (MEW 23, S. 28) eingeschlossen sei, gab sie die h&#246;hnische Antwort des Kapitals auf die Hoffnung des revolution&#228;ren Sozialismus, dass die b&#252;rgerliche Gesell­schaft im Proletariat als einer gleichsam exterritorialen Instanz ihre absolute Grenze ge­funden habe“ (Die Krise der Revolutionstheorie, S. 63, Frankfurt a. M. 1977)</em></p></blockquote>
<p>ist allerdings zu revidieren. Denn „das Verst&#228;ndnis des Bestehenden“ hat das Bestehende in der Zeit nach Marx bisher genau nur v&#246;llig unzureichend erfasst, so dass die Ver&#228;nderungsans&#228;tze gar nicht da angesetzt haben, wo sie aber h&#228;tten ansetzen m&#252;ssen, um &#252;berhaupt erfolgreich sein zu k&#246;nnen (Gesellschaftlichkeitsentwicklung statt Macht&#252;bernahme, da Macht&#252;bernahme eine entsprechende Gesellschaftlichkeitsentwicklung voraussetzt).</p>
<p>Die absolut m&#246;gliche, praktische Erkenntnis, dass das in der gegenseitigen Abh&#228;ngigkeit aufscheinende Verh&#228;ngnis ein solches nicht sein muss, da die Pro­duktion f&#252;r die Bed&#252;rfnisse der Anderen ihres Zwangscharakters beraubt wird, wenn sie erst zum Gegenstand der pers&#246;nlichen Sorge und der pers&#246;nlichen Verantwortung „der &#252;bergro&#223;en Mehr­zahl“ gemacht werden kann und damit dann stattdessen auf Basis einer bewussten Handlung der Individuen stattfindet. Dieses bisherige &#8216;Versagen&#8217; l&#228;sst sich der „&#252;bergro&#223;en Mehrzahl“ daher &#252;berhaupt nicht ankrei­den, der Versuch allein zeigt schon, wie klein das Verst&#228;ndnis dieser Zusammenh&#228;nge bisher ist. Das bisherige Festsitzen in einer Sackgasse betrifft alle. Nur die selbst ernannten Durchblicker schwelgen in Selbstmitleid, hantieren lieber mit Schuldzuweisungen und f&#252;hlen sich den &#8220;Normalos&#8221; ja sooo &#252;berlegen, anstatt sich an vern&#252;nftigen Erkl&#228;rungsversuchen abzuarbeiten. Ein realistischeres und damit notwendigerweise kritischeres Selbstbewu&#223;tsein sieht anders aus.</p>
<p><em>Bochum im Juni 2009</em></p>
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