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	<title>Wege aus dem Kapitalismus &#187; keimform</title>
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		<title>Keimform &#8212; wovon?</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Jul 2009 17:36:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunismus]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie / Praxis]]></category>
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		<description><![CDATA[Von Uli Wei&#223; 1. Ich gehe von einem unverzichtbaren Zusammenhang zwischen der Praxis der Lohnarbeit, der Individualit&#228;ten der darin agierenden Menschen und der m&#246;glichen Aufhebung des Kapitalismus aus. Siehe meine Argumente gegen Robert Kurz: »Sintlut ohne Arche«. In dessen Schwarzbuch wird der ganze Kapitalismus als ein l&#228;sslicher Irrtum der Geschichte angesehen, an dem vorbei etwa [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Uli Wei&#223;</em></p>
<p><strong>1.</strong> Ich gehe von einem unverzichtbaren Zusammenhang zwischen der Praxis der Lohnarbeit, der Individualit&#228;ten der darin agierenden Menschen und der m&#246;glichen Aufhebung des Kapitalismus aus. Siehe meine Argumente gegen Robert Kurz: <a href="http://opentheory.org/sintflut/text.phtml">»Sintlut ohne Arche«</a>. In dessen Schwarzbuch wird der ganze Kapitalismus als ein l&#228;sslicher Irrtum der Geschichte angesehen, an dem vorbei etwa die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Luddismus">Ludditen</a> direkt in den Kommunismus h&#228;tten marschieren k&#246;nnen, wenn nicht die b&#252;rgerlichen Ideologen &#8230; Ohne bestimmte gesellschaftliche (sachliche und menschliche) Voraussetzungen, die erst im Kapitalismus entstehen, also wesentlich durch die Lohnarbeit geschaffen werden, ist Kommunismus undenkbar.</p>
<p><span id="more-268"></span><strong>2.</strong> Meines Erachtens geht das zusammen mit meiner Annahme, dass die Lohnarbeiter in ihrer Bestimmung <em>als Lohnarbeiter nicht</em> die Potenz haben, den Kapitalismus durch die Konstitution der kommunistischen Gesellschaft aufzuheben.</p>
<p>Ich stimme der Marxschen Aussage zu (Dt. Ideologie; MEW 3/77), dass der Proletarier „innerhalb seiner Klasse“, innerhalb seiner „Lebensbedingungen, der [Lohn-]Arbeit“ keine Chance hat &#8230;  pers&#246;nlich zur Geltung zu kommen“, dass um dies zu erm&#246;gliche, diese Lebensbedingungen, die Lohnarbeit und damit der Staat, die „Form, in der die Individuen der Gesellschaft sich bisher einen Gesamtausdruck gaben“ aufgehoben werden m&#252;ssen.</p>
<p>Ich meine aber nicht mehr, dass diese Bedingungen durch irgendeinen Klassenkampf aufgehoben werden k&#246;nnen, nicht durch „die Erhebung des Proletariats zur herrschenden Klasse“, nicht durch die Diktatur des Proletariats.</p>
<p>Ich schlie&#223;e &#252;berhaupt eine solche &#220;bergangsgesellschaft zwischen Kapitalismus und Kommunismus aus, die durch irgendeine politische Macht (auch nicht durch eine proletarische) konstituiert werden k&#246;nnte.</p>
<p>Ich habe mich auch von der Annahme einer solchen ersten Phase des Kommunismus verabschiedet, wie sie Marx in der Kritik am Gothaer Programm beschreibt (auf die sich der fr&#252;here Osten nicht zu unrecht bezog), in der „dasselbe Prinzip wie beim Austausch von Waren&#228;quivalenten“ herrscht, sozusagen sozialistische Warenproduktion in einem sozialistischen Staat. Die Vorstellungen, in einer &#220;bergangszeit Prinzipien und Formen der b&#252;rgerlichen Gesellschaft nutzen zu k&#246;nnen und zu m&#252;ssen, um eine neue Gesellschaft zu konstituieren, hatten – obwohl irrige – eine erhebliche gesellschaftliche Wirksamkeit. (Siehe Lenin: N&#214;P, DDR: N&#214;S, Sozialismus als relativ selbst&#228;ndige Gesellschaftsformation). Sie geh&#246;ren einer vergangenen Zeit an. Sie sind Ausdruck des – was das behauptete Ziel betrifft, unrealisierbaren – Versuchs, einen Weg in den Kommunismus zur er&#246;ffnen unter Bedingungen, da dessen Voraussetzungen noch nicht gegeben waren.</p>
<p><strong>3.</strong> Hier muss etwas gesagt werden zum Unterschied zwischen <em>Voraussetzungen</em> und <em>Bedingungen</em> des Kommunismus. Wird das nicht klar getrennt, entstehen erhebliche Missverst&#228;ndnisse.</p>
<p>Die im Kapitalismus entstehenden Voraussetzungen des Kommunismus sind solche, auf deren Grundlage es &#252;berhaupt erst m&#246;glich wird, dass das Schaffen der materiellen Voraussetzungen menschlicher Existenz nicht mehr (oder minder) des &#228;u&#223;eren Zwang der &#214;konomie bedarf. Es geht um solche zivilisatorischen Errungenschaften, auf deren Basis die sch&#246;pferischen T&#228;tigkeiten nicht mehr wie die Lohnarbeit „nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbed&#252;rfnis“ werden k&#246;nnen und damit auch der „b&#252;rgerliche Rechtshorizont &#8230; &#252;berschritten werden“ kann.“</p>
<p>Ich halte diese Charakteristik kommunistischer sch&#246;pferischer T&#228;tigkeit nicht f&#252;r eine l&#228;ssliche Floskel von Marx und die Frage danach, inwiefern solches innerhalb der heutigen kapitalistischen Gesellschaft entsteht nicht als Ausdruck weltfremden Spekulierens. Es ist ein wichtiger (nicht der einzige) Ma&#223;stab, um &#252;berhaupt die Voraussetzungen einer Gesellschaft f&#252;r eine kommunistische Entwicklung einsch&#228;tzen zu k&#246;nnen, sich selbst mit der Frage nach Wegen aus dem Kapitalismus ernst zu nehmen. Ich will dar&#252;ber reden – und halte das nicht als einen verzichtbaren alten ML-Ballast (Benni) – ob die fortgeschrittenste kapitalistische Produktionsweise heute solche Voraussetzungen geschaffen hat, an die Marx die Aufhebbarkeit einer auf Verwertung gegr&#252;ndeten Produktionsweise und der entsprechenden b&#252;rgerlichen Gesellschaft kn&#252;pfte. Besonders geht es dabei um die sich noch innerhalb des Kapitalismus vollziehenden Ver&#228;nderungen im Arbeitsprozess. (sh. meinen diese Diskussion ausl&#246;senden Text, ausf&#252;hrlicher u.a. in <a href="http://www.trend.infopartisan.net/trd0499/t090499.html">„Marx und der m&#246;gliche Sozialismus“</a>). Es ist nicht nur so, dass ohne solche Voraussetzungen ist Warenproduktion nicht aufhebbar, kann keine kommunistische Bewegung erfolgreich sein, landen entsprechende Versuche immer wieder in der „alte Schei&#223;e“. Wenn ich richtig lese, dann h&#228;lt Ingolf dies („Arbeit“ oder Arbeit als Lebensbed&#252;rfnis) &#252;berhaupt f&#252;r v&#246;llig illusorisch und zwar f&#252;r ewig. Und Hubert sieht solche Voraussetzungen noch nicht gegeben. Was ist an meinen Annahmen betreffs der Voraussetzungen nicht zutreffend? Das zu diskutieren w&#228;re sinnvoll. Es gibt hier keine Selbstverst&#228;ndlichkeiten. Dies vor allem nicht, weil das, was mensch als Voraussetzungen ansieht, wesentlich davon abh&#228;ngt, was er sich unter einer kommunistischen Form der Vergesellschaftung vorstellt. Deshalb eben die Frage: Keimform – <em>wovon</em>?</p>
<p><strong>4.</strong> Wenn ich solchen Wert auf die Diskussion von geschichtlichen Voraussetzungen des Kommunismus leben, dann hei&#223;t das <em>nicht</em>, dass dieser aus den inneren Logiken der kapitalistischen Produktionsweise ableitbar ist, auch nicht, wenn die entfaltetsten Voraussetzungen gegeben w&#228;ren. Es sind Voraus-Setzungen einer m&#246;glichen Entwicklung. Die Voraussetzungen selbst <em>bedingen</em> aber den Kommunismus <em>nicht</em>. Kapitalismus ist nicht unentfalteter Kommunismus – wie Matti in Hegelscher Konsequenz wohl sagen w&#252;rde? Und dieser ist nicht ein vollendeter Kapitalismus.</p>
<p>Wenn ich das so sehe und zugleich eine &#220;bergangsgesellschaft ausschlie&#223;e, in der etwa ein vern&#252;nftig (im proletarischen oder allgemeinen Sinne) agierender Staat oder ein Automatismus (wie bei Christian) die Waren-/Produktproduktion und -zuteilung entsprechend irgendwie erfasster Bed&#252;rfnisse und gebunden an die Arbeitsleistungen regelt, kann es aber dann &#252;berhaupt Wege aus dem Kapitalismus geben? L&#228;sst sich das &#252;berhaupt denken?</p>
<p>Es m&#252;ssen eben nicht nur <em>Voraussetzungen</em>, sondern zugleich die <em>Bedingungen</em> des Kommunismus benannt werden. Was sind solche Bedingungen im Unterschied zu Voraussetzungen? Es m&#252;ssten solche jenseits der kapitalistischen Produktionsweise und jenseits ihren Logiken entstehende Praxen sein, die solche sozialen <em>Formen</em> auszeichnen, deren Verallgemeinerung die Konstitution einer kommunistischen Gesellschaft bedeuten w&#252;rde – eben <em>Keim-Formen</em> einer kommunistischen Vergesellschaftung. Die sachlichen und menschlichen Voraussetzungen solcher Praxen und der M&#246;glichkeit, dass sie zur gesellschaftskonstituierenden Kraft werden k&#246;nnen (erst wenn auch dies zweite gegeben, k&#246;nnen diese Praxen als Keimformen begriffen werden) entstehen  innerhalb des kapitalistischen Produktionsweise. Die Praxen selbst und ihre Formen sind jedoch eine Neusch&#246;pfung, eine geschichtliche Tat.</p>
<p>Konstituiert werden solche Praxen von den beteiligten Individuen <em>nicht als Klassenindividuen</em>. Insofern diese Menschen zugleich Lohnarbeiter oder als Wissenschaftler erwerbst&#228;tig sind, ergibt sich ihre freie T&#228;tigkeit, die ihnen selbst Lebensbed&#252;rfnis ist, gerade nicht aus der Logik ihrer (Lohn-)Arbeit.</p>
<p><strong>5.</strong> Ein solcher Gedankengang ist f&#252;r Menschen, die in ihrer Engagement auf die Bef&#246;rderung der Arbeiterbewegung mit ihren zivilisatorischen Potenzen orientiert waren oder sind, offenkundig eine Zumutung. Als Analogie verweise ich auf die Entstehung der kapitalistischen Produktionsweise. (Das ist kein Beweis, aber vielleicht hilft es, sich dem Keimformdenken zu &#246;ffnen.) Deren Voraussetzungen waren</p>
<ul>
<li>akkumuliertes Handels- und Raub-“Kapital“,</li>
<li> von Sklaverei oder feudaler Abh&#228;ngigkeit freie Menschen,</li>
<li> kulturelle und technische Voraussetzungen,</li>
<li> &#8216;Konsumbed&#252;rfnisse, die nur beschr&#228;nkt oder gar nicht in der gegebenen Produktionsweise befriedigt werden konnten. (Marx verweist darauf, dass es wesentliche derartiger Voraussetzungen schon im alten Rom gegeben habe: Proletarier, freies „Kapital“, Bed&#252;rfnisse, auch in Handelszentralen des Mittelalters.)</li>
</ul>
<p>Die Konstitution der kapitalistischen Produktionsweise selbst ging nicht etwa aus dem mittelalterlichen Zunftwesen hervor, nicht aus dem Kampf der feudalen Klassen gegeneinander. Es war in keiner Weise eine Fortsetzung der Bewegungslogiken feudaler Institutionen.</p>
<p>Was die &#214;konomie betrifft, so hat die Verbindung der genannten Voraussetzungen in den <em>Manufakturen</em>, also etwa <em>jenseits</em> der <em>Zunftverh&#228;ltnisse</em>, diejenigen Praxisformen konstituiert, die in ihrer Verallgemeinerung die kapitalistische Produktionsweise <em>bedingten</em>. Keimformen einer neuen Vergesellschaftung.</p>
<p><strong>6.</strong> Unter anderem sind die Marxschen Kategorien „Arbeitsteilung“ sowie „formelle und reelle Subsumtion der Arbeit unter das Kapital“ geeignet, sowohl das Entstehen unverzichtbarer Voraussetzungen f&#252;r den Kommunismus zu erfassen als auch zu verstehen, dass sie selbst den Kommunismus nicht bedingen.</p>
<p>Marx beschreibt wie es mit der Entwicklung der Maschinerie dazu kommt, dass die urspr&#252;nglich (etwa in den fr&#252;hkapitalistischen Manufakturen) nur bestehende formelle Subsumtion (hier wurde die Arbeit noch in der alten Weise handwerklicher Produktions geleistet aber eben formell als Verwertungsprozess) zugleich zur reellen wird. Mit der mechanisierten Produktion, in der die unmittelbaren Produzenten dann zum Anh&#228;ngsel der Maschine werden, sie werden sozusagen von der Maschinerie angewendet, entstehen die dem Kapital eigentlich erst angemessenen Produktionsmittel und Arbeitsweisen. Darin kommt die kapitalistische Produktionsweise sozusagen erst zu sich selbst. Diese Entwicklung findet ihren H&#246;hepunkt in Flie&#223;bandproduktion der tayloristischen-fordistischen Produktionsweise, in der die L&#252;cken in der Maschinerie in einer solchen Weise durch Lohnarbeiter ausgef&#252;llt werden, dass die Arbeiten idealerweise auch von einem intelligenten Gorilla ausgef&#252;hrt werden k&#246;nnten (Taylor). In dieser reellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital ist die formelle Subsumtion auf die Spitze getrieben.</p>
<p>Mit den postfordistischen &#196;nderungen des Charakters der Arbeit werden beide Unterordnungen immer problematischer.</p>
<p>Marx hatte in Verbindung mit der Automatisierung erwartet, dass die wissenschaftliche, k&#252;nstlerische und spielerische F&#228;higkeiten sowie die der sozialen Kompetenzen f&#252;r die Reichtumsproduktion eine solche Bedeutung gewinnen, dass die Einbindung dieser T&#228;tigkeiten in den Verwertungsprozess zur miserablen Grundlage der Reichtumsproduktion &#252;berhaupt wird. In den entscheidenden Kernbereichen kapitalistischer Produktion vollzieht sich heute tats&#228;chlich dieses Heraustreten von Produzenten aus dem unmittelbaren Fertigungsprozess. Aber angesichts der weiterhin bestehenden formellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital kommt es nicht dahin, wof&#252;r mit diesem Prozess wesentliche Voraussetzungen gegeben werden: zur Aufhebung der reellen Subsumtion. Im Gegenteil. Die postfordistischen Produktionsformen sind mit einer weiteren Vertiefung der menschlichen Unterwerfung unter die Kapitalverh&#228;ltnisse verbunden. Nicht nur dass viele Akteure die Kontrollfunktionen im kapitalistischen Produktionsprozess in ihre eigene T&#228;tigkeit hineinnehmen. Sie sind gezwungen, ihren gesamten Lebensprozess gem&#228;&#223; der Anforderung der Kapitalverwertung zu unterwerfen. Die so genannte Ich-AG kann als Symbol hierf&#252;r gelten.</p>
<p>Das hei&#223;t die Voraussetzungen einer m&#246;glichen Aufhebung der Kapitalverh&#228;ltnisse konstituieren mitnichten aus ihren eigenen Logiken heraus eine Vergesellschaftungsform jenseits des Es/Ich-muss-sich/mich-rechnen. Selbst die gr&#246;&#223;te M&#246;glichkeit individueller Selbstst&#228;ndigkeit, solange der Akteur innerhalb der Kapitalverh&#228;ltnisse agiert, bleibt eine rein abstrakte M&#246;glichkeit, verkehrt sich real und vom Akteur selbst exekutiert best&#228;ndig in Unterwerfungen unter den nun nun auch noch selbst exekutierten stummen Zwang der &#214;konomie.</p>
<p><strong>7.</strong> Aber genau hier rebelliert auf eine neue Weise die menschliche Produktivkraft gegen ihre Unterordnung unter die Zw&#228;nge der Kapitalverwertung. Als Reaktion auf entsprechende Beleidigung menschlicher Sch&#246;pferkraft geht es nunmehr nicht mehr wie im proletarischen &#246;konomischen und politischen Klassenkampf vorrangig darum, die Reproduktionsbedingungen der Arbeitskraft innerhalb der gegebenen Grundstruktur zu sichern und zu verbessern. Dieser Kampf wird  freilich weitergef&#252;hrt. F&#252;r unsere Frage bedeutsam ist vielmehr, dass auf der Grundlage der inzwischen geschaffenen Voraussetzungen freier T&#228;tigkeiten au&#223;erhalb der kapitalistischen Produktion auch Praxen entstehen, in denen dieses Sch&#246;pfertum seine Befriedigung findet. Es sind Praxen, in denen das Schaffen n&#252;tzlicher Dinge als Selbstgenuss der Akteure sich freier entfalten kann. Im Unterschied etwa zu Kleingartenvereinen, in der dieser Selbstgenuss auch eine Rolle spielt – insofern auch eine Gegenst&#252;ck zur Unterordnung unter das Kapital in der Lohnarbeit – geht es hier um Praxen mit der inneren Potenz geschichtsm&#228;chtig zu werden, eine neue Produktionsweise zu bedingen. Der ganze Bereich freier Software ist eine solche Praxis, eine solche Reaktion auf die im high-tech-Bereich geknechtete menschliche Sch&#246;pferkraft. Es ist eine arbeitsteilig tief gestaffelte, international vernetzte Praxis, in der die Wert- und Herrschaftsf&#246;rmigkeit und damit die Kapitalverh&#228;ltnisse aufgehoben sind. Hier ist der Genuss an sch&#246;pferischer T&#228;tigkeit und am selbst geschaffenen Produkt die entscheidende Triebkraft das Entstehens von n&#252;tzlichen Dingen, die auch noch allgemein ohne &#228;quivalente Gegenleistung zug&#228;nglich sind. Kein &#228;u&#223;erliche Zwang treibt hier die Akteure, keine Notwendigkeit, Anspr&#252;che auf die Leistungen anderer zu akkumulieren (etwa durch Lohnarbeit), keine Verpflichtung, &#196;quivalente zu bieten, keine Askese, keine Uneigenn&#252;tzigkeit treibt hier an, kein Klassenkampf konstituiert dies, keine staatliche oder sonstige Herrschaft – und doch werden hier in den entsprechenden Assoziationen mit der Erf&#252;llung der je eigenen Bed&#252;rfnisse der Akteure gesellschaftliche Bed&#252;rfnisse erf&#252;llt und zwar zuverl&#228;ssig.</p>
<p><strong>8.</strong> Ein entscheidendes Wak-Problem ist die Konstitution solcher Praxisformen auch in solchen Bereichen deren (nichtvirtuelle) Produkte sich (anders als etwa bei Software) in der Konsumtion vernutzen. Je nachdem, ob man dies f&#252;r m&#246;glich h&#228;lt und zwar in einer Weise, dass in diese Form von sch&#246;pferischer T&#228;tigkeit auch die gesamten materiellen Lebensbedingungen geschaffen werden k&#246;nnen, begreift man solche Praxen wie die der freien Software-Szene als Keimform einer neuen Vergesellschaftung oder eben nicht.</p>
<p><strong>9.</strong> Das Entstehen dieser Praxen jenseits der Logiken der kapitalistischen Produktionsweise ist eine Neukonstitution. Diese entwickelt von vornherein ihre eigenen Logiken. Sie stellen nicht (wie Marx etwa in der Kritik am Gothaer Programm annahm, eine solche Phase einer neuen Vergesellschaftung in der f&#252;r ihre Konstitution bzw. ihren Fortschritt Fortschritt wenigstens vor&#252;bergehend noch solche Instrumente und Strukturen zu nutzen w&#228;ren, die f&#252;r die kapitalistische Produktionsweise charakteristisch sind. Diese Praxen konstituieren in diesem Sinne nicht eine erste Phase (die etwa noch der Warenproduktion und des b&#252;rgerlichen Rechts bedarf), nach der dann die zweite, die eigentliche k&#228;me. Diese Praxen sind nicht das Ergebnis irgendeines Klassenkampfes. Sie folgen keinerlei Klassen- und Herrschaftslogik. Sie bedeuten von vornherein die praktische Aufl&#246;sungen der Grundinstitutionen der b&#252;rgerlichen Gesellschaft (Warenproduktion, Lohnarbeit, Wertvermittlung, &#196;quivalenzverh&#228;ltnisse &#252;berhaupt, Staatlichkeit). Eine Gesellschaftlichkeit, die solchen Praxen ad&#228;quate ist, ist die kommunistische. Was die inneren sozialen Formen betrifft, ist entsteht damit etwas, wozu kein Real-“Sozialismus“ in der Lage sein konnte: Es konstituieren sich vornherein Keime einer Gesellschaftlichkeit, die in ihrer Existenz und in ihrer m&#246;glichen Verallgemeinerung nicht derjenigen Mittel der alten Gesellschaft bed&#252;rfen, die einst eben auch Marx als &#220;bergangsnotwendigkeit angesehen hatte.</p>
<p><strong>10.</strong> Ist das die Idylle eines Hineinwachsens in den Kommunismus?</p>
<p>Die Individuen, die solche Praxisformen konstituieren, deren Verallgemeinerung einen Kommunismus konstituieren w&#252;rde, leben, was ihren materiellen Lebensunterhalt betrifft, vorerst zugleich von einem mehr oder minder funktionierenden Kapitalismus.</p>
<p>Wie alle Menschen der b&#252;rgerlichen Gesellschaft sind sie gezwungen, sich innerhalb der knechtenden Erwerbsarbeit oder als durch solche alimentiert, kontrolliert und erniedrigt zu behaupten. Dem gegen&#252;ber steht deren parallele Praxis einer freien Assoziation, in der die Individualit&#228;ten als solche zur Geltung kommen. Diese Zerrissenheit ihrer Existenz, ist alles andere als eine Idylle. Die Zw&#228;nge der einen, sich verwerten, sich verwursten zu m&#252;ssen und die menschlichen M&#246;glichkeiten der anderen stellen sich best&#228;ndig gegenseitig in Frage. Was die Akteure, die solche Keimform-Praxen tragen, ist diese Geschichte auch immer eine der best&#228;ndigen elenden Kompromisse und menschlicher Niederlagen. Doch genau entlang dieser Widerspr&#252;che findet das Ringen um eine neue Vergesellschaftung statt.</p>
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		<title>Vorhaben 2009: Die geplanten gr&#246;&#223;eren Veranstaltungen</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jan 2009 11:32:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ideologie / -kritik]]></category>
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		<category><![CDATA[Politische Ökonomie]]></category>
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		<description><![CDATA[F&#252;r das Jahr 2009 sind drei gr&#246;&#223;ere Publikumsveranstaltungen geplant. 1. Vom Tausch zur Produktion nach Bed&#252;rfnissen Peer-Produktion – eine m&#246;gliche Grundlage einer Gesellschaft ohne Kapital, Markt und Staat? Freitag, 13. Februar 2009, 19.00 Uhr, Vortrag von Christian Siefkes Sonnabend, 14. Februar 2009, 10.00 bis 17.00 Uhr, Seminar zum Thema [Update: Hat stattgefunden] 2. Kommunismus-Bilder Zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;r das Jahr 2009 sind drei gr&#246;&#223;ere Publikumsveranstaltungen geplant.</p>
<p><span id="more-34"></span></p>
<h3>1. Vom Tausch zur Produktion nach Bed&#252;rfnissen</h3>
<p>Peer-Produktion – eine m&#246;gliche Grundlage einer Gesellschaft ohne Kapital, Markt und Staat?</p>
<p>Freitag, 13. Februar 2009, 19.00 Uhr, Vortrag von Christian Siefkes</p>
<p>Sonnabend, 14. Februar 2009, 10.00 bis 17.00 Uhr, Seminar zum Thema</p>
<p>[Update: Hat <a href="http://wadk.de/2009/vom-tausch-zur-produktion-nach-beduerfnissen/">stattgefunden</a>]</p>
<h3>2. Kommunismus-Bilder</h3>
<p>Zu einigen Zusammenh&#228;ngen zwischen Entwicklungsphasen der kapitalistischen Produktionsweise, den zeitbezogenen Existenzbedingungen sozialistischer Bewegungen und historischen Kommunismusvorstellungen</p>
<p>Freitag, 4. September 2009, 19.00 Uhr, Vortrag von Ulrich Wei&#223;</p>
<p>Sonnabend, 5. September 2009, 10.00 bis 17.00 Uhr Seminar zum Thema</p>
<p>Es werden unter Bezug auf die jeweils historischen Bedingungen und die vorgefundenen theoretischen Voraussetzungen Kontinuit&#228;ten und Br&#252;che in den Sozialismus-/Kommunismusverstellungen untersucht:</p>
<ul>
<li>Marx vor 1848</li>
<li>Marx zur Zeit der Arbeit an den Grundrissen der Kritik der politischen &#214;konomie</li>
<li>Marx in der Kritik des Gothaer Programms</li>
<li>der Bruch in Lenins Sozialismus-Verstellungen nach der Oktoberrevolution</li>
<li>die Vorstellung vom Sozialismus als einer relativ selbst&#228;ndigen Gesellschaftsformation (DDR, 1960er Jahre)</li>
<li>postfordistische kapitalistische Produktionsformen und Keimformen freier Produktivit&#228;t jenseits der Warenproduktion – neue Grundlagen der Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus</li>
</ul>
<p>Literatur:</p>
<p>Ulrich Wei&#223;, Marx und der m&#246;gliche Sozialismus, Utopie kreativ, 17/2000, S.958 – 971 oder <a href="http://www.trend.infopartisan.net/trd0499/t090499.html" target="_ ">http://www.trend.infopartisan.net/trd0499/t090499.html</a>,</p>
<p>U. Wei&#223;, Der unm&#246;gliche sozialistische Fordismus. bei Uli Wei&#223; anfordern</p>
<p>Stefan Meretz, Beitr&#228;ge zur Keimformdiskussion auf <a href="http://www.keimform.de/" target="_ ">http://www.keimform.de/</a></p>
<h3>3. Theorie und Praxis oder Bewusstsein als bewusstes Sein</h3>
<p>Freitag, &#8230; (6). November 2009, 19.00 Uhr, Vortrag von Hans-Christoph Rauh</p>
<p>Sonnabend, &#8230; (7). November 2009, 10.00 bis 17.00 Uhr, Seminar mit Hans-Christoph Rauh</p>
<p>Es geht um die unter Bezug auf soziale Bewegungen gef&#252;hrten philosophischen Diskussionen &#252;ber den Theorie/Praxis-Zusammenhang bei Marx zur Zeit der Thesen &#252;ber Feuerbach und der Deutschen Ideologie:</p>
<ul>
<li>die bolschewistische avantgardistischen Positionen</li>
<li>Kontroversen unter Marxisten in den 1960er Jahren</li>
<li>heutige Problemstellungen bez&#252;glich des Verh&#228;ltnisses Theorie und Praxis in der Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus</li>
</ul>
<p>Literatur:</p>
<p>Marx, Thesen &#252;ber Feuerbach, Deutsche Ideologie</p>
<p>Lenin, Was tun? LW Bd. 5</p>
<p>Helmut Seidel, Vom praktischen und theoretischen Verh&#228;ltnis der Menschen zur Wirklichkeit. In: Deutsche Zeitschrift f&#252;r Philosophie, 10/1966, VEB Dt. Verlag der Wissenschaften, Berlin (DDR), <a href="http://www.praxisphilosophie.de/pdtexte.htm" target="_ ">http://www.praxisphilosophie.de/pdtexte.htm</a> und <a href="http://www.opentheory.org/seidelpraxis/text.phtml" target="_ ">http://www.opentheory.org/seidelpraxis/text.phtml</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Im Takt des Geldes &#8212; Auswertung</title>
		<link>http://wadk.de/2007/im-takt-des-geldes-auswertung/</link>
		<comments>http://wadk.de/2007/im-takt-des-geldes-auswertung/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 30 May 2007 08:44:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ideologie / -kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[» Treffen]]></category>
		<category><![CDATA[eske bockelmann]]></category>
		<category><![CDATA[geldlogik]]></category>
		<category><![CDATA[keimform]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir werten die Veranstaltung mit Eske Bockelmann aus. Mittwoch, 6. Juni 2007, Helle Panke]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir werten die <a href="http://wadk.de/2007/im-takt-des-geldes/">Veranstaltung</a> mit Eske Bockelmann aus.</p>
<p>Mittwoch, 6. Juni 2007, <a href="http://coforum.de/?973">Helle Panke</a></p>
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		<title>Im Takt des Geldes</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Apr 2007 08:32:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ideologie / -kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[» Veranstaltung]]></category>
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		<category><![CDATA[eske bockelmann]]></category>
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		<description><![CDATA[Zur Genese des modernen Denkens Freitag, 4. Mai 2007, 19:00 Uhr Vortrag: Im Takt des Geldes oder die Geburt des b&#252;rgerlichen Denkens Referent: Eske Bockelmann Moderation: Ulrich Wei&#223; Im Mittelpunkt stehen Thesen aus einer Ver&#246;ffentlichung von Eske Bockelmann: »Im Takt des Geldes. Zur Genese modernen Denkens«, zu Klampen Verlag 2004 Eintritt: 1,50 Euro, Ort: Helle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><span class="id">Zur Genese des modernen Denkens</span></h3>
<h4>Freitag, 4. Mai 2007, 19:00 Uhr</h4>
<p>Vortrag: Im Takt des Geldes oder die Geburt des b&#252;rgerlichen Denkens</p>
<p>Referent: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eske_Bockelmann">Eske Bockelmann</a></p>
<p>Moderation: Ulrich Wei&#223;</p>
<p>Im Mittelpunkt stehen Thesen aus einer Ver&#246;ffentlichung von Eske Bockelmann: »Im Takt des Geldes. Zur Genese modernen Denkens«, zu Klampen Verlag 2004</p>
<p>Eintritt: 1,50 Euro, Ort: <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a>, Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin</p>
<p><strong>Sonnabend, 5. Mai 2007, 10:00 bis 17:00 Uhr</strong></p>
<p>Seminar mit Eske Bockelmann: Konstitution des b&#252;rgerlichen Denkens und Bedingungen seiner m&#246;glichen Aufhebung</p>
<p>Leitung: Johannes Stockmeier</p>
<p>Beitr&#228;ge: Eske Bockelmann und Mathias Spiller</p>
<p><span id="more-130"></span>Wer &#252;ber den Kapitalismus hinaus will, muss ungeheure M&#228;chte &#252;berwinden. Das ist praktisch unm&#246;glich, wenn nicht zugleich &#252;ber jene Wahrnehmungen und Denkformen hinausgegangen wird, die durch die b&#252;rgerliche Gesellschaft bedingt sind. Bockelmann zeigt wie dieses Denken geschichtlich durch die allgemeine Vermittlung der Menschen &#252;ber das Geld hervorgebracht wurde und eine solche Geltung gewann, dass es als nat&#252;rliches, un&#252;berwindbares Denken erscheint. Dies gilt selbst f&#252;r scheinbar unbedingte, &#246;konomieferne Empfindungen wie Rhythmuswahrnehmung, Mathematik, Philosophie.</p>
<p>Ausgehend von Bockelmanns Thesen stellen wir u.a. folgende Fragen:</p>
<ul>
<li>Kann dieser angeblich zwingende Zusammenhang zwischen b&#252;rgerlicher Existenz und entsprechendem Denken &#252;berhaupt aufgebrochen werden?</li>
<li>Welche Formen m&#252;ssten Lebenspraxen haben, auf deren Grundlage ein neues Denken entstehen kann?</li>
<li>Sind im Denken und Handeln von heutigen Menschen Keimformen einer neuen Vergesellschaftung erkennbar?</li>
</ul>
<p>Begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich bei <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a> e.V. bzw. Uli Wei&#223;. Hier auch n&#228;here Angaben zum Seminar, Thesen/Texte zum Thema usw.Teilnahmegeb&#252;hr: 5,00 Euro (incl. Mittagesssen), Ort: Helle Panke, Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin</p>
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		<title>Zur Genese des modernen Denkens</title>
		<link>http://wadk.de/2007/zur-genese-des-modernen-denkens/</link>
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		<pubDate>Wed, 04 Apr 2007 08:51:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ideologie / -kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[» Treffen]]></category>
		<category><![CDATA[eske bockelmann]]></category>
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		<description><![CDATA[Wir bereiten uns auf die Veranstaltung am 4./5. Mai mit dem Autor des Buches »Im Takt des Geldes«, Eske Bockelmann, vor. Termine: Mittwoch, 11. April 2007, 18:00 Uhr, Helle Panke &#8211; Erstes und zweites Kapitel (S. 9-232) Mittwoch, 25. April 2007, 18:00 Uhr, Helle Panke &#8211; Drittes und viertes Kapitel (S. 233-489)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir bereiten uns auf die <a href="http://wadk.de/2007/im-takt-des-geldes/">Veranstaltung am 4./5. Mai</a> mit dem Autor des Buches »Im Takt des Geldes«, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eske_Bockelmann">Eske Bockelmann</a>, vor. Termine:</p>
<p>Mittwoch, 11. April 2007, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a> &#8211; Erstes und zweites Kapitel (S. 9-232)</p>
<p>Mittwoch, 25. April 2007, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a> &#8211; Drittes und viertes Kapitel (S. 233-489)</p>
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		<title>Zum Begriff »mentales Modell«</title>
		<link>http://wadk.de/2006/zum-begriff-mentales-modell/</link>
		<comments>http://wadk.de/2006/zum-begriff-mentales-modell/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 29 Oct 2006 11:09:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[denkformen]]></category>
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		<category><![CDATA[mentales modell]]></category>
		<category><![CDATA[neues]]></category>
		<category><![CDATA[vergesellschaftung]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Stefan Meretz [Kopie aus opentheory.org inkl. der Diskussion] (1) F&#252;r uns ist der Begriff »mentales Modell« ein sehr zentraler. Ph&#228;nographisch kann man sagen, dass ein »mentales Modell« eine &#252;berindividuelle orientierende bildhafte Verdichtung theoretischer Erkenntnisse ist. Theoretische Erkenntnisse k&#246;nnen dabei sowohl »Alltagstheorien« wie auch wissenschaftliche Theorien sein oder eine Mischung von beidem. Ein mentales Modell [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Stefan Meretz</em></p>
<p>[Kopie aus opentheory.org inkl. der Diskussion]</p>
<p>(1) F&#252;r uns ist der Begriff »mentales Modell« ein sehr zentraler. Ph&#228;nographisch kann man sagen, dass ein »mentales Modell« eine &#252;berindividuelle orientierende bildhafte Verdichtung theoretischer Erkenntnisse ist. Theoretische Erkenntnisse k&#246;nnen dabei sowohl »Alltagstheorien« wie auch wissenschaftliche Theorien sein oder eine Mischung von beidem. Ein mentales Modell bildet ein kognitives Verst&#228;ndnis- und Verst&#228;ndigungsraster. Treffen &#8211; bildhaft gesprochen &#8211; stark abweichende mentale Modelle aufeinander, wie sie von konkreten Menschen verwendet werden, so schl&#228;gt eine Verst&#228;ndigung meist fehl, da sich zu wenige »Resonanzpunkte« finden lassen. Eine Diskussion ist dann trotz u.U. gleicher Wortwahl meist wenig fruchtbar. Dieses erleben haben wir nicht selten erlebt. Wir wollen diese Problematik nun explizit angehen.<br />
<span id="more-171"></span></p>
<p style="padding-left: 30px;">(1.1) Re: »Mentales Modell«, 02.12.2006, 17:48, Annette Schlemm: Einen zweiten Text, der mehr auf die Herkunft des &#8220;mentalen Modelles&#8221; eingeht befindet sich jetzt online: <a href="http://wadk.de/2007/mentale-modelle-ein-zweiter-beitrag/">Mentale Modelle &#8212; ein zweiter Beitrag</a>.</p>
<h3>Urspung des Begriffes</h3>
<p>(2) Urspr&#252;nglich stammt der Begriff »mentales Modell« aus der Kognitionswissenschaft, dort allerdings in problematischer Verwendung. Das ist hier nicht unser Thema. Wir orientieren uns an der wesentlich sinnvolleren Fassung von J&#252;rgen Renn, der in seinem Buch »Auf den Schultern von Riesen und Zwergen« aus dem individuumszentrierten einen gesellschaftstheoretischen Begriff macht. Er verwendet den Begriff, um zu verstehen, wie sich der &#220;bergang von einem wissenschaftliche Paradigma zu einem anderen vollzieht. Mit dem »Paradigmenwechsel« befasste sich auch der »Erfinder« des Paradigma-Begriffes, Thomas. S. Kuhn. Seine Erkl&#228;rung ist jedoch sehr »d&#252;nn«. Renn versucht hingegen, die immanente Logik »zwischen« den Paradigmen zu verstehen, um aus dieser inneren Struktur und Logik »Spr&#252;nge« in der wissenschaftlichen Erkenntnis erkl&#228;ren zu k&#246;nnen.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(2.1) Re: Urspung des Begriffes, 01.11.2006, 22:33, Stefan Merten: Mich w&#252;rde interessieren, wie der Begriff in der Kognitionswissenschaft definiert ist, und warum er dort problematisch verwendet ist.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(2.2) Re: Urspung des Begriffes, 01.11.2006, 22:34, Stefan Merten: In der Beschreibung des Projekts klang f&#252;r mich auch so etwas durch wie &#8220;Warum kapieren es die Leute nur nicht?&#8221;. Daf&#252;r w&#228;re eine individuale Herangehensweise doch vielleicht sinnvoll?</p>
<p>(3) Der Begriff »mentales Modell« nach Renn ist wie folgt bestimmt: Mentale Modelle</p>
<p>* sind eine Form der Repr&#228;sention von Wissen<br />
* sind kontext-spezifisch und nicht universell g&#252;ltig<br />
* sind an neue Erfahrungen adaptierbar<br />
* verkn&#252;pfen gegenw&#228;rtige mit vergangenen Erfahrungen<br />
* sind ein Bindeglied zwischen praktischem Handlungswissen und theoretischem Wissen<br />
* erm&#246;glichen implizite Schlussfolgerungen aus praktischem Handlungswissen, die keine explizite Darstellung besitzen<br />
* sind eine Anwendung nichtmonotoner Logik (mit zus&#228;tzlichen Informationen k&#246;nnen sich die Schl&#252;sse ver&#228;ndern)</p>
<p style="padding-left: 30px;">(3.1) gesellschaftstheoretisch?, 12.11.2006, 23:01, Benni B&#228;rmann: Mir ist nicht klar geworden inwiefern diese Definiton gesellschaftstheoretisch ist. Das sind doch alles mehr oder wenig individuelle Sachen, oder?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(3.1.1) Re: gesellschaftstheoretisch?, 13.11.2006, 17:01, Stefan Meretz: Renn interessiert nicht, was ein/e einzelne/r Wissenschafter/in im Kopf vollzieht, sondern wie es insgesamt (gesellschaftlich durchschnittlich) dazu kommt, dass sich mentale Modelle &#228;ndern und durchsetzen.</p>
<h3>Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen</h3>
<p>(4) Mentale Modelle sind gegenstandsbezogene Widerspiegelungen gesellschaftlicher Denkformen. Gesellschaftliche Denkformen (ein Begriff von Marx) umfassen das zum gegebenen gesellschaftlichen Entwicklungstand &#252;berhaupt Denkm&#246;gliche. Ist etwas denkbar, so ist es auch grunds&#228;tzlich machbar. Wenn es uns also gelingt, eine Freie Gesellschaft grunds&#228;tzlich denkbar zu machen, dann ist sie auch grunds&#228;tzlich machbar, da die Gesellschaft nur deswegen die Denkform »Freie Gesellschaft« bereitstellt, weil sie objektiv zum realen Potenzial dieser Gesellschaft geh&#246;rt. Damit ist noch nichts &#252;ber den Inhalt ausgesagt und den Weg dorthin.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(4.1) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 01.11.2006, 22:37, Stefan Merten: &#8220;Ist etwas denkbar, so ist es auch grunds&#228;tzlich machbar.&#8221; ist offensichtlicher Unsinn: Ich kann mir Welten jenseits der Naturgesetze denken &#8211; machen kann ich sie deswegen noch lange nicht. Auch in einem gesellschaftlichen Zusammenhang halte ich das f&#252;r nicht haltbar. Letztlich ist dies eine idealistische Annahme.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(4.1.1) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 02.11.2006, 12:20, Stefan Meretz: Ist diesem Kontext geht&#8217;s um die Denkbarkeit als Ausdruck der gesellschaftlichen Denkformen &#8211; nicht um individuelles rumspinnen. Dass ich die Welten jenseits der Naturgesetze unter unseren Bedingungen nicht machen kann, geh&#246;rt doch mit zu den Denkformen und mentalen Modellen. Es geht also nicht blo&#223; um individuelles &#8220;Vorstellen&#8221;, sondern um gesellschaftliches Denken, und das heisst immer: durchdenken.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(4.1.2) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 02.11.2006, 12:21, Stefan Meretz: Das eigentliche Problem ist doch genau der umgekehrte Fall: Vieles wird schlicht f&#252;r &#8220;undenkbar&#8221; im Sinne von &#8220;unmachbar&#8221; gehalten, auch wenn es machbar w&#228;re, und weil es nicht gedacht wird unter der Annahme der &#8220;Unmachbarkeit&#8221;, ist dann auch auch wirklich unmachbar. Das aufzubrechen ist unser Ziel.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(4.1.2.1) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 05.11.2006, 23:00, Stefan Merten: Mit dem umgekehrten Fall bin ich v&#246;llig d&#8217;accord. Das w&#252;rde ich als Schere im Gehirn bezeichnen.<br />
Leider bin ich dennoch der Meinung, dass das Gegenteil vom Negativen nicht automatisch richtig ist. Du sagst letztlich: Wenn es (gesellschaftlich) durchgedacht ist, ist es auch machbar. Letztlich ist das aber keine interessante Aussage, denn wer kann denn bestimmen, dass es (gesellschaftlich) durchgedacht ist? Sind z.B. die ganzen Geldtricksereien a la Gesell nicht durchgedacht? Eine Menge Leute w&#252;rden sagen, dass sie es sind. Sind die ganzen Dammbauans&#228;tze a la attac nicht durchgedacht? Es gibt eine ganze Bewegung/Organisation, die das glaubt.<br />
Ich denke, dass es hier keine harten Aussagen geben kann &#8211; leider. Vielmehr kann es immer nur Meinungen geben, die mehr oder weniger gut begr&#252;ndet sind. Und in dem &#8220;mehr oder weniger&#8221; steckt eben auch die Erfahrung / Geschichte des Individuums.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(4.1.2.2) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 05.11.2006, 23:02, Stefan Merten: Ich bin auch f&#252;r das Aufbrechen. Aber ich k&#246;nnte mir vorstellen, dass es da noch tauglichere Mittel gibt. Insbesondere der Verweis auf existierende Beispiele scheint mir hier wichtig.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(4.1.3) Denkformen und Praxisformen, 28.12.2006, 18:55, Hans-Gert Gr&#228;be: Ich glaube nicht, dass du Stefan Mertens Argument wirklich entkr&#228;ftet hast, weil nat&#252;rlich die Frage ist, wie die Denkformen zur Praxis stehen. Wie weit war der Realsozialismus &#8220;Denkform&#8221; oder/und mentales Modell und inwieweit war er &#8220;machbar&#8221;? Dass er &#8211; trotzdem &#8211; &#8220;gemacht&#8221; wurde, steht mglw. auf noch einem anderen Blatt. Allgemeiner: Gibt es &#8220;Machbares&#8221;, was nicht &#8220;denkbar&#8221; ist, und kann &#8220;gemacht&#8221; werden, was nicht &#8220;machbar&#8221; ist?<br />
Du verstehst, dass ich (wieder mal) eine dynamische Sicht in eine bisher eher statische Argumentation hineintragen will.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(4.3) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 11.11.2006, 16:11, Matthias Schulz: Interessant, f&#252;r mich sind die gesellschaftliche Denkform und das Denkm&#246;gliche ganz unterschiedliche Dinge.<br />
Die gesellschaftliche Denkform umfasst das, was von der besonderen Gesellschaftsform konstituiert wird und diese konstituiert. Hier also die Vorstellung der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse als Gegebene, und der Individuen als nur darunter lebend.<br />
Das Denkm&#246;gliche w&#228;re dann das Begreifen, wie es tats&#228;chlich ist, n&#228;mlich das die Verh&#228;ltnisse durch mich konstituiert sind und ich so unter von mir geschaffenen Verh&#228;ltnissen lebe.<br />
Die gesellschaftliche Denkform ist sozusagen das nur gedeutete Denkm&#246;gliche. Interessant ist dann, wie mit fortschreitender gesellschaftlicher Entwicklung das Denkm&#246;gliche zur Denkform wird.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(4.3.1) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 13.11.2006, 17:17, Stefan Meretz: &#8220;Gesellschaftliche Denkform&#8221; ist im Sinne des Marxschen Begriffes der &#8220;objektiven Gedankenform&#8221; gemeint. Die objektive Gedankenform ist die notwendige und m&#246;gliche gedankliche Widerspiegelung gesellschaftlicher Bedeutungen. Zu gesellschaftlichen Bedeutungen geh&#246;ren sowohl die gegenst&#228;ndlichen wie nicht-gegenst&#228;ndlichen Bedeutungen. Daher ist das Denkm&#246;gliche immer Teil der objektiven Gedankenform.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(4.3.1.1) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 19.11.2006, 15:47, Matthias Schulz: Hm, bis auf den letzten Satz, stimme ich dem auch zu. Aber diese Schlussfolgerung macht doch nur Sinn, wenn die gedankliche Widerspiegelung die gesellschaftlichen Bedeutungen vollst&#228;ndig erfasst oder das Denken auf eine Widerspiegelung beschr&#228;nkt ist.<br />
Weder die gesellschaftliche Denkform noch die mentalen Modelle erfassen ihren Gegenstand ad&#228;quat. Was hindert mich denn daran, mir die objektivierten Bedeutungen begreifend aufzuschlie&#223;en? Womit ich dann schon die gesellschaftliche Denkform &#252;berschreite.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(4.3.1.1.1) Denkform &#252;berschreiten oder realisieren?, 20.11.2006, 21:51, Stefan Meretz: Mich hindert &#8220;nichts&#8221; (im Sinne von: prinzipiell nichts), &#8220;mir die objektivierten Bedeutungen begreifend aufzuschlie&#223;en&#8221;. Meine Aussage ist nur, dass genau das die gesellschaftliche Denkform ausmacht, dass also &#8220;Aufschlie&#223;en&#8221; das Realisieren der in den gesellschaftlichen Denkformen beschlossenen Denkm&#246;glichkeiten ist.</p>
<p style="padding-left: 150px;">(4.3.1.1.1.1) Denkform &#252;berschreiten und realisieren <img src='http://wadk.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> , 22.11.2006, 16:37, Matthias Schulz: Ja, genau. In dem Sinne, dass die gesellschaftliche Denkform nur eine besondere Form, eine besondere Realisierung der/ihrer Denkm&#246;glichkeiten ist. Ein weiteres Aufschlie&#223;en/Realisieren ihrer M&#246;glichkeiten/Potenz bedingt eine neue besondere Form. Das &#252;berschreiten ihrer Form ist so der gesellschaftlichen Denkform immanent. Das war mir so noch nicht bewusst.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(4.3.1.1.2) Begreifendes &#220;berschreiten &#8211; auf welcher Grundlage?, 20.11.2006, 21:57, Stefan Meretz: Nehmen wir mal an, entsprechend deiner Annahme k&#246;nnen wir die gesellschaftliche Denkform begreifend &#252;berschreiten. Dann w&#228;re die gesellschaftliche Gedankenform (aka &#8220;objektive Gedankenform&#8221; vgl. das Marxzitat) dann nurmehr der ideologische Widerschein der b&#252;rgerlichen Gesellschaft. Welches ist dann aber die Grundlage, von der aus mir das begreifende &#220;berschreiten der b&#252;rgerlichen Gesellschaft m&#246;glich ist unter der Annahme, dass ein Standpunkt au&#223;erhalb dieser Gesellschaft nicht existiert?</p>
<p style="padding-left: 150px;">(4.3.1.1.2.1) Re: Begreifendes &#220;berschreiten &#8211; auf welcher Grundlage?, 22.11.2006, 16:52, Matthias Schulz: Der ideologische Widerschein der b&#252;rgerlichen Gesellschaft ist ja nur ein Schein eben dieser und nicht sie selbst. Die Grundlage f&#252;r das begreifende &#220;berschreiten sind die tats&#228;chlichen Verh&#228;ltnisse, welche eben nicht so sind, wie sie scheinen.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(4.3.1.2) Objektive Gedankenform: Marx-Zitat, 20.11.2006, 12:17, Stefan Meretz: Weil gefragt wurde, hier das dazu passende Marx-Zitat aus dem Kapital: &#8220;Die Formen, welche Arbeitsprodukte zu Waren stempeln und daher der Warenzirkulation vorausgesetzt sind, besitzen bereits die Festigkeit von Naturformen des gesellschaftlichen Lebens, bevor die Menschen sich Rechenschaft zu geben suchen nicht &#252;ber den historischen Charakter dieser Formen, die ihnen vielmehr bereits als unwandelbar gelten, sondern &#252;ber deren Gehalt. (&#8230;) Derartige Formen bilden eben die Kategorien der b&#252;rgerlichen &#214;konomie. Es sind gesellschaftlich g&#252;ltige, also objektive Gedankenformen f&#252;r die Produktionsverh&#228;ltnisse dieser historisch bestimmten gesellschaftlichen Produktionsweise, der Warenproduktion.&#8221; (Marx/Engels, Werke (MEW) 23, 89f)</p>
<p style="padding-left: 120px;">(4.3.1.2.1) 28.12.2006, 18:58, Hans-Gert Gr&#228;be: Auch wenn&#8217;s von Marx ist &#8211; diesen &#8220;Objektivismus&#8221;-Begriff musst du mir erkl&#228;ren. Objektiv ja doch wohl nur in einem fetischisierten Verst&#228;ndnis. Sobald Menschen hinter den Fetischcharakter kommen/schauen, sollte die N&#252;tzlichkeit dieser Gedankenformen zur Regelung gewisser Aspekte der eigenen Praxis sichtbar werden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(4.4) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 12.11.2006, 23:04, Benni B&#228;rmann: Auf mich wirkt das in dieser Formulierung schon auch etwas idealistisch. Die Dialektik zwischen Denken und Handeln klingt hier etwas zu sehr nach &#8220;erst Denken, dann Handeln&#8221;. Ist aber vielleicht nur ein Formulierungsproblem und kein inhaltliches, im Rest des Textes verweist ihr ja dann oft auf die Bedeutung der Praxis f&#252;r das Denken.</p>
<p>(5) Bestimmte mentale Modelle sind weit verbreitet, andere treten h&#246;chst selten auf. Es sind solche mentalen Modelle weiter verbreitet, die weniger denkenden Widerstand gegen nahegelegte gesellschaftliche Denkformen erfordern. Nahegelegte Denkformen sind solche, die objektiv f&#252;r das Funktionieren der Gesellschaft erforderlich sind und ihr Funktionieren auch &#8211; gemessen an der inneren Logik &#8211; ad&#228;quat widerspiegeln. So entspricht das Denken im Modus des sich-auf-Kosten-Anderer-durchsetzens objektiv den Anforderungen der Verwertungslogik, nach der sich der St&#228;rkere am Markt, im Betrieb etc. durchsetzt und durchsetzen muss. Der Modus des sich-nur-mit-Anderen-gemeinsam-durchsetzens hingegen ben&#246;tigt erheblich mehr denkenden Widerstand, geh&#246;rt aber gleichwohl zum gesellschaftlich Denkbaren weil objektiv Machbaren und auch real Gemachten.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(5.1) nochmal individuell vs. gesellschaftlich, 12.11.2006, 23:06, Benni B&#228;rmann: &#8220;bestimmte MM sind weit verbreitet, andere treten selten auf&#8221; klingt f&#252;r mich jetzt erstmal wieder so, als sei ein MM etwas was eine Person hat oder nicht hat, also rein individuell. So ist es wohl nicht gemeint, mir wird nur nicht ganz klar, wie es wohl gemeint sein k&#246;nnte.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(5.2) Unterschied MM vs. Denkformen, 12.11.2006, 23:08, Benni B&#228;rmann: Mir wird andererseits in diesem Abschnitt nicht klar, was eigentlich der Unterschied zwischen einem MM und einer Denkform ist. Der Unterschied scheint der &#8220;Gegenstandsbezug&#8221; zu sein. K&#246;nnt ihr mal ein Beispeil f&#252;r so einen &#8220;Gegenstand&#8221; nennen? Inwiefern haben denn Denkformen keinen Gegenstandsbezug?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(5.2.1) Re: Unterschied MM vs. Denkformen, 13.11.2006, 17:28, Stefan Meretz: Mit &#8220;Gegenstand&#8221; ist die &#8220;Sache&#8221; (oder auch: das Thema) gemeint, um die (das) es jeweils geht. Also z.B. die Sache &#8220;Geld&#8221;. Es gibt unterschiedliche MM, was denn Geld &#8220;ist&#8221;. Die &#8220;Sache&#8221; kann auch etwas sein wie &#8220;Bewegung&#8221;. Oder allgemeiner: Die Gegenst&#228;nde mentaler Modelle sind die gesellschaftlichen Bedeutungen gegenst&#228;ndlicher oder ungegenst&#228;ndlicher Art. Das Gesamt der MM bilden die gesellschaftlichen (objektiven) Denkformen, also alles zu den &#8220;Sachen&#8221; der Gesellschaft Gedachte.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(5.3) Auf-Kosten-anderer, 28.12.2006, 18:59, Hans-Gert Gr&#228;be: Dass dieses &#8220;Auf-Kosten-anderer&#8221; nicht bei der Verwertungslogik endet, hatte ich im Nachgang von H&#252;tten sehr konkret versucht zu debattieren. Neben dieser Tiefe ist die zeitliche Ausdehnung des Ph&#228;nomens zu beachten &#8211; es begleitete jede Ausbeutergesellschaft und reicht damit auch historisch weit in vorkapitalistische Zeiten zur&#252;ck. F&#252;r mich dreht sich damit die Fragestellung um: Ob nicht die spezifische Auspr&#228;gung der heutigen Formen (!) marktwirtschaftlicher Beziehungen umgekehrt in einem (historisch &#228;lterern) &#8220;Auf-Kosten-anderer&#8221; wurzeln, das produktionslogisch l&#228;ngst &#252;berholt ist. Ob der Kern der aktuell erforderlichen Transformation also nicht gerade ind er &#220;berwindung dieses mentalen Modells liegt. Eben &#8220;New Culture&#8221;.</p>
<h3>Mentale Modelle und individuelles Denken</h3>
<p>(6) Klaus Holzkamp hat die unterschiedlichen Denkmodi kategorial mit dem Begriffspaar »deutendes vs. begreifendes Denken« gefasst. Das Begriffspaar beschreibt nicht Denktypen, die etwa von Menschen beherrscht oder nicht beherrscht werden, sondern fasst analytisch das Verh&#228;ltnis der &#220;bernahme von nahelegtem Denken und dem denkenden Widerstand dagegen. Das deutende Denken ist dabei nicht »&#252;berwindbar«, sondern in gewisser Weise Voraussetzung f&#252;r das Begreifen als bewusste &#220;berschreitung des nahegelegten unmittelbaren Deutens: »Ich kann, soweit ich in der b&#252;rgerlichen Gesellschaft lebe, mein unmittelbares Dasein nicht anders bew&#228;ltigen als &#8216;in&#8217; den b&#252;rgerlichen Formen (auf andere Weise komme ich weder an Geld noch an Lebensmittel etc. heran), d.h. da&#223; ich auch im &#8216;Denken&#8217; dieser Lebenspraxis, wenn ich sie bew&#228;ltigen will, &#8216;deutend&#8217; die b&#252;rgerlichen Denkformen realisieren mu&#223;« (GdP. S. 394f).</p>
<p style="padding-left: 30px;">(6.1) Re: Mentale Modelle und individuelles Denken, 01.11.2006, 22:42, Stefan Merten: Bei uns in der LGK hie&#223; das mal: Sich in Widerspruch zu sich selbst setzen. Das ist n&#228;mlich das Problem: Wenn die Leute eine andere gesellschaftliche Formation denken sollen, dann setzen sie sich in Widerspruch zu ihrem t&#228;glichen Handeln. Das tut keiner gern.</p>
<p>(7) Klaus Holzkamp verkn&#252;pft hier also Lebenspraxis und Denkform miteinander. Diese Verbindung ist keine statische oder gar deterministische, d.h. ich muss nicht ausschlie&#223;lich so denken, wie es die Praxisformen von mir verlangen, aber ich muss es zun&#228;chst einmal tun, bevor ich mich dazu u.U. kritisch und ggf. &#8216;begreifend&#8217; verhalten kann. Das bedeutet umgekehrt, dass es sehr schwer ist, den nahegelegten b&#252;rgerlichen Denkrahmen zu verlassen, selbst wenn ich der kapitalistischen Gesellschaft grunds&#228;tzlich kritisch gegen&#252;berstehe. Ohne eine ansatzweise qualitativ andere Praxis, die auf neue Denkformen und damit andere mentale Modelle verweist, kann die &#220;berschreitung nur in der Sph&#228;re der Gedankenformen selbst geschehen &#8211; ein ungleich unsicherer, dramatisch anstrengenderer Weg, der ohne lebensweltliche Evidenz ein extremes Ma&#223; an Selbstdisziplin erfordert. Es ist v&#246;llig verst&#228;ndlich, wenn die meisten Menschen diese Disziplin, Energie und die daf&#252;r erforderliche Zeit nicht aufbringen k&#246;nnen oder wollen. Wir erleben dies in unserer theoretischen Praxis als hartn&#228;ckiges Festhalten an bestimmten alten Formen, die nach unserer Auffassung obsolet sind.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(7.1) 01.11.2006, 22:44, Stefan Merten: Unsere L&#246;sung hie&#223; damals: Sichtbare Projekte m&#252;ssen her. Und au&#223;erdem w&#252;rde ich heute anf&#252;gen: Die Schritte d&#252;rfen nicht zu gro&#223; sein. Hier und heute Freie Software und raubkopierte Musik finde ich da schon ganz nett.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(7.2) 11.11.2006, 16:34, Matthias Schulz: &#8220;Ohne eine ansatzweise qualitativ andere Praxis, die auf neue Denkformen und damit andere mentale Modelle verweist,&#8230;&#8221;<br />
Wenn doch das Neue aus dem Alten hervorgeht, so muss doch das Alte selbst, also die ganz normale Praxis, auf neue Denkformen verweisen.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(7.2.1) Nicht &#8220;erst-dann&#8221; denken, 13.11.2006, 17:46, Stefan Meretz: Ja. Denke es gleichzeitig, dialektisch: Die ganz normale Praxis ist eine ansatzweise qualitativ andere Praxis, wenn sie auf Neues verweist. Das Hervorgehen von Neuem aus Alten ist nicht mit einem &#8220;erst-dann&#8221;-Denken zu denken &#8211; das ist ein mentales Modell, das wir &#252;berschreiten m&#252;ssen. Eine m&#246;gliche L&#246;sung ist, die Situation in Form von Bedingungen als (formal logisch) Antinomie zu formulieren: &#8220;Ohne A geht B nicht UND ohne B geht A nicht&#8221; statt: &#8220;Wir brauchen erst A, um B zu bekommen&#8221;. Also NICHT (um das deutlich zu machen): &#8220;erst Bewusstsein, dann die Tat&#8221; oder vice versa.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(7.2.1.1) Re: Nicht &#8220;erst-dann&#8221; denken, 19.11.2006, 16:08, Matthias Schulz: Also mir ging es unter anderem darum, auf die Identit&#228;t von Altem und Neuem hinzuweisen, die ich bei dir so nicht finden kann. Meiner Ansicht nach weist jegliche Praxis &#252;ber sich hinaus, sonst w&#228;re sie ja widerspruchsfrei. Wobei ich mit Praxis immer eine gesellschaftlich vermittelte meine.<br />
Eine Praxis die erst nur aufs Neue verweist, ist es selbst noch nicht, sondern nur der Potenz nach, ist noch das Alte. In einer qualitativ anderen Praxis ist das Neue bereits realisiert, sie verweist nicht mehr darauf. Diesen Unterschied zwischen Neuem und Altem m&#246;chte ich wirklich so deutlich machen, denn imho verhalten sie sich nicht dialektisch zueinander.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(7.2.1.1.1) Identit&#228;t von Altem und Neuem, 20.11.2006, 22:00, Stefan Meretz: Was meinst du mit &#8220;Identit&#228;t von Altem und Neuem&#8221;? Warum suchst du (bei mir) danach? Was soll sie anderes sein als Identisches? Ganz undialektisch: Altes=Neues?</p>
<p style="padding-left: 150px;">(7.2.1.1.1.1) Re: Identit&#228;t von Altem und Neuem, 22.11.2006, 17:01, Matthias Schulz: Ich habe bei dir nur den Unterschied gesehen und wollte darauf hinweisen, das sie auch Identisch sein m&#252;ssen. In dem Sinne, dass das Neue dem Alten immanent ist. Anders kann man das Neue nicht aus dem Alten hervorgehen lassen.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(7.2.1.1.2) Potenziell statt ansatzweise, 20.11.2006, 22:10, Stefan Meretz: Mit dem Verweis auf eine &#8220;qualitativ andere Praxis&#8221; hast du einen Schwachpunkt aufgegriffen. Du hast recht: Ist sie qualitativ neu, ist sie das Neue, ist sie es nicht, ist sie das Alte. Deswegen auch die halbgare Formulierung &#8220;ansatzweise qualitativ andere Praxis&#8221;. Besser ist die Formulierung der &#8220;Praxis die erst nur auf Neue verweist&#8221; und also &#8220;nur der Potenz nach&#8221; Neues ist. Wodurch begr&#252;ndet sich jedoch die Potenzialit&#228;t bzw. ihr Verweischarakter?</p>
<p style="padding-left: 150px;">(7.2.1.1.2.1) Re: Potenziell statt ansatzweise, 22.11.2006, 17:11, Matthias Schulz: Die Frage verstehe ich nicht ganz, m&#246;chte aber nochmal darauf hinweisen, das nicht eine besondere Praxis aufs Neue verweist, sondern jede gesellschaftlich vermittelte. Da die Vermittlung allerdings nur &#252;ber die Ware laufen kann, muss diese also aufs Neue verweisen.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(7.2.1.1.3) Altes und Neues &#8211; undialektisch?, 20.11.2006, 22:18, Stefan Meretz: Warum verhalten sich Altes und Neues undialektisch zueinander? Ist nicht der F&#252;nfschritt genau das Denkmittel, die dialektische Vermittlung in der Entwicklung zu denken? Ok, wenn du nur auf die Logik guckst, sind Neues und Altes unvermittelt. Achtung: Bei Hegel, wie uns Annette erkl&#228;rte, sind die &#8220;&#220;berg&#228;nge&#8221; keine historischen. Entwicklung ist bei Hegel nicht historisch gedacht, was IMHO leicht zur Falle werden kann. Wir haben es hingegen hier mit einem historischen Entwicklungsprozess zu tun, und in solchem sind Altes und Neues sehr wohl dialektisch vermittelt.</p>
<p style="padding-left: 150px;">(7.2.1.1.3.1) Re: Altes und Neues &#8211; undialektisch?, 22.11.2006, 17:16, Matthias Schulz: Hier h&#228;tte ich wohl schreiben sollen, was ich mit dem Neuen meine, n&#228;mlich das schon realisierte Neue. Dieses muss, um verallgemeinerbar zu sein, sich selbst tragen, eine Totalit&#228;t, nur durch sich bestimmt sein und somit unvereinbar mit dem Alten.<br />
Ich w&#252;rde eher sagen, das Alte ist in sich dialektisch und geht somit ins Neue &#252;ber.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(7.3) Avantgarde?, 12.11.2006, 23:12, Benni B&#228;rmann: Ihr habt aber die extreme Selbstdisziplin? Das klingt f&#252;r mich schwer nach Avantgarde-Arroganz (Wir denken vor und ihr nach). Ich nehme mal nicht an, dass ihr es so meint. Wenn doch, w&#228;re es sicherlich fruchtbarer, die eigene Praxis zu reflektieren, das gerade weil ihr ja zu Recht so die Bedeutung der Praxis f&#252;r das Denken betont.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(7.3.1) Re: Avantgarde?, 13.11.2006, 17:49, Stefan Meretz: Nein, die &#8220;extreme Selbstdisziplin&#8221; war eine Abgrenzung gegen diejenigen, die meinen, das eben nur im Medium der Gedanken (des Bewusstseins) vollziehen zu k&#246;nnen. Das ist gerade nicht unser Ansatz. &#8211; Hm, anscheinend kommt der Satz so nicht r&#252;ber&#8230;</p>
<h3>Freie Gesellschaft als mentales Modell</h3>
<p>(8) Dieser Begrenzung unseres Vorhabens sind wir uns bewusst. Wir k&#246;nnen und wollen niemanden &#252;berzeugen. Wir k&#246;nnen nur die objektiv vorhandenen Denkm&#246;glichkeiten in ihrem vollen Potenzial ausreizen, weil dies sowohl m&#246;glich wie auch n&#246;tig ist. Wir wollen ein neues mentales Modell erarbeiten, die man kurz als »Denkform einer freien Gesellschaft« bezeichnen kann. Dieses mentale Modell soll in sich schl&#252;ssig sein und umfassend eine Alternative zur b&#252;rgerlichen Gesellschaft bieten. Es kann dann &#8211; und vermutlich wie dargestellt in aller Regel nur dann &#8211; eine Wirkung entfalten, wenn in der gesellschaftlichen Praxis ansatzweise (»keimf&#246;rmig«) Formen entstehen, die mit dem neuen mentalen Modell besser begriffen und »nach vorne« getrieben werden k&#246;nnen. Von solchen Praxen erwarten wir uns andererseits R&#252;ckwirkungen auf den Ausbau und die Korrektur des mentalen Modells, das das objektiv Denkm&#246;gliche nur ausreizen, aber nicht &#252;berschreiten kann.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(8.1) Re: Freie Gesellschaft als mentales Modell, 12.11.2006, 23:16, Benni B&#228;rmann: Das ist meinem Verst&#228;ndnis nach genau das, was das Freie-Gesellschafts-Wiki versucht: http://www.freie-gesellschaft.de/wiki/Hauptseite Bisher hatte ich zumindestens Stefan so verstanden, dass er das eher als Versuch einer &#8220;schlechten Utopie&#8221; ansieht. Das kann aber auch ein Mi&#223;verst&#228;ndnis gewesen sein.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(8.2) 28.12.2006, 19:04, Hans-Gert Gr&#228;be: Wobei, siehe (5.3), das f&#252;r mich nicht gleichbedeutend mit dem Ende marktwirtschaftlicher Mechanismen ist, sondern nur mit gewissen Formen dieser Mechanismen; ich also die zu entwickelnde Denkform eher als Fortschreibung denn Alternative zur &#8220;b&#252;rgerlichen Gesellschaft&#8221; verstehe. Was aber &#8211; Annette hat das neulich mit der Charakterisierung des &#8220;&#220;berhistorischen&#8221; als Historisches auf einer anderen Zeitskala noch einmal sch&#246;n auf den Punkt gebracht &#8211; sicher eine Frage des Betrachtungsstandpunkts ist, denn dieselbe Ver&#228;nderung ist Transzendenz eines eng gezogenen Gesellschaftsbegriffs und zugleich Transformation eines weiter gezogenen.<br />
Um den ad&#228;quaten Betrachtungsstandpunkt herauszufinden, w&#228;re aber genauer zu kl&#228;ren, wie Denkformen und Praxisformen miteinander zusammenh&#228;ngen. Meine These &#8220;Kapitalismus als pubert&#228;re Form einer Freien Gesellschaft&#8221; bezieht dazu einen &#8220;&#252;berhistorischen&#8221; Betrachterstandpunkt im Sinne der WAK-Debatte &#8220;historisch/&#252;berhistorisch&#8221; (ich habe im Oekonux-Wiki ein paar mir wichtige Schnipsel zusammengetragen, dort (7.1))<br />
Grund: Ich verstehe die Koevolution von Denk- und Praxisformen als &#8211; so lese ich Marx &#8211; selbstverst&#228;ndlich weitgehend durch den jeweiligen &#8220;Stand der Beherrschung der Macht der Agentien&#8221; durch die &#8220;vereinten Individuen&#8221; bestimmt. Wobei den kooperativen Praxisformen auch kooperative Denkformen beitreten, wenn nicht mehr das einzelne Individuum, sondern &#8220;die Kombination der gesellschaftlichen T&#228;tigkeit als der Produzent erscheint&#8221; und &#8220;fast jede Arbeit eines einzelnen Individuums ist ein Teil of a whole, having no value or utility itself. There is nothing on which the labourer can seize: this is my produce, this I will keep myself.&#8221; (MEW 42, S. 597) Es geht also um Denk- und Praxisformen dieses &#8220;whole&#8221;, kurz, um den Metabolismus eines mehrzelligen Organismus, um mal wieder eines meiner gescholtenen assoziativen Bilder anzubringen. Dass dieses &#8220;whole&#8221; produktionslogisch bereits im Industriezeitalter, also &#252;ber 100 Jahre in ausgepr&#228;gter Form vorhanden ist, zeigt nur, dass marktwirtschaftliche Mechanismen f&#252;r diesen &#8220;Metabolismus&#8221; irgendwas zu bieten haben, das im Zuge einer generellen Wertkritik nicht mit ausgesch&#252;ttet werden sollte.</p>
<p>(9) Das folgende Bild veranschaulicht unser Vorhaben. Innerhalb des Kapitalismus (oberes Rechteck: Gesellschaftsform A) gibt es einen Raum des Denkm&#246;glichen. Das sind die gesellschaftlichen Denkformen. Bez&#252;glich der unterschiedlichen Gegenst&#228;nde existieren jeweils verschiedene mentale Modelle. In der Regel &#252;berschreiten diese mentalen Modelle nicht die Grenze des Kapitalismus, sie bleiben vollst&#228;ndig immanent. Dennoch geh&#246;rt zu den gesellschaftlichen Denkformen auch die M&#246;glichkeit, ein St&#252;ck weit &#252;ber die Grenzen in Richtung auf eine Freie Gesellschaft (unteres Rechteck: Gesellschaftsform B) hinaus zu denken. Dies ist in dem Ma&#223;e m&#246;glich, wie sich im Kapitalismus »Keimformen« eines Neuen bilden, die zwar einerseits noch voll in den Kapitalismus integriert sind, andererseits wesensm&#228;&#223;ig &#252;ber diesen hinausweisen. Das Hinausweisende kann ansatzweise auch gedacht werden.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(9.1) verschiedene MM?, 12.11.2006, 23:19, Benni B&#228;rmann: Hm. verschiedene Gegenst&#228;nde =&gt; verschiedene MM, also auch verschiedene Keimformen? Das klang bisher zumindestens von Stefan auch anders (Keimform nur in der Einzahl). Ist das Absicht oder ein Missverst&#228;ndnis?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(9.1.1) Re: verschiedene MM?, 13.11.2006, 18:11, Stefan Meretz: Der &#8220;Gegenstand&#8221; hat hier noch keinen Namen &#8211; ein Vorteil von Zeichnungen:-) Ich beschreibe ihn in der Regel so: Art und Weise der gesellschaftlichen Re-/Produktion. Das ist ein Denk-Gegenstand mit sehr vielen Fassetten und Aspekten. Daneben gibt es andere Gegenst&#228;nde, meinetwegen &#8220;Bewegung&#8221;, die damit nicht viel zu tun haben, wo also sowas wie Keimform keine Rolle spielt, weil wir das nicht betrachten. Also, ich w&#252;rde immer noch sagen: Ein Gegenstand &#8211; eine Keimform.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(9.1.1.1) Re: verschiedene MM?, 15.11.2006, 10:19, Benni B&#228;rmann: Hm&#8230; ist es nicht so: Entweder umfasst dieser Gegenstand &#8220;Art und Weise der gesellschaftlichen Re-/Produktion&#8221; den ganzen Laden bzw. ist f&#252;r ihn bestimmend, dann kann man sich das mit den Mentalen Modellen einfach sparen und gleich von Denkformen sprechen. Oder aber es gibt noch andere Gegenst&#228;nde neben diesem, die bestimmend sind f&#252;r die Gesellschaftsform und den &#220;bergang, dann mu&#223; es auch mehrere MMs als Keimform-Denken und somit auch mehrere Keimformen geben.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(9.1.1.1.1) Re: verschiedene MM?, 20.11.2006, 23:11, Stefan Meretz: Wenn dem (deine zweite Aussage) so ist &#8211; was ich als Denkm&#246;glichkeit durchaus im Raum sehe -, dann muss nur klar sein, das die Rede vom &#8220;Bestimmenden&#8221; nicht angemessen ist: Es kann nicht mehrere &#8220;Bestimmende&#8221; geben, denn das Bestimmende sagt gerade aus, dass die anderen Aspekte nicht bestimmend sind (etwa f&#252;r den &#220;bergang). &#196;hnlich wie bei &#8220;maximal&#8221; gibt es auch keine Steigerungsform von &#8220;bestimmend&#8221;.</p>
<p style="padding-left: 150px;">(9.1.1.1.1.1) Re: verschiedene MM?, 06.12.2006, 15:51, Benni B&#228;rmann: Sicher? Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberdeterminiert</p>
<p style="padding-left: 180px;">(9.1.1.1.1.1.1) Re: verschiedene MM?, 08.12.2006, 21:41, Stefan Meretz: Nein. Wobei der Wikipedia-Eintrag zur &#220;berdetermination nicht viel hergibt&#8230;</p>
<p style="padding-left: 30px;">(9.2) Frage zum Bild, 12.11.2006, 23:20, Benni B&#228;rmann: Ich lieber grafische Theorie <img src='http://wadk.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  Aber: Nach dem Bild gibt es Bereiche einer Gesellschaftsform, die nicht gedacht werden k&#246;nnen (in den Ecken). Ist das nur ein Zeichenfehler? Wenn nein, was w&#228;re das z.B.?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(9.2.1) Re: Frage zum Bild, 13.11.2006, 18:52, Stefan Meretz: Aha, es ist aufgefallen! Nein, es ist schon so: Es gibt Bereiche der b&#252;rgerlichen Gesellschaft, die nicht gedacht werden k&#246;nnen. Was das ist, kann ich dir nicht sagen, denn auch ich kann es ja nicht denken;-) Aber mal in die T&#252;te gesprochen und Bezug nehmend auf unsere Diskussionen in Gehren (unserem ersten Treffen) hat es etwas zu tun mit der Subjekt-Objekt-Spaltung, die als als zugrundeliegendes Fundament all unser Denken strukturiert. Etwas, dass genuin nicht dieser Spaltung unterliegt, kann nicht gedacht werden. &#8211; In der &#8220;unteren Gesellschaft&#8221; gibt&#8217;s das &#252;brigens nicht mehr &#8211; um die Andeutungen mal noch weiter auszureizen:-)</p>
<p style="padding-left: 90px;">(9.2.1.1) Subjekt-Objekt-Spaltung, 19.11.2006, 16:24, Matthias Schulz: Das die Subjekt-Objekt-Spaltung unser Denken und auch die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse bis ins kleinste Detail strukturiert, denke ich auch. Aber das hei&#223;t ja nicht, das Subjekt und Objekt tats&#228;chlich getrennt w&#228;ren. Das geht auch gar nicht. Vielmehr muss ich die historisch besondere Form der Einheit von Subjekt und Objekt in der b&#252;rgerlichen Gesellschaft begreifen.<br />
Und da Subjekt und Objekt gar nicht gespalten sind, kann ich deren Trennung auch im Denken &#252;berwinden. Das &#252;berhaupt ist begreifendes Denken.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(9.2.1.1.1) Re: Subjekt-Objekt-Spaltung, 20.11.2006, 22:40, Stefan Meretz: Das Problem ist nur, dass die Subjekt-Objekt-Spaltung Grundlage genau des wissenschaftlichen (und damit begreifenden) Denkens ist. Wir k&#246;nnen nicht unsere eigene Denkgrundlage im Denken &#252;berwinden. Auch das Begreifen kann sich nur auf der vorhandenen Grundlage bewegen &#8211; und diese Grundlage im Prozess der praktischen Ver&#228;nderung ausbauen (s.o.). Das meint dann das oft zitierte &#8220;Zusammenfallen des &#196;nderns der Umst&#228;nde und der menschlichen T&#228;tigkeit oder Selbstver&#228;nderung&#8221; (Marx, Feuerbachthesen).</p>
<p style="padding-left: 150px;">(9.2.1.1.1.1) Re: Subjekt-Objekt-Spaltung, 22.11.2006, 17:30, Matthias Schulz: Die Spaltung ist ja die besondere Beziehung von Subjekt und Objekt aufeinander. Das hei&#223;t, das Subjekt ist durch das Objekt bestimmt und umgekehrt. Damit habe ich bereits deren Identit&#228;t gesetzt.<br />
Das Denken ist also durch die besondere Form des Verh&#228;ltnisses von Subjekt und Objekt zueinander bestimmt. Das &#220;berschreiten dieser Form ist eben dieser immanent. Daher kann ich sie auch im Denken &#252;berschreiten.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(9.3) 28.12.2006, 19:11, Hans-Gert Gr&#228;be: Die allererste Frage an diesem Bild ist nat&#252;rlich, ob Gesellschaftsformen so disjunkt wie hier gezeichnet sind, ob &#8220;Keimform-Denken&#8221; nicht Keimform-Praxen voraussetzt und ob zwischen Denkform (bei dir im Bild eine, aber im Plural bezeichnet?) und MM wirklich eine 1-1-Beziehung besteht. Nach deiner Definition (3) ist m.E. wenigstens die letzte Frage deutlich mit Nein zu beantworten.</p>
<p>(10) Der betrachtete Gegenstand in seiner vollen Entfaltung in der Freien Gesellschaft hingegen kann nicht gedacht werden. Allerdings, und das ist unsere zentrale These, existiert sozusagen eine »Projektion« auf die Grenze des heute durch &#252;berschie&#223;ende Praxen Denkbare. Diese Projektion ist eine Konstruktion, eine Hypothese, eine aktive Bildung einer Utopie. Diese Utopie ist nicht in der Lage, die entfaltete Form im einzelnen zu beschreiben (das w&#228;re eine »schlechte Utopie«), sondern kann nur Umrisse eines fernen Bildes liefern, dessen schwache Konturen Ankerpunkte in der heutigen (»Keimform«-) Praxis haben. Umso st&#228;rker sich diese Praxis entfalten und unter den widrigen Bedingungen der wesensm&#228;&#223;ig unwirtlichen Umgebung des Kapitalismus behaupten kann, desto deutlicher verschiebt sich auch der Raum des Denkbaren hinein in die Freie Gesellschaft und desto deutlichen kann auch das Bild der »Projektion« werden.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(10.1) 01.11.2006, 22:45, Stefan Merten: Sch&#246;nes Bild!</p>
<p style="padding-left: 30px;">(10.2) 11.11.2006, 16:58, Matthias Schulz: Ich kann also das Neue nur aus dem schon vorhandenen Neuen erkennen?<br />
Richtig ist, das auf deutende Weise tats&#228;chlich nicht mehr m&#246;glich ist und das mentale Modell kann ich nur als deutendes Denken verstehen.<br />
Ist das so gemeint, das du versuchst herauszufinden, wie man denn trotzdem Vorstellungen vom Neuen bekommen kann, oder soll selbst mit begreifendem Denken nicht mehr m&#246;glich sein?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(10.2.1) 13.11.2006, 19:05, Stefan Meretz: Ja, ich kann Neues nur aus vorhandenem Neuen erkennen, denn wie du vorher (7.2) richtig schreibst, ist Neues immer Teil vom Alten. Siehe auch meine Antwort (7.2.1) dort. &#8211; Eine Unterscheidung von &#8220;Deuten vs. Begreifen&#8221; ist aus meiner Sicht an dieser Stelle nicht angemessen, um etwa eine Differenz von &#8220;gesellschaftlicher Denkform&#8221; und &#8220;Denkm&#246;glichem&#8221; zu begr&#252;nden, wie du es in 4.3 beschreibst. Mal als These: Die Aufspaltung von Deuten und Begreifen ist selbst ein Produkt der b&#252;rgerlichen Gesellschaft und wird mit dieser aufgehoben.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(10.2.1.1) 19.11.2006, 16:40, Matthias Schulz: Die Frage die ich stellen wollte war, ob ich das Neue schon erkennen kann, wenn es nur erst der Potenz nach vorhanden ist oder ob es daf&#252;r schon realisiert, also als Prinzip einer qualitativ anderen Praxis zugrundeliegen muss.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(10.2.1.1.1) Prinzip und Potenz, 20.11.2006, 22:44, Stefan Meretz: Es muss das neue Prinzip (oder kurz: das Neue) der Potenz nach vorhanden sein. Das ist jene &#8220;Keimform&#8221;, um die es hier geht.</p>
<p style="padding-left: 150px;">(10.2.1.1.1.1) Re: Prinzip und Potenz, 22.11.2006, 18:53, Matthias Schulz: Das Neue ist aber imho der Potenz nach immer schon vorhanden. Und die Keimform ist f&#252;r mich die Form, in der das Neue schon realisiert ist.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(10.2.1.2) Neues neben Altem?, 19.11.2006, 16:51, Matthias Schulz: Um es mal zu verdeutlichen: Als Praxis meine ich immer nur Gesellschaft konstituierende Praxis. In dieser Gesellschaft kann die Vermittlung und Konstitution nur &#252;ber die Ware laufen. Sie ist eine Totalit&#228;t. K&#246;nnte ich es auch anders, w&#228;re ja alles in Ordnung und ich br&#228;uchte die Verh&#228;ltnisse gar nicht zu &#228;ndern.<br />
Eine qualitativ andere Praxis neben der alten kann es demnach gar nicht geben. So einfach sollte man es sich nicht machen. Vielmehr schlie&#223;en Altes und Neues einander aus, sind antagonistisch.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(10.3) 11.11.2006, 17:12, Matthias Schulz: Tats&#228;chlich ist doch der Kapitalismus eine menschliche Gesellschaft und indem ich ihn mir begreifend aufschlie&#223;e, erhalte ich doch schon eine vollst&#228;ndige Utopie einer menschlichen Gesellschaft. Inwiefern Keimformen dazu notwendig sind ist fraglich, hilfreich sind sie alle mal.<br />
Das Hervorbringen dessen was tats&#228;chlich, wahrhaft ist und das Setzen des Neuen fallen so auch zusammen. N&#228;mlich das die Gesellschaft eine menschliche ist und ich ein gesellschaftlicher Mensch bin und das die Gesellschaft so eine menschliche und ich ein gesellschaftlicher Mensch sein soll.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(10.3.1) 13.11.2006, 21:37, Stefan Meretz: Wenn ich dich richtig verstehe, verwendest du hier &#8220;menschlich&#8221; in zwei verschiedenen Bedeutungen: Einmal, beim Kapitalismus im Sinne von &#8220;von Menschen gemacht&#8221;, und zum anderen bei der Utopie im Sinne von &#8220;die wahrhaft menschliche Gesellschaft&#8221;. In diesem Sinne enth&#228;lt der Kapitalismus als &#8220;menschengemachte&#8221; (aber gegen die Menschen verselbstst&#228;ndigte, entfremdende) Gesellschaft die Potenz der &#8220;wahrhaft menschlichen&#8221; Gesellschaft &#8211; und zwar als Idee, die nur noch zu sich kommen muss (wie bei Hegel) bzw. hervorgebracht werden muss (wie du es schreibst). Ok, wenn das die These ist, dann musst du sie zeigen. Dann bring&#8217; sie hervor. Ich k&#246;nnte das nicht, und zwar &#8211; wie in diesem Aufsatz dargestellt &#8211; weil unsere Denkm&#246;glichkeiten auf die gesellschaftlichen Denkformen begrenzt ist, die das &#8220;utopische Denken&#8221; mit einschlie&#223;t. It&#8217;s your turn!</p>
<p style="padding-left: 90px;">(10.3.1.1) 19.11.2006, 17:19, Matthias Schulz: Ich denke man muss unterscheiden zwischen dem historisch besonderem Prinzip, dem Paradigma das einer Epoche zugrundeliegt, und dem was sie tats&#228;chlich ist. Beides ist nicht identisch. Es ist also das, was wirklich ist als Prinzip zu setzen, was dann eine neue Epoche ausmacht.<br />
Im Kommunismus wird dann imho das historisch besondere und das allgemein menschliche zusammenfallen.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(10.3.1.1.1) 20.11.2006, 22:53, Stefan Meretz: Ich glaube, den ganzen Absatz verstehe ich eher nicht als dass ich eine angemessene Ahnung habe. Du m&#252;sstest ihn ausf&#252;hrlicher erl&#228;utern &#8211; mach doch ein Projekt;-) Im Absatz stecken sehr viele Begriffe, die ohne weitere Darstellung unbestimmt sind: Prinzip, Paradigma, Epoche, historisch Besonderes, wirkliches Sein, allgemein Menschliches etc.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(10.3.1.2) 19.11.2006, 17:31, Matthias Schulz: M&#246;chtest du es denn akzeptieren auf die gesellschaftliche Denkform begrenzt zu sein, oder macht es dich neugierig, wenn ich meine sie ist zu &#252;berschreiten und das Neue sogar als umfassende Utopie zu setzen?<br />
Imho machst du das eigentlich sowieso, von daher verstehe ich auch nicht, wieso du meinst es ginge nicht.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(10.3.1.2.1) Neugier und Erkenntnis, 20.11.2006, 23:03, Stefan Meretz: Ich bin immer neugierig (versuchsweise jedenfalls), aber versuche mich auch der Grundlagen meiner Neugier und meiner Erkenntnism&#246;glichkeiten zu versichern. Und ich bin da nicht so gewiss ob meiner (unserer) &#220;berschreitung. Wahrscheinlich gibt es in unserem Disput keine argumentative L&#246;sung au&#223;er der wirklichen Durchf&#252;hrung des jeweiligen &#8220;Programms&#8221;.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(10.3.1.2.2) Umfassende Utopie, 20.11.2006, 23:07, Stefan Meretz: Welche Kriterien m&#252;sste eine &#8220;umfassende Utopie&#8221; erf&#252;llen, um sicher zu stellen, dass sie Utopie eines Neuen ist und keine blo&#223; &#8220;schlechte&#8221; Verbr&#228;mung des Alten? Was macht ihren &#8220;umfassenden&#8221; Charakter aus? Ist eine &#8220;umfassende Utopie&#8221; eine &#8220;konkrete Utopie&#8221;? Viele Fragen&#8230;.</p>
<p>(11) Die &#252;berschie&#223;ende und &#252;berschreitende Praxis ist also sowohl Kriterium f&#252;r die Interpretation des schwammigen Projektionsbildes einer Freien Gesellschaft wie auch Denkvoraussetzung eben des potenziell denkbar gemachten. Umgekehrt bedeutet das: Vom immanenten, auschlie&#223;lichen Standpunkt der alten Gesellschaft ist das Neue schlicht nicht denkbar. Das Alte muss denkend partiell verlassen werden, um Neues denken zu k&#246;nnen. In der Dialektik des »noch im« und »nicht mehr im« Alten bewegen wir uns.</p>
<p>(12) Der &#220;bergang im mentalen Modell vermittelt durch den praktischen &#220;bergang, also den Prozess der Konstitution qualitativ neuer Vergesellschaftsverh&#228;ltnisse, ist schmal. In beide Richtungen ist das Denken des jeweils qualitativ anderen schwer. Viele kennen den Effekt, dass es eine Zeit gibt, in der argumentativ sich nahezu nichts bewegen l&#228;sst, w&#228;hrend kurz nach dem praktischen Vollzug eben jener argumentierten Ver&#228;nderung es dann auf einmal »alle gewusst haben«. Ein Beispiel ist die Wende in der DDR. Ein anderes, noch deutlicheres Beispiel ist der von Eske Bockelmann beschriebene Umschlag in der Taktwahrnehmung mit der Verallgemeinerung der Geldbeziehungen im Handel in Europa im 15. Jahrhundert: Heute kann sich niemand mehr die »vormoderne« Art und Weise der »materialen« Taktwahrnehmung erinnern, w&#228;hrend die »abstrakte« Taktwahrnehmung gleichsam zur menschliche Natur erkl&#228;rt wird.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(12.1) Taktwahrnehmung, 12.11.2006, 23:22, Benni B&#228;rmann: War das nicht im 17. Jahrhundert? Ein bekannter Musikethnologe sprach jedenfalls von der Barockmusik als erster getakteter und von Uli hab ich bez&#252;glich Bockelmann auch immer nur &#8220;1620&#8243; gelesen. EB selbst hab ich mir allerdings noch nicht in voller Dosis angetan.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(12.1.1) Re: Taktwahrnehmung, 13.11.2006, 21:40, Stefan Meretz: Jepp, stimmt Sechzehnhundertknipps ist 17. Jahrhundert.</p>
<p>(13) Diese Beispiele zeigen, dass das von uns vorgeschlagene Bild der Projektion auf die Membran der »Denkgrenze« des jeweiligen mentalen Modells nicht nur »nach vorne«, sondern auch »nach hinten« gilt. Das ist unter anderem der Grund daf&#252;r, dass es dem Kapitalismus so leicht gelingt, sich selbst zur Quasi-Natur zu erheben und seine Gr&#252;ndungsverbrechen aus dem allgemeinen Bewusstsein auszuklammern (etwa die Tatsache der feudalen Kriegsmaschinerien oder der Arbeitsfolterh&#228;user als initiale Einrichtungen). F&#252;r die Menschen der freien Gesellschaft wird sich der Kapitalismus mithin komplett »verr&#252;ckt« und schier »unverst&#228;ndlich« darstellen wie etwa uns heute die »Fetischpraxen« der Menschen in der Vormoderne &#8211; wobei moderner Warenfetischismus und vormoderner Fetischismus durchaus verwandt sind.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(13.1) 01.11.2006, 22:49, Stefan Merten: V&#246;llig d&#8217;accord! Letztlich ein Ausdruck eines historischen Verst&#228;ndnisses von Denkformen. Jetzt noch die gleich geartete Ausdehnung auf verschiedene Kulturen und wir sind komplett <img src='http://wadk.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  .</p>
<p style="padding-left: 30px;">(13.2) OT: Gr&#252;ndungsverbrechen, 12.11.2006, 23:24, Benni B&#228;rmann: Ist vielleicht Off Topic, aber &#8220;Gr&#252;ndungsverbrechen&#8221; finde ich inzwischen eigentlich falsch. Im Grunde handelt es sich doch um Verbrechen des (in die Krise geratenen) Feudalismus. Diese haben dann den Kapitalismus, m&#246;glich und vielleicht auch n&#246;tig gemacht.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(13.2.1) Re: OT: Gr&#252;ndungsverbrechen, 13.11.2006, 10:43, Bernd Hercksen: Ich denke, es ist schon der Kapitalismus, wobei die monarchistischen Nationalstaaten der fr&#252;hen Neuzeit die H&#252;lle waren, unter der sich die neuen Verkehrsformen verbargen. Es war ja eigentlich das alte kapitalistische Geld, das schon Ende des 15. Jahrhunderts die zinsfreie Brakteatenw&#228;hrung abl&#246;ste. Hintergrund war die vormoderne geistige Bewegung der Renaissance und des Humanismus, die zu einer Wiederbelebung und Verst&#228;rkung des r&#246;mischen Rechts und der &#8220;r&#246;mischen&#8221;, also proto-kapitalistischen W&#228;hrung f&#252;hrte. Wie Robert Kurz in seinem wichtigen Aufsatz &#8220;Der Knall der Moderne&#8221; ausgef&#252;hrt hat, erh&#246;hte die moderne Kriegstechnik von Kanonen und Musketen (ab 15. Jahrhundert) um den Geldbedarf der Landesf&#252;rsten und monarchischen Nationalstaaten um ein Vielfaches. Um diesen zu decken, wurden nicht blo&#223; die Abgaben der Bauern auf Geldleistungen umgestellt und die Bauern bis zur &#228;u&#223;ersten Grenze ausgebeutet. Zus&#228;tzlich errichteten die F&#252;rsten Manufakturen und das Verlagssystem au&#223;erhalb der St&#228;dte, um an Geld zu kommen. Steigende Zinsen, sinkender Absatz, die Zerr&#252;ttung des Geldsystems bis Mitte des 18. Jahrhunderts sowie die Konkurrenz des Verlags- und Manufaktursystems zerst&#246;rten die st&#228;dtische Wirtschaft und f&#252;hrten zu einer Freisetzung von Arbeitskr&#228;ften, die vor&#252;bergehend als S&#246;ldner dienten, oft aber arbeitslos und zu Banditen und Bettlern wurden. Die Ursache des Kapitalismus ist also nicht der klassische (fr&#252;h)mittelalterliche Feudalismus, der ja vom Lehnswesen, der Unverk&#228;uflichkeit von Grund und Boden und von Naturalabgaben lebte, sondern ein neuzeitlich-fr&#252;hmodern degeneriertes System von f&#252;rstlicher Landesherrschaft, das die kapitalistischen Tendenzen der Neuzeit noch beschleunigte, oft sogar erst durchsetzte.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(13.2.1.1) Re: OT: Gr&#252;ndungsverbrechen, 13.11.2006, 13:08, Benni B&#228;rmann: ja, ich kenne diese Geschichte. Der Absolutismus ist aber was anderes als der Kapitalismus.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(13.3) Fazit, 12.11.2006, 23:26, Benni B&#228;rmann: Danke f&#252;r die Anregende Lekt&#252;re. Es ist ein sehr dichter Text. Ich hab ihn zweimal lesen m&#252;ssen &#8211; das liegt wohl aber auch in der Natur eines &#8220;Forschungsprojektes&#8221; &#8211; und so ganz hab ich noch nicht verstanden worauf ihr hinaus wollt. Immerhin konnte ich jetzt aber mal ein paar Fragen formulieren und hoffe mit euren Antworten mehr verstehen zu k&#246;nnen.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(13.3.1) Re: Fazit, 15.11.2006, 11:50, Benni B&#228;rmann: Ich hab mal versucht erste rudiment&#228;re &#220;berlegungen zur Beziehung eurer &#8220;mentalen Modelle&#8221; zu meinem &#8220;Bedeutungswirbel&#8221; anzustellen um so vielleicht die beiden Begriffe aneinander zu sch&#228;rfen: http://www.aymargeddon.de/laboratorium/index.php/Bedeutungswirbel#Wirbel_und_mentale_Modelle</p>
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		<item>
		<title>André Gorz &#8212; auf dem Weg in den Wissenskommunismus?</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Apr 2005 12:55:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Freies Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunismus]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[» Veranstaltung]]></category>
		<category><![CDATA[andré gorz]]></category>
		<category><![CDATA[freie software]]></category>
		<category><![CDATA[keimform]]></category>
		<category><![CDATA[wissen]]></category>

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		<description><![CDATA[Freitag/Sonnabend 8./9. April 2005, Helle Panke. Vorgestellt und diskutiert wird Gorz&#8217; neues Buch »Wissen, Wert und Kapital. Zur Kritik der Wissens&#246;konomie«, Rotpunktverlag 2004. Inhaltliche Vorbereitung: Stefan Meretz, Uli Wei&#223;, Matthias Schulz, Mathias Spiller Freitag, 19.00 Uhr, Vortrag und Diskussion Stefan Meretz stellt den Inhaltes des Buches vor. Meretz korrespondiert seit l&#228;ngerem mit Gorz. Er ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Freitag/Sonnabend 8./9. April 2005, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a>.</p>
<p>Vorgestellt und diskutiert wird Gorz&#8217; neues Buch »Wissen, Wert und Kapital. Zur Kritik der Wissens&#246;konomie«, Rotpunktverlag 2004.</p>
<p><span id="more-198"></span>Inhaltliche Vorbereitung: Stefan Meretz, Uli Wei&#223;, Matthias Schulz, Mathias Spiller</p>
<p><strong>Freitag, 19.00 Uhr, Vortrag und Diskussion</strong></p>
<p>Stefan Meretz stellt den Inhaltes des Buches vor. Meretz korrespondiert seit l&#228;ngerem mit Gorz. Er ist Autor verschiedener Publikationen zur Freien Software. Besonders besch&#228;ftigt ihn Frage, inwiefern die Praxisformen freier Softwareproduktion, Keimformen einer m&#246;gliche Vergesellschaftung jenseits des Kapitalismus sein k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Sonnabend, 10.00 bis 16.00 Uhr. Seminar zum Thema</strong></p>
<p>Einf&#252;hrender Beitrag von Ulrich Wei&#223;:</p>
<ol>
<li>Von welchen Kommunismusvorstellungen geht Gorz in seinem Buch aus?</li>
<li>Bez&#252;ge von Gorz auf Marx&#8217; Annahmen zu den &#246;konomischen Voraussetzungen f&#252;r eine m&#246;gliche Aufhebung des Kapitalismus</li>
<li>Erkenntnisfortschritte von Gorz im Vergleich zu traditionellen Marx-Rezeptionen</li>
</ol>
<p>Thesen von Stefan Merten: <a href="http://www.opentheory.org/uebergorzhinaus/text.phtml">Gorz und dar&#252;ber hinaus &#8211; Altes im Neuen?</a></p>
<p>In der Analyse des ausgehenden Kapitalismus, der schon einige Hinweise auf eine k&#252;nftige Informationsgesellschaft gibt, richtet Gorz seinen Blick vor allem auf die vorgefundene Gesamtform. Ich w&#252;rde gerne versuchen, die kapitalistische Formbestimmung von der Formbestimmung durch die Sache zu trennen, um so besser verstehen zu k&#246;nnen, welche heute vorfindlichen Aspekte gesellschaftlicher Ph&#228;nomene in einer Informationsgesellschaft nicht abgeschafft, sondern aufgehoben sein d&#252;rften.</p>
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		<title>Duchrow-Thesen</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Feb 2003 13:34:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik / Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[christentum]]></category>
		<category><![CDATA[herrschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Von Uli Wei&#223; Ulrich Duchrow wirft in seinem Buch &#8220;Alternativen zur kapitalistischen Weltwirtschaft. Biblische Erinnerung und politische Ans&#228;tze zur &#220;berwindung einer lebensbedrohenden &#214;konomie&#8221; (Matthias-Gr&#252;newald-Verlag 1997) Fragen auf, die unsere Suche nach Formen von Vergesellschaftung jenseits des Kapitalismus bef&#246;rdern k&#246;nnten. Es geht im gr&#246;&#223;ten Teil des Buches um die materiellen und geistigen Voraussetzungen und Konsequenzen der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Uli Wei&#223;</em></p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Duchrow">Ulrich Duchrow</a> wirft in seinem Buch &#8220;Alternativen zur kapitalistischen Weltwirtschaft. Biblische Erinnerung und politische Ans&#228;tze zur &#220;berwindung einer lebensbedrohenden &#214;konomie&#8221; (Matthias-Gr&#252;newald-Verlag 1997) Fragen auf, die unsere Suche nach Formen von Vergesellschaftung jenseits des Kapitalismus bef&#246;rdern k&#246;nnten. Es geht im gr&#246;&#223;ten Teil des Buches um die materiellen und geistigen Voraussetzungen und Konsequenzen der Selbstbehauptung des kleinen j&#252;dischen Volkes &#252;ber 1000 Jahre bis etwa zu Jesus Zeiten.</p>
<p><span id="more-211"></span>Bedr&#228;ngt von den damaligen Gro&#223;m&#228;chten (&#196;gypten, Babylon, Rom) konnte sich dieses Volk nur unter folgenden Bedingungen behaupten:</p>
<ol>
<li>Vermeiden jeglichen Entscheidungskampfes mit diesen M&#228;chten (die Niederlage w&#228;re gewiss gewesen.)</li>
<li>Verhindern, dass sich immer wieder im Inneren solche Herrschaftsstrukturen herausbilden, die dazu neigen sich zu dauerhaften Vasallen der Gro&#223;m&#228;chte zu installieren. Das wurde unter anderem durch periodische Revolten gegen die eigenen innerj&#252;dischen Herrschaftsstrukturen gesichert.</li>
<li>Es wurden immer wieder Regeln des Zusammenlebens (einer spezifischen Vergesellschaftung) erzwungen, die die innere Differenzierung des Volkes in Grenzen hielten: Unter anderem alle sieben bzw. 49 Jahre Egalisierungen des Eigentums (Freisetzung/Entschuldung der in Schuldsklaverei geratenen Menschen, weitgehende Nivellierung des Eigentums)</li>
<li>Herausbildung eines spezifischen Gottesbegriffes.</li>
</ol>
<p>Duchrow setzt in einer wunderbaren, geradezu historisch-materialistischen Weise die dementsprechende Herausbildung des j&#252;dischen Gottesbegriffes und die materiellen &#228;u&#223;eren und inneren Existenzbedingungen und damaligen sozialen K&#228;mpfe zueinander in Beziehung. Diese Denkweise, die er dabei praktiziert, ist f&#252;r uns f&#252;r die Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus h&#246;chst hilfreich.</p>
<p>Wir wissen, dass dieses von Revolten getragene Ringen um die Bewahrung einer gewissen Selbstverwaltung, der Abwehr von Herrschaftsstrukturen und des damit verbundenen geistigen Ringens um Gemeinschaftsideologien letztlich verloren wurden, vielleicht richtiger gesagt, die F&#228;higkeit zur Konstituierung (relativ) freier Gesellschaft wurde verloren: Das r&#246;mische Recht siegte. Die christliche Ideologie wurde zur Staatsreligion umgewandelt.</p>
<p>Mir geht es auch gar nicht darum, etwa ein urspr&#252;ngliches Christentum wieder zu mobilisieren. Aber es ist hochinteressant, gegen welche Prozesse &#252;ber Jahrhunderte durchaus erfolgreich (wenn auch letztlich vergeblich) angek&#228;mpft wurde. In gewissem Sinne sind diese K&#228;mpfe heute wieder aufzugreifen und dies angesichts der Errungenschaften der b&#252;rgerlichen Epoche mit der Aussicht auf Erfolg:</p>
<ol>
<li>Gegen die Herausbildung eines Staates des r&#246;mischen Typus – heute Inbegriffe von Staat &#252;berhaupt – im Inneren bzw. gegen die vollst&#228;ndige Unterwerfung/Assimilation unter/in einen solchen &#228;u&#223;eren.</li>
<li>Gegen eine wertf&#246;rmige Vergesellschaftung. Insbesondere durch die Tributpflichtigkeit (Tribut wurde durch innerj&#252;dische Herrscher eingetrieben und an die Gro&#223;m&#228;chte weitergegeben) waren die j&#252;dischen St&#228;mme gezwungen, in bemerkenswertem Ma&#223;e nicht nur unmittelbar f&#252;r die eigenen Bed&#252;rfnisse zu produzieren, sondern f&#252;r einen sich ausbreitenden Markt, also f&#252;r fremde Zwecke. Dies zersetzte ihre Gemeinschaftsstrukturen und bedrohte ihre Existenz als selbstst&#228;ndiges Volk. Es wurde unter anderem eine ganz bestimmte Form von Religiosit&#228;t mobilisiert, um eben diese unvermeidbar zerst&#246;renden Wirkungen zur&#252;ckzudr&#228;ngen oder zu begrenzen. Letztlich ging es um die Frage: Erfolgt die Vergesellschaftung durch die gemeinschaftliche Sorge und Arbeit f&#252;r die Befriedigung gemeinschaftlich bekannter und gemeinschaftlich (Familie/Stamm) zu befriedigende Lebensbed&#252;rfnisse oder konstituiert sich Gesellschaft &#252;ber das Prinzip Es-muss-sich-rechnen. Letzteres wird versinnbildlicht durch den Tanz ums goldenen Kalb bzw. ganz real durch das erzwungene Niederknien vor dem vergoldeten Standbild des r&#246;mischen Kaisers (=r&#246;mischen Gottes).</li>
</ol>
<p>Genau um diese Problemfelder gehen heute unsere Diskussionen:</p>
<p>Duchrows Darstellung best&#228;rkt mich in inzwischen gewonnenen &#220;berzeugungen: Wer Wege aus dem Kapitalismus sucht, muss Formen der Aufhebung von staatlicher und wertf&#246;rmiger Vergesellschaftung suchen. Es ist also – unter ganz anderen Voraussetzungen – genau dieser Kampf zu k&#228;mpfen, der damals vom j&#252;dischen Volk gef&#252;hrt (und verloren ) wurde. Es gibt keinen Zugang zu einem Weg aus dem Kapitalismus, der nicht von vornherein mindestens genau diesen beiden Kriterien gerecht wird.</p>
<p>Duchrow, der mit seiner historischen Darstellung diese Auffassung bef&#246;rdert, widerspricht mir faktisch mit seinem praktisch-politischen Teil. Hier geschieht offenkundig das, was auch bei uns immer wieder zu Widerspr&#252;chen f&#252;hrt:</p>
<p>Duchrow will praktisch-politisch wirken, um wenigstens die verheerendsten Auswirkungen der kapitalistischen Produktionsweise (die er auch so benennt) zu begrenzen. (Das nennt er antikapitalistische Politik.)</p>
<p>In diesem Vorhaben ist er letztlich gezwungen, auf eine politische Regulierung genau dieser Produktionsweise zu setzen, so auf eine politisch erzwungene andere Verteilung des (weiterhin kapitalistisch) produzierten Eigentums. Wenn er auf diesem Wege zuk&#252;nftig die Bewahrung von Zivilisation f&#252;r m&#246;glich h&#228;lt (und jeder Mensch, der &#252;ber die Staatsmacht wirken will, muss es f&#252;r m&#246;glich halten), dann macht es durchaus Sinn, sich auf eine andere Weise als ich sozusagen auf die K&#228;mpfe der fr&#252;hen Christen zu beziehen. Er holt daraus (genau das ist f&#252;r mich nicht &#252;berzeugend) die Vorstellung, dass den barbarischen Tendenzen der Staats- und Wertf&#246;rmigkeit eine geistig-moralische Grenze gesetzt werden muss und auch gesetzt werden kann. Er setzt auf Religiosit&#228;t der Art der fr&#252;hen Propheten (gegen die der Priester).</p>
<p>An anderer Stelle habe ich begr&#252;ndet, warum m.E. angesichts des erreichten Niveaus der kapitalistischen Vergesellschaftung solche Versuche seiner Zvilisierung zuk&#252;nftig fehlschlagen m&#252;ssen. Mit Marxschen Worten: Es geht heute nicht mehr um partielle Emanzipationen, sondern um die allgemeinmenschliche. Es geht nicht mehr darum (was Geschichte gemacht hat), die kapitalistische Gesellschaft durch K&#228;mpfe im Rahmen ihrer Grundinstitutionen einigerma&#223;en zu zivilisieren, sondern darum diese aufzuheben.</p>
<p>Jeder Schritt zur Bewahrung von Menschlichkeit bedeutet heute, unmittelbar dem kapitalistischen Ganzen ein neues Ganzes, also neue Formen von Vergesellschaftung entgegenzusetzen, d. h. Keimformen einer neuen Gesellschaft zu konstituieren. (Hier verweise ich wieder auf &#8220;Empire&#8221; und unsere Diskussion.) Das bedeutet: T&#228;tigkeiten zur Befriedigung menschlicher Bed&#252;rfnisse, die nicht &#252;ber Staat/Kapital/Wert vermittelt sind.</p>
<p>Widerstandsaktionen, die das nicht als eine Bedingung ihrer Existenz praktizieren, haben selbst im Falle des unmittelbaren Erfolges keinen antikapitalistiscen Charakter. Wenn sie etwa eine staatliche Unterst&#252;tzung f&#252;r bestimmte Projekte erzwingen, unterwerfen sie sich faktisch den Ursachen und Existenzbedingungen der von ihnen bek&#228;mpften Wirkungen, verschieben so die asozialen Wirkungen auf andere gesellschaftliche Bereiche.</p>
<p>Noch einmal: Diese Logik gilt nur dort, wo einer weiteren kapitalistischen Entwicklung keine zivilisatorische Potenz mehr innewohnt, wo in die Wert- und Staatsf&#246;rmigkeit also auch durch keine Klassenk&#228;mpfe kein menschlicher Fortschritt mehr hineingepresst werden kann. Wer dies dagegen f&#252;r m&#246;glich h&#228;lt, braucht nicht nach Wegen aus dem Kapitalismus zu suchen, sondern nach Wegen zur Fortsetzung des Ringens um die Zivilisierung der b&#252;rgerlichen Gesellschaft. W&#228;re dies eine realistische Option, ich w&#252;rde sofort mittun, denn dann ginge es gar nicht wie Duchrow titelt um Alternativen zur kapitalistischen Weltwirtschaft. Biblische Erinnerung und politische Ans&#228;tze zur &#220;berwindung einer lebensbedrohenden &#214;konomie. Dann ginge es wie bisher seitens der Arbeiterbewegung und des Real-&#8221;Sozialismus&#8221; auch weiterhin um Alternativen innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft bzw. der b&#252;rgerlichen Epoche.</p>
<p>Dann ist allerdings die Berufung auf ein fr&#252;hchristliches revolution&#228;res Ringen gegen den Tanz ums goldene Kalb und gegen das Niederknien vorm vergoldeten Vertreter des r&#246;mischen Staates auch nicht gerechtfertigt. Dann haut der Bezug auf die damalige revolution&#228;re Religiosit&#228;t nicht hin – die Herausbildung eines Gottesbegriffes – der rational nachvollziehbar eine weitgehend auf Selbstverwaltung gr&#252;ndende Gemeinschaftlichkeit geistig sichert.</p>
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