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	<title>Wege aus dem Kapitalismus &#187; keimform</title>
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		<title>Keimform &#8212; wovon?</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Jul 2009 17:36:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>UliW</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Von Uli Weiß 1. Ich gehe von einem unverzichtbaren Zusammenhang zwischen der Praxis der Lohnarbeit, der Individualitäten der darin agierenden Menschen und der möglichen Aufhebung des Kapitalismus aus. Siehe meine Argumente gegen Robert Kurz: »Sintlut ohne Arche«. In dessen Schwarzbuch wird der ganze Kapitalismus als ein lässlicher Irrtum der Geschichte angesehen, an dem vorbei etwa [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Uli Weiß</em></p>
<p><strong>1.</strong> Ich gehe von einem unverzichtbaren Zusammenhang zwischen der Praxis der Lohnarbeit, der Individualitäten der darin agierenden Menschen und der möglichen Aufhebung des Kapitalismus aus. Siehe meine Argumente gegen Robert Kurz: <a href="http://opentheory.org/sintflut/text.phtml">»Sintlut ohne Arche«</a>. In dessen Schwarzbuch wird der ganze Kapitalismus als ein lässlicher Irrtum der Geschichte angesehen, an dem vorbei etwa die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Luddismus">Ludditen</a> direkt in den Kommunismus hätten marschieren können, wenn nicht die bürgerlichen Ideologen &#8230; Ohne bestimmte gesellschaftliche (sachliche und menschliche) Voraussetzungen, die erst im Kapitalismus entstehen, also wesentlich durch die Lohnarbeit geschaffen werden, ist Kommunismus undenkbar.</p>
<p><span id="more-268"></span><strong>2.</strong> Meines Erachtens geht das zusammen mit meiner Annahme, dass die Lohnarbeiter in ihrer Bestimmung <em>als Lohnarbeiter nicht</em> die Potenz haben, den Kapitalismus durch die Konstitution der kommunistischen Gesellschaft aufzuheben.</p>
<p>Ich stimme der Marxschen Aussage zu (Dt. Ideologie; MEW 3/77), dass der Proletarier „innerhalb seiner Klasse“, innerhalb seiner „Lebensbedingungen, der [Lohn-]Arbeit“ keine Chance hat &#8230; persönlich zur Geltung zu kommen“, dass um dies zu ermögliche, diese Lebensbedingungen, die Lohnarbeit und damit der Staat, die „Form, in der die Individuen der Gesellschaft sich bisher einen Gesamtausdruck gaben“ aufgehoben werden müssen.</p>
<p>Ich meine aber nicht mehr, dass diese Bedingungen durch irgendeinen Klassenkampf aufgehoben werden können, nicht durch „die Erhebung des Proletariats zur herrschenden Klasse“, nicht durch die Diktatur des Proletariats.</p>
<p>Ich schließe überhaupt eine solche Übergangsgesellschaft zwischen Kapitalismus und Kommunismus aus, die durch irgendeine politische Macht (auch nicht durch eine proletarische) konstituiert werden könnte.</p>
<p>Ich habe mich auch von der Annahme einer solchen ersten Phase des Kommunismus verabschiedet, wie sie Marx in der Kritik am Gothaer Programm beschreibt (auf die sich der frühere Osten nicht zu unrecht bezog), in der „dasselbe Prinzip wie beim Austausch von Warenäquivalenten“ herrscht, sozusagen sozialistische Warenproduktion in einem sozialistischen Staat. Die Vorstellungen, in einer Übergangszeit Prinzipien und Formen der bürgerlichen Gesellschaft nutzen zu können und zu müssen, um eine neue Gesellschaft zu konstituieren, hatten – obwohl irrige – eine erhebliche gesellschaftliche Wirksamkeit. (Siehe Lenin: NÖP, DDR: NÖS, Sozialismus als relativ selbständige Gesellschaftsformation). Sie gehören einer vergangenen Zeit an. Sie sind Ausdruck des – was das behauptete Ziel betrifft, unrealisierbaren – Versuchs, einen Weg in den Kommunismus zur eröffnen unter Bedingungen, da dessen Voraussetzungen noch nicht gegeben waren.</p>
<p><strong>3.</strong> Hier muss etwas gesagt werden zum Unterschied zwischen <em>Voraussetzungen</em> und <em>Bedingungen</em> des Kommunismus. Wird das nicht klar getrennt, entstehen erhebliche Missverständnisse.</p>
<p>Die im Kapitalismus entstehenden Voraussetzungen des Kommunismus sind solche, auf deren Grundlage es überhaupt erst möglich wird, dass das Schaffen der materiellen Voraussetzungen menschlicher Existenz nicht mehr (oder minder) des äußeren Zwang der Ökonomie bedarf. Es geht um solche zivilisatorischen Errungenschaften, auf deren Basis die schöpferischen Tätigkeiten nicht mehr wie die Lohnarbeit „nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis“ werden können und damit auch der „bürgerliche Rechtshorizont &#8230; überschritten werden“ kann.“</p>
<p>Ich halte diese Charakteristik kommunistischer schöpferischer Tätigkeit nicht für eine lässliche Floskel von Marx und die Frage danach, inwiefern solches innerhalb der heutigen kapitalistischen Gesellschaft entsteht nicht als Ausdruck weltfremden Spekulierens. Es ist ein wichtiger (nicht der einzige) Maßstab, um überhaupt die Voraussetzungen einer Gesellschaft für eine kommunistische Entwicklung einschätzen zu können, sich selbst mit der Frage nach Wegen aus dem Kapitalismus ernst zu nehmen. Ich will darüber reden – und halte das nicht als einen verzichtbaren alten ML-Ballast (Benni) – ob die fortgeschrittenste kapitalistische Produktionsweise heute solche Voraussetzungen geschaffen hat, an die Marx die Aufhebbarkeit einer auf Verwertung gegründeten Produktionsweise und der entsprechenden bürgerlichen Gesellschaft knüpfte. Besonders geht es dabei um die sich noch innerhalb des Kapitalismus vollziehenden Veränderungen im Arbeitsprozess. (sh. meinen diese Diskussion auslösenden Text, ausführlicher u.a. in <a href="http://www.trend.infopartisan.net/trd0499/t090499.html">„Marx und der mögliche Sozialismus“</a>). Es ist nicht nur so, dass ohne solche Voraussetzungen ist Warenproduktion nicht aufhebbar, kann keine kommunistische Bewegung erfolgreich sein, landen entsprechende Versuche immer wieder in der „alte Scheiße“. Wenn ich richtig lese, dann hält Ingolf dies („Arbeit“ oder Arbeit als Lebensbedürfnis) überhaupt für völlig illusorisch und zwar für ewig. Und Hubert sieht solche Voraussetzungen noch nicht gegeben. Was ist an meinen Annahmen betreffs der Voraussetzungen nicht zutreffend? Das zu diskutieren wäre sinnvoll. Es gibt hier keine Selbstverständlichkeiten. Dies vor allem nicht, weil das, was mensch als Voraussetzungen ansieht, wesentlich davon abhängt, was er sich unter einer kommunistischen Form der Vergesellschaftung vorstellt. Deshalb eben die Frage: Keimform – <em>wovon</em>?</p>
<p><strong>4.</strong> Wenn ich solchen Wert auf die Diskussion von geschichtlichen Voraussetzungen des Kommunismus leben, dann heißt das <em>nicht</em>, dass dieser aus den inneren Logiken der kapitalistischen Produktionsweise ableitbar ist, auch nicht, wenn die entfaltetsten Voraussetzungen gegeben wären. Es sind Voraus-Setzungen einer möglichen Entwicklung. Die Voraussetzungen selbst <em>bedingen</em> aber den Kommunismus <em>nicht</em>. Kapitalismus ist nicht unentfalteter Kommunismus – wie Matti in Hegelscher Konsequenz wohl sagen würde? Und dieser ist nicht ein vollendeter Kapitalismus.</p>
<p>Wenn ich das so sehe und zugleich eine Übergangsgesellschaft ausschließe, in der etwa ein vernünftig (im proletarischen oder allgemeinen Sinne) agierender Staat oder ein Automatismus (wie bei Christian) die Waren-/Produktproduktion und -zuteilung entsprechend irgendwie erfasster Bedürfnisse und gebunden an die Arbeitsleistungen regelt, kann es aber dann überhaupt Wege aus dem Kapitalismus geben? Lässt sich das überhaupt denken?</p>
<p>Es müssen eben nicht nur <em>Voraussetzungen</em>, sondern zugleich die <em>Bedingungen</em> des Kommunismus benannt werden. Was sind solche Bedingungen im Unterschied zu Voraussetzungen? Es müssten solche jenseits der kapitalistischen Produktionsweise und jenseits ihren Logiken entstehende Praxen sein, die solche sozialen <em>Formen</em> auszeichnen, deren Verallgemeinerung die Konstitution einer kommunistischen Gesellschaft bedeuten würde – eben <em>Keim-Formen</em> einer kommunistischen Vergesellschaftung. Die sachlichen und menschlichen Voraussetzungen solcher Praxen und der Möglichkeit, dass sie zur gesellschaftskonstituierenden Kraft werden können (erst wenn auch dies zweite gegeben, können diese Praxen als Keimformen begriffen werden) entstehen innerhalb des kapitalistischen Produktionsweise. Die Praxen selbst und ihre Formen sind jedoch eine Neuschöpfung, eine geschichtliche Tat.</p>
<p>Konstituiert werden solche Praxen von den beteiligten Individuen <em>nicht als Klassenindividuen</em>. Insofern diese Menschen zugleich Lohnarbeiter oder als Wissenschaftler erwerbstätig sind, ergibt sich ihre freie Tätigkeit, die ihnen selbst Lebensbedürfnis ist, gerade nicht aus der Logik ihrer (Lohn-)Arbeit.</p>
<p><strong>5.</strong> Ein solcher Gedankengang ist für Menschen, die in ihrer Engagement auf die Beförderung der Arbeiterbewegung mit ihren zivilisatorischen Potenzen orientiert waren oder sind, offenkundig eine Zumutung. Als Analogie verweise ich auf die Entstehung der kapitalistischen Produktionsweise. (Das ist kein Beweis, aber vielleicht hilft es, sich dem Keimformdenken zu öffnen.) Deren Voraussetzungen waren</p>
<ul>
<li>akkumuliertes Handels- und Raub-“Kapital“,</li>
<li>von Sklaverei oder feudaler Abhängigkeit freie Menschen,</li>
<li>kulturelle und technische Voraussetzungen,</li>
<li>&#8216;Konsumbedürfnisse, die nur beschränkt oder gar nicht in der gegebenen Produktionsweise befriedigt werden konnten. (Marx verweist darauf, dass es wesentliche derartiger Voraussetzungen schon im alten Rom gegeben habe: Proletarier, freies „Kapital“, Bedürfnisse, auch in Handelszentralen des Mittelalters.)</li>
</ul>
<p>Die Konstitution der kapitalistischen Produktionsweise selbst ging nicht etwa aus dem mittelalterlichen Zunftwesen hervor, nicht aus dem Kampf der feudalen Klassen gegeneinander. Es war in keiner Weise eine Fortsetzung der Bewegungslogiken feudaler Institutionen.</p>
<p>Was die Ökonomie betrifft, so hat die Verbindung der genannten Voraussetzungen in den <em>Manufakturen</em>, also etwa <em>jenseits</em> der <em>Zunftverhältnisse</em>, diejenigen Praxisformen konstituiert, die in ihrer Verallgemeinerung die kapitalistische Produktionsweise <em>bedingten</em>. Keimformen einer neuen Vergesellschaftung.</p>
<p><strong>6.</strong> Unter anderem sind die Marxschen Kategorien „Arbeitsteilung“ sowie „formelle und reelle Subsumtion der Arbeit unter das Kapital“ geeignet, sowohl das Entstehen unverzichtbarer Voraussetzungen für den Kommunismus zu erfassen als auch zu verstehen, dass sie selbst den Kommunismus nicht bedingen.</p>
<p>Marx beschreibt wie es mit der Entwicklung der Maschinerie dazu kommt, dass die ursprünglich (etwa in den frühkapitalistischen Manufakturen) nur bestehende formelle Subsumtion (hier wurde die Arbeit noch in der alten Weise handwerklicher Produktions geleistet aber eben formell als Verwertungsprozess) zugleich zur reellen wird. Mit der mechanisierten Produktion, in der die unmittelbaren Produzenten dann zum Anhängsel der Maschine werden, sie werden sozusagen von der Maschinerie angewendet, entstehen die dem Kapital eigentlich erst angemessenen Produktionsmittel und Arbeitsweisen. Darin kommt die kapitalistische Produktionsweise sozusagen erst zu sich selbst. Diese Entwicklung findet ihren Höhepunkt in Fließbandproduktion der tayloristischen-fordistischen Produktionsweise, in der die Lücken in der Maschinerie in einer solchen Weise durch Lohnarbeiter ausgefüllt werden, dass die Arbeiten idealerweise auch von einem intelligenten Gorilla ausgeführt werden könnten (Taylor). In dieser reellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital ist die formelle Subsumtion auf die Spitze getrieben.</p>
<p>Mit den postfordistischen Änderungen des Charakters der Arbeit werden beide Unterordnungen immer problematischer.</p>
<p>Marx hatte in Verbindung mit der Automatisierung erwartet, dass die wissenschaftliche, künstlerische und spielerische Fähigkeiten sowie die der sozialen Kompetenzen für die Reichtumsproduktion eine solche Bedeutung gewinnen, dass die Einbindung dieser Tätigkeiten in den Verwertungsprozess zur miserablen Grundlage der Reichtumsproduktion überhaupt wird. In den entscheidenden Kernbereichen kapitalistischer Produktion vollzieht sich heute tatsächlich dieses Heraustreten von Produzenten aus dem unmittelbaren Fertigungsprozess. Aber angesichts der weiterhin bestehenden formellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital kommt es nicht dahin, wofür mit diesem Prozess wesentliche Voraussetzungen gegeben werden: zur Aufhebung der reellen Subsumtion. Im Gegenteil. Die postfordistischen Produktionsformen sind mit einer weiteren Vertiefung der menschlichen Unterwerfung unter die Kapitalverhältnisse verbunden. Nicht nur dass viele Akteure die Kontrollfunktionen im kapitalistischen Produktionsprozess in ihre eigene Tätigkeit hineinnehmen. Sie sind gezwungen, ihren gesamten Lebensprozess gemäß der Anforderung der Kapitalverwertung zu unterwerfen. Die so genannte Ich-AG kann als Symbol hierfür gelten.</p>
<p>Das heißt die Voraussetzungen einer möglichen Aufhebung der Kapitalverhältnisse konstituieren mitnichten aus ihren eigenen Logiken heraus eine Vergesellschaftungsform jenseits des Es/Ich-muss-sich/mich-rechnen. Selbst die größte Möglichkeit individueller Selbstständigkeit, solange der Akteur innerhalb der Kapitalverhältnisse agiert, bleibt eine rein abstrakte Möglichkeit, verkehrt sich real und vom Akteur selbst exekutiert beständig in Unterwerfungen unter den nun nun auch noch selbst exekutierten stummen Zwang der Ökonomie.</p>
<p><strong>7.</strong> Aber genau hier rebelliert auf eine neue Weise die menschliche Produktivkraft gegen ihre Unterordnung unter die Zwänge der Kapitalverwertung. Als Reaktion auf entsprechende Beleidigung menschlicher Schöpferkraft geht es nunmehr nicht mehr wie im proletarischen ökonomischen und politischen Klassenkampf vorrangig darum, die Reproduktionsbedingungen der Arbeitskraft innerhalb der gegebenen Grundstruktur zu sichern und zu verbessern. Dieser Kampf wird freilich weitergeführt. Für unsere Frage bedeutsam ist vielmehr, dass auf der Grundlage der inzwischen geschaffenen Voraussetzungen freier Tätigkeiten außerhalb der kapitalistischen Produktion auch Praxen entstehen, in denen dieses Schöpfertum seine Befriedigung findet. Es sind Praxen, in denen das Schaffen nützlicher Dinge als Selbstgenuss der Akteure sich freier entfalten kann. Im Unterschied etwa zu Kleingartenvereinen, in der dieser Selbstgenuss auch eine Rolle spielt – insofern auch eine Gegenstück zur Unterordnung unter das Kapital in der Lohnarbeit – geht es hier um Praxen mit der inneren Potenz geschichtsmächtig zu werden, eine neue Produktionsweise zu bedingen. Der ganze Bereich freier Software ist eine solche Praxis, eine solche Reaktion auf die im high-tech-Bereich geknechtete menschliche Schöpferkraft. Es ist eine arbeitsteilig tief gestaffelte, international vernetzte Praxis, in der die Wert- und Herrschaftsförmigkeit und damit die Kapitalverhältnisse aufgehoben sind. Hier ist der Genuss an schöpferischer Tätigkeit und am selbst geschaffenen Produkt die entscheidende Triebkraft das Entstehens von nützlichen Dingen, die auch noch allgemein ohne äquivalente Gegenleistung zugänglich sind. Kein äußerliche Zwang treibt hier die Akteure, keine Notwendigkeit, Ansprüche auf die Leistungen anderer zu akkumulieren (etwa durch Lohnarbeit), keine Verpflichtung, Äquivalente zu bieten, keine Askese, keine Uneigennützigkeit treibt hier an, kein Klassenkampf konstituiert dies, keine staatliche oder sonstige Herrschaft – und doch werden hier in den entsprechenden Assoziationen mit der Erfüllung der je eigenen Bedürfnisse der Akteure gesellschaftliche Bedürfnisse erfüllt und zwar zuverlässig.</p>
<p><strong>8.</strong> Ein entscheidendes Wak-Problem ist die Konstitution solcher Praxisformen auch in solchen Bereichen deren (nichtvirtuelle) Produkte sich (anders als etwa bei Software) in der Konsumtion vernutzen. Je nachdem, ob man dies für möglich hält und zwar in einer Weise, dass in diese Form von schöpferischer Tätigkeit auch die gesamten materiellen Lebensbedingungen geschaffen werden können, begreift man solche Praxen wie die der freien Software-Szene als Keimform einer neuen Vergesellschaftung oder eben nicht.</p>
<p><strong>9.</strong> Das Entstehen dieser Praxen jenseits der Logiken der kapitalistischen Produktionsweise ist eine Neukonstitution. Diese entwickelt von vornherein ihre eigenen Logiken. Sie stellen nicht (wie Marx etwa in der Kritik am Gothaer Programm annahm, eine solche Phase einer neuen Vergesellschaftung in der für ihre Konstitution bzw. ihren Fortschritt Fortschritt wenigstens vorübergehend noch solche Instrumente und Strukturen zu nutzen wären, die für die kapitalistische Produktionsweise charakteristisch sind. Diese Praxen konstituieren in diesem Sinne nicht eine erste Phase (die etwa noch der Warenproduktion und des bürgerlichen Rechts bedarf), nach der dann die zweite, die eigentliche käme. Diese Praxen sind nicht das Ergebnis irgendeines Klassenkampfes. Sie folgen keinerlei Klassen- und Herrschaftslogik. Sie bedeuten von vornherein die praktische Auflösungen der Grundinstitutionen der bürgerlichen Gesellschaft (Warenproduktion, Lohnarbeit, Wertvermittlung, Äquivalenzverhältnisse überhaupt, Staatlichkeit). Eine Gesellschaftlichkeit, die solchen Praxen adäquate ist, ist die kommunistische. Was die inneren sozialen Formen betrifft, ist entsteht damit etwas, wozu kein Real-“Sozialismus“ in der Lage sein konnte: Es konstituieren sich vornherein Keime einer Gesellschaftlichkeit, die in ihrer Existenz und in ihrer möglichen Verallgemeinerung nicht derjenigen Mittel der alten Gesellschaft bedürfen, die einst eben auch Marx als Übergangsnotwendigkeit angesehen hatte.</p>
<p><strong>10.</strong> Ist das die Idylle eines Hineinwachsens in den Kommunismus?</p>
<p>Die Individuen, die solche Praxisformen konstituieren, deren Verallgemeinerung einen Kommunismus konstituieren würde, leben, was ihren materiellen Lebensunterhalt betrifft, vorerst zugleich von einem mehr oder minder funktionierenden Kapitalismus.</p>
<p>Wie alle Menschen der bürgerlichen Gesellschaft sind sie gezwungen, sich innerhalb der knechtenden Erwerbsarbeit oder als durch solche alimentiert, kontrolliert und erniedrigt zu behaupten. Dem gegenüber steht deren parallele Praxis einer freien Assoziation, in der die Individualitäten als solche zur Geltung kommen. Diese Zerrissenheit ihrer Existenz, ist alles andere als eine Idylle. Die Zwänge der einen, sich verwerten, sich verwursten zu müssen und die menschlichen Möglichkeiten der anderen stellen sich beständig gegenseitig in Frage. Was die Akteure, die solche Keimform-Praxen tragen, ist diese Geschichte auch immer eine der beständigen elenden Kompromisse und menschlicher Niederlagen. Doch genau entlang dieser Widersprüche findet das Ringen um eine neue Vergesellschaftung statt.</p>
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		<title>Vorhaben 2009: Die geplanten größeren Veranstaltungen</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jan 2009 11:32:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ideologie / -kritik]]></category>
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		<description><![CDATA[Für das Jahr 2009 sind drei größere Publikumsveranstaltungen geplant. 1. Vom Tausch zur Produktion nach Bedürfnissen Peer-Produktion – eine mögliche Grundlage einer Gesellschaft ohne Kapital, Markt und Staat? Freitag, 13. Februar 2009, 19.00 Uhr, Vortrag von Christian Siefkes Sonnabend, 14. Februar 2009, 10.00 bis 17.00 Uhr, Seminar zum Thema [Update: Hat stattgefunden] 2. Kommunismus-Bilder Zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für das Jahr 2009 sind drei größere Publikumsveranstaltungen geplant.</p>
<p><span id="more-34"></span></p>
<h3>1. Vom Tausch zur Produktion nach Bedürfnissen</h3>
<p>Peer-Produktion – eine mögliche Grundlage einer Gesellschaft ohne Kapital, Markt und Staat?</p>
<p>Freitag, 13. Februar 2009, 19.00 Uhr, Vortrag von Christian Siefkes</p>
<p>Sonnabend, 14. Februar 2009, 10.00 bis 17.00 Uhr, Seminar zum Thema</p>
<p>[Update: Hat <a href="http://wadk.de/2009/vom-tausch-zur-produktion-nach-beduerfnissen/">stattgefunden</a>]</p>
<h3>2. Kommunismus-Bilder</h3>
<p>Zu einigen Zusammenhängen zwischen Entwicklungsphasen der kapitalistischen Produktionsweise, den zeitbezogenen Existenzbedingungen sozialistischer Bewegungen und historischen Kommunismusvorstellungen</p>
<p>Freitag, 4. September 2009, 19.00 Uhr, Vortrag von Ulrich Weiß</p>
<p>Sonnabend, 5. September 2009, 10.00 bis 17.00 Uhr Seminar zum Thema</p>
<p>Es werden unter Bezug auf die jeweils historischen Bedingungen und die vorgefundenen theoretischen Voraussetzungen Kontinuitäten und Brüche in den Sozialismus-/Kommunismusverstellungen untersucht:</p>
<ul>
<li>Marx vor 1848</li>
<li>Marx zur Zeit der Arbeit an den Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie</li>
<li>Marx in der Kritik des Gothaer Programms</li>
<li>der Bruch in Lenins Sozialismus-Verstellungen nach der Oktoberrevolution</li>
<li>die Vorstellung vom Sozialismus als einer relativ selbständigen Gesellschaftsformation (DDR, 1960er Jahre)</li>
<li>postfordistische kapitalistische Produktionsformen und Keimformen freier Produktivität jenseits der Warenproduktion – neue Grundlagen der Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus</li>
</ul>
<p>Literatur:</p>
<p>Ulrich Weiß, Marx und der mögliche Sozialismus, Utopie kreativ, 17/2000, S.958 – 971 oder <a href="http://www.trend.infopartisan.net/trd0499/t090499.html" target="_ ">http://www.trend.infopartisan.net/trd0499/t090499.html</a>,</p>
<p>U. Weiß, Der unmögliche sozialistische Fordismus. bei Uli Weiß anfordern</p>
<p>Stefan Meretz, Beiträge zur Keimformdiskussion auf <a href="http://www.keimform.de/" target="_ ">http://www.keimform.de/</a></p>
<h3>3. Theorie und Praxis oder Bewusstsein als bewusstes Sein</h3>
<p>Freitag, &#8230; (6). November 2009, 19.00 Uhr, Vortrag von Hans-Christoph Rauh</p>
<p>Sonnabend, &#8230; (7). November 2009, 10.00 bis 17.00 Uhr, Seminar mit Hans-Christoph Rauh</p>
<p>Es geht um die unter Bezug auf soziale Bewegungen geführten philosophischen Diskussionen über den Theorie/Praxis-Zusammenhang bei Marx zur Zeit der Thesen über Feuerbach und der Deutschen Ideologie:</p>
<ul>
<li>die bolschewistische avantgardistischen Positionen</li>
<li>Kontroversen unter Marxisten in den 1960er Jahren</li>
<li>heutige Problemstellungen bezüglich des Verhältnisses Theorie und Praxis in der Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus</li>
</ul>
<p>Literatur:</p>
<p>Marx, Thesen über Feuerbach, Deutsche Ideologie</p>
<p>Lenin, Was tun? LW Bd. 5</p>
<p>Helmut Seidel, Vom praktischen und theoretischen Verhältnis der Menschen zur Wirklichkeit. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 10/1966, VEB Dt. Verlag der Wissenschaften, Berlin (DDR), <a href="http://www.praxisphilosophie.de/pdtexte.htm" target="_ ">http://www.praxisphilosophie.de/pdtexte.htm</a> und <a href="http://www.opentheory.org/seidelpraxis/text.phtml" target="_ ">http://www.opentheory.org/seidelpraxis/text.phtml</a></p>
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		<title>Im Takt des Geldes &#8212; Auswertung</title>
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		<pubDate>Wed, 30 May 2007 08:44:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ideologie / -kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[» Treffen]]></category>
		<category><![CDATA[eske bockelmann]]></category>
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		<description><![CDATA[Wir werten die Veranstaltung mit Eske Bockelmann aus. Mittwoch, 6. Juni 2007, Helle Panke]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir werten die <a href="http://wadk.de/2007/im-takt-des-geldes/">Veranstaltung</a> mit Eske Bockelmann aus.</p>
<p>Mittwoch, 6. Juni 2007, <a href="http://coforum.de/?973">Helle Panke</a></p>
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		<title>Im Takt des Geldes</title>
		<link>http://wadk.de/2007/im-takt-des-geldes/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Apr 2007 08:32:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ideologie / -kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[» Veranstaltung]]></category>
		<category><![CDATA[denkformen]]></category>
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		<category><![CDATA[vergesellschaftung]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Genese des modernen Denkens Freitag, 4. Mai 2007, 19:00 Uhr Vortrag: Im Takt des Geldes oder die Geburt des bürgerlichen Denkens Referent: Eske Bockelmann Moderation: Ulrich Weiß Im Mittelpunkt stehen Thesen aus einer Veröffentlichung von Eske Bockelmann: »Im Takt des Geldes. Zur Genese modernen Denkens«, zu Klampen Verlag 2004 Eintritt: 1,50 Euro, Ort: Helle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><span class="id">Zur Genese des modernen Denkens</span></h3>
<h4>Freitag, 4. Mai 2007, 19:00 Uhr</h4>
<p>Vortrag: Im Takt des Geldes oder die Geburt des bürgerlichen Denkens</p>
<p>Referent: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eske_Bockelmann">Eske Bockelmann</a></p>
<p>Moderation: Ulrich Weiß</p>
<p>Im Mittelpunkt stehen Thesen aus einer Veröffentlichung von Eske Bockelmann: »Im Takt des Geldes. Zur Genese modernen Denkens«, zu Klampen Verlag 2004</p>
<p>Eintritt: 1,50 Euro, Ort: <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a>, Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin</p>
<p><strong>Sonnabend, 5. Mai 2007, 10:00 bis 17:00 Uhr</strong></p>
<p>Seminar mit Eske Bockelmann: Konstitution des bürgerlichen Denkens und Bedingungen seiner möglichen Aufhebung</p>
<p>Leitung: Johannes Stockmeier</p>
<p>Beiträge: Eske Bockelmann und Mathias Spiller</p>
<p><span id="more-130"></span>Wer über den Kapitalismus hinaus will, muss ungeheure Mächte überwinden. Das ist praktisch unmöglich, wenn nicht zugleich über jene Wahrnehmungen und Denkformen hinausgegangen wird, die durch die bürgerliche Gesellschaft bedingt sind. Bockelmann zeigt wie dieses Denken geschichtlich durch die allgemeine Vermittlung der Menschen über das Geld hervorgebracht wurde und eine solche Geltung gewann, dass es als natürliches, unüberwindbares Denken erscheint. Dies gilt selbst für scheinbar unbedingte, ökonomieferne Empfindungen wie Rhythmuswahrnehmung, Mathematik, Philosophie.</p>
<p>Ausgehend von Bockelmanns Thesen stellen wir u.a. folgende Fragen:</p>
<ul>
<li>Kann dieser angeblich zwingende Zusammenhang zwischen bürgerlicher Existenz und entsprechendem Denken überhaupt aufgebrochen werden?</li>
<li>Welche Formen müssten Lebenspraxen haben, auf deren Grundlage ein neues Denken entstehen kann?</li>
<li>Sind im Denken und Handeln von heutigen Menschen Keimformen einer neuen Vergesellschaftung erkennbar?</li>
</ul>
<p>Begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich bei <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a> e.V. bzw. Uli Weiß. Hier auch nähere Angaben zum Seminar, Thesen/Texte zum Thema usw.Teilnahmegebühr: 5,00 Euro (incl. Mittagesssen), Ort: Helle Panke, Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin</p>
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		<title>Zur Genese des modernen Denkens</title>
		<link>http://wadk.de/2007/zur-genese-des-modernen-denkens/</link>
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		<pubDate>Wed, 04 Apr 2007 08:51:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir bereiten uns auf die Veranstaltung am 4./5. Mai mit dem Autor des Buches »Im Takt des Geldes«, Eske Bockelmann, vor. Termine: Mittwoch, 11. April 2007, 18:00 Uhr, Helle Panke &#8211; Erstes und zweites Kapitel (S. 9-232) Mittwoch, 25. April 2007, 18:00 Uhr, Helle Panke &#8211; Drittes und viertes Kapitel (S. 233-489)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir bereiten uns auf die <a href="http://wadk.de/2007/im-takt-des-geldes/">Veranstaltung am 4./5. Mai</a> mit dem Autor des Buches »Im Takt des Geldes«, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eske_Bockelmann">Eske Bockelmann</a>, vor. Termine:</p>
<p>Mittwoch, 11. April 2007, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a> &#8211; Erstes und zweites Kapitel (S. 9-232)</p>
<p>Mittwoch, 25. April 2007, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a> &#8211; Drittes und viertes Kapitel (S. 233-489)</p>
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		<title>Zum Begriff »mentales Modell«</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Oct 2006 11:09:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
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		<description><![CDATA[Von Stefan Meretz [Kopie aus opentheory.org inkl. der Diskussion] (1) Für uns ist der Begriff »mentales Modell« ein sehr zentraler. Phänographisch kann man sagen, dass ein »mentales Modell« eine überindividuelle orientierende bildhafte Verdichtung theoretischer Erkenntnisse ist. Theoretische Erkenntnisse können dabei sowohl »Alltagstheorien« wie auch wissenschaftliche Theorien sein oder eine Mischung von beidem. Ein mentales Modell [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Stefan Meretz</em></p>
<p>[Kopie aus opentheory.org inkl. der Diskussion]</p>
<p>(1) Für uns ist der Begriff »mentales Modell« ein sehr zentraler. Phänographisch kann man sagen, dass ein »mentales Modell« eine überindividuelle orientierende bildhafte Verdichtung theoretischer Erkenntnisse ist. Theoretische Erkenntnisse können dabei sowohl »Alltagstheorien« wie auch wissenschaftliche Theorien sein oder eine Mischung von beidem. Ein mentales Modell bildet ein kognitives Verständnis- und Verständigungsraster. Treffen &#8211; bildhaft gesprochen &#8211; stark abweichende mentale Modelle aufeinander, wie sie von konkreten Menschen verwendet werden, so schlägt eine Verständigung meist fehl, da sich zu wenige »Resonanzpunkte« finden lassen. Eine Diskussion ist dann trotz u.U. gleicher Wortwahl meist wenig fruchtbar. Dieses erleben haben wir nicht selten erlebt. Wir wollen diese Problematik nun explizit angehen.<br />
<span id="more-171"></span></p>
<p style="padding-left: 30px;">(1.1) Re: »Mentales Modell«, 02.12.2006, 17:48, Annette Schlemm: Einen zweiten Text, der mehr auf die Herkunft des &#8220;mentalen Modelles&#8221; eingeht befindet sich jetzt online: <a href="http://wadk.de/2007/mentale-modelle-ein-zweiter-beitrag/">Mentale Modelle &#8212; ein zweiter Beitrag</a>.</p>
<h3>Urspung des Begriffes</h3>
<p>(2) Ursprünglich stammt der Begriff »mentales Modell« aus der Kognitionswissenschaft, dort allerdings in problematischer Verwendung. Das ist hier nicht unser Thema. Wir orientieren uns an der wesentlich sinnvolleren Fassung von Jürgen Renn, der in seinem Buch »Auf den Schultern von Riesen und Zwergen« aus dem individuumszentrierten einen gesellschaftstheoretischen Begriff macht. Er verwendet den Begriff, um zu verstehen, wie sich der Übergang von einem wissenschaftliche Paradigma zu einem anderen vollzieht. Mit dem »Paradigmenwechsel« befasste sich auch der »Erfinder« des Paradigma-Begriffes, Thomas. S. Kuhn. Seine Erklärung ist jedoch sehr »dünn«. Renn versucht hingegen, die immanente Logik »zwischen« den Paradigmen zu verstehen, um aus dieser inneren Struktur und Logik »Sprünge« in der wissenschaftlichen Erkenntnis erklären zu können.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(2.1) Re: Urspung des Begriffes, 01.11.2006, 22:33, Stefan Merten: Mich würde interessieren, wie der Begriff in der Kognitionswissenschaft definiert ist, und warum er dort problematisch verwendet ist.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(2.2) Re: Urspung des Begriffes, 01.11.2006, 22:34, Stefan Merten: In der Beschreibung des Projekts klang für mich auch so etwas durch wie &#8220;Warum kapieren es die Leute nur nicht?&#8221;. Dafür wäre eine individuale Herangehensweise doch vielleicht sinnvoll?</p>
<p>(3) Der Begriff »mentales Modell« nach Renn ist wie folgt bestimmt: Mentale Modelle</p>
<p>* sind eine Form der Repräsention von Wissen<br />
* sind kontext-spezifisch und nicht universell gültig<br />
* sind an neue Erfahrungen adaptierbar<br />
* verknüpfen gegenwärtige mit vergangenen Erfahrungen<br />
* sind ein Bindeglied zwischen praktischem Handlungswissen und theoretischem Wissen<br />
* ermöglichen implizite Schlussfolgerungen aus praktischem Handlungswissen, die keine explizite Darstellung besitzen<br />
* sind eine Anwendung nichtmonotoner Logik (mit zusätzlichen Informationen können sich die Schlüsse verändern)</p>
<p style="padding-left: 30px;">(3.1) gesellschaftstheoretisch?, 12.11.2006, 23:01, Benni Bärmann: Mir ist nicht klar geworden inwiefern diese Definiton gesellschaftstheoretisch ist. Das sind doch alles mehr oder wenig individuelle Sachen, oder?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(3.1.1) Re: gesellschaftstheoretisch?, 13.11.2006, 17:01, Stefan Meretz: Renn interessiert nicht, was ein/e einzelne/r Wissenschafter/in im Kopf vollzieht, sondern wie es insgesamt (gesellschaftlich durchschnittlich) dazu kommt, dass sich mentale Modelle ändern und durchsetzen.</p>
<h3>Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen</h3>
<p>(4) Mentale Modelle sind gegenstandsbezogene Widerspiegelungen gesellschaftlicher Denkformen. Gesellschaftliche Denkformen (ein Begriff von Marx) umfassen das zum gegebenen gesellschaftlichen Entwicklungstand überhaupt Denkmögliche. Ist etwas denkbar, so ist es auch grundsätzlich machbar. Wenn es uns also gelingt, eine Freie Gesellschaft grundsätzlich denkbar zu machen, dann ist sie auch grundsätzlich machbar, da die Gesellschaft nur deswegen die Denkform »Freie Gesellschaft« bereitstellt, weil sie objektiv zum realen Potenzial dieser Gesellschaft gehört. Damit ist noch nichts über den Inhalt ausgesagt und den Weg dorthin.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(4.1) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 01.11.2006, 22:37, Stefan Merten: &#8220;Ist etwas denkbar, so ist es auch grundsätzlich machbar.&#8221; ist offensichtlicher Unsinn: Ich kann mir Welten jenseits der Naturgesetze denken &#8211; machen kann ich sie deswegen noch lange nicht. Auch in einem gesellschaftlichen Zusammenhang halte ich das für nicht haltbar. Letztlich ist dies eine idealistische Annahme.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(4.1.1) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 02.11.2006, 12:20, Stefan Meretz: Ist diesem Kontext geht&#8217;s um die Denkbarkeit als Ausdruck der gesellschaftlichen Denkformen &#8211; nicht um individuelles rumspinnen. Dass ich die Welten jenseits der Naturgesetze unter unseren Bedingungen nicht machen kann, gehört doch mit zu den Denkformen und mentalen Modellen. Es geht also nicht bloß um individuelles &#8220;Vorstellen&#8221;, sondern um gesellschaftliches Denken, und das heisst immer: durchdenken.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(4.1.2) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 02.11.2006, 12:21, Stefan Meretz: Das eigentliche Problem ist doch genau der umgekehrte Fall: Vieles wird schlicht für &#8220;undenkbar&#8221; im Sinne von &#8220;unmachbar&#8221; gehalten, auch wenn es machbar wäre, und weil es nicht gedacht wird unter der Annahme der &#8220;Unmachbarkeit&#8221;, ist dann auch auch wirklich unmachbar. Das aufzubrechen ist unser Ziel.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(4.1.2.1) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 05.11.2006, 23:00, Stefan Merten: Mit dem umgekehrten Fall bin ich völlig d&#8217;accord. Das würde ich als Schere im Gehirn bezeichnen.<br />
Leider bin ich dennoch der Meinung, dass das Gegenteil vom Negativen nicht automatisch richtig ist. Du sagst letztlich: Wenn es (gesellschaftlich) durchgedacht ist, ist es auch machbar. Letztlich ist das aber keine interessante Aussage, denn wer kann denn bestimmen, dass es (gesellschaftlich) durchgedacht ist? Sind z.B. die ganzen Geldtricksereien a la Gesell nicht durchgedacht? Eine Menge Leute würden sagen, dass sie es sind. Sind die ganzen Dammbauansätze a la attac nicht durchgedacht? Es gibt eine ganze Bewegung/Organisation, die das glaubt.<br />
Ich denke, dass es hier keine harten Aussagen geben kann &#8211; leider. Vielmehr kann es immer nur Meinungen geben, die mehr oder weniger gut begründet sind. Und in dem &#8220;mehr oder weniger&#8221; steckt eben auch die Erfahrung / Geschichte des Individuums.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(4.1.2.2) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 05.11.2006, 23:02, Stefan Merten: Ich bin auch für das Aufbrechen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es da noch tauglichere Mittel gibt. Insbesondere der Verweis auf existierende Beispiele scheint mir hier wichtig.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(4.1.3) Denkformen und Praxisformen, 28.12.2006, 18:55, Hans-Gert Gräbe: Ich glaube nicht, dass du Stefan Mertens Argument wirklich entkräftet hast, weil natürlich die Frage ist, wie die Denkformen zur Praxis stehen. Wie weit war der Realsozialismus &#8220;Denkform&#8221; oder/und mentales Modell und inwieweit war er &#8220;machbar&#8221;? Dass er &#8211; trotzdem &#8211; &#8220;gemacht&#8221; wurde, steht mglw. auf noch einem anderen Blatt. Allgemeiner: Gibt es &#8220;Machbares&#8221;, was nicht &#8220;denkbar&#8221; ist, und kann &#8220;gemacht&#8221; werden, was nicht &#8220;machbar&#8221; ist?<br />
Du verstehst, dass ich (wieder mal) eine dynamische Sicht in eine bisher eher statische Argumentation hineintragen will.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(4.3) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 11.11.2006, 16:11, Matthias Schulz: Interessant, für mich sind die gesellschaftliche Denkform und das Denkmögliche ganz unterschiedliche Dinge.<br />
Die gesellschaftliche Denkform umfasst das, was von der besonderen Gesellschaftsform konstituiert wird und diese konstituiert. Hier also die Vorstellung der gesellschaftlichen Verhältnisse als Gegebene, und der Individuen als nur darunter lebend.<br />
Das Denkmögliche wäre dann das Begreifen, wie es tatsächlich ist, nämlich das die Verhältnisse durch mich konstituiert sind und ich so unter von mir geschaffenen Verhältnissen lebe.<br />
Die gesellschaftliche Denkform ist sozusagen das nur gedeutete Denkmögliche. Interessant ist dann, wie mit fortschreitender gesellschaftlicher Entwicklung das Denkmögliche zur Denkform wird.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(4.3.1) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 13.11.2006, 17:17, Stefan Meretz: &#8220;Gesellschaftliche Denkform&#8221; ist im Sinne des Marxschen Begriffes der &#8220;objektiven Gedankenform&#8221; gemeint. Die objektive Gedankenform ist die notwendige und mögliche gedankliche Widerspiegelung gesellschaftlicher Bedeutungen. Zu gesellschaftlichen Bedeutungen gehören sowohl die gegenständlichen wie nicht-gegenständlichen Bedeutungen. Daher ist das Denkmögliche immer Teil der objektiven Gedankenform.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(4.3.1.1) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 19.11.2006, 15:47, Matthias Schulz: Hm, bis auf den letzten Satz, stimme ich dem auch zu. Aber diese Schlussfolgerung macht doch nur Sinn, wenn die gedankliche Widerspiegelung die gesellschaftlichen Bedeutungen vollständig erfasst oder das Denken auf eine Widerspiegelung beschränkt ist.<br />
Weder die gesellschaftliche Denkform noch die mentalen Modelle erfassen ihren Gegenstand adäquat. Was hindert mich denn daran, mir die objektivierten Bedeutungen begreifend aufzuschließen? Womit ich dann schon die gesellschaftliche Denkform überschreite.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(4.3.1.1.1) Denkform überschreiten oder realisieren?, 20.11.2006, 21:51, Stefan Meretz: Mich hindert &#8220;nichts&#8221; (im Sinne von: prinzipiell nichts), &#8220;mir die objektivierten Bedeutungen begreifend aufzuschließen&#8221;. Meine Aussage ist nur, dass genau das die gesellschaftliche Denkform ausmacht, dass also &#8220;Aufschließen&#8221; das Realisieren der in den gesellschaftlichen Denkformen beschlossenen Denkmöglichkeiten ist.</p>
<p style="padding-left: 150px;">(4.3.1.1.1.1) Denkform überschreiten und realisieren <img src='http://wadk.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> , 22.11.2006, 16:37, Matthias Schulz: Ja, genau. In dem Sinne, dass die gesellschaftliche Denkform nur eine besondere Form, eine besondere Realisierung der/ihrer Denkmöglichkeiten ist. Ein weiteres Aufschließen/Realisieren ihrer Möglichkeiten/Potenz bedingt eine neue besondere Form. Das überschreiten ihrer Form ist so der gesellschaftlichen Denkform immanent. Das war mir so noch nicht bewusst.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(4.3.1.1.2) Begreifendes Überschreiten &#8211; auf welcher Grundlage?, 20.11.2006, 21:57, Stefan Meretz: Nehmen wir mal an, entsprechend deiner Annahme können wir die gesellschaftliche Denkform begreifend überschreiten. Dann wäre die gesellschaftliche Gedankenform (aka &#8220;objektive Gedankenform&#8221; vgl. das Marxzitat) dann nurmehr der ideologische Widerschein der bürgerlichen Gesellschaft. Welches ist dann aber die Grundlage, von der aus mir das begreifende Überschreiten der bürgerlichen Gesellschaft möglich ist unter der Annahme, dass ein Standpunkt außerhalb dieser Gesellschaft nicht existiert?</p>
<p style="padding-left: 150px;">(4.3.1.1.2.1) Re: Begreifendes Überschreiten &#8211; auf welcher Grundlage?, 22.11.2006, 16:52, Matthias Schulz: Der ideologische Widerschein der bürgerlichen Gesellschaft ist ja nur ein Schein eben dieser und nicht sie selbst. Die Grundlage für das begreifende Überschreiten sind die tatsächlichen Verhältnisse, welche eben nicht so sind, wie sie scheinen.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(4.3.1.2) Objektive Gedankenform: Marx-Zitat, 20.11.2006, 12:17, Stefan Meretz: Weil gefragt wurde, hier das dazu passende Marx-Zitat aus dem Kapital: &#8220;Die Formen, welche Arbeitsprodukte zu Waren stempeln und daher der Warenzirkulation vorausgesetzt sind, besitzen bereits die Festigkeit von Naturformen des gesellschaftlichen Lebens, bevor die Menschen sich Rechenschaft zu geben suchen nicht über den historischen Charakter dieser Formen, die ihnen vielmehr bereits als unwandelbar gelten, sondern über deren Gehalt. (&#8230;) Derartige Formen bilden eben die Kategorien der bürgerlichen Ökonomie. Es sind gesellschaftlich gültige, also objektive Gedankenformen für die Produktionsverhältnisse dieser historisch bestimmten gesellschaftlichen Produktionsweise, der Warenproduktion.&#8221; (Marx/Engels, Werke (MEW) 23, 89f)</p>
<p style="padding-left: 120px;">(4.3.1.2.1) 28.12.2006, 18:58, Hans-Gert Gräbe: Auch wenn&#8217;s von Marx ist &#8211; diesen &#8220;Objektivismus&#8221;-Begriff musst du mir erklären. Objektiv ja doch wohl nur in einem fetischisierten Verständnis. Sobald Menschen hinter den Fetischcharakter kommen/schauen, sollte die Nützlichkeit dieser Gedankenformen zur Regelung gewisser Aspekte der eigenen Praxis sichtbar werden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(4.4) Re: Mentale Modelle und gesellschaftliche Denkformen, 12.11.2006, 23:04, Benni Bärmann: Auf mich wirkt das in dieser Formulierung schon auch etwas idealistisch. Die Dialektik zwischen Denken und Handeln klingt hier etwas zu sehr nach &#8220;erst Denken, dann Handeln&#8221;. Ist aber vielleicht nur ein Formulierungsproblem und kein inhaltliches, im Rest des Textes verweist ihr ja dann oft auf die Bedeutung der Praxis für das Denken.</p>
<p>(5) Bestimmte mentale Modelle sind weit verbreitet, andere treten höchst selten auf. Es sind solche mentalen Modelle weiter verbreitet, die weniger denkenden Widerstand gegen nahegelegte gesellschaftliche Denkformen erfordern. Nahegelegte Denkformen sind solche, die objektiv für das Funktionieren der Gesellschaft erforderlich sind und ihr Funktionieren auch &#8211; gemessen an der inneren Logik &#8211; adäquat widerspiegeln. So entspricht das Denken im Modus des sich-auf-Kosten-Anderer-durchsetzens objektiv den Anforderungen der Verwertungslogik, nach der sich der Stärkere am Markt, im Betrieb etc. durchsetzt und durchsetzen muss. Der Modus des sich-nur-mit-Anderen-gemeinsam-durchsetzens hingegen benötigt erheblich mehr denkenden Widerstand, gehört aber gleichwohl zum gesellschaftlich Denkbaren weil objektiv Machbaren und auch real Gemachten.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(5.1) nochmal individuell vs. gesellschaftlich, 12.11.2006, 23:06, Benni Bärmann: &#8220;bestimmte MM sind weit verbreitet, andere treten selten auf&#8221; klingt für mich jetzt erstmal wieder so, als sei ein MM etwas was eine Person hat oder nicht hat, also rein individuell. So ist es wohl nicht gemeint, mir wird nur nicht ganz klar, wie es wohl gemeint sein könnte.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(5.2) Unterschied MM vs. Denkformen, 12.11.2006, 23:08, Benni Bärmann: Mir wird andererseits in diesem Abschnitt nicht klar, was eigentlich der Unterschied zwischen einem MM und einer Denkform ist. Der Unterschied scheint der &#8220;Gegenstandsbezug&#8221; zu sein. Könnt ihr mal ein Beispeil für so einen &#8220;Gegenstand&#8221; nennen? Inwiefern haben denn Denkformen keinen Gegenstandsbezug?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(5.2.1) Re: Unterschied MM vs. Denkformen, 13.11.2006, 17:28, Stefan Meretz: Mit &#8220;Gegenstand&#8221; ist die &#8220;Sache&#8221; (oder auch: das Thema) gemeint, um die (das) es jeweils geht. Also z.B. die Sache &#8220;Geld&#8221;. Es gibt unterschiedliche MM, was denn Geld &#8220;ist&#8221;. Die &#8220;Sache&#8221; kann auch etwas sein wie &#8220;Bewegung&#8221;. Oder allgemeiner: Die Gegenstände mentaler Modelle sind die gesellschaftlichen Bedeutungen gegenständlicher oder ungegenständlicher Art. Das Gesamt der MM bilden die gesellschaftlichen (objektiven) Denkformen, also alles zu den &#8220;Sachen&#8221; der Gesellschaft Gedachte.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(5.3) Auf-Kosten-anderer, 28.12.2006, 18:59, Hans-Gert Gräbe: Dass dieses &#8220;Auf-Kosten-anderer&#8221; nicht bei der Verwertungslogik endet, hatte ich im Nachgang von Hütten sehr konkret versucht zu debattieren. Neben dieser Tiefe ist die zeitliche Ausdehnung des Phänomens zu beachten &#8211; es begleitete jede Ausbeutergesellschaft und reicht damit auch historisch weit in vorkapitalistische Zeiten zurück. Für mich dreht sich damit die Fragestellung um: Ob nicht die spezifische Ausprägung der heutigen Formen (!) marktwirtschaftlicher Beziehungen umgekehrt in einem (historisch älterern) &#8220;Auf-Kosten-anderer&#8221; wurzeln, das produktionslogisch längst überholt ist. Ob der Kern der aktuell erforderlichen Transformation also nicht gerade ind er Überwindung dieses mentalen Modells liegt. Eben &#8220;New Culture&#8221;.</p>
<h3>Mentale Modelle und individuelles Denken</h3>
<p>(6) Klaus Holzkamp hat die unterschiedlichen Denkmodi kategorial mit dem Begriffspaar »deutendes vs. begreifendes Denken« gefasst. Das Begriffspaar beschreibt nicht Denktypen, die etwa von Menschen beherrscht oder nicht beherrscht werden, sondern fasst analytisch das Verhältnis der Übernahme von nahelegtem Denken und dem denkenden Widerstand dagegen. Das deutende Denken ist dabei nicht »überwindbar«, sondern in gewisser Weise Voraussetzung für das Begreifen als bewusste Überschreitung des nahegelegten unmittelbaren Deutens: »Ich kann, soweit ich in der bürgerlichen Gesellschaft lebe, mein unmittelbares Dasein nicht anders bewältigen als &#8216;in&#8217; den bürgerlichen Formen (auf andere Weise komme ich weder an Geld noch an Lebensmittel etc. heran), d.h. daß ich auch im &#8216;Denken&#8217; dieser Lebenspraxis, wenn ich sie bewältigen will, &#8216;deutend&#8217; die bürgerlichen Denkformen realisieren muß« (GdP. S. 394f).</p>
<p style="padding-left: 30px;">(6.1) Re: Mentale Modelle und individuelles Denken, 01.11.2006, 22:42, Stefan Merten: Bei uns in der LGK hieß das mal: Sich in Widerspruch zu sich selbst setzen. Das ist nämlich das Problem: Wenn die Leute eine andere gesellschaftliche Formation denken sollen, dann setzen sie sich in Widerspruch zu ihrem täglichen Handeln. Das tut keiner gern.</p>
<p>(7) Klaus Holzkamp verknüpft hier also Lebenspraxis und Denkform miteinander. Diese Verbindung ist keine statische oder gar deterministische, d.h. ich muss nicht ausschließlich so denken, wie es die Praxisformen von mir verlangen, aber ich muss es zunächst einmal tun, bevor ich mich dazu u.U. kritisch und ggf. &#8216;begreifend&#8217; verhalten kann. Das bedeutet umgekehrt, dass es sehr schwer ist, den nahegelegten bürgerlichen Denkrahmen zu verlassen, selbst wenn ich der kapitalistischen Gesellschaft grundsätzlich kritisch gegenüberstehe. Ohne eine ansatzweise qualitativ andere Praxis, die auf neue Denkformen und damit andere mentale Modelle verweist, kann die Überschreitung nur in der Sphäre der Gedankenformen selbst geschehen &#8211; ein ungleich unsicherer, dramatisch anstrengenderer Weg, der ohne lebensweltliche Evidenz ein extremes Maß an Selbstdisziplin erfordert. Es ist völlig verständlich, wenn die meisten Menschen diese Disziplin, Energie und die dafür erforderliche Zeit nicht aufbringen können oder wollen. Wir erleben dies in unserer theoretischen Praxis als hartnäckiges Festhalten an bestimmten alten Formen, die nach unserer Auffassung obsolet sind.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(7.1) 01.11.2006, 22:44, Stefan Merten: Unsere Lösung hieß damals: Sichtbare Projekte müssen her. Und außerdem würde ich heute anfügen: Die Schritte dürfen nicht zu groß sein. Hier und heute Freie Software und raubkopierte Musik finde ich da schon ganz nett.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(7.2) 11.11.2006, 16:34, Matthias Schulz: &#8220;Ohne eine ansatzweise qualitativ andere Praxis, die auf neue Denkformen und damit andere mentale Modelle verweist,&#8230;&#8221;<br />
Wenn doch das Neue aus dem Alten hervorgeht, so muss doch das Alte selbst, also die ganz normale Praxis, auf neue Denkformen verweisen.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(7.2.1) Nicht &#8220;erst-dann&#8221; denken, 13.11.2006, 17:46, Stefan Meretz: Ja. Denke es gleichzeitig, dialektisch: Die ganz normale Praxis ist eine ansatzweise qualitativ andere Praxis, wenn sie auf Neues verweist. Das Hervorgehen von Neuem aus Alten ist nicht mit einem &#8220;erst-dann&#8221;-Denken zu denken &#8211; das ist ein mentales Modell, das wir überschreiten müssen. Eine mögliche Lösung ist, die Situation in Form von Bedingungen als (formal logisch) Antinomie zu formulieren: &#8220;Ohne A geht B nicht UND ohne B geht A nicht&#8221; statt: &#8220;Wir brauchen erst A, um B zu bekommen&#8221;. Also NICHT (um das deutlich zu machen): &#8220;erst Bewusstsein, dann die Tat&#8221; oder vice versa.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(7.2.1.1) Re: Nicht &#8220;erst-dann&#8221; denken, 19.11.2006, 16:08, Matthias Schulz: Also mir ging es unter anderem darum, auf die Identität von Altem und Neuem hinzuweisen, die ich bei dir so nicht finden kann. Meiner Ansicht nach weist jegliche Praxis über sich hinaus, sonst wäre sie ja widerspruchsfrei. Wobei ich mit Praxis immer eine gesellschaftlich vermittelte meine.<br />
Eine Praxis die erst nur aufs Neue verweist, ist es selbst noch nicht, sondern nur der Potenz nach, ist noch das Alte. In einer qualitativ anderen Praxis ist das Neue bereits realisiert, sie verweist nicht mehr darauf. Diesen Unterschied zwischen Neuem und Altem möchte ich wirklich so deutlich machen, denn imho verhalten sie sich nicht dialektisch zueinander.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(7.2.1.1.1) Identität von Altem und Neuem, 20.11.2006, 22:00, Stefan Meretz: Was meinst du mit &#8220;Identität von Altem und Neuem&#8221;? Warum suchst du (bei mir) danach? Was soll sie anderes sein als Identisches? Ganz undialektisch: Altes=Neues?</p>
<p style="padding-left: 150px;">(7.2.1.1.1.1) Re: Identität von Altem und Neuem, 22.11.2006, 17:01, Matthias Schulz: Ich habe bei dir nur den Unterschied gesehen und wollte darauf hinweisen, das sie auch Identisch sein müssen. In dem Sinne, dass das Neue dem Alten immanent ist. Anders kann man das Neue nicht aus dem Alten hervorgehen lassen.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(7.2.1.1.2) Potenziell statt ansatzweise, 20.11.2006, 22:10, Stefan Meretz: Mit dem Verweis auf eine &#8220;qualitativ andere Praxis&#8221; hast du einen Schwachpunkt aufgegriffen. Du hast recht: Ist sie qualitativ neu, ist sie das Neue, ist sie es nicht, ist sie das Alte. Deswegen auch die halbgare Formulierung &#8220;ansatzweise qualitativ andere Praxis&#8221;. Besser ist die Formulierung der &#8220;Praxis die erst nur auf Neue verweist&#8221; und also &#8220;nur der Potenz nach&#8221; Neues ist. Wodurch begründet sich jedoch die Potenzialität bzw. ihr Verweischarakter?</p>
<p style="padding-left: 150px;">(7.2.1.1.2.1) Re: Potenziell statt ansatzweise, 22.11.2006, 17:11, Matthias Schulz: Die Frage verstehe ich nicht ganz, möchte aber nochmal darauf hinweisen, das nicht eine besondere Praxis aufs Neue verweist, sondern jede gesellschaftlich vermittelte. Da die Vermittlung allerdings nur über die Ware laufen kann, muss diese also aufs Neue verweisen.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(7.2.1.1.3) Altes und Neues &#8211; undialektisch?, 20.11.2006, 22:18, Stefan Meretz: Warum verhalten sich Altes und Neues undialektisch zueinander? Ist nicht der Fünfschritt genau das Denkmittel, die dialektische Vermittlung in der Entwicklung zu denken? Ok, wenn du nur auf die Logik guckst, sind Neues und Altes unvermittelt. Achtung: Bei Hegel, wie uns Annette erklärte, sind die &#8220;Übergänge&#8221; keine historischen. Entwicklung ist bei Hegel nicht historisch gedacht, was IMHO leicht zur Falle werden kann. Wir haben es hingegen hier mit einem historischen Entwicklungsprozess zu tun, und in solchem sind Altes und Neues sehr wohl dialektisch vermittelt.</p>
<p style="padding-left: 150px;">(7.2.1.1.3.1) Re: Altes und Neues &#8211; undialektisch?, 22.11.2006, 17:16, Matthias Schulz: Hier hätte ich wohl schreiben sollen, was ich mit dem Neuen meine, nämlich das schon realisierte Neue. Dieses muss, um verallgemeinerbar zu sein, sich selbst tragen, eine Totalität, nur durch sich bestimmt sein und somit unvereinbar mit dem Alten.<br />
Ich würde eher sagen, das Alte ist in sich dialektisch und geht somit ins Neue über.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(7.3) Avantgarde?, 12.11.2006, 23:12, Benni Bärmann: Ihr habt aber die extreme Selbstdisziplin? Das klingt für mich schwer nach Avantgarde-Arroganz (Wir denken vor und ihr nach). Ich nehme mal nicht an, dass ihr es so meint. Wenn doch, wäre es sicherlich fruchtbarer, die eigene Praxis zu reflektieren, das gerade weil ihr ja zu Recht so die Bedeutung der Praxis für das Denken betont.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(7.3.1) Re: Avantgarde?, 13.11.2006, 17:49, Stefan Meretz: Nein, die &#8220;extreme Selbstdisziplin&#8221; war eine Abgrenzung gegen diejenigen, die meinen, das eben nur im Medium der Gedanken (des Bewusstseins) vollziehen zu können. Das ist gerade nicht unser Ansatz. &#8211; Hm, anscheinend kommt der Satz so nicht rüber&#8230;</p>
<h3>Freie Gesellschaft als mentales Modell</h3>
<p>(8) Dieser Begrenzung unseres Vorhabens sind wir uns bewusst. Wir können und wollen niemanden überzeugen. Wir können nur die objektiv vorhandenen Denkmöglichkeiten in ihrem vollen Potenzial ausreizen, weil dies sowohl möglich wie auch nötig ist. Wir wollen ein neues mentales Modell erarbeiten, die man kurz als »Denkform einer freien Gesellschaft« bezeichnen kann. Dieses mentale Modell soll in sich schlüssig sein und umfassend eine Alternative zur bürgerlichen Gesellschaft bieten. Es kann dann &#8211; und vermutlich wie dargestellt in aller Regel nur dann &#8211; eine Wirkung entfalten, wenn in der gesellschaftlichen Praxis ansatzweise (»keimförmig«) Formen entstehen, die mit dem neuen mentalen Modell besser begriffen und »nach vorne« getrieben werden können. Von solchen Praxen erwarten wir uns andererseits Rückwirkungen auf den Ausbau und die Korrektur des mentalen Modells, das das objektiv Denkmögliche nur ausreizen, aber nicht überschreiten kann.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(8.1) Re: Freie Gesellschaft als mentales Modell, 12.11.2006, 23:16, Benni Bärmann: Das ist meinem Verständnis nach genau das, was das Freie-Gesellschafts-Wiki versucht: http://www.freie-gesellschaft.de/wiki/Hauptseite Bisher hatte ich zumindestens Stefan so verstanden, dass er das eher als Versuch einer &#8220;schlechten Utopie&#8221; ansieht. Das kann aber auch ein Mißverständnis gewesen sein.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(8.2) 28.12.2006, 19:04, Hans-Gert Gräbe: Wobei, siehe (5.3), das für mich nicht gleichbedeutend mit dem Ende marktwirtschaftlicher Mechanismen ist, sondern nur mit gewissen Formen dieser Mechanismen; ich also die zu entwickelnde Denkform eher als Fortschreibung denn Alternative zur &#8220;bürgerlichen Gesellschaft&#8221; verstehe. Was aber &#8211; Annette hat das neulich mit der Charakterisierung des &#8220;Überhistorischen&#8221; als Historisches auf einer anderen Zeitskala noch einmal schön auf den Punkt gebracht &#8211; sicher eine Frage des Betrachtungsstandpunkts ist, denn dieselbe Veränderung ist Transzendenz eines eng gezogenen Gesellschaftsbegriffs und zugleich Transformation eines weiter gezogenen.<br />
Um den adäquaten Betrachtungsstandpunkt herauszufinden, wäre aber genauer zu klären, wie Denkformen und Praxisformen miteinander zusammenhängen. Meine These &#8220;Kapitalismus als pubertäre Form einer Freien Gesellschaft&#8221; bezieht dazu einen &#8220;überhistorischen&#8221; Betrachterstandpunkt im Sinne der WAK-Debatte &#8220;historisch/überhistorisch&#8221; (ich habe im Oekonux-Wiki ein paar mir wichtige Schnipsel zusammengetragen, dort (7.1))<br />
Grund: Ich verstehe die Koevolution von Denk- und Praxisformen als &#8211; so lese ich Marx &#8211; selbstverständlich weitgehend durch den jeweiligen &#8220;Stand der Beherrschung der Macht der Agentien&#8221; durch die &#8220;vereinten Individuen&#8221; bestimmt. Wobei den kooperativen Praxisformen auch kooperative Denkformen beitreten, wenn nicht mehr das einzelne Individuum, sondern &#8220;die Kombination der gesellschaftlichen Tätigkeit als der Produzent erscheint&#8221; und &#8220;fast jede Arbeit eines einzelnen Individuums ist ein Teil of a whole, having no value or utility itself. There is nothing on which the labourer can seize: this is my produce, this I will keep myself.&#8221; (MEW 42, S. 597) Es geht also um Denk- und Praxisformen dieses &#8220;whole&#8221;, kurz, um den Metabolismus eines mehrzelligen Organismus, um mal wieder eines meiner gescholtenen assoziativen Bilder anzubringen. Dass dieses &#8220;whole&#8221; produktionslogisch bereits im Industriezeitalter, also über 100 Jahre in ausgeprägter Form vorhanden ist, zeigt nur, dass marktwirtschaftliche Mechanismen für diesen &#8220;Metabolismus&#8221; irgendwas zu bieten haben, das im Zuge einer generellen Wertkritik nicht mit ausgeschüttet werden sollte.</p>
<p>(9) Das folgende Bild veranschaulicht unser Vorhaben. Innerhalb des Kapitalismus (oberes Rechteck: Gesellschaftsform A) gibt es einen Raum des Denkmöglichen. Das sind die gesellschaftlichen Denkformen. Bezüglich der unterschiedlichen Gegenstände existieren jeweils verschiedene mentale Modelle. In der Regel überschreiten diese mentalen Modelle nicht die Grenze des Kapitalismus, sie bleiben vollständig immanent. Dennoch gehört zu den gesellschaftlichen Denkformen auch die Möglichkeit, ein Stück weit über die Grenzen in Richtung auf eine Freie Gesellschaft (unteres Rechteck: Gesellschaftsform B) hinaus zu denken. Dies ist in dem Maße möglich, wie sich im Kapitalismus »Keimformen« eines Neuen bilden, die zwar einerseits noch voll in den Kapitalismus integriert sind, andererseits wesensmäßig über diesen hinausweisen. Das Hinausweisende kann ansatzweise auch gedacht werden.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(9.1) verschiedene MM?, 12.11.2006, 23:19, Benni Bärmann: Hm. verschiedene Gegenstände =&gt; verschiedene MM, also auch verschiedene Keimformen? Das klang bisher zumindestens von Stefan auch anders (Keimform nur in der Einzahl). Ist das Absicht oder ein Missverständnis?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(9.1.1) Re: verschiedene MM?, 13.11.2006, 18:11, Stefan Meretz: Der &#8220;Gegenstand&#8221; hat hier noch keinen Namen &#8211; ein Vorteil von Zeichnungen:-) Ich beschreibe ihn in der Regel so: Art und Weise der gesellschaftlichen Re-/Produktion. Das ist ein Denk-Gegenstand mit sehr vielen Fassetten und Aspekten. Daneben gibt es andere Gegenstände, meinetwegen &#8220;Bewegung&#8221;, die damit nicht viel zu tun haben, wo also sowas wie Keimform keine Rolle spielt, weil wir das nicht betrachten. Also, ich würde immer noch sagen: Ein Gegenstand &#8211; eine Keimform.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(9.1.1.1) Re: verschiedene MM?, 15.11.2006, 10:19, Benni Bärmann: Hm&#8230; ist es nicht so: Entweder umfasst dieser Gegenstand &#8220;Art und Weise der gesellschaftlichen Re-/Produktion&#8221; den ganzen Laden bzw. ist für ihn bestimmend, dann kann man sich das mit den Mentalen Modellen einfach sparen und gleich von Denkformen sprechen. Oder aber es gibt noch andere Gegenstände neben diesem, die bestimmend sind für die Gesellschaftsform und den Übergang, dann muß es auch mehrere MMs als Keimform-Denken und somit auch mehrere Keimformen geben.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(9.1.1.1.1) Re: verschiedene MM?, 20.11.2006, 23:11, Stefan Meretz: Wenn dem (deine zweite Aussage) so ist &#8211; was ich als Denkmöglichkeit durchaus im Raum sehe -, dann muss nur klar sein, das die Rede vom &#8220;Bestimmenden&#8221; nicht angemessen ist: Es kann nicht mehrere &#8220;Bestimmende&#8221; geben, denn das Bestimmende sagt gerade aus, dass die anderen Aspekte nicht bestimmend sind (etwa für den Übergang). Ähnlich wie bei &#8220;maximal&#8221; gibt es auch keine Steigerungsform von &#8220;bestimmend&#8221;.</p>
<p style="padding-left: 150px;">(9.1.1.1.1.1) Re: verschiedene MM?, 06.12.2006, 15:51, Benni Bärmann: Sicher? Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberdeterminiert</p>
<p style="padding-left: 180px;">(9.1.1.1.1.1.1) Re: verschiedene MM?, 08.12.2006, 21:41, Stefan Meretz: Nein. Wobei der Wikipedia-Eintrag zur Überdetermination nicht viel hergibt&#8230;</p>
<p style="padding-left: 30px;">(9.2) Frage zum Bild, 12.11.2006, 23:20, Benni Bärmann: Ich lieber grafische Theorie <img src='http://wadk.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  Aber: Nach dem Bild gibt es Bereiche einer Gesellschaftsform, die nicht gedacht werden können (in den Ecken). Ist das nur ein Zeichenfehler? Wenn nein, was wäre das z.B.?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(9.2.1) Re: Frage zum Bild, 13.11.2006, 18:52, Stefan Meretz: Aha, es ist aufgefallen! Nein, es ist schon so: Es gibt Bereiche der bürgerlichen Gesellschaft, die nicht gedacht werden können. Was das ist, kann ich dir nicht sagen, denn auch ich kann es ja nicht denken;-) Aber mal in die Tüte gesprochen und Bezug nehmend auf unsere Diskussionen in Gehren (unserem ersten Treffen) hat es etwas zu tun mit der Subjekt-Objekt-Spaltung, die als als zugrundeliegendes Fundament all unser Denken strukturiert. Etwas, dass genuin nicht dieser Spaltung unterliegt, kann nicht gedacht werden. &#8211; In der &#8220;unteren Gesellschaft&#8221; gibt&#8217;s das übrigens nicht mehr &#8211; um die Andeutungen mal noch weiter auszureizen:-)</p>
<p style="padding-left: 90px;">(9.2.1.1) Subjekt-Objekt-Spaltung, 19.11.2006, 16:24, Matthias Schulz: Das die Subjekt-Objekt-Spaltung unser Denken und auch die gesellschaftlichen Verhältnisse bis ins kleinste Detail strukturiert, denke ich auch. Aber das heißt ja nicht, das Subjekt und Objekt tatsächlich getrennt wären. Das geht auch gar nicht. Vielmehr muss ich die historisch besondere Form der Einheit von Subjekt und Objekt in der bürgerlichen Gesellschaft begreifen.<br />
Und da Subjekt und Objekt gar nicht gespalten sind, kann ich deren Trennung auch im Denken überwinden. Das überhaupt ist begreifendes Denken.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(9.2.1.1.1) Re: Subjekt-Objekt-Spaltung, 20.11.2006, 22:40, Stefan Meretz: Das Problem ist nur, dass die Subjekt-Objekt-Spaltung Grundlage genau des wissenschaftlichen (und damit begreifenden) Denkens ist. Wir können nicht unsere eigene Denkgrundlage im Denken überwinden. Auch das Begreifen kann sich nur auf der vorhandenen Grundlage bewegen &#8211; und diese Grundlage im Prozess der praktischen Veränderung ausbauen (s.o.). Das meint dann das oft zitierte &#8220;Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit oder Selbstveränderung&#8221; (Marx, Feuerbachthesen).</p>
<p style="padding-left: 150px;">(9.2.1.1.1.1) Re: Subjekt-Objekt-Spaltung, 22.11.2006, 17:30, Matthias Schulz: Die Spaltung ist ja die besondere Beziehung von Subjekt und Objekt aufeinander. Das heißt, das Subjekt ist durch das Objekt bestimmt und umgekehrt. Damit habe ich bereits deren Identität gesetzt.<br />
Das Denken ist also durch die besondere Form des Verhältnisses von Subjekt und Objekt zueinander bestimmt. Das Überschreiten dieser Form ist eben dieser immanent. Daher kann ich sie auch im Denken überschreiten.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(9.3) 28.12.2006, 19:11, Hans-Gert Gräbe: Die allererste Frage an diesem Bild ist natürlich, ob Gesellschaftsformen so disjunkt wie hier gezeichnet sind, ob &#8220;Keimform-Denken&#8221; nicht Keimform-Praxen voraussetzt und ob zwischen Denkform (bei dir im Bild eine, aber im Plural bezeichnet?) und MM wirklich eine 1-1-Beziehung besteht. Nach deiner Definition (3) ist m.E. wenigstens die letzte Frage deutlich mit Nein zu beantworten.</p>
<p>(10) Der betrachtete Gegenstand in seiner vollen Entfaltung in der Freien Gesellschaft hingegen kann nicht gedacht werden. Allerdings, und das ist unsere zentrale These, existiert sozusagen eine »Projektion« auf die Grenze des heute durch überschießende Praxen Denkbare. Diese Projektion ist eine Konstruktion, eine Hypothese, eine aktive Bildung einer Utopie. Diese Utopie ist nicht in der Lage, die entfaltete Form im einzelnen zu beschreiben (das wäre eine »schlechte Utopie«), sondern kann nur Umrisse eines fernen Bildes liefern, dessen schwache Konturen Ankerpunkte in der heutigen (»Keimform«-) Praxis haben. Umso stärker sich diese Praxis entfalten und unter den widrigen Bedingungen der wesensmäßig unwirtlichen Umgebung des Kapitalismus behaupten kann, desto deutlicher verschiebt sich auch der Raum des Denkbaren hinein in die Freie Gesellschaft und desto deutlichen kann auch das Bild der »Projektion« werden.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(10.1) 01.11.2006, 22:45, Stefan Merten: Schönes Bild!</p>
<p style="padding-left: 30px;">(10.2) 11.11.2006, 16:58, Matthias Schulz: Ich kann also das Neue nur aus dem schon vorhandenen Neuen erkennen?<br />
Richtig ist, das auf deutende Weise tatsächlich nicht mehr möglich ist und das mentale Modell kann ich nur als deutendes Denken verstehen.<br />
Ist das so gemeint, das du versuchst herauszufinden, wie man denn trotzdem Vorstellungen vom Neuen bekommen kann, oder soll selbst mit begreifendem Denken nicht mehr möglich sein?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(10.2.1) 13.11.2006, 19:05, Stefan Meretz: Ja, ich kann Neues nur aus vorhandenem Neuen erkennen, denn wie du vorher (7.2) richtig schreibst, ist Neues immer Teil vom Alten. Siehe auch meine Antwort (7.2.1) dort. &#8211; Eine Unterscheidung von &#8220;Deuten vs. Begreifen&#8221; ist aus meiner Sicht an dieser Stelle nicht angemessen, um etwa eine Differenz von &#8220;gesellschaftlicher Denkform&#8221; und &#8220;Denkmöglichem&#8221; zu begründen, wie du es in 4.3 beschreibst. Mal als These: Die Aufspaltung von Deuten und Begreifen ist selbst ein Produkt der bürgerlichen Gesellschaft und wird mit dieser aufgehoben.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(10.2.1.1) 19.11.2006, 16:40, Matthias Schulz: Die Frage die ich stellen wollte war, ob ich das Neue schon erkennen kann, wenn es nur erst der Potenz nach vorhanden ist oder ob es dafür schon realisiert, also als Prinzip einer qualitativ anderen Praxis zugrundeliegen muss.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(10.2.1.1.1) Prinzip und Potenz, 20.11.2006, 22:44, Stefan Meretz: Es muss das neue Prinzip (oder kurz: das Neue) der Potenz nach vorhanden sein. Das ist jene &#8220;Keimform&#8221;, um die es hier geht.</p>
<p style="padding-left: 150px;">(10.2.1.1.1.1) Re: Prinzip und Potenz, 22.11.2006, 18:53, Matthias Schulz: Das Neue ist aber imho der Potenz nach immer schon vorhanden. Und die Keimform ist für mich die Form, in der das Neue schon realisiert ist.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(10.2.1.2) Neues neben Altem?, 19.11.2006, 16:51, Matthias Schulz: Um es mal zu verdeutlichen: Als Praxis meine ich immer nur Gesellschaft konstituierende Praxis. In dieser Gesellschaft kann die Vermittlung und Konstitution nur über die Ware laufen. Sie ist eine Totalität. Könnte ich es auch anders, wäre ja alles in Ordnung und ich bräuchte die Verhältnisse gar nicht zu ändern.<br />
Eine qualitativ andere Praxis neben der alten kann es demnach gar nicht geben. So einfach sollte man es sich nicht machen. Vielmehr schließen Altes und Neues einander aus, sind antagonistisch.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(10.3) 11.11.2006, 17:12, Matthias Schulz: Tatsächlich ist doch der Kapitalismus eine menschliche Gesellschaft und indem ich ihn mir begreifend aufschließe, erhalte ich doch schon eine vollständige Utopie einer menschlichen Gesellschaft. Inwiefern Keimformen dazu notwendig sind ist fraglich, hilfreich sind sie alle mal.<br />
Das Hervorbringen dessen was tatsächlich, wahrhaft ist und das Setzen des Neuen fallen so auch zusammen. Nämlich das die Gesellschaft eine menschliche ist und ich ein gesellschaftlicher Mensch bin und das die Gesellschaft so eine menschliche und ich ein gesellschaftlicher Mensch sein soll.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(10.3.1) 13.11.2006, 21:37, Stefan Meretz: Wenn ich dich richtig verstehe, verwendest du hier &#8220;menschlich&#8221; in zwei verschiedenen Bedeutungen: Einmal, beim Kapitalismus im Sinne von &#8220;von Menschen gemacht&#8221;, und zum anderen bei der Utopie im Sinne von &#8220;die wahrhaft menschliche Gesellschaft&#8221;. In diesem Sinne enthält der Kapitalismus als &#8220;menschengemachte&#8221; (aber gegen die Menschen verselbstständigte, entfremdende) Gesellschaft die Potenz der &#8220;wahrhaft menschlichen&#8221; Gesellschaft &#8211; und zwar als Idee, die nur noch zu sich kommen muss (wie bei Hegel) bzw. hervorgebracht werden muss (wie du es schreibst). Ok, wenn das die These ist, dann musst du sie zeigen. Dann bring&#8217; sie hervor. Ich könnte das nicht, und zwar &#8211; wie in diesem Aufsatz dargestellt &#8211; weil unsere Denkmöglichkeiten auf die gesellschaftlichen Denkformen begrenzt ist, die das &#8220;utopische Denken&#8221; mit einschließt. It&#8217;s your turn!</p>
<p style="padding-left: 90px;">(10.3.1.1) 19.11.2006, 17:19, Matthias Schulz: Ich denke man muss unterscheiden zwischen dem historisch besonderem Prinzip, dem Paradigma das einer Epoche zugrundeliegt, und dem was sie tatsächlich ist. Beides ist nicht identisch. Es ist also das, was wirklich ist als Prinzip zu setzen, was dann eine neue Epoche ausmacht.<br />
Im Kommunismus wird dann imho das historisch besondere und das allgemein menschliche zusammenfallen.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(10.3.1.1.1) 20.11.2006, 22:53, Stefan Meretz: Ich glaube, den ganzen Absatz verstehe ich eher nicht als dass ich eine angemessene Ahnung habe. Du müsstest ihn ausführlicher erläutern &#8211; mach doch ein Projekt;-) Im Absatz stecken sehr viele Begriffe, die ohne weitere Darstellung unbestimmt sind: Prinzip, Paradigma, Epoche, historisch Besonderes, wirkliches Sein, allgemein Menschliches etc.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(10.3.1.2) 19.11.2006, 17:31, Matthias Schulz: Möchtest du es denn akzeptieren auf die gesellschaftliche Denkform begrenzt zu sein, oder macht es dich neugierig, wenn ich meine sie ist zu überschreiten und das Neue sogar als umfassende Utopie zu setzen?<br />
Imho machst du das eigentlich sowieso, von daher verstehe ich auch nicht, wieso du meinst es ginge nicht.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(10.3.1.2.1) Neugier und Erkenntnis, 20.11.2006, 23:03, Stefan Meretz: Ich bin immer neugierig (versuchsweise jedenfalls), aber versuche mich auch der Grundlagen meiner Neugier und meiner Erkenntnismöglichkeiten zu versichern. Und ich bin da nicht so gewiss ob meiner (unserer) Überschreitung. Wahrscheinlich gibt es in unserem Disput keine argumentative Lösung außer der wirklichen Durchführung des jeweiligen &#8220;Programms&#8221;.</p>
<p style="padding-left: 120px;">(10.3.1.2.2) Umfassende Utopie, 20.11.2006, 23:07, Stefan Meretz: Welche Kriterien müsste eine &#8220;umfassende Utopie&#8221; erfüllen, um sicher zu stellen, dass sie Utopie eines Neuen ist und keine bloß &#8220;schlechte&#8221; Verbrämung des Alten? Was macht ihren &#8220;umfassenden&#8221; Charakter aus? Ist eine &#8220;umfassende Utopie&#8221; eine &#8220;konkrete Utopie&#8221;? Viele Fragen&#8230;.</p>
<p>(11) Die überschießende und überschreitende Praxis ist also sowohl Kriterium für die Interpretation des schwammigen Projektionsbildes einer Freien Gesellschaft wie auch Denkvoraussetzung eben des potenziell denkbar gemachten. Umgekehrt bedeutet das: Vom immanenten, auschließlichen Standpunkt der alten Gesellschaft ist das Neue schlicht nicht denkbar. Das Alte muss denkend partiell verlassen werden, um Neues denken zu können. In der Dialektik des »noch im« und »nicht mehr im« Alten bewegen wir uns.</p>
<p>(12) Der Übergang im mentalen Modell vermittelt durch den praktischen Übergang, also den Prozess der Konstitution qualitativ neuer Vergesellschaftsverhältnisse, ist schmal. In beide Richtungen ist das Denken des jeweils qualitativ anderen schwer. Viele kennen den Effekt, dass es eine Zeit gibt, in der argumentativ sich nahezu nichts bewegen lässt, während kurz nach dem praktischen Vollzug eben jener argumentierten Veränderung es dann auf einmal »alle gewusst haben«. Ein Beispiel ist die Wende in der DDR. Ein anderes, noch deutlicheres Beispiel ist der von Eske Bockelmann beschriebene Umschlag in der Taktwahrnehmung mit der Verallgemeinerung der Geldbeziehungen im Handel in Europa im 15. Jahrhundert: Heute kann sich niemand mehr die »vormoderne« Art und Weise der »materialen« Taktwahrnehmung erinnern, während die »abstrakte« Taktwahrnehmung gleichsam zur menschliche Natur erklärt wird.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(12.1) Taktwahrnehmung, 12.11.2006, 23:22, Benni Bärmann: War das nicht im 17. Jahrhundert? Ein bekannter Musikethnologe sprach jedenfalls von der Barockmusik als erster getakteter und von Uli hab ich bezüglich Bockelmann auch immer nur &#8220;1620&#8243; gelesen. EB selbst hab ich mir allerdings noch nicht in voller Dosis angetan.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(12.1.1) Re: Taktwahrnehmung, 13.11.2006, 21:40, Stefan Meretz: Jepp, stimmt Sechzehnhundertknipps ist 17. Jahrhundert.</p>
<p>(13) Diese Beispiele zeigen, dass das von uns vorgeschlagene Bild der Projektion auf die Membran der »Denkgrenze« des jeweiligen mentalen Modells nicht nur »nach vorne«, sondern auch »nach hinten« gilt. Das ist unter anderem der Grund dafür, dass es dem Kapitalismus so leicht gelingt, sich selbst zur Quasi-Natur zu erheben und seine Gründungsverbrechen aus dem allgemeinen Bewusstsein auszuklammern (etwa die Tatsache der feudalen Kriegsmaschinerien oder der Arbeitsfolterhäuser als initiale Einrichtungen). Für die Menschen der freien Gesellschaft wird sich der Kapitalismus mithin komplett »verrückt« und schier »unverständlich« darstellen wie etwa uns heute die »Fetischpraxen« der Menschen in der Vormoderne &#8211; wobei moderner Warenfetischismus und vormoderner Fetischismus durchaus verwandt sind.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(13.1) 01.11.2006, 22:49, Stefan Merten: Völlig d&#8217;accord! Letztlich ein Ausdruck eines historischen Verständnisses von Denkformen. Jetzt noch die gleich geartete Ausdehnung auf verschiedene Kulturen und wir sind komplett <img src='http://wadk.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  .</p>
<p style="padding-left: 30px;">(13.2) OT: Gründungsverbrechen, 12.11.2006, 23:24, Benni Bärmann: Ist vielleicht Off Topic, aber &#8220;Gründungsverbrechen&#8221; finde ich inzwischen eigentlich falsch. Im Grunde handelt es sich doch um Verbrechen des (in die Krise geratenen) Feudalismus. Diese haben dann den Kapitalismus, möglich und vielleicht auch nötig gemacht.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(13.2.1) Re: OT: Gründungsverbrechen, 13.11.2006, 10:43, Bernd Hercksen: Ich denke, es ist schon der Kapitalismus, wobei die monarchistischen Nationalstaaten der frühen Neuzeit die Hülle waren, unter der sich die neuen Verkehrsformen verbargen. Es war ja eigentlich das alte kapitalistische Geld, das schon Ende des 15. Jahrhunderts die zinsfreie Brakteatenwährung ablöste. Hintergrund war die vormoderne geistige Bewegung der Renaissance und des Humanismus, die zu einer Wiederbelebung und Verstärkung des römischen Rechts und der &#8220;römischen&#8221;, also proto-kapitalistischen Währung führte. Wie Robert Kurz in seinem wichtigen Aufsatz &#8220;Der Knall der Moderne&#8221; ausgeführt hat, erhöhte die moderne Kriegstechnik von Kanonen und Musketen (ab 15. Jahrhundert) um den Geldbedarf der Landesfürsten und monarchischen Nationalstaaten um ein Vielfaches. Um diesen zu decken, wurden nicht bloß die Abgaben der Bauern auf Geldleistungen umgestellt und die Bauern bis zur äußersten Grenze ausgebeutet. Zusätzlich errichteten die Fürsten Manufakturen und das Verlagssystem außerhalb der Städte, um an Geld zu kommen. Steigende Zinsen, sinkender Absatz, die Zerrüttung des Geldsystems bis Mitte des 18. Jahrhunderts sowie die Konkurrenz des Verlags- und Manufaktursystems zerstörten die städtische Wirtschaft und führten zu einer Freisetzung von Arbeitskräften, die vorübergehend als Söldner dienten, oft aber arbeitslos und zu Banditen und Bettlern wurden. Die Ursache des Kapitalismus ist also nicht der klassische (früh)mittelalterliche Feudalismus, der ja vom Lehnswesen, der Unverkäuflichkeit von Grund und Boden und von Naturalabgaben lebte, sondern ein neuzeitlich-frühmodern degeneriertes System von fürstlicher Landesherrschaft, das die kapitalistischen Tendenzen der Neuzeit noch beschleunigte, oft sogar erst durchsetzte.</p>
<p style="padding-left: 90px;">(13.2.1.1) Re: OT: Gründungsverbrechen, 13.11.2006, 13:08, Benni Bärmann: ja, ich kenne diese Geschichte. Der Absolutismus ist aber was anderes als der Kapitalismus.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(13.3) Fazit, 12.11.2006, 23:26, Benni Bärmann: Danke für die Anregende Lektüre. Es ist ein sehr dichter Text. Ich hab ihn zweimal lesen müssen &#8211; das liegt wohl aber auch in der Natur eines &#8220;Forschungsprojektes&#8221; &#8211; und so ganz hab ich noch nicht verstanden worauf ihr hinaus wollt. Immerhin konnte ich jetzt aber mal ein paar Fragen formulieren und hoffe mit euren Antworten mehr verstehen zu können.</p>
<p style="padding-left: 60px;">(13.3.1) Re: Fazit, 15.11.2006, 11:50, Benni Bärmann: Ich hab mal versucht erste rudimentäre Überlegungen zur Beziehung eurer &#8220;mentalen Modelle&#8221; zu meinem &#8220;Bedeutungswirbel&#8221; anzustellen um so vielleicht die beiden Begriffe aneinander zu schärfen: http://www.aymargeddon.de/laboratorium/index.php/Bedeutungswirbel#Wirbel_und_mentale_Modelle</p>
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		<title>André Gorz &#8212; auf dem Weg in den Wissenskommunismus?</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Apr 2005 12:55:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Freies Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunismus]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[» Veranstaltung]]></category>
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		<category><![CDATA[wissen]]></category>

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		<description><![CDATA[Freitag/Sonnabend 8./9. April 2005, Helle Panke. Vorgestellt und diskutiert wird Gorz&#8217; neues Buch »Wissen, Wert und Kapital. Zur Kritik der Wissensökonomie«, Rotpunktverlag 2004. Inhaltliche Vorbereitung: Stefan Meretz, Uli Weiß, Matthias Schulz, Mathias Spiller Freitag, 19.00 Uhr, Vortrag und Diskussion Stefan Meretz stellt den Inhaltes des Buches vor. Meretz korrespondiert seit längerem mit Gorz. Er ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Freitag/Sonnabend 8./9. April 2005, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a>.</p>
<p>Vorgestellt und diskutiert wird Gorz&#8217; neues Buch »Wissen, Wert und Kapital. Zur Kritik der Wissensökonomie«, Rotpunktverlag 2004.</p>
<p><span id="more-198"></span>Inhaltliche Vorbereitung: Stefan Meretz, Uli Weiß, Matthias Schulz, Mathias Spiller</p>
<p><strong>Freitag, 19.00 Uhr, Vortrag und Diskussion</strong></p>
<p>Stefan Meretz stellt den Inhaltes des Buches vor. Meretz korrespondiert seit längerem mit Gorz. Er ist Autor verschiedener Publikationen zur Freien Software. Besonders beschäftigt ihn Frage, inwiefern die Praxisformen freier Softwareproduktion, Keimformen einer mögliche Vergesellschaftung jenseits des Kapitalismus sein können.</p>
<p><strong>Sonnabend, 10.00 bis 16.00 Uhr. Seminar zum Thema</strong></p>
<p>Einführender Beitrag von Ulrich Weiß:</p>
<ol>
<li>Von welchen Kommunismusvorstellungen geht Gorz in seinem Buch aus?</li>
<li>Bezüge von Gorz auf Marx&#8217; Annahmen zu den ökonomischen Voraussetzungen für eine mögliche Aufhebung des Kapitalismus</li>
<li>Erkenntnisfortschritte von Gorz im Vergleich zu traditionellen Marx-Rezeptionen</li>
</ol>
<p>Thesen von Stefan Merten: <a href="http://www.opentheory.org/uebergorzhinaus/text.phtml">Gorz und darüber hinaus &#8211; Altes im Neuen?</a></p>
<p>In der Analyse des ausgehenden Kapitalismus, der schon einige Hinweise auf eine künftige Informationsgesellschaft gibt, richtet Gorz seinen Blick vor allem auf die vorgefundene Gesamtform. Ich würde gerne versuchen, die kapitalistische Formbestimmung von der Formbestimmung durch die Sache zu trennen, um so besser verstehen zu können, welche heute vorfindlichen Aspekte gesellschaftlicher Phänomene in einer Informationsgesellschaft nicht abgeschafft, sondern aufgehoben sein dürften.</p>
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		<title>Duchrow-Thesen</title>
		<link>http://wadk.de/2003/duchrow-thesen/</link>
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		<pubDate>Tue, 25 Feb 2003 13:34:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik / Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[christentum]]></category>
		<category><![CDATA[herrschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[vergesellschaftung]]></category>
		<category><![CDATA[widerstand]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Uli Weiß Ulrich Duchrow wirft in seinem Buch &#8220;Alternativen zur kapitalistischen Weltwirtschaft. Biblische Erinnerung und politische Ansätze zur Überwindung einer lebensbedrohenden Ökonomie&#8221; (Matthias-Grünewald-Verlag 1997) Fragen auf, die unsere Suche nach Formen von Vergesellschaftung jenseits des Kapitalismus befördern könnten. Es geht im größten Teil des Buches um die materiellen und geistigen Voraussetzungen und Konsequenzen der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Uli Weiß</em></p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Duchrow">Ulrich Duchrow</a> wirft in seinem Buch &#8220;Alternativen zur kapitalistischen Weltwirtschaft. Biblische Erinnerung und politische Ansätze zur Überwindung einer lebensbedrohenden Ökonomie&#8221; (Matthias-Grünewald-Verlag 1997) Fragen auf, die unsere Suche nach Formen von Vergesellschaftung jenseits des Kapitalismus befördern könnten. Es geht im größten Teil des Buches um die materiellen und geistigen Voraussetzungen und Konsequenzen der Selbstbehauptung des kleinen jüdischen Volkes über 1000 Jahre bis etwa zu Jesus Zeiten.</p>
<p><span id="more-211"></span>Bedrängt von den damaligen Großmächten (Ägypten, Babylon, Rom) konnte sich dieses Volk nur unter folgenden Bedingungen behaupten:</p>
<ol>
<li>Vermeiden jeglichen Entscheidungskampfes mit diesen Mächten (die Niederlage wäre gewiss gewesen.)</li>
<li>Verhindern, dass sich immer wieder im Inneren solche Herrschaftsstrukturen herausbilden, die dazu neigen sich zu dauerhaften Vasallen der Großmächte zu installieren. Das wurde unter anderem durch periodische Revolten gegen die eigenen innerjüdischen Herrschaftsstrukturen gesichert.</li>
<li>Es wurden immer wieder Regeln des Zusammenlebens (einer spezifischen Vergesellschaftung) erzwungen, die die innere Differenzierung des Volkes in Grenzen hielten: Unter anderem alle sieben bzw. 49 Jahre Egalisierungen des Eigentums (Freisetzung/Entschuldung der in Schuldsklaverei geratenen Menschen, weitgehende Nivellierung des Eigentums)</li>
<li>Herausbildung eines spezifischen Gottesbegriffes.</li>
</ol>
<p>Duchrow setzt in einer wunderbaren, geradezu historisch-materialistischen Weise die dementsprechende Herausbildung des jüdischen Gottesbegriffes und die materiellen äußeren und inneren Existenzbedingungen und damaligen sozialen Kämpfe zueinander in Beziehung. Diese Denkweise, die er dabei praktiziert, ist für uns für die Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus höchst hilfreich.</p>
<p>Wir wissen, dass dieses von Revolten getragene Ringen um die Bewahrung einer gewissen Selbstverwaltung, der Abwehr von Herrschaftsstrukturen und des damit verbundenen geistigen Ringens um Gemeinschaftsideologien letztlich verloren wurden, vielleicht richtiger gesagt, die Fähigkeit zur Konstituierung (relativ) freier Gesellschaft wurde verloren: Das römische Recht siegte. Die christliche Ideologie wurde zur Staatsreligion umgewandelt.</p>
<p>Mir geht es auch gar nicht darum, etwa ein ursprüngliches Christentum wieder zu mobilisieren. Aber es ist hochinteressant, gegen welche Prozesse über Jahrhunderte durchaus erfolgreich (wenn auch letztlich vergeblich) angekämpft wurde. In gewissem Sinne sind diese Kämpfe heute wieder aufzugreifen und dies angesichts der Errungenschaften der bürgerlichen Epoche mit der Aussicht auf Erfolg:</p>
<ol>
<li>Gegen die Herausbildung eines Staates des römischen Typus – heute Inbegriffe von Staat überhaupt – im Inneren bzw. gegen die vollständige Unterwerfung/Assimilation unter/in einen solchen äußeren.</li>
<li>Gegen eine wertförmige Vergesellschaftung. Insbesondere durch die Tributpflichtigkeit (Tribut wurde durch innerjüdische Herrscher eingetrieben und an die Großmächte weitergegeben) waren die jüdischen Stämme gezwungen, in bemerkenswertem Maße nicht nur unmittelbar für die eigenen Bedürfnisse zu produzieren, sondern für einen sich ausbreitenden Markt, also für fremde Zwecke. Dies zersetzte ihre Gemeinschaftsstrukturen und bedrohte ihre Existenz als selbstständiges Volk. Es wurde unter anderem eine ganz bestimmte Form von Religiosität mobilisiert, um eben diese unvermeidbar zerstörenden Wirkungen zurückzudrängen oder zu begrenzen. Letztlich ging es um die Frage: Erfolgt die Vergesellschaftung durch die gemeinschaftliche Sorge und Arbeit für die Befriedigung gemeinschaftlich bekannter und gemeinschaftlich (Familie/Stamm) zu befriedigende Lebensbedürfnisse oder konstituiert sich Gesellschaft über das Prinzip Es-muss-sich-rechnen. Letzteres wird versinnbildlicht durch den Tanz ums goldenen Kalb bzw. ganz real durch das erzwungene Niederknien vor dem vergoldeten Standbild des römischen Kaisers (=römischen Gottes).</li>
</ol>
<p>Genau um diese Problemfelder gehen heute unsere Diskussionen:</p>
<p>Duchrows Darstellung bestärkt mich in inzwischen gewonnenen Überzeugungen: Wer Wege aus dem Kapitalismus sucht, muss Formen der Aufhebung von staatlicher und wertförmiger Vergesellschaftung suchen. Es ist also – unter ganz anderen Voraussetzungen – genau dieser Kampf zu kämpfen, der damals vom jüdischen Volk geführt (und verloren ) wurde. Es gibt keinen Zugang zu einem Weg aus dem Kapitalismus, der nicht von vornherein mindestens genau diesen beiden Kriterien gerecht wird.</p>
<p>Duchrow, der mit seiner historischen Darstellung diese Auffassung befördert, widerspricht mir faktisch mit seinem praktisch-politischen Teil. Hier geschieht offenkundig das, was auch bei uns immer wieder zu Widersprüchen führt:</p>
<p>Duchrow will praktisch-politisch wirken, um wenigstens die verheerendsten Auswirkungen der kapitalistischen Produktionsweise (die er auch so benennt) zu begrenzen. (Das nennt er antikapitalistische Politik.)</p>
<p>In diesem Vorhaben ist er letztlich gezwungen, auf eine politische Regulierung genau dieser Produktionsweise zu setzen, so auf eine politisch erzwungene andere Verteilung des (weiterhin kapitalistisch) produzierten Eigentums. Wenn er auf diesem Wege zukünftig die Bewahrung von Zivilisation für möglich hält (und jeder Mensch, der über die Staatsmacht wirken will, muss es für möglich halten), dann macht es durchaus Sinn, sich auf eine andere Weise als ich sozusagen auf die Kämpfe der frühen Christen zu beziehen. Er holt daraus (genau das ist für mich nicht überzeugend) die Vorstellung, dass den barbarischen Tendenzen der Staats- und Wertförmigkeit eine geistig-moralische Grenze gesetzt werden muss und auch gesetzt werden kann. Er setzt auf Religiosität der Art der frühen Propheten (gegen die der Priester).</p>
<p>An anderer Stelle habe ich begründet, warum m.E. angesichts des erreichten Niveaus der kapitalistischen Vergesellschaftung solche Versuche seiner Zvilisierung zukünftig fehlschlagen müssen. Mit Marxschen Worten: Es geht heute nicht mehr um partielle Emanzipationen, sondern um die allgemeinmenschliche. Es geht nicht mehr darum (was Geschichte gemacht hat), die kapitalistische Gesellschaft durch Kämpfe im Rahmen ihrer Grundinstitutionen einigermaßen zu zivilisieren, sondern darum diese aufzuheben.</p>
<p>Jeder Schritt zur Bewahrung von Menschlichkeit bedeutet heute, unmittelbar dem kapitalistischen Ganzen ein neues Ganzes, also neue Formen von Vergesellschaftung entgegenzusetzen, d. h. Keimformen einer neuen Gesellschaft zu konstituieren. (Hier verweise ich wieder auf &#8220;Empire&#8221; und unsere Diskussion.) Das bedeutet: Tätigkeiten zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse, die nicht über Staat/Kapital/Wert vermittelt sind.</p>
<p>Widerstandsaktionen, die das nicht als eine Bedingung ihrer Existenz praktizieren, haben selbst im Falle des unmittelbaren Erfolges keinen antikapitalistiscen Charakter. Wenn sie etwa eine staatliche Unterstützung für bestimmte Projekte erzwingen, unterwerfen sie sich faktisch den Ursachen und Existenzbedingungen der von ihnen bekämpften Wirkungen, verschieben so die asozialen Wirkungen auf andere gesellschaftliche Bereiche.</p>
<p>Noch einmal: Diese Logik gilt nur dort, wo einer weiteren kapitalistischen Entwicklung keine zivilisatorische Potenz mehr innewohnt, wo in die Wert- und Staatsförmigkeit also auch durch keine Klassenkämpfe kein menschlicher Fortschritt mehr hineingepresst werden kann. Wer dies dagegen für möglich hält, braucht nicht nach Wegen aus dem Kapitalismus zu suchen, sondern nach Wegen zur Fortsetzung des Ringens um die Zivilisierung der bürgerlichen Gesellschaft. Wäre dies eine realistische Option, ich würde sofort mittun, denn dann ginge es gar nicht wie Duchrow titelt um Alternativen zur kapitalistischen Weltwirtschaft. Biblische Erinnerung und politische Ansätze zur Überwindung einer lebensbedrohenden Ökonomie. Dann ginge es wie bisher seitens der Arbeiterbewegung und des Real-&#8221;Sozialismus&#8221; auch weiterhin um Alternativen innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft bzw. der bürgerlichen Epoche.</p>
<p>Dann ist allerdings die Berufung auf ein frühchristliches revolutionäres Ringen gegen den Tanz ums goldene Kalb und gegen das Niederknien vorm vergoldeten Vertreter des römischen Staates auch nicht gerechtfertigt. Dann haut der Bezug auf die damalige revolutionäre Religiosität nicht hin – die Herausbildung eines Gottesbegriffes – der rational nachvollziehbar eine weitgehend auf Selbstverwaltung gründende Gemeinschaftlichkeit geistig sichert.</p>
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