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	<title>Wege aus dem Kapitalismus &#187; informationskapitalismus</title>
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		<title>Marx&#8217; Kritik der politischen &#214;konomie und die Linke heute</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 11:06:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[So lautet der Titel einer Brosch&#252;re in der Reihe »Pankower Vortr&#228;ge«, die von der »Hellen Panke« herausgegeben wird. In dem 83-seitigen Heft werden Beitr&#228;ge eines Workshops von 2008 zusammen gefasst. Leider stehen die Texte nicht online zur Verf&#252;gung, alles durch Copyright verriegelt. Das Heft kostet 3 Euro, aber wer kommt da schon ran. Um das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So lautet der Titel einer <a href="http://www.helle-panke.de/article/615.marx-kritik-der-politischen-oekonomie-und-die-linke-heute.html">Brosch&#252;re</a> in der Reihe »Pankower Vortr&#228;ge«, die von der <a href="http://wadk.de/helle-panke/">»Hellen Panke«</a> herausgegeben wird. In dem 83-seitigen Heft werden Beitr&#228;ge eines Workshops von 2008 zusammen gefasst. Leider stehen die Texte nicht online zur Verf&#252;gung, alles durch Copyright verriegelt. Das Heft kostet 3 Euro, aber wer kommt da schon ran.</p>
<p>Um das Fazit vorzugreifen: Wer den Heft-Titel ernst nimmt und erhellende neue Einsichten erwartet, wird weitgehend entt&#228;uscht. Manche &#220;berschriften der Beitr&#228;ge klingen durchaus interessant, aber sie halten dann meist nicht, was sie andeuten. Ich gehe die Artikel mal im Schnelllauf durch. Danach bespreche ich einen Artikel von Michael Brie ausf&#252;hrlicher.</p>
<p><span id="more-314"></span><strong>Frieder Otto Wolf: Marx&#8217; Kritik der politischen &#214;konomie sowie Epistemologie und Praxeologie seiner Theorie.</strong> Der philosophische unter den Beitr&#228;gen. Ein Pl&#228;doyer ausgehend vom »marxschen Durchbruch« im Bereich der &#214;konomie zu einer »wirklichen Wissenschaft auf den Feldern von Geschichte und Gesellschaft« zu gelangen. Nur nicht so wie fr&#252;her im kanonischen ML, sondern durch »konkrete Forschungen«. Gleichzeitig Warnung davor, ein philosophisches System bauen zu wollen wie Hegel es tat.</p>
<p><strong>Sabine Nuss / Anne Steckner: Zur aktuellen Renaissance der Kapital-Lekt&#252;re</strong>. Pl&#228;doyer f&#252;r »verschiedene Lesarten« bei der Kapital-Rezeption.</p>
<p><strong>Rolf Hecker: Einige Bemerkungen zu Marx&#8217; Analyse der Produktivkr&#228;fte.</strong> Pl&#228;doyer, den Begriff des »Gesamtarbeiters« an die Stelle von »Arbeiterklasse« zu setzen, aber sonst alles beim Alten zu lassen.</p>
<p><strong>Rudolf Mondelaers / Wolfgang Hahn: Formelle und reelle Subsumtion &#8211; ein vernachl&#228;ssigter Ansatz f&#252;r moderne Kapitalismusanalyse.</strong> Zitat: »Jede Produktionsweise bedarf eines Disziplinarregimes, welches die Produzenten veranlasst, sich so zu verhalten, dass dadurch die gesellschaftliche Reproduktion garantiert wird«. Das ist es wieder, das »Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen«. Sonst im Artikel der Versuch, den Begriff der »Subsumtion« auf verschiedene Verh&#228;ltnisse anzuwenden: Kredit, Lohn, Kapital, Konsumtion. Unterordnung unter die abstrakte Logik des Kapitalismus &#8212; die Idee ist nicht schlecht. Am Ende kommt aber nur raus: Grundeinkommen f&#252;r Alle &#8212; plus Stiefeltritt vom Anfang des Artikels.</p>
<p><strong>J&#252;rgen Leibiger: Stabilisierungspolitik mit Marx?</strong> Marx »f&#252;r die Entwicklung alternativer Wirtschaftsstrategien heranziehen«. Die Kritik der politischen &#214;konomie als affirmative <em>Politische &#214;konomie</em> umgedeutet.</p>
<p><strong>Michael Brie: Bildungselemente einer neuen Gesellschaft in Marx&#8217; Kapital. Blendungseffekte im Verh&#228;ltnis von Kapitalismusanalyse und kommunistischer Prognose.</strong> Der interessanteste Artikel im Heft, deswegen unten ausf&#252;hrlicher behandelt.</p>
<p><strong>Judith Dellheim: Marx&#8217; Kritik der politischen &#214;konomie als Bedingung f&#252;r linke Wirtschaftspolitik heute.</strong> Der explizite Versuch, »Wirtschaftspolitik auf der Basis marxscher politischer &#214;konomie« zu entwickeln, die am Ende zur »&#8217;Kunst&#8217; sozialistischer Wirtschaftspolitikerinnen und Wirtschaftspolitiker« erkl&#228;rt wird. Siehe Leibiger oben.</p>
<p><strong>Izumi Omura: Die Bedeutung der MEGA-Edition des Zweiten Bandes des Kapital. Engels&#8217; Redaktion und Druckfassung (B&#228;nde II/12, 13).</strong> Bericht &#252;ber den Stand der MEGA-Edition.</p>
<p><strong>Christopf Lieber: Marx&#8217; Kritik der politischen &#214;konomie &#8211; (noch) Schl&#252;ssel f&#252;r die Ideologie- und Bewusstseinstheorie der Linken heute?</strong> Versuch von der gesellschaftlichen Analyseebene etwas &#252;ber die »Grundstrukturen des &#8216;&#246;konomischen Werkelalltags&#8217; der Individuen« zu sagen. Fetischismus bei Marx wird als Bewusstseinsanalyse missverstanden. Marx habe mit dem Fetischismus »den Br&#252;ckenschlag von Alltagsreligion und Handlungsmotivation &#246;konomiekritisch eingeholt«. Die Krise der neoliberalen Ideologie sei die Chance, dass die »gesellschaftlichen Tr&#228;ger der lebendigen Arbeit die verselbst&#228;ndigten Verh&#228;ltnisse und die Resultate des Produktionsprozesses als ihre &#8216;eigenen&#8217; Produkte &#8216;erkennen&#8217;«.</p>
<p><strong>G&#252;nter Krause: Marx&#8217; Konzept der Vulg&#228;r&#246;konomie &#8211; verwendbar f&#252;r die Linke heute?</strong> Eine rhetorische Frage zur Rechtfertigung vulg&#228;r&#246;konomisch basierter sozialistischer Wirtschaftspolitik &#8212; nat&#252;rlich das alles ganz »kritisch« und so.</p>
<p><strong>Michael R. Kr&#228;tke: Kritische &#214;konomie und Kritik der politischen &#214;konomie heute.</strong> Kritik der politischen &#214;konomie hier als Wissenschaftstheorie verstanden. Die »Neue Marx-Lekt&#252;re« wird gebasht, sie leiste »weniger als nichts«, alles olle Kamellen, so der Autor. Was bleibt ist der Aufruf, den Autor bei der Kritik anderer b&#252;rgerlicher Ans&#228;tze »politischer &#214;konomie« zu unterst&#252;tzen, die heute die einzig (wissenschafts-)relevanten seien.</p>
<p>Nun noch mal zur&#252;ck zu <strong>Michael Brie</strong>. Er setzt sich drei Ziele, erstens die Veraussetzungen »kapitalismus&#252;berwindender Politik« abzuleiten, zweitens auf Marx&#8217; »drei aufeinander bezogene Vorstellungen von Sozialismus/Kommunismus« hinzuweisen, drittens die »Elemente einer pluralen nachkapitalistischen Entwicklungsweise moderner Gesellschaften« zu skizzieren. In unserem Diskussionszusammenhang ist der zweite Punkt interessant, mit dem wir uns auch k&#252;rzlich in einer <a href="http://wadk.de/2009/philosophische-spekulation-wissenschaft-konkrete-utopie/">Veranstaltung</a> besch&#228;ftigten.</p>
<p>Brie bringt &#8212; das ist selten anzutreffen &#8212; die »Herstellung des Gemeineigentums an den Produktionsmittel und die Umw&#228;lzung der technologischen Produktionsweise und Subjektivit&#228;t bis hin zum Primat freier kultureller Entwicklung« (44) miteinander in Verbindung. Brie »erscheint die Selbstverwaltung der Produzenten als notwendige Voraussetzung dieser neuen Kulturgesellschaft, die zugleich den Zyklus der Entwicklung von der naturw&#252;chsig bornierten gemeinschaftlichen Produktion &#252;ber die Produktion des abstrakten Reichtums in der kapitalistischen Warenproduktion hin zu einer freien Gesellschaftlichkeit abschlie&#223;t« (46) &#8212; und formuliert dann drei »offene Fragen«.</p>
<p><strong>Erste Frage</strong> ist die nach der Rolle »institutioneller Vermittlung«. Brie behauptet:</p>
<blockquote><p><em>Sein [Marx'] Anspruch, die kapitalistischen Formen der Vermittlung gesellschaftlicher Widerspr&#252;che revolution&#228;r zu beseitigen, ger&#228;t zur Forderung, jede Vermittlung gesellschaftlicher Widerspr&#252;che &#252;berhaupt &#252;berfl&#252;ssig zu machen. Dies ist aber nur m&#246;glich, wenn Individuelles und Gesellschaftliches unmittelbar in eins fallen. Seine Utopie kommunistischer Unmittelbarkeit verwandelt sich aber zu Ende gedacht in die Illusion eines Zustandes der Widerspruchsfreiheit und Vermittlungslosigkeit. Aus der radikalen Kritik der Gesellschaft wird die radikale Negation des Denkens von Gesellschaft.</em> (47)</p></blockquote>
<p>Ist das pure Denunziation der Marxschen Gedanken? Nein, leider ist es so, dass die kurzschl&#252;ssigen Spr&#252;nge, die Brie hier vorf&#252;hrt, nur zu oft tats&#228;chlich genau so (falsch) gedacht werden. In Spiegelstrichen:</p>
<ul>
<li>Es geht (Marx) nicht darum, gesellschaftliche Widerspr&#252;che zu beseitigen, schon gar nicht alle und auch nicht per Revolution. Sondern es geht darum, sie aufzuheben in der dreifachen Bedeutung von abschaffen, bewahren und erheben. Aufheben bedeutet aber notwendig, andere Formen der Vermittlung zu konstituieren und nicht keine.</li>
<li>Individuelles und Gesellschaftliches fallen immer in eins und tun es gleichzeitig nicht. Es handelt sich also nicht um den (Pol-Potianischen) Sonderfall, sondern es ist immer so, dass der gesellschaftliche Mensch in der menschlichen Gesellschaft lebt. Das ist die Seite der Identit&#228;t. Die Seite der Nicht-Identit&#228;t ist die schlichte Tatsache, dass der individuelle Mensch nicht in der Gesellschaft aufgeht, sondern ihr immer auch unabh&#228;ngig gegen&#252;ber steht. W&#228;re das nicht so, w&#228;ren Gesellschaft und Individuum nicht relativ unabh&#228;ngig voneinander, dann w&#228;re eine Gesellschaft mit mehr Individuen auch »mehr Gesellschaft« und umgekehrt.</li>
<li>Werden die beiden Seiten &#8212; Identit&#228;t und Nicht-Identit&#228;t &#8212; gleichzeitig gedacht, dann gewinnt die wesentliche Frage an Bedeutung, wie die Bewegungsformen dieser Momente beschaffen sind. Darauf richtete sich Marx&#8217; Interesse, zun&#228;chst analytisch auf den Kapitalismus, dann &#8212; allerdings kaum ausf&#252;hrt &#8212; prospektiv auf den <a href="http://wadk.de/2009/philosophische-spekulation-wissenschaft-konkrete-utopie/">Kommunismus</a>.</li>
<li>Die Rede von der kommunistischen Unmittelbarkeit ist mithin Quatsch, genau wie die vom Zustand der Widerspruchsfreiheit und Vermittlungslosigkeit. Das will Brie auch sagen, nur aus anderen Gr&#252;nden. Das wird sp&#228;ter klar.</li>
<li>Der Schlusssatz ist v&#246;llig richtig, und Brie f&#252;hrt hier anschaulich vor, warum es f&#252;r das Denken Emanzipation so entscheidend ist, den <em>gesellschaftlichen Menschen</em> und die <em>menschliche Gesellschaft</em> in den Begriff zu bekommen: Es ist <strong>ein</strong> Begriff mit Individuum und Gesellschaft als den beiden Momenten.</li>
</ul>
<p>F&#252;r Brie ist Kommunismus ein Widerspruch in sich und also nicht machbar:</p>
<blockquote><p><em>Der reife Kommunismus w&#228;re ein gesellschaftsloser Zustand. Er kann nicht gedacht, geschweige denn realisiert werden.</em> (48)</p></blockquote>
<p>Stattdessen solle an »moderner Gesellschaft« geschraubt werden, denn mehr ist nicht drin:</p>
<blockquote><p><em>Das von Marx als nicht radikal verworfene und in seinen Augen blo&#223;e illusorische Projekt einer nicht-kapitalistischen Ausrichtung der Vergesellschaftungsformen und Institutionen moderner Gesellschaft muss neu aufgenommen werden.</em> (48)</p></blockquote>
<p>Es ist lustig, dass hier das (Marxsche) Ziel, »nicht-kapitalistische &#8230; Vergesellschaftungsformen« zu schaffen (denn nichts anderes bedeutet Aufhebung), hier f&#252;r sein Gegenteil in Anspruch genommen wird.</p>
<p><strong>Zweite Frage</strong> ist die nach der Entwicklungsdynamik jeder (also auch kommunistischer) Gesellschaft. Brie:</p>
<blockquote><p><em>Jede &#8230; feste Bindung von Produzenten an stoffliche konkrete Produktionsmittel &#8230; w&#252;rde nur zu einer &#8230; stagnativen Produktionsweise f&#252;hren. Die unmittelbare Einheit von Produzent und Eigent&#252;mer ist auch in seiner gesellschaftlichen Form zwangsl&#228;ufig in Stillstand gem&#252;ndet.</em> (48)</p></blockquote>
<p>Damit ist der Realsozialismus gemeint. Weiter apodiktisch:</p>
<blockquote><p><em>In kapitalistischer Form wurde ein Innovationsmotor geschaffen, den keine gegenw&#228;rtige oder zuk&#252;nftige Gesellschaft bei Strafe ihrer R&#252;ckentwicklung und ihres Untergangs wieder aufgeben kann: Es sind Unternehmen, die auf Basis von Krediten Ressourcen neu kombinieren und unter den Vorgaben von Effizienz und Innovativit&#228;t im Wettbewerb zueinander stehen.</em> (48)</p></blockquote>
<p>Weiter:</p>
<blockquote><p><em>Marxens Antikapitalismus ist sozialwissenschaftlich blind f&#252;r die institutionellen Grundlagen der Dialektik von Produktivit&#228;t und Ausbeutung kapitalistischer Gesellschaftten. Er weigert sich, die M&#246;glichkeit einer zumindest analytischen Unterscheidung der Institutionen, soweit sie Produktivit&#228;t und Innovation erm&#246;glichen und soweit sie Ausbeutung, Unterdr&#252;ckung und Verelendung hervorbringen, auch nur zu denken. (vgl. dazu seine Kritik an Proudon in Marx 1974a ["Das Elend der Philosophie"], 131ff.). Die Aufhebung der kapitalistischen Ausbeutung wurde unbewusst als ersatzlose Beseitigung der Institutionen innovativer Entwicklung konzipiert, weil &#8230; Institutionen f&#252;r ihn der Ausdruck von Entfremdung und Herrschaft sind.</em> (49)</p></blockquote>
<p>Wieder spiegelstrichartig dazu:</p>
<ul>
<li>F&#252;r Brie ist »die st&#228;ndige erneute Trennung des konkreten Verh&#228;ltnisses von Produzent und Produktionsmitteln« (48) die Voraussetzung von Innovation. Die ausf&#252;hrliche Begr&#252;ndung kenne ich nicht, spontan erscheint mir die Voraussetzung als abstrakte Forderung absurd. Sie ist Ausdruck der Entfremdungslogik, in der es sich bitte keiner gem&#252;tlich machen solle, sondern permament unter dem Zwang steht, nicht nur zu arbeiten (zum Arbeitsterror siehe Rudolf Mondelaers / Wolfgang Hahn oben), sondern auch permanent »innovativ« zu sein nach dem Motto: »Wer nicht innovativ ist, soll auch nicht essen«.</li>
<li>Dass diese Form der entfremdeten »Innovativit&#228;t« dem Realsozialismus weitgehend fremd war, und dass er deswegen im Konkurrenzkampf der Subsysteme unterlag, ist &#8212; obgleich keine grunds&#228;tzliche Alternative darstellend &#8212; auch im Nachhinein zu w&#252;rdigen. Brie benennt dabei »Effizienz und Innovativit&#228;t« explizit als »Vorgaben«, ist sich also klar dar&#252;ber, dass dieser abstrakte Effizienzmechanismus inhaltsleer ist und ggf. auch »effizient« &#252;ber Leichen geht.</li>
<li>Das pl&#246;tzlich auftauchende Wort der »Institutionen« verschleiert den wirklichen Zusammenhang, um den es hier geht und der die abstrakte »Effizienz und Innovativit&#228;t« hervorbringt: Die Selbstverwertung des Werts. Die Institutionen sind bekannt: Es sind die durchaus unterschiedlichen »Unternehmensformen« vom Konzern bis zur Ich-AG. Brie zielt jedoch auf etwas anders: Er will hier die Rolle der Politik einschleusen, die &#8212; so hofft er &#8212; »Dialektik von Produktivit&#228;t und Ausbeutung« auf schmalem Grad tanzend bew&#228;ltigt.</li>
<li>Marx hingegen wollte sich auf so etwas nicht einlassen &#8212; das stimmt &#8212; und schlie&#223;t daraus, Marx habe die Aufhebung (sic!) »unbewusst als ersatzlose Beseitigung der Institutionen innovativer Entwicklung konzipiert«. Das ist Quark, siehe oben. Ebenso die Unterstellung, »Institutionen [seien] f&#252;r ihn der Ausdruck von Entfremdung und Herrschaft« &#8212; tats&#228;chlich waren es die Ware und ihre abgeleiteten Formen (Geld, Kapital), siehe die Fetischabschnitte.</li>
</ul>
<p><strong>Dritte Frage</strong> ist die nach der »Pluralit&#228;t einer neuen Gesellschaftsordnung«. Zun&#228;chst beschreibt Brie die »Vision« von Marx sehr klar, wonach</p>
<blockquote><p><em>&#8230;die freie Entwicklung des gesellschaftlichen Individuums &#8230;zum Grundpfeiler der Produktion und des Reichtums werden [m&#252;sse]</em> (50)</p></blockquote>
<p>und verweist auf die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grundrisse_der_Kritik_der_politischen_%C3%96konomie">»Grundrisse«</a>, dessen Vorausahnungen er im Internet best&#228;tigt sieht:</p>
<blockquote><p><em>Die Despotie der Fabrik wird immer st&#228;rker durch den Zwang zur freien Zusammenarbeit &#252;berlagert. Selbstbestimmte Nutzung und Entwicklung der eigenen F&#228;higkeiten und Kooperationsformen einerseits und allgemeine Zug&#228;nglichkeit dieses gesellschaftlichen Potenzials als globaler virtueller Intellekt in Web 1.0 und 2.0 werden zu technologischen Imperativen weiteren Fortschritts.</em> (50)</p></blockquote>
<p>Mal abgesehen von der Fortschrittsgl&#228;ubigkeit, die nicht wirklich zu den tats&#228;chlichen &#246;kologischen und sozialen Verheerungen des Kapitalismus passt, ist das eine realistische Einsch&#228;tzung. Was folgt f&#252;r Brie daraus?</p>
<blockquote><p><em>Die Antwort darauf ist aber nicht der &#220;bergang zu einer einzigen Produktionsform und zu einem einzigen dominierenden Eigentumstyp, sondern der Kampf zwischen den Versuchen, auch diese neuen M&#246;glichkeiten privatkapitalistischer Aneignung und Profitmaximierung zu unterwerfen, und den ungeheuer vielf&#228;ltigen Bestrebungen, die den neuen M&#246;glichkeiten freier Selbstentwicklung und solidarischer Kooperation entsprechend zu gestalten. Diese zielen auf eine </em>solidarische Wirtschaft pluraler Produktions- und Eigentumsformen. (50)</p></blockquote>
<p>Nach einer zutreffenden Beschreibung ist der Sprung in einen pluralen Kapitalismus (da dieser genuin »plural« ist, ist die adjektive Erg&#228;nzung nur Wortgeklingel) entt&#228;uschend. Er stellt die »Vision« der »Grundrisse« geradezu auf den Kopf. Gleichwohl werden die »neuen M&#246;glichkeiten freier Selbstentwicklung« beachtet. Doch anstatt diese in ihrer aufhebenden Potenz weiter zu denken, werden sie nur wieder in das alte Verwertungsschema »plural« eingebettet. Ein Denk-Hinderungsgrund ist dabei sicher die alte Art und Weise die »Eigentumsfrage« zu dichotomisieren: privat vs. staatlich. Dass sich etwa die commonsbasierte Peer-Produktion wie etwa die Freie Software diesen Schemata entzieht, liegt au&#223;erhalb des Bekannten und Denkbaren.</p>
<p>Pathetisch wirbt Brie f&#252;r seinen pluralen Kapitalismus und nimmt daf&#252;r auch die Zapatistas in Beschlag:</p>
<blockquote><p><em>Anstelle des kommunistischen Hochmuts eines neuen Turms zu Babel sollte das Bem&#252;hen treten, die Erde in einen Garten zu verwandeln, der Platz bietet f&#252;r die unendliche Mannigfaltigkeit des Lebens. An die Stelle der Suche nach </em>einer<em> Eigentumsform, </em>einer<em> Produktionsweise, </em>einer<em> Lebensweise und </em>einer<em> Gestalt von Demokratie muss das Streben f&#252;r eine neue Vielfalt treten, denn  ansonsten &#8220;wird uns die neue Welt quadratisch geraten und sich nicht drehen und bewegen&#8221; (EZLN 1994)</em> (50)</p></blockquote>
<p>Brie versteht es, eine sympathisch-moderne Sprache zu sprechen &#8212; leider doch nur f&#252;r die alten Inhalte. Aber die Ironie der Geschichte k&#246;nnte darin bestehen, dass ein »in Politik umgesetzter Brie« den neuen Formen der »commonsbasierten Produktion« tats&#228;chlich mehr Raum verschafft als dies bisher m&#246;glich ist. Wenn schon Politik, dann ist das das Sinnvolle, was die LINKE leisten kann.</p>
<p><strong>Fazit</strong></p>
<p>Mit der gesellschaftlichen Vermittlung, der Entwicklungsdynamik und neuer Produktionsformen stellt Brie die richtigen Fragen, Fragen zu denen andere LINKE (ich meine die Partei und ihr Umfeld) sonst in der Regel nicht vorsto&#223;en. Die Antworten sind gleichwohl wieder v&#246;llig parteikompatibel. Um dies zu erreichen, behandelt er Marx nicht als S&#228;ulenheiligen (auch das ist erfrischend), sondern widerspricht ihm explizit &#8212; leider nur in einer Kapitalismus affirmativen Richtung.</p>
<p>Er unterstellt Marx sich zu weigern das Problem gesellschaftlicher Vermittlung zu denken, um dann zu erkl&#228;ren, man k&#246;nne sie nur wie in einer »modernen Gesellschaft« (aka: Kapitalismus) denken. Er fordert eine abstrakte Effizienz- und Innovationslogik ein und stellt fest, dass es sie nur im Kapitalismus gibt. Dass genau diese Logik »die Erde und den Arbeiter« (K. Marx, Das Kapital, S. 530) untergr&#228;bt, ist wohl Schicksal, oder eben durch »Politik« zu korrigieren.</p>
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		<title>Planungstreffen: Was machen wir in 2008?</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Feb 2008 20:26:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mittwoch, 6. M&#228;rz 2008, 18:00 Uhr, Helle Panke Ergebnisse mit grober Zeitplanung: 1./2. Quartal: Veranstaltung mit Sabine Nuss zur Theorie des Informationskapitalismus (nachgeholt aus 2007, als Sabine wg. Krankheit nicht konnte): Als Abendveranstaltung an einem Freitag. Vorbereitung der Veranstaltung mit Sabine, nochmal ihr Buch Copyright &#38; Copyriot ansehen Ein Abend mit Archie Kuhnke zur Dokumenta [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mittwoch, 6. M&#228;rz 2008, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a></p>
<p><span id="more-100"></span>Ergebnisse mit grober Zeitplanung:</p>
<ul>
<li>1./2. Quartal:
<ul>
<li>Veranstaltung mit Sabine Nuss zur Theorie des Informationskapitalismus (nachgeholt aus 2007, als Sabine wg. Krankheit nicht konnte): Als Abendveranstaltung an einem Freitag.</li>
<li>Vorbereitung der Veranstaltung mit Sabine, nochmal ihr Buch <a href="http://wbk.in-berlin.de/wp_nuss/dissertation">Copyright &amp; Copyriot</a> ansehen</li>
<li>Ein Abend mit Archie Kuhnke zur Dokumenta 2007</li>
<li>Hegels Logik lesen, Teil 2: Wesenslogik</li>
</ul>
</li>
<li>3. Quartal:
<ul>
<li>Veranstaltung mit Christian Siefkes zu seinem Buch <a href="http://peerconomy.org/">From Exchange to Contributions</a>, aber erst, wenn das Buch auf deutsch erschienen ist</li>
</ul>
</li>
<li>4. Quartal:
<ul>
<li>Hegels Logik lesen, Teil 3: Begriffslogik</li>
</ul>
</li>
<li>Ohne Termin/lose Ideen:
<ul>
<li>Richard Sennet: Das Handwerk</li>
<li>C. H. Rauh (?): Theorie-Praxis</li>
<li>Demokratiekritik</li>
</ul>
</li>
</ul>
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		<title>Politische &#214;konomie des Informationskapitalismus</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Aug 2007 20:37:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Veranstaltung mit Sabine Nuss (PROKLA) und Ernst Lohoff (KRISIS). Freitag, 7. September 2007, 19:00 Uhr, Helle Panke: Vortrag Ernst Lohoff Samstag, 8. September 2007, 10:00 Uhr, Helle Panke: Vortrag Sabine Nuss; ab 13:00 Uhr: Seminar mit Sabine Nuss und Ernst Lohoff. Nuss und Lohoff besch&#228;ftigen sich mit der politischen &#214;konomie des Informationskapitalismus. W&#228;hrend f&#252;r Nuss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><span class="id">Veranstaltung</span> mit Sabine Nuss (PROKLA) und Ernst Lohoff (KRISIS).</h3>
<p>Freitag, 7. September 2007, 19:00 Uhr, <a href="http://coforum.de/?973">Helle Panke</a>: Vortrag Ernst Lohoff</p>
<p>Samstag, 8. September 2007, 10:00 Uhr, <a href="http://coforum.de/?973">Helle Panke</a>: Vortrag Sabine Nuss; ab 13:00 Uhr: Seminar mit Sabine Nuss und Ernst Lohoff.</p>
<p>Nuss und Lohoff besch&#228;ftigen sich mit der politischen &#214;konomie des Informationskapitalismus. W&#228;hrend f&#252;r Nuss der Eigentumsbegriff den zentralen Zugang er&#246;ffnet, ist f&#252;r Lohoff die werttheoretische Einordnung vorrangig. Die Frage der Aufhebung der Warenproduktion wird von beiden folglich unterschiedlich beurteilt.<br />
<span id="more-106"></span></p>
<h4>Freitag, 7.9.2007, 19:00 Uhr</h4>
<p><strong>Ernst Lohoff: Zur Kritik der politischen &#214;konomie des Informationskapitalismus</strong></p>
<p>Vortrag und Diskussion</p>
<p>Moderation: Stefan Meretz</p>
<p>Helle Panke e.V., Kopenhagener Stra&#223;e 9, Eintritt 1,50 Euro</p>
<h4>Samstag, 8.9.2007</h4>
<p><strong>10:00 bis 12.00 Uhr: <strong>Sabine Nuss: Aneignungskonflikte um geistiges Eigentum im informationellen Kapitalismus</strong></strong></p>
<p>Vortrag und Diskussion</p>
<p>Moderation: <span class="notfound">Matthias Spiller</span></p>
<p><strong>13.00 bis 16.00 Uhr: <strong>Seminar mit Sabine Nuss und Ernst Lohoff</strong></strong></p>
<p>Moderation: Ulrich Wei&#223;</p>
<p><a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a> e.V., Kopenhagener Stra&#223;e 9, Kostenbeitrag 5,00 Euro (incl. Mittagessen)</p>
<p>Anmeldung erforderlich: Helle Panke e.V., Kopenhagener Str. 76, Tel. 475 387 24, Fax. 473 787 75, E-Mail an: info &#196;T helle-panke.de, Internet <a href="http://www.helle-panke.de/" target="_ ">http://www.helle-panke.de</a></p>
<p><strong>Fragen f&#252;r das Seminar:</strong></p>
<ul>
<li>Was ist das Besondere an Wissens- und Kulturg&#252;tern und Software?</li>
<li>Wie sind diese nichtstofflichen G&#252;ter theoretisch zu fassen?</li>
<li>Sind es normale Waren oder gar keine Waren?</li>
<li>Welche Rolle spielt das Konzept des &#8220;geistigen Eigentums&#8221;?</li>
<li>Er&#246;ffnet die freie Software- und Kulturbewegung &#8220;Wege aus dem Kapitalismus&#8221;?</li>
</ul>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Sabine Nuss, Copyriot &amp; Copyright: Aneignungskonflikte um geistiges Eigentum im informationellen Kapitalismus, Westf&#228;lisches Dampfboot, 2006</p>
<p>Ernst Lohoff, Der Wert des Wissens: Grundlagen einer Politischen &#214;konomie des Informationskapitalismus, in: krisis 31, S. 13-51, 2007</p>
<p>Stefan Meretz, Der Kampf um die Warenform: Wie Knappheit bei Universalg&#252;tern hergestellt wird, in: krisis 31, S. 52-89, 2007, Online: <a href="http://www.opentheory.org/kampfumdiewarenform/text.phtml" target="_ ">http://www.opentheory.org/kampfumdiewarenform/text.phtml</a></p>
<p>[Update: Sabine Nuss musste erkrankt kurzfristig ihre Teilnahme absagen]</p>
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		</item>
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		<title>»Copyright &amp; Copyriot« lesen&#8230;</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Jun 2007 21:10:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Freies Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Postkolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[» Treffen]]></category>
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		<category><![CDATA[informationskapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[sabine nuss]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir lesen das Buch von Sabine Nuss Termine: Mittwoch, 20. Juni 2007, 18:00 Uhr, Helle Panke &#8211; Teil I (S. 20-112) Mittwoch, 4. Juli 2007, 18:00 Uhr, Helle Panke &#8211; Teil II (S. 114-199) Mittwoch, 18. Juli 2007, 18:00 Uhr, Helle Panke &#8211; Teil III (S. 202-245)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir lesen das <a href="http://wbk.in-berlin.de/wp_nuss/dissertation">Buch</a> von Sabine Nuss</p>
<p>Termine:</p>
<p>Mittwoch, 20. Juni 2007, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a> &#8211; Teil I (S. 20-112)</p>
<p>Mittwoch, 4. Juli 2007, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a> &#8211; Teil II (S. 114-199)</p>
<p>Mittwoch, 18. Juli 2007, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a> &#8211; Teil III (S. 202-245)</p>
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