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	<title>Wege aus dem Kapitalismus &#187; arbeiterbewegung</title>
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		<title>Audio-Dokumentation der Kommunismus-Veranstaltung</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Sep 2009 13:00:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Audio-Dokumentation der Verstaltung »Philosophische Spekulation – Wissenschaft – konkrete Utopie?« der Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus« vom 11./12. September 2009 liegt vor. Sie besteht aus sechs Teilen (direkte Download-Links auf die OGG-Dateien): Freitag, 11.9.: Vortrag, erster Teil (Dauer 1:45 Std., Gr&#246;&#223;e 47,0 MB) Diskussion (Dauer 0:55 Std., Gr&#246;&#223;e 24,3, MB) Samstag, 12.9.: Vortrag, zweiter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Audio-Dokumentation der Verstaltung <a href="http://wadk.de/2009/philosophische-spekulation-wissenschaft-konkrete-utopie/">»Philosophische Spekulation – Wissenschaft – konkrete Utopie?«</a> der Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus« vom 11./12. September 2009 liegt vor. Sie besteht aus sechs Teilen (direkte Download-Links auf die OGG-Dateien):</p>
<p>Freitag, 11.9.:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-1.ogg">Vortrag, erster Teil (Dauer 1:45 Std., Gr&#246;&#223;e 47,0 MB)</a></li>
<li> <a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-2.ogg">Diskussion (Dauer 0:55 Std., Gr&#246;&#223;e 24,3, MB)</a></li>
</ul>
<p>Samstag, 12.9.:</p>
<ul>
<li> <a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-3.ogg">Vortrag, zweiter Teil, mit Diskussion dazwischen (Dauer 2:01 Std., Gr&#246;&#223;e 54,5 MB)</a></li>
<li> <a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-4.ogg">Diskussion mittags (Dauer 0:25 Std., Gr&#246;&#223;e 11,5 MB)</a></li>
<li> <a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-5.ogg">Diskussion nachmittags (Dauer 1:37 Std., Gr&#246;&#223;e 43,3 MB)</a></li>
<li> <a href="http://www.archive.org/download/kommunismen-in-der-zeit/wak_kommunismus-6.ogg">Abschluss (Dauer 0:21 Std., Gr&#246;&#223;e 9,5 MB)</a></li>
</ul>
<p>Die Dateien liegen auf einer <a href="http://www.archive.org/details/kommunismen-in-der-zeit">eigenen Seite bei archive.org</a>. <span style="text-decoration: line-through;">Dort stehen die Daten auch im MP3-Format und als Streaming zum direkten Anh&#246;ren zur Verf&#252;gung.</span></p>
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		<title>Philosophische Spekulation – Wissenschaft – konkrete Utopie?</title>
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		<comments>http://wadk.de/2009/philosophische-spekulation-wissenschaft-konkrete-utopie/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 24 Jul 2009 08:59:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Zur Zeitbezogenheit marxistischer Kommunismusvorstellungen Veranstaltung der Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus« Datum: Freitag, 11. September 2009, 19:00 Uhr, und Seminar am Samstag, 12. September 2009, 10:00 Uhr in Berlin Ort: Helle Panke, Kopenhagener Str. 76, 10437 Berlin Der allseits siegende Kapitalismus r&#252;ttelt die Gesellschaften in einer Weise durch, dass nicht nur herrschende Neoliberale zu quasi [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Zur Zeitbezogenheit marxistischer Kommunismusvorstellungen</h3>
<p>Veranstaltung der Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus«</p>
<p>Datum: Freitag, 11. September 2009, 19:00 Uhr, und Seminar am Samstag, 12. September 2009, 10:00 Uhr		in Berlin</p>
<p>Ort: Helle Panke, Kopenhagener Str. 76, 10437 Berlin</p>
<p>Der allseits siegende Kapitalismus r&#252;ttelt die Gesellschaften in einer Weise durch, dass nicht nur herrschende Neoliberale zu quasi staatssozialistischen Ma&#223;nahmen greifen. Auch dem Alltagsbewusstsein und selbst dem gehobenen Feuilleton kommen Zweifel an der Menschenvertr&#228;glichkeit der herrschenden Produktionsweise. Das Schicksal der sich auf Marx beziehenden antikapitalistischen Bewegungen, die aus Katastrophen heraus zur Weltgeltung aufgestiegen waren, verbietet es nach solchen kommunistischer Alternativen zu streben, die fr&#252;her vielen Menschen plausibel erschienen.</p>
<p>Im <strong>Vortrag </strong>und im <strong>Seminar </strong>geht es um das Eingebundensein kommunistischer Ideen in den jeweiligen Entwicklungsstand der kapitalistischen Produktionsweise, in die praktischen Anforderungen der entsprechenden sozialen Bewegungen und in die vorgefundenen Theorien. Daraus ist zwar unmittelbar keine Antwort auf das „Was tun?“ abzuleiten. Aber eine Diskussion &#252;ber die fr&#252;here Zeitbezogenheiten der Vorstellungen von Wegen aus dem Kapitalismus kann f&#252;r eine heutige Suche nach Alternativen sehr hilfreich sein.</p>
<p><span id="more-288"></span><strong>Freitag, 11. September 2009, 19.00 Uhr, Vortrag von Ulrich Wei&#223;</strong></p>
<p>Zu einigen Zusammenh&#228;ngen zwischen Entwicklungsphasen der kapitalistischen Produktionsweise, den Existenzbedingungen marxistisch-sozialistischer Bewegungen und historischen Kommunismusvorstellungen</p>
<p>Moderation: <strong>Stefan Meretz</strong></p>
<p><strong>Sonnabend, 12. September 2009, 10.00 bis 17.00 Uhr Seminar</strong></p>
<p>Bezogen auf die jeweils historischen Bedingungen und die vorgefundenen theoretischen Voraussetzungen werden Kontinuit&#228;ten und Br&#252;che in den Sozialismus- und Kommunismusvorstellungen untersucht.</p>
<p>Seminarleitung: <strong>Annette Schlemm</strong> und <strong>Mathias Spiller</strong></p>
<p>Die Vorstellungen des jungen Marx von einer Gesellschaft der allgemeinmenschlichen Emanzipation blieben in der ganzen Geschichte der sozialistisch-kommunistischen Bewegung Gegenstand der Auseinandersetzung. Im Seminar werden einige seiner fr&#252;hen Auffassungen und Methoden als Ausgangspunkte herausgearbeitet um dann ihr weiteres Schicksal zu verfolgen und zwar vor dem Hintergrund der realen Existenzbedingungen der auf Marx bezogenen Arbeiterbewegung und seiner sp&#228;teren Kritiken der Politischen &#214;konomie.</p>
<p><strong>Es werden folgende Hypothesen zur Diskussion gestellt:</strong></p>
<p>1. Die tats&#228;chliche Entwicklung des Kapitalismus, der Arbeiterbewegung und des Real-“Sozialismus“ entzog der Bestimmung des Kommunismus als einer schon vorhandenen „wirklichen Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt&#8221; die reale Basis.</p>
<p>2. Im heutigen Sp&#228;tkapitalismus und in neuen sozialen R&#228;umen jedoch sind einige der fr&#252;hen Marxschen Annahmen tats&#228;chlich auf real M&#246;gliches beziehbar, werden sie zur „konkreten Utopie&#8221; (Bloch).</p>
<h3>Karl Marx</h3>
<p><strong>1842 – 45</strong></p>
<p>Vom ambitionierten b&#252;rgerlichen Demokraten zum Kommunisten – ein spekulatives Hinausdenken &#252;ber eine noch nicht entfaltete Gesellschaft</p>
<p><strong>1857/58</strong></p>
<p>Ein Revolution&#228;r widerlegt sich selbst. Die Annahme, der &#246;konomischen Krise folge notwendig die proletarische Revolution, treibt Marx zur Arbeit an den „Grundrissen der Kritik der Politischen &#214;konomie“. Die dabei gewonnene Erkenntnis, wann eine auf Verwertung gegr&#252;ndete Produktionsweise &#252;berhaupt aufhebbar wird, attestiert dagegen dem Kapitalismus noch eine gro&#223;e Zukunft.</p>
<p><strong>1875</strong></p>
<p>Die tats&#228;chlich erstarkende Arbeiterbewegung und die Fassungslosigkeit des Theoretikers. Marx&#8217; Kritik am Gothaer Programm der Sozialdemokratie – oder der Zwang, der Bewegung Bilder zu bieten.</p>
<p><strong>1892/98</strong></p>
<p>Die Arbeiterbewegung schreitet voran, das (End-)Ziel geht verloren. Kommunismus als Theorie der „Befreiung der gesamten Gesellschaft &#8230; ist in abstraktem Sinn richtig, aber in der Praxis meist schlimmer als nutzlos&#8221; (Engels 1892, Bernstein 1898). &#8220;Dieses Ziel, &#8230; ist mir gar nichts, die Bewegung alles.“</p>
<p><strong>1918/23</strong></p>
<p>Die Praxis der Revolution verschiebt das Ideal. Mangelnde Produktivit&#228;t, mangelnde Kultur – Lenin wei&#223; um das Dilemma und &#228;ndert die „ganze Auffassung vom Sozialismus grundlegend“. Mittel des sozialistischen Fortschritts?: „Die raffinierte Bestialit&#228;t der b&#252;rgerlichen Ausbeutung“ (Taylorsystem) und die „&#8217;Fabrik&#8217;disziplin &#8230; auf die gesamte Gesellschaft“ erstreckt.</p>
<p><strong>1967 ff</strong></p>
<p>Relativ selbstst&#228;ndige Gesellschaftsformation und Real-“Sozialismus“. Die G&#252;ltigkeit der Kategorien der (kapitalistischen) Warenproduktion und die Mobilisierung des b&#252;rgerlichen Individuums – eine Abkehr vom Kommunismus mit System.<br />
<strong></strong></p>
<p><strong>Gegenwart</strong>: Die &#246;konomische Grundlage des Sp&#228;tkapitalismus wird miserabel – die M&#246;glichkeit des Kommunismus?</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Ulrich Wei&#223;, Marx und der m&#246;gliche Sozialismus, Utopie kreativ, 17/2000, S.958 – 971 oder <a href="http://www.trend.infopartisan.net/trd0499/t090499.html">http://www.trend.infopartisan.net/trd0499/t090499.html</a>,</p>
<p>Stefan Meretz, Beitr&#228;ge zur Keimformdiskussion auf <a href="http://www.keimform.de/">http://www.keimform.de/</a></p>
<p>Weitere Thesen/Texte zum Thema bitte anfordern bei Ulrich Wei&#223;: uli &#196;T weiss-und-freunde PUNKT de</p>
<p>Eintritt: 1,50 Euro (Freitag), 5 Euro (incl. Mittag, Samstag)</p>
<p>Anmeldung bitte bei der <a href="http://www.helle-panke.de/topic/3.html?id=175&amp;action=register">Hellen Panke</a></p>
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		<title>Der fr&#252;he Marx zu Weltbildung des Kapitals – Logisches und Historisches</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jul 2009 21:49:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>UliW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit / Arbeitskritik]]></category>
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		<description><![CDATA[In den &#214;konomisch-philosophischen Manuskripten von Marx habe ich folgende Darstellung der logischen Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit gefunden und daran einige &#220;berlegungen gekn&#252;pft. Die ber&#252;hren direkt sowohl unser letztes Hegel-Seminar (Begriffslogik) als auch das Kommunismus-Seminar und das folgende zu den Logiken von Hegel und Marx und eben die letzte Diskussion zu „Keimform wovon?“ Beste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den &#214;konomisch-philosophischen Manuskripten von Marx habe ich folgende Darstellung der logischen Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit gefunden und daran einige &#220;berlegungen gekn&#252;pft. Die ber&#252;hren direkt sowohl unser letztes Hegel-Seminar (Begriffslogik) als auch das <a href="http://wadk.de/2009/philosophische-spekulation-wissenschaft-konkrete-utopie/">Kommunismus-Seminar</a> und das folgende zu den Logiken von Hegel und Marx und eben die letzte Diskussion zu <a href="http://wadk.de/2009/keimform-wovon/">„Keimform wovon?“</a></p>
<p>Beste Gr&#252;&#223;e Uli</p>
<p><span id="more-274"></span>Marx:</p>
<blockquote><p>„ &#8230; das noch unvollendete Kapital &#8230; mu&#223; im Laufe seiner Weltbildung zu seinem abstrakten, d.h. reinen Ausdruck gelangen. -<br />
Das Verh&#228;ltnis des Privateigentums ist Arbeit, Kapital und die Beziehung beider. Die Bewegung, die diese Glieder zu durchlaufen haben, sind:<br />
Erstens – unmittelbare oder vermittelte Einheit beider.<br />
Kapital und Arbeit erst noch vereint; dann zwar getrennt und entfremdet, aber sich wechselseitig als positive Bedingungen hebend und fordernd.<br />
[Zweitens -]Gegensatz beider. Schlie&#223;en sich wechselseitig aus; der Arbeiter wei&#223; den Kapitalisten und umgekehrt als sein Nichtdasein; jeder sucht dem andren sein Dasein zu entrei&#223;en.<br />
[Drittens -]Gegensatz jedes gegen sich selbst. Kapital = aufgeh&#228;ufter Arbeit = Arbeit. Als solche zerfallend in sich und seine Zinsen, wie diese wieder in Zinsen und Gewinn. Restlose Aufopferung des Kapitalisten. Er f&#228;llt in die Arbeiterklasse, wie der Arbeiter &#8211; aber nur ausnahmsweise &#8211; Kapitalist wird. Arbeit als Moment des Kapitals, seine Kosten. Also der Arbeitslohn ein Opfer des Kapitals.<br />
Arbeit zerfallen in sich und den Arbeitslohn. Arbeiter selbst ein Kapital, eine Ware.<br />
Feindlicher wechselseitiger Gegensatz.“ [1]</p></blockquote>
<p><strong>Logische Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit</strong></p>
<p>Marx stellt hier eine logische Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital – Arbeit dar. Leider f&#252;hrt er diesen Entwurf nicht weiter aus. Dem mit der Hegelschen Logik Vertrauten ist aber klar, dass es hier nicht um die Darstellung einer historischen Entwicklung geht, sondern um eine kategoriale Rekonstruktion der Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit. Es ist in der kapitalistischen Wirklichkeit auch nicht so, dass etwa eine der drei genannten Bestimmungen des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit die anderen beiden ausschlie&#223;t. Schon aus diesem Grunde kann die tats&#228;chliche historische Entwicklung des Grundgegensatzes der kapitalistischen Produktionsweise nicht im direkten Zugriff entlang einer solchen logischen Entwicklung Hegel-/Marxscher Kategorien dargestellt werden. Wir finden vielmehr auf jeder Stufe ihrer historischen Entwicklung sowohl die unmittelbare oder vermittelte Einheit von Kapital und Arbeit (o.g. erste Entwicklung) als auch deren wechselseitiges Ausschlie&#223;en (t&#246;dlicher Gegensatz) sowie die Tatsache, dass jede Seite den Gegensatz zur anderen in sich selbst entwickelt (drittens).</p>
<p>Die einstige revolution&#228;re Sozialdemokratie und sp&#228;ter die Parteien der kommunistischen Internationale bzw. der reale Sozialismus sind in ihrem Selbstverst&#228;ndnis von der sogenannten antagonistische Beziehung zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie ausgegangen. Sie haben sich also eher auf den zweiten Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit als auf die anderen beiden bezogen und f&#252;r sich – zumindest in der Theorie – die beiden anderen Bestimmungen ausgeschlossen. Beide Seiten verstanden sie sozusagen als ein festgeronnenes Ausschlie&#223;en des anderen. „Feuer oder Wasser“. Entweder-Oder. So fasste etwa E. Honecker den sogenannten Klassenstandpunkt. [2] So schilderte es J. Reed in seinem Revolutionsbericht von 1917. [3] Ein Ineinander&#252;bergehen beider Seiten konnte von diesem Standpunkt aus h&#246;chstens verstanden werden als etwas der eigenen Klasse blo&#223; &#196;u&#223;erliches, ihre inneren Bestimmungen &#252;berhaupt nicht Ber&#252;hrendes, als Deklassierung oder Verrat einzelner Individuen. So standen sich in der Logik der zweiten Bestimmung und unter Ausschlie&#223;ung der anderen tats&#228;chlich in einer ausschlie&#223;enden und fast t&#246;dlichen  Weise zwei Weltsysteme gegen&#252;ber.</p>
<p>Und doch bestand auch in diesen sch&#228;rfsten Konfrontationen die „Einheit beider“ im Sinne der ersten wie der dritten Bestimmung („Gegensatz jedes gegen sich selbst“). Auch die letztere Bestimmung war in jener Zeit eine treffende Beschreibung des Verh&#228;ltnisses Kapitalismus/Sozialismus, Kapital/Arbeit und der jeweiligen inneren Entwicklung beider Seiten. Es gab nicht nur Handels-, wissenschaftliche, politische und pers&#246;nliche Beziehungen zwischen den „Systemen“ sondern auch kalte oder sogar hei&#223;e Kriege, die diese Einheit der Gegens&#228;tze „vermittelten“. Die Konvergenztheorie [4] der 1960er Jahre dr&#252;ckte auf ihre Weise eine Anerkennung dieser Einheit beider aus. Der Marxismus-Leninismus reagierte mit ideologischen Kampagnen gegen diese Theorie, die in keiner Weise in die Feuer-Wasser-Bestimmungen passte. Sie behauptete ein zuk&#252;nftig unumg&#228;ngliches Ineinanderaufgehen der beiden Systeme und brachte damit eine tats&#228;chliche Entwicklung zum Ausdruck. Dies geschah allerdings unbegriffen, da diese Entwicklung ohne Verst&#228;ndnis f&#252;r die sozial&#246;konomischen Formen als Wirkung einer technischen Entwicklung an sich angesehen wurde, der damals beginnenden wissenschaftlich-technischen Revolution. [5]</p>
<p>Der heutige historische Standort macht die Gleichzeitigkeiten der drei o.g. Bestimmungen im Verh&#228;ltnis Kapital/Arbeit leichter erkennbar, damit eben auch die (wachsende) G&#252;ltigkeit der o.g. dritten Bestimmung. Die sch&#228;rfste Systemkonfrontation ist inzwischen aufgehoben und zwar auf eine friedliche Weise, die weder Freund noch Feind f&#252;r m&#246;glich gehalten hatten. Der historisch-zivilisatorische Sinn der besonderen &#246;stlichen (nachholenden) Variante der b&#252;rgerlich-kapitalistischen Form von Vergesellschaftung, die fast allgemein als der totale Gegensatz zum Westen (miss-)verstanden wurde, hatte sich im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts erf&#252;llt. Der Zusammenbruch des Ostens ist Ausdruck und Katalysator einer tiefen Krise, in die die kapitalistische Formation insgesamt geraten ist. Es ist heute auch in der Utopie nicht mehr vorstellbar, dass eine Alternative zum Ganzen dadurch etabliert werden k&#246;nnte, dass einer der Seiten des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit „dem andren sein Dasein zu entrei&#223;en“ sucht, das Proletariat der Bourgeoisie etwa die Produktionsmittel.</p>
<p>Die gro&#223;en proletarischen Klassenkampforganisationen k&#246;nnen immer weniger eine relativ eigenst&#228;ndige Lebenswelt konstituieren, die in weitgehend ausschlie&#223;ender Gegens&#228;tzlichkeit zu der der Unternehmerschaft steht und die sich als ein potentieller gesellschaftlicher Gegenentwurf verstehen kann. In den Metropolen sind sie immer mehr gezwungen, in defensiven K&#228;mpfen um die Bewahrung von Interessen ihrer schwindenden Mitgliedschaft Co-Management zu betreiben, also in ihrem Klientel selbst die traditionellen Funktionen des Kapitals zur Geltung zu bringen. Diese K&#228;mpfe k&#246;nnen auch immer weniger f&#252;r sich in Anspruch nehmen, dem allgemeinen zivilisatorischen Fortschritt zu dienen. Das Ringen etwa um die Bewahrung von gewaltigen &#220;berkapazit&#228;ten im Automobilbau, um die Weiterf&#252;hrung von &#246;kologisch verheerenden Produktionen, um den Erhalt von Lohnarbeit &#252;berhaupt, all das ist wie die kapitalistische Produktionsweise insgesamt inzwischen als Bedrohung der menschlichen Zivilisation zu begreifen. Die proletarischen Organisationen, sofern sie noch eine gesellschaftliche Macht darstellen, werden so zu Instrumenten zur Durchsetzung oder Bewahrung von solchen Sonderinteressen, die einer allgemeinmenschlichen Emanzipation zunehmend entgegenstehen. Damit w&#228;chst der Zwang aber auch die M&#246;glichkeit jenseits der Hoffnung auf die proletarische Revolution nach Alternativen sowohl zum (westlichen) Kapitalismus als auch zum einstigen „Sozialismus“ zu suchen.</p>
<p>Es ist heute leichter als in den Zeiten der sch&#228;rfsten Klassen- und Systemkonfrontationen zu verstehen, dass immer schon in der Geschichte der kapitalistischen (und real-“sozialistischen“) Produktionsweise jede Seite nicht nur der ausschlie&#223;ende Gegensatz des anderen war, sondern auch die Bestimmungen das anderen in sich reproduzierte – das was im anderen bek&#228;mpft wurde. So reproduzierten sich – hier auf staatskapitalistische Art – im Osten Klassen- und Monopolverh&#228;ltnisse, eine so genannte „sozialistische“ Warenproduktion gem&#228;&#223; den Kategorien der Marxschen Kritik der (kapitalistischen) Politischen &#214;konomie, die in enger Anlehnung daran in der positiv gemeinsten sogenannten Politischen &#214;konomie des Sozialismus Anwendung fand (in der Volks- und Betriebswirtschaftslehre und im allgemeinen ML-Unterricht). Obgleich die Reproduktion von Verh&#228;ltnissen stattfand, die zu &#252;berschreiten der „Sozialismus“ im urspr&#252;nglichen Selbstverst&#228;ndnis eigentlich angetreten war, obwohl damit kein Schritt auf die angenommene kommunistische Zukunft hin unternommen wurde, ist diese „Abweichung“ nicht prim&#228;r zu begreifen als Ausdruck einer fehlerhaften Politik der f&#252;hrenden Parteien, falscher Theorien usw., sondern als eine, den gegebenen M&#246;glichkeiten durchaus ad&#228;quate Form einer gesellschaftlichen Entwicklung, die notwendigerweise innerhalb der Grenzen der industriellen Warenproduktion verbleiben musste. Der Fehler vielmehr bestand in der Selbstbezeichnung „Sozialismus“ bzw. „Kommunismus“.</p>
<p>Der Westen entwickelte seinerseits etwa mit dem New Deal, dessen Akteure wiederholt der Einf&#252;hrung des Kommunismus bezichtigt wurden, sowie mit der sp&#228;teren sogenannten sozialen Marktwirtschaft eine enorme und lange Zeit unverzichtbare Ausweitung der sozialen Funktionen des Staates, planwirtschaftliche Elemente, die ansonsten zur Denunziation des Ostens genutzt wurden.</p>
<p>Das muss hier als Einwand gen&#252;gen gegen eine umstandslose Lesart der Marxschen logischen Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital und Arbeit als eine Beschreibung eines realen Geschichtsprozesses.</p>
<p><strong>Historische Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital – Arbeit</strong></p>
<p>Dies vorausgesetzt kann man mit dem Blick etwa auf Marx&#8217; sp&#228;tere Arbeiten [6], auf die sehr unterschiedlichen Rezeptionen der Marxschen Theorie etwa bei Bernstein und Lenin [7], und vor allem auf die tats&#228;chliche historische Entwicklung des innerkapitalistischen Klassenkampfes Kapital – Arbeit auch sagen:<br />
In der logischen Entfaltung des Verh&#228;ltnisses von Kapital und Arbeit, in der kategorialen Entwicklung des „unvollendeten Kapitals“ zu „seiner Weltbildung“, kann man im globalen Sinne auch eine Antizipation zeitlich aufeinander folgende Entwicklungsphasen des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit erkennen und zwar im Sinne einer Dominanz &#252;ber die jeweils anderen, ebenfalls g&#252;ltigen Bestimmungen.</p>
<p>So wurde von den Generationen seit Marx&#8217; Zeiten bis in j&#252;ngere Geschichte hinein der „Gegensatz beider“, Kapital und Arbeit schlie&#223;en sich wechselseitig aus &#8230; jeder sucht dem andren sein Dasein zu entrei&#223;en“, also die zweite Bestimmung der oben zitierter Marxscher Entwicklung, als dominierende Wirklichkeit erlebt. Diese Bestimmung kann gelesen werden eben als eine konzentrierte Zusammenfassung des Selbstverst&#228;ndnisses und der versuchten Praxis der einst revolution&#228;ren Sozialdemokratie und der kommunistischen Internationale bzw. des realen „Sozialismus“. Diese Vorstellungen waren in  dieser Zeit unverzichtbare Voraussetzungen f&#252;r die gro&#223;e Wirksamkeit der proletarischen Bewegung und dieser Institutionen. „&#220;bersetzt“ man diese logische Entwicklung von Marx im Sinne der Hervorhebung der historisch jeweils dominierenden Tendenz so kann man heute auch die dritte Bestimmung als eine theoretische Vorwegnahme sich immer mehr zur Geltung bringender Entwicklungen innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise verstehen: „Feindlicher wechselseitiger Gegensatz“, allerdings ein „Gegensatz jedes gegen sich selbst.“ „Arbeit als Moment des Kapitals, &#8230; Arbeiter selbst ein Kapital.“ [8]</p>
<p>Die soganannten Ich-AGs, die Unmengen von Menschen in prek&#228;ren Selbst&#228;ndigkeiten aber auch durchaus besser situierte freischaffende Projektentwickler, die ihre gesamte Existenz im Sinne der Verwertbarkeit ihres gesamten Lebens best&#228;ndig neu entwerfen m&#252;ssen, aber auch die neuen Anforderungen an Teams innerhalb der kapitalistischen Gro&#223;produktion, die sich innerhalb der Abeitsteilung selbst als Profitcenter, als quasi eigenst&#228;ndige Unternehmen, zu behaupten haben – all das soll hier symbolisch stehen f&#252;r diesen heute immer wirklicher werdenden Prozess, in dem die unmittelbaren Produzenten massenhaft auch solche Funktionen in sich hineinnehmen, die fr&#252;her entschieden mehr an Unternehmer selbst bzw. an ihre Manager gebundene waren bzw. die in Form der gro&#223;en Maschinerie eben als Maschine das Kapitalverh&#228;ltnis direkt gegen&#252;ber etwa den Flie&#223;bandarbeitern zur Geltung brachte (Marx handelt dies sp&#228;ter ab unter der Kategorie reelle Subsumtion). In diesen neueren Entwicklungsformen des Verh&#228;ltnisses Kapital/Arbeit „wandert“ der Gegensatz noch entschieden mehr als in den fr&#252;heren Formen und direkt in die agierenden Individuen hinein: „jedes gegen sich selbst“. In der Ich-AG rebelliert der Proletarier in mir gegen mich selbst, der ich in eigener Verantwortung mich als mich selbst verwertender Wert dressieren muss. Meine menschlichen Bed&#252;rfnisse rebellieren gegen beide, gegen den kapitalistischen Entwerfer, Dirigenten, Kontrolleur, Antreiber, zu dem ich mir selbst gegen&#252;ber geworden bin, und gegen den proletarischen Arbeiter in mir, der im Interesse seiner Existenz gegen jene Zumutungen Widerstand leistet, die meine Existenz als eine sich selbst unternehmende Ware Arbeitskraft sichert. Ein Dilemma, das nicht im Widerstand gegen andere Menschengruppen, die Bourgeoisie etwa, oder noch begriffloser eng gefasst, gegen die sogenannten Heuschrecken, aufgel&#246;st oder in den Folgen ged&#228;mpft werden kann, nicht einmal mehr vor&#252;bergehend. Dies ist eine  Gegens&#228;tzlichkeit, eine innere Zerrissenheit, aus der keine noch so gro&#223;e Klassenorganisation heraus helfen kann, kein Sozialstaat, auch kein proletarischer, sondern nur eines: die v&#246;llige Aufhebung von Kapital und Arbeit selbst, von Warenproduktion, und zwar durch eine solche soziale Form von Produktions- und Lebensweise, die nicht &#252;ber Wert und Staat vermittelt ist.</p>
<p>Seitdem sich die kapitalistischen Produktionsweise auf ihrer eigenen Grundlage entwickelt war diese o.g. Marxsche dritte Bestimmung immer schon vorhanden. Aber in der heutigen postfordistischen Phase wird sie zur dominierenden Erscheinung des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit. Dies legt ganz andere Vorstellungen von einer nichtkapitalistischen Gesellschaft nahe als dies m&#246;glich war in den Zeiten der gro&#223;en Klassen- und Systemk&#228;mpfe, in denen sich die Gegens&#228;tzlichkeit von Kapital und Arbeit als t&#246;dliche Feindschaft sich &#228;u&#223;erlich gegen&#252;berstehenden gro&#223;er Menschengruppen und Staaten darstellte. Die Konstitution der neuen Gesellschaft war da massenhaft nur vorstellbar als Sieg der einen Seite &#252;ber die angeblich ganz andere, mit der man nichts gemein hatte, der man etwa die Produktionsmittel, den Staat, die Herrschaft &#252;ber die ideologischen Institutionen, also „sein Dasein zu entrei&#223;en“ hatte.</p>
<p>In der dritten Bestimmung der Marxschen logischen Entwicklung des Verh&#228;ltnisses Kapital-Arbeit und eben angesichts heutiger realer Entwicklungen er&#246;ffnen sich theoretisch und praktisch ganz andere Wege aus dem Kapitalismus als dem fr&#252;her geschichtsm&#228;chtigen Arbeiterbewegungsmarxismus der zweiten und dritten Internationalen oder aus der Sicht gro&#223;er gewerkschaftlicher K&#228;mpfe.</p>
<p>Die m&#246;glichen Momente einer solchen neuen Vergesellschaftung, deren Voraussetzungen in der jetzigen entstehen, k&#246;nnen nur in solchen sozialen R&#228;umen und Bewegungen ihre eigene neue Logik entwickeln, die von vornherein jenseits der Grundstrukturen der kapitalistischen Produktions- und Lebensweise agieren, jenseits der Vermittlung durch Wert, Staat, Ideologie, durch solche, die in ihren keimf&#246;rmigen Existenzen bereits die Aufl&#246;sung genau dieser Grundstrukturen sind.</p>
<p>Der fr&#252;he Marx suchte nach einer sozialen Kraft, die die kapitalistische Gesellschaft aufheben k&#246;nnte, und nach sozialen Formen, in denen das geschehen konnte. Irrt&#252;mlicher Weise – dies machte ihm kommunistisches Denken &#252;berhaupt erst m&#246;glich – glaubte  er, dies im Proletariat gefunden zu haben: Er bestimmte das Proletariat als eine „Klasse der b&#252;rgerlichen Gesellschaft, welche keine Klasse der b&#252;rgerlichen Gesellschaft ist“ sondern deren Aufl&#246;sung [9]. Das Geniale an diesem Irrtum von Marx war, dass er in einer Zeit, in der die tats&#228;chlichen Subjekte der Aufhebung des Kapitalismus durch eine neue Gesellschaft noch nicht erkennbar sein konnten, u.a. eine solche Charakteristik eines potentiellen Subjektes der Aufhebung gab: keine Klasse der b&#252;rgerlichen Gesellschaft sondern ihre Aufl&#246;sung. Es ist zu fragen, inwiefern dies auf heute sich entwickelnde Praxen, auf sozialen R&#228;ume zutrifft, die sich jenseits von Verwertungs- und Herrschaftslogiken konstituieren und in denen die Akteure f&#252;r sich selbst und f&#252;r andere Menschen jenseits von Wert- und Herrschaftsvermittlung allgemein zug&#228;nglichen Reichtum produzieren. Es ist zu fragen, inwiefern solcherart tats&#228;chlich Keimformen, also verallgemeinerbar sein k&#246;nnen. Mittels der Marxschen Bestimmungen k&#246;nnten sich heute entsprechende Assoziationen in ihrer historischen Potenz selbst begreifen.</p>
<p>Ulrich Wei&#223;</p>
<p><strong>Fu&#223;noten</strong></p>
<p>[1]  Karl Marx, &#214;konomisch-philosophische Manuskripte, MEW EB I/529.</p>
<p>[2] Erhard Eppler zitiert im Sozialdemokratischen Pressedienst vom 17. Februar 1988 Erich Honecker: „Kapitalismus und Sozialismus verhalten sich zueinander wie Feuer und Wasser.“ Er f&#252;gt hinzu: Dieser „k&#246;nnte der Zustimmung Reagans f&#252;r seinen eing&#228;ngigen Satz sicher sein.“</p>
<p>[3]  „Am Stationseingang standen zwei Soldaten mit Gewehren und aufgepflanzten Bajonetten, umringt von zirka hundert hitzig auf sie einredenden Gesch&#228;ftsleuten, Regierungsbeamten und Studenten. Die Soldaten waren unzug&#228;nglich &#8230; . Ein gro&#223;er junger Mann &#8230;. in der Uniform eines Studenten, f&#252;hrte das Wort. „Ihr werdet doch wohl begreifen, da&#223; ihr euch zu Werkzeugen von M&#246;rdern und Verr&#228;tern macht, wenn ihr die Waffen gegen eure Br&#252;der erhebt&#8221;, sagte er in unversch&#228;mtem Ton. „Ach, Bruder&#8221;, antwortete der Soldat ernsthaft, „du verstehst nicht. Es gibt zwei Klassen. Kannst du das nicht sehen? Das Proletariat und die Bourgeoisie. Wir&#8230;.&#8221; Oh, ich kenne dieses dumme Gerede &#8230; Ich bin selbst Marxist! &#8230; Du scheinst zu glauben, Lenin ist ein aufrichtiger Freund des Proletariats &#8230; wei&#223;t du dann auch, da&#223; Lenin in einem geschlossenen Zuge durch Deutschland gefahren ist und da&#223; er von den Deutschen Geld genommen hat?&#8221; „Davon wei&#223; ich nichts&#8221;, antwortete der Soldat. „Aber mir scheint, da&#223; er gerade das sagt, was ich und meinesgleichen h&#246;ren wollen. Es gibt zwei Klassen, die Bourgeoisie und das Proletariat.&#8221; Du bist ein Narr, mein Freund. Ich habe zwei Jahre lang in der Schl&#252;sselburg gesessen, als du noch Revolution&#228;re niederschossest &#8230; Und ich bin ein Gegner der Bolschewiki, die unser Ru&#223;land und die Revolution zugrunde richten. Wie erkl&#228;rst du dir das?&#8221; Der Soldat kratzte sich am Kopf. „Das kann ich mir nicht erkl&#228;ren. Mir erscheint die Sache ganz einfach; aber ich bin ja kein gebildeter Mann. Es gibt nur zwei Klassen, die Bourgeoisie und das Proletariat&#8230;&#8221; Da kommst du schon wieder mit deinen dummen Phrasen&#8221;, schrie der Student. „Nur zwei Klassen&#8221;, fuhr der Soldat hartn&#228;ckig fort, und wer nicht auf der einen Seite ist, der ist auf der anderen.&#8221; John Reed, 10 Tage, die die Welt ersch&#252;tterten. <a href="http://www.ml-werke.de/andere/reed.htm">www.ml-werke.de/andere/reed.htm</a>, 17. Juli 2009</p>
<p>[4]  „Sozialwissenschaftliche und politisch-&#246;konomische These der 1950er/1960er Jahre, die von einer strukturell bedingten Ann&#228;herung zwischen kapitalistischen und sozialistischen Systemen ausging: Da beide Ideologien und Wirtschaftsformen mit den gleichen innergesellschaftlichen Anforderungen der modernen Industrieproduktion konfrontiert sind (z.B. Arbeitskr&#228;ftekonzentration, hochgradige Arbeitsteilung, zunehmender Kapitalbedarf, Abkehr vom Familieneigentum, zunehmende Effizienzsteigerung), werden sie sich organisatorisch, technisch und wirtschaftlich angleichen.“ &#8212; Lexikon der Bundeszentrale der Politischen Bildung, Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 4., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2006. <a href="http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=9WCT23">www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=9WCT23</a>, 21.07. 2009</p>
<p>[5]  Die dementsprechende Kritik von Marxisten, dass die technische Entwicklung und deren Konsequenzen ohne Verst&#228;ndnis der sozialen Formen der Produktionsweise in Ost und West betrachtet werden, war zutreffend. Problematisch ist der Standpunkt, von dem aus diese berechtigte Kritik geleistet wird, die Annahme, die sogeannte sozialistische Warenproduktion und der westliche industrielle Warenproduktion und die mit beiden verbundenen Klassen- und Herrschaftsstrukturen seinen von gegens&#228;tzlicher, einander ausschlie&#223;ender sozial&#246;konomischer Qualit&#228;t. Siehe Stichwort „Konvergenztheorie“, Philosophisches W&#246;rterbuch“, Leipzig 1996, Hg. Georg Klaus und Manfred Buhr, Bd. 2, S. 599ff.</p>
<p>[6]   In den Grundrissen der Kritik der Politischen &#214;konomie kam Marx zu Aussagen &#252;ber einen Entwicklungsstand der kapitalistischen Produktionsweise, der Produktivit&#228;t menschlicher Arbeit, der technischen Entwicklung und der Entwicklung des Charakters der Arbeit noch innerhalb des Kapitalismus, die die sachlichen und menschlichen Voraussetzungen daf&#252;r hervorbringen, dass die kapitalistische Form der Reichtumsproduktion zu miserablen Grundlage und die wertvermittelte Produktionsweise aufhebbar wird. Dies Aussagen sind logische Entwicklung und Antizipation eines zuk&#252;nftigen Zustandes in einem. MEW 24/592ff.6  In den Grundrissen der Kritik der Politischen &#214;konomie kam Marx zu Aussagen &#252;ber einen Entwicklungsstand der kapitalistischen Produktionsweise, der Produktivit&#228;t menschlicher Arbeit, der technischen Entwicklung und der Entwicklung des Charakters der Arbeit noch innerhalb des Kapitalismus, die die sachlichen und menschlichen Voraussetzungen daf&#252;r hervorbringen, dass die kapitalistische Form der Reichtumsproduktion zu miserablen Grundlage und die wertvermittelte Produktionsweise aufhebbar wird. Dies Aussagen sind logische Entwicklung und Antizipation eines zuk&#252;nftigen Zustandes in einem. MEW 24/592ff.</p>
<p>[7]  Von einem jeweils unterschiedlichem Entwicklungsniveau der kapitalistischen Produktionsweise ausgehend, sahen sie sozusagen einzelne der o.g. Marxschen Bestimmungen das Verh&#228;ltnisses Kapital/Arbeit als die entscheidenden an. Bernstein sah die proletarische Bewegung f&#252;r eine noch unbestimmte Zeit mehr als ein relativ selbst&#228;ndiges Moment des organischen Ganzen b&#252;rgerliche Gesellschaft. Konsequenterweise sah er die Vorstellung vom sogenannten Endziel der proletarischen Bewegung, dass als Ergebnis einer letzten (Vernichtuns-)Schlacht begriffen und besungen wurde, als eine f&#252;r die tats&#228;chlich anstehenden K&#228;mpfe des (deutschen) Proletariats l&#228;ssliche propagandistische Floskel an. Lenin dagegen bewegte sich viel mehr in den Kategorien der Marxschen zweiten Bestimmung. Er agierte bezogen auf einen Weltteil, der in voller Konkurrenz zum westlichen entwickelten Kapitalismus stehend selbst eher an einem Mangel an b&#252;rgerlich-kapitalistischer Entwicklung litt als an solchen Krisen, die bereits deren zivilisatorische &#220;berlebtheit anzeigten. Was die schwache russische Bourgeoisie nicht vermochte, schaffte der russische Staatskapitalismus unter bolschewistischer F&#252;hrung: Die urspr&#252;ngliche Akkumulation, die weitgehende Proletarisierung der Bev&#246;lkerung. Dies geschah in einer solch forcierten Weise, dass tats&#228;chlich eine solche industrielle Warenproduktion zustande kam, die sich (bis an die Grenzen, die der Fordismus setzte) in der internationalen Konkurrenz behaupten konnte. Dies erschien als ein Daseinskrieg gegen die Weltbourgeoisie und auf diese Auseinandersetzung wurden auch die inneren Konflikte projiziert, die sich notwendig mit der industriellen Warenproduktions und der entsprechenden Klassenspaltung ergab.</p>
<p>[8]  Karl Marx, &#214;konomisch-philosophische Manuskripte, MEW EB I/529.</p>
<p>[9]  Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. MEW 1/390.</p>
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		<title>Keimform &#8212; wovon?</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Jul 2009 17:36:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Uli Wei&#223;</em></p>
<p><strong>1.</strong> Ich gehe von einem unverzichtbaren Zusammenhang zwischen der Praxis der Lohnarbeit, der Individualit&#228;ten der darin agierenden Menschen und der m&#246;glichen Aufhebung des Kapitalismus aus. Siehe meine Argumente gegen Robert Kurz: <a href="http://opentheory.org/sintflut/text.phtml">»Sintlut ohne Arche«</a>. In dessen Schwarzbuch wird der ganze Kapitalismus als ein l&#228;sslicher Irrtum der Geschichte angesehen, an dem vorbei etwa die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Luddismus">Ludditen</a> direkt in den Kommunismus h&#228;tten marschieren k&#246;nnen, wenn nicht die b&#252;rgerlichen Ideologen &#8230; Ohne bestimmte gesellschaftliche (sachliche und menschliche) Voraussetzungen, die erst im Kapitalismus entstehen, also wesentlich durch die Lohnarbeit geschaffen werden, ist Kommunismus undenkbar.</p>
<p><span id="more-268"></span><strong>2.</strong> Meines Erachtens geht das zusammen mit meiner Annahme, dass die Lohnarbeiter in ihrer Bestimmung <em>als Lohnarbeiter nicht</em> die Potenz haben, den Kapitalismus durch die Konstitution der kommunistischen Gesellschaft aufzuheben.</p>
<p>Ich stimme der Marxschen Aussage zu (Dt. Ideologie; MEW 3/77), dass der Proletarier „innerhalb seiner Klasse“, innerhalb seiner „Lebensbedingungen, der [Lohn-]Arbeit“ keine Chance hat &#8230;  pers&#246;nlich zur Geltung zu kommen“, dass um dies zu erm&#246;gliche, diese Lebensbedingungen, die Lohnarbeit und damit der Staat, die „Form, in der die Individuen der Gesellschaft sich bisher einen Gesamtausdruck gaben“ aufgehoben werden m&#252;ssen.</p>
<p>Ich meine aber nicht mehr, dass diese Bedingungen durch irgendeinen Klassenkampf aufgehoben werden k&#246;nnen, nicht durch „die Erhebung des Proletariats zur herrschenden Klasse“, nicht durch die Diktatur des Proletariats.</p>
<p>Ich schlie&#223;e &#252;berhaupt eine solche &#220;bergangsgesellschaft zwischen Kapitalismus und Kommunismus aus, die durch irgendeine politische Macht (auch nicht durch eine proletarische) konstituiert werden k&#246;nnte.</p>
<p>Ich habe mich auch von der Annahme einer solchen ersten Phase des Kommunismus verabschiedet, wie sie Marx in der Kritik am Gothaer Programm beschreibt (auf die sich der fr&#252;here Osten nicht zu unrecht bezog), in der „dasselbe Prinzip wie beim Austausch von Waren&#228;quivalenten“ herrscht, sozusagen sozialistische Warenproduktion in einem sozialistischen Staat. Die Vorstellungen, in einer &#220;bergangszeit Prinzipien und Formen der b&#252;rgerlichen Gesellschaft nutzen zu k&#246;nnen und zu m&#252;ssen, um eine neue Gesellschaft zu konstituieren, hatten – obwohl irrige – eine erhebliche gesellschaftliche Wirksamkeit. (Siehe Lenin: N&#214;P, DDR: N&#214;S, Sozialismus als relativ selbst&#228;ndige Gesellschaftsformation). Sie geh&#246;ren einer vergangenen Zeit an. Sie sind Ausdruck des – was das behauptete Ziel betrifft, unrealisierbaren – Versuchs, einen Weg in den Kommunismus zur er&#246;ffnen unter Bedingungen, da dessen Voraussetzungen noch nicht gegeben waren.</p>
<p><strong>3.</strong> Hier muss etwas gesagt werden zum Unterschied zwischen <em>Voraussetzungen</em> und <em>Bedingungen</em> des Kommunismus. Wird das nicht klar getrennt, entstehen erhebliche Missverst&#228;ndnisse.</p>
<p>Die im Kapitalismus entstehenden Voraussetzungen des Kommunismus sind solche, auf deren Grundlage es &#252;berhaupt erst m&#246;glich wird, dass das Schaffen der materiellen Voraussetzungen menschlicher Existenz nicht mehr (oder minder) des &#228;u&#223;eren Zwang der &#214;konomie bedarf. Es geht um solche zivilisatorischen Errungenschaften, auf deren Basis die sch&#246;pferischen T&#228;tigkeiten nicht mehr wie die Lohnarbeit „nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbed&#252;rfnis“ werden k&#246;nnen und damit auch der „b&#252;rgerliche Rechtshorizont &#8230; &#252;berschritten werden“ kann.“</p>
<p>Ich halte diese Charakteristik kommunistischer sch&#246;pferischer T&#228;tigkeit nicht f&#252;r eine l&#228;ssliche Floskel von Marx und die Frage danach, inwiefern solches innerhalb der heutigen kapitalistischen Gesellschaft entsteht nicht als Ausdruck weltfremden Spekulierens. Es ist ein wichtiger (nicht der einzige) Ma&#223;stab, um &#252;berhaupt die Voraussetzungen einer Gesellschaft f&#252;r eine kommunistische Entwicklung einsch&#228;tzen zu k&#246;nnen, sich selbst mit der Frage nach Wegen aus dem Kapitalismus ernst zu nehmen. Ich will dar&#252;ber reden – und halte das nicht als einen verzichtbaren alten ML-Ballast (Benni) – ob die fortgeschrittenste kapitalistische Produktionsweise heute solche Voraussetzungen geschaffen hat, an die Marx die Aufhebbarkeit einer auf Verwertung gegr&#252;ndeten Produktionsweise und der entsprechenden b&#252;rgerlichen Gesellschaft kn&#252;pfte. Besonders geht es dabei um die sich noch innerhalb des Kapitalismus vollziehenden Ver&#228;nderungen im Arbeitsprozess. (sh. meinen diese Diskussion ausl&#246;senden Text, ausf&#252;hrlicher u.a. in <a href="http://www.trend.infopartisan.net/trd0499/t090499.html">„Marx und der m&#246;gliche Sozialismus“</a>). Es ist nicht nur so, dass ohne solche Voraussetzungen ist Warenproduktion nicht aufhebbar, kann keine kommunistische Bewegung erfolgreich sein, landen entsprechende Versuche immer wieder in der „alte Schei&#223;e“. Wenn ich richtig lese, dann h&#228;lt Ingolf dies („Arbeit“ oder Arbeit als Lebensbed&#252;rfnis) &#252;berhaupt f&#252;r v&#246;llig illusorisch und zwar f&#252;r ewig. Und Hubert sieht solche Voraussetzungen noch nicht gegeben. Was ist an meinen Annahmen betreffs der Voraussetzungen nicht zutreffend? Das zu diskutieren w&#228;re sinnvoll. Es gibt hier keine Selbstverst&#228;ndlichkeiten. Dies vor allem nicht, weil das, was mensch als Voraussetzungen ansieht, wesentlich davon abh&#228;ngt, was er sich unter einer kommunistischen Form der Vergesellschaftung vorstellt. Deshalb eben die Frage: Keimform – <em>wovon</em>?</p>
<p><strong>4.</strong> Wenn ich solchen Wert auf die Diskussion von geschichtlichen Voraussetzungen des Kommunismus leben, dann hei&#223;t das <em>nicht</em>, dass dieser aus den inneren Logiken der kapitalistischen Produktionsweise ableitbar ist, auch nicht, wenn die entfaltetsten Voraussetzungen gegeben w&#228;ren. Es sind Voraus-Setzungen einer m&#246;glichen Entwicklung. Die Voraussetzungen selbst <em>bedingen</em> aber den Kommunismus <em>nicht</em>. Kapitalismus ist nicht unentfalteter Kommunismus – wie Matti in Hegelscher Konsequenz wohl sagen w&#252;rde? Und dieser ist nicht ein vollendeter Kapitalismus.</p>
<p>Wenn ich das so sehe und zugleich eine &#220;bergangsgesellschaft ausschlie&#223;e, in der etwa ein vern&#252;nftig (im proletarischen oder allgemeinen Sinne) agierender Staat oder ein Automatismus (wie bei Christian) die Waren-/Produktproduktion und -zuteilung entsprechend irgendwie erfasster Bed&#252;rfnisse und gebunden an die Arbeitsleistungen regelt, kann es aber dann &#252;berhaupt Wege aus dem Kapitalismus geben? L&#228;sst sich das &#252;berhaupt denken?</p>
<p>Es m&#252;ssen eben nicht nur <em>Voraussetzungen</em>, sondern zugleich die <em>Bedingungen</em> des Kommunismus benannt werden. Was sind solche Bedingungen im Unterschied zu Voraussetzungen? Es m&#252;ssten solche jenseits der kapitalistischen Produktionsweise und jenseits ihren Logiken entstehende Praxen sein, die solche sozialen <em>Formen</em> auszeichnen, deren Verallgemeinerung die Konstitution einer kommunistischen Gesellschaft bedeuten w&#252;rde – eben <em>Keim-Formen</em> einer kommunistischen Vergesellschaftung. Die sachlichen und menschlichen Voraussetzungen solcher Praxen und der M&#246;glichkeit, dass sie zur gesellschaftskonstituierenden Kraft werden k&#246;nnen (erst wenn auch dies zweite gegeben, k&#246;nnen diese Praxen als Keimformen begriffen werden) entstehen  innerhalb des kapitalistischen Produktionsweise. Die Praxen selbst und ihre Formen sind jedoch eine Neusch&#246;pfung, eine geschichtliche Tat.</p>
<p>Konstituiert werden solche Praxen von den beteiligten Individuen <em>nicht als Klassenindividuen</em>. Insofern diese Menschen zugleich Lohnarbeiter oder als Wissenschaftler erwerbst&#228;tig sind, ergibt sich ihre freie T&#228;tigkeit, die ihnen selbst Lebensbed&#252;rfnis ist, gerade nicht aus der Logik ihrer (Lohn-)Arbeit.</p>
<p><strong>5.</strong> Ein solcher Gedankengang ist f&#252;r Menschen, die in ihrer Engagement auf die Bef&#246;rderung der Arbeiterbewegung mit ihren zivilisatorischen Potenzen orientiert waren oder sind, offenkundig eine Zumutung. Als Analogie verweise ich auf die Entstehung der kapitalistischen Produktionsweise. (Das ist kein Beweis, aber vielleicht hilft es, sich dem Keimformdenken zu &#246;ffnen.) Deren Voraussetzungen waren</p>
<ul>
<li>akkumuliertes Handels- und Raub-“Kapital“,</li>
<li> von Sklaverei oder feudaler Abh&#228;ngigkeit freie Menschen,</li>
<li> kulturelle und technische Voraussetzungen,</li>
<li> &#8216;Konsumbed&#252;rfnisse, die nur beschr&#228;nkt oder gar nicht in der gegebenen Produktionsweise befriedigt werden konnten. (Marx verweist darauf, dass es wesentliche derartiger Voraussetzungen schon im alten Rom gegeben habe: Proletarier, freies „Kapital“, Bed&#252;rfnisse, auch in Handelszentralen des Mittelalters.)</li>
</ul>
<p>Die Konstitution der kapitalistischen Produktionsweise selbst ging nicht etwa aus dem mittelalterlichen Zunftwesen hervor, nicht aus dem Kampf der feudalen Klassen gegeneinander. Es war in keiner Weise eine Fortsetzung der Bewegungslogiken feudaler Institutionen.</p>
<p>Was die &#214;konomie betrifft, so hat die Verbindung der genannten Voraussetzungen in den <em>Manufakturen</em>, also etwa <em>jenseits</em> der <em>Zunftverh&#228;ltnisse</em>, diejenigen Praxisformen konstituiert, die in ihrer Verallgemeinerung die kapitalistische Produktionsweise <em>bedingten</em>. Keimformen einer neuen Vergesellschaftung.</p>
<p><strong>6.</strong> Unter anderem sind die Marxschen Kategorien „Arbeitsteilung“ sowie „formelle und reelle Subsumtion der Arbeit unter das Kapital“ geeignet, sowohl das Entstehen unverzichtbarer Voraussetzungen f&#252;r den Kommunismus zu erfassen als auch zu verstehen, dass sie selbst den Kommunismus nicht bedingen.</p>
<p>Marx beschreibt wie es mit der Entwicklung der Maschinerie dazu kommt, dass die urspr&#252;nglich (etwa in den fr&#252;hkapitalistischen Manufakturen) nur bestehende formelle Subsumtion (hier wurde die Arbeit noch in der alten Weise handwerklicher Produktions geleistet aber eben formell als Verwertungsprozess) zugleich zur reellen wird. Mit der mechanisierten Produktion, in der die unmittelbaren Produzenten dann zum Anh&#228;ngsel der Maschine werden, sie werden sozusagen von der Maschinerie angewendet, entstehen die dem Kapital eigentlich erst angemessenen Produktionsmittel und Arbeitsweisen. Darin kommt die kapitalistische Produktionsweise sozusagen erst zu sich selbst. Diese Entwicklung findet ihren H&#246;hepunkt in Flie&#223;bandproduktion der tayloristischen-fordistischen Produktionsweise, in der die L&#252;cken in der Maschinerie in einer solchen Weise durch Lohnarbeiter ausgef&#252;llt werden, dass die Arbeiten idealerweise auch von einem intelligenten Gorilla ausgef&#252;hrt werden k&#246;nnten (Taylor). In dieser reellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital ist die formelle Subsumtion auf die Spitze getrieben.</p>
<p>Mit den postfordistischen &#196;nderungen des Charakters der Arbeit werden beide Unterordnungen immer problematischer.</p>
<p>Marx hatte in Verbindung mit der Automatisierung erwartet, dass die wissenschaftliche, k&#252;nstlerische und spielerische F&#228;higkeiten sowie die der sozialen Kompetenzen f&#252;r die Reichtumsproduktion eine solche Bedeutung gewinnen, dass die Einbindung dieser T&#228;tigkeiten in den Verwertungsprozess zur miserablen Grundlage der Reichtumsproduktion &#252;berhaupt wird. In den entscheidenden Kernbereichen kapitalistischer Produktion vollzieht sich heute tats&#228;chlich dieses Heraustreten von Produzenten aus dem unmittelbaren Fertigungsprozess. Aber angesichts der weiterhin bestehenden formellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital kommt es nicht dahin, wof&#252;r mit diesem Prozess wesentliche Voraussetzungen gegeben werden: zur Aufhebung der reellen Subsumtion. Im Gegenteil. Die postfordistischen Produktionsformen sind mit einer weiteren Vertiefung der menschlichen Unterwerfung unter die Kapitalverh&#228;ltnisse verbunden. Nicht nur dass viele Akteure die Kontrollfunktionen im kapitalistischen Produktionsprozess in ihre eigene T&#228;tigkeit hineinnehmen. Sie sind gezwungen, ihren gesamten Lebensprozess gem&#228;&#223; der Anforderung der Kapitalverwertung zu unterwerfen. Die so genannte Ich-AG kann als Symbol hierf&#252;r gelten.</p>
<p>Das hei&#223;t die Voraussetzungen einer m&#246;glichen Aufhebung der Kapitalverh&#228;ltnisse konstituieren mitnichten aus ihren eigenen Logiken heraus eine Vergesellschaftungsform jenseits des Es/Ich-muss-sich/mich-rechnen. Selbst die gr&#246;&#223;te M&#246;glichkeit individueller Selbstst&#228;ndigkeit, solange der Akteur innerhalb der Kapitalverh&#228;ltnisse agiert, bleibt eine rein abstrakte M&#246;glichkeit, verkehrt sich real und vom Akteur selbst exekutiert best&#228;ndig in Unterwerfungen unter den nun nun auch noch selbst exekutierten stummen Zwang der &#214;konomie.</p>
<p><strong>7.</strong> Aber genau hier rebelliert auf eine neue Weise die menschliche Produktivkraft gegen ihre Unterordnung unter die Zw&#228;nge der Kapitalverwertung. Als Reaktion auf entsprechende Beleidigung menschlicher Sch&#246;pferkraft geht es nunmehr nicht mehr wie im proletarischen &#246;konomischen und politischen Klassenkampf vorrangig darum, die Reproduktionsbedingungen der Arbeitskraft innerhalb der gegebenen Grundstruktur zu sichern und zu verbessern. Dieser Kampf wird  freilich weitergef&#252;hrt. F&#252;r unsere Frage bedeutsam ist vielmehr, dass auf der Grundlage der inzwischen geschaffenen Voraussetzungen freier T&#228;tigkeiten au&#223;erhalb der kapitalistischen Produktion auch Praxen entstehen, in denen dieses Sch&#246;pfertum seine Befriedigung findet. Es sind Praxen, in denen das Schaffen n&#252;tzlicher Dinge als Selbstgenuss der Akteure sich freier entfalten kann. Im Unterschied etwa zu Kleingartenvereinen, in der dieser Selbstgenuss auch eine Rolle spielt – insofern auch eine Gegenst&#252;ck zur Unterordnung unter das Kapital in der Lohnarbeit – geht es hier um Praxen mit der inneren Potenz geschichtsm&#228;chtig zu werden, eine neue Produktionsweise zu bedingen. Der ganze Bereich freier Software ist eine solche Praxis, eine solche Reaktion auf die im high-tech-Bereich geknechtete menschliche Sch&#246;pferkraft. Es ist eine arbeitsteilig tief gestaffelte, international vernetzte Praxis, in der die Wert- und Herrschaftsf&#246;rmigkeit und damit die Kapitalverh&#228;ltnisse aufgehoben sind. Hier ist der Genuss an sch&#246;pferischer T&#228;tigkeit und am selbst geschaffenen Produkt die entscheidende Triebkraft das Entstehens von n&#252;tzlichen Dingen, die auch noch allgemein ohne &#228;quivalente Gegenleistung zug&#228;nglich sind. Kein &#228;u&#223;erliche Zwang treibt hier die Akteure, keine Notwendigkeit, Anspr&#252;che auf die Leistungen anderer zu akkumulieren (etwa durch Lohnarbeit), keine Verpflichtung, &#196;quivalente zu bieten, keine Askese, keine Uneigenn&#252;tzigkeit treibt hier an, kein Klassenkampf konstituiert dies, keine staatliche oder sonstige Herrschaft – und doch werden hier in den entsprechenden Assoziationen mit der Erf&#252;llung der je eigenen Bed&#252;rfnisse der Akteure gesellschaftliche Bed&#252;rfnisse erf&#252;llt und zwar zuverl&#228;ssig.</p>
<p><strong>8.</strong> Ein entscheidendes Wak-Problem ist die Konstitution solcher Praxisformen auch in solchen Bereichen deren (nichtvirtuelle) Produkte sich (anders als etwa bei Software) in der Konsumtion vernutzen. Je nachdem, ob man dies f&#252;r m&#246;glich h&#228;lt und zwar in einer Weise, dass in diese Form von sch&#246;pferischer T&#228;tigkeit auch die gesamten materiellen Lebensbedingungen geschaffen werden k&#246;nnen, begreift man solche Praxen wie die der freien Software-Szene als Keimform einer neuen Vergesellschaftung oder eben nicht.</p>
<p><strong>9.</strong> Das Entstehen dieser Praxen jenseits der Logiken der kapitalistischen Produktionsweise ist eine Neukonstitution. Diese entwickelt von vornherein ihre eigenen Logiken. Sie stellen nicht (wie Marx etwa in der Kritik am Gothaer Programm annahm, eine solche Phase einer neuen Vergesellschaftung in der f&#252;r ihre Konstitution bzw. ihren Fortschritt Fortschritt wenigstens vor&#252;bergehend noch solche Instrumente und Strukturen zu nutzen w&#228;ren, die f&#252;r die kapitalistische Produktionsweise charakteristisch sind. Diese Praxen konstituieren in diesem Sinne nicht eine erste Phase (die etwa noch der Warenproduktion und des b&#252;rgerlichen Rechts bedarf), nach der dann die zweite, die eigentliche k&#228;me. Diese Praxen sind nicht das Ergebnis irgendeines Klassenkampfes. Sie folgen keinerlei Klassen- und Herrschaftslogik. Sie bedeuten von vornherein die praktische Aufl&#246;sungen der Grundinstitutionen der b&#252;rgerlichen Gesellschaft (Warenproduktion, Lohnarbeit, Wertvermittlung, &#196;quivalenzverh&#228;ltnisse &#252;berhaupt, Staatlichkeit). Eine Gesellschaftlichkeit, die solchen Praxen ad&#228;quate ist, ist die kommunistische. Was die inneren sozialen Formen betrifft, ist entsteht damit etwas, wozu kein Real-“Sozialismus“ in der Lage sein konnte: Es konstituieren sich vornherein Keime einer Gesellschaftlichkeit, die in ihrer Existenz und in ihrer m&#246;glichen Verallgemeinerung nicht derjenigen Mittel der alten Gesellschaft bed&#252;rfen, die einst eben auch Marx als &#220;bergangsnotwendigkeit angesehen hatte.</p>
<p><strong>10.</strong> Ist das die Idylle eines Hineinwachsens in den Kommunismus?</p>
<p>Die Individuen, die solche Praxisformen konstituieren, deren Verallgemeinerung einen Kommunismus konstituieren w&#252;rde, leben, was ihren materiellen Lebensunterhalt betrifft, vorerst zugleich von einem mehr oder minder funktionierenden Kapitalismus.</p>
<p>Wie alle Menschen der b&#252;rgerlichen Gesellschaft sind sie gezwungen, sich innerhalb der knechtenden Erwerbsarbeit oder als durch solche alimentiert, kontrolliert und erniedrigt zu behaupten. Dem gegen&#252;ber steht deren parallele Praxis einer freien Assoziation, in der die Individualit&#228;ten als solche zur Geltung kommen. Diese Zerrissenheit ihrer Existenz, ist alles andere als eine Idylle. Die Zw&#228;nge der einen, sich verwerten, sich verwursten zu m&#252;ssen und die menschlichen M&#246;glichkeiten der anderen stellen sich best&#228;ndig gegenseitig in Frage. Was die Akteure, die solche Keimform-Praxen tragen, ist diese Geschichte auch immer eine der best&#228;ndigen elenden Kompromisse und menschlicher Niederlagen. Doch genau entlang dieser Widerspr&#252;che findet das Ringen um eine neue Vergesellschaftung statt.</p>
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		<title>Vom Ritual zur Revolte &#8212; Nachbereitung</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Feb 2007 09:44:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wak</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nachbereitung der Veranstaltung »Vom Ritual zur Revolte« vom 10. Januar 2007 Donnerstag, 15. Februar 2007, 18:00 Uhr, Helle Panke (Achtung: Verschiebung vom Mittwoch, 14. Februar 2007) Uli Wei&#223;: Notizen zur Veranstaltung vom 10. Januar 2007 Johannes: Wole Soyinkas drei Schaffensphasen. Modernistische (auf nachholende Entwicklung nach westeurop&#228;ischen Muster orientiert) Negritude (Mobilisierung der eigenen afrikanischen Traditionen/M&#246;glichkeiten) 1. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachbereitung der Veranstaltung <a href="http://wadk.de/2007/vom-ritual-zur-revolte/">»Vom Ritual zur Revolte«</a> vom 10. Januar 2007</p>
<p>Donnerstag, 15. Februar 2007, 18:00 Uhr, <a href="http://wadk.de/helle-panke/">Helle Panke</a> (Achtung: Verschiebung vom Mittwoch, 14. Februar 2007)</p>
<h3>Uli Wei&#223;: Notizen zur Veranstaltung vom 10. Januar 2007</h3>
<p><span id="more-159"></span><strong>Johannes: Wole Soyinkas drei Schaffensphasen.</strong></p>
<ol>
<li>Modernistische (auf nachholende Entwicklung nach westeurop&#228;ischen Muster orientiert)</li>
<li>Negritude (Mobilisierung der eigenen afrikanischen Traditionen/M&#246;glichkeiten) 1. und 2.: S. argumentiert hier weniger &#246;konomisch als politisch. Dies immer angesichts der Notwendigkeiten, ungeheuer Interessenkonflikte auszugleichen.</li>
<li>Phase, in der die (auch von S. nachgefragten, also vorl&#228;ufigen) Gewissheiten von 1. und 2. abhanden gekommen sind. In dieser werden verst&#228;rkt Alternativen auf der mehr &#228;sthetischen Ebene gesucht. Obwohl auf diesem Feld keine Zukunftsperspektiven sichtbar werden, engagiert sich S. zur Sicherung unmittelbarer Existenz politisch.</li>
</ol>
<p>Ist die Diskussion dieser Entwicklung Soyinkas f&#252;r unsere Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus relevant?</p>
<p>Was bedeutet st&#228;rker Orientierung auf &#196;sthetik bei S.?</p>
<p><strong>Johannes:</strong></p>
<ol>
<li>S. vertraut auf die Autonomie von Menschen. Er greift auf alte Rituale zur&#252;ck (als Formen von Gesellschaftlichkeit).</li>
<li>Diese Autonomie wie die Pr&#228;senz der Rituale(?) sind sowohl von der modernistischen Entwicklung als auch von der negrituden Politik (?) bedroht. Sie werden von Parteien, den entsprechenden politischen Strukturen sowie wirtschaftlichen Entwicklungen (Warenproduktion) unterh&#246;hlt, jedoch nicht vollst&#228;ndig von diesen &#8220;aufgefressen&#8221;. Zu beachten ist, dass die teils unter- bzw. abgebrochene modernistische Entwicklung den Nigerianern nur h&#246;chst begrenzt den Zugang zu den zivilisatorischen Leistungen der westeurop&#228;isch-b&#252;rgerlichen Epoche er&#246;ffnet.</li>
<li>S. entwickelt keine Theorie der gesellschaftlichen Konstitution im westeurop&#228;ischen Sinne von Wissenschaft eine. Er beschw&#246;rt vielmehr angesichts der mangelnden M&#246;glichkeiten, im Sinne der Hoffnungen der ersten und zweite Phase auf menschliche Weise voranzuschreiten, sozusagen die weiterhin wirksamen Rituale als m&#246;gliche Grundlagen der Konstitution von Gemeinschaften bzw. Gesellschaft. Bezogen auf die sehr widerspr&#252;chliche chaotische Realit&#228;t in Nigeria mobilisiert er entsprechende Symbole, Bilder, Geschichten.</li>
</ol>
<p>Eine Zentralfigur ist Ogun. Es ist ein fragender Gott, einer der Suche nach &#220;berg&#228;ngen. Die gesuchte Entwicklung ist in der entsprechenden Mythologie das Wiederherstellen der Verbindung des G&#246;ttlichen (des Ganzen?) mit den Menschen. Das schlie&#223;t bei Ogun den Durchgang durch das Chaos ein.</p>
<p><strong>Uli:</strong></p>
<p>Soyinkas Fortschreiten(?), sein &#8220;R&#252;ckzug&#8221; von den gr&#246;&#223;eren Gesellschaftsentw&#252;rfen (Phase 1 und 2) ins &#196;sthetische will ich begreifen. Die &#228;sthetische ist eine bestimmte Aneignungsform von Welt. Die anderen: die praktische Aneignung (wirtschaftliche, politische), die theoretische Aneignung,</p>
<p>Was ist die Besonderheit des &#196;sthetischen? Es gibt die M&#246;glichkeit, den Menschen in seiner Existenz im Bild, Ton, Bewegung &#8230; als ein den Sinnen unmittelbar zug&#228;ngliches Ganzes zu erfassen? Soyinka wendet sich zugleich nicht vom praktischen (politischen) ab. Wie ist die Wechselwirkung zwischen dem &#196;sthetischen und &#214;konomie, Politik, Theorie &#8230;? Bei Soyinka, bei anderen, bei uns?</p>
<p><strong>Eine Analogie?: H&#246;lderlin – Schiller</strong></p>
<p>Nach H&#246;lderlins Meinung wendet sich sein geistiger Vater Schiller von seinem fr&#252;hen revolution&#228;ren Anspruch ab. Er ziehe sich sozusagen in den &#228;sthetischen Bereich zur&#252;ck. In Schillers Selbstverst&#228;ndnis: Das Bild einer anderen Welt an die Kerkerwand projizieren (nicht mehr den Kerker selbst angreifen). H&#246;lderlin h&#228;lt dagegen an seinem urspr&#252;nglichen Anspruch fest, findet aber in der Welt keine Resonanz (nicht in Deutschland, nicht in Frankreich, auf das er mit Hegel und Schelling besondere Hoffnungen gesetzt hatte). Um seinem menschlichen Streben &#252;berhaupt noch Ausdruck geben zu k&#246;nnen, fl&#252;chtet er ins idealisierte klassische Griechenland sowie in eine unerf&#252;llbare Liebe – und wird verr&#252;ckt.</p>
<p>Heise (ein DDR-Kulturwissenschaftler) interpretierte das so: Schiller als &#196;lterer war mit dem gleichen Problem wie H&#246;lderlin konfrontiert. Er erfasste gleich diesem die Unerf&#252;llbarkeit seiner Ideale innerhalb der damals &#252;berschaubaren Welt. Er lie&#223; sich aber auf jene entstehende b&#252;rgerliche Gesellschaft ein, deren Widerspr&#252;chlichkeit er wohl kannte, deren Aufhebung ihm aber noch nicht denkbar war. Er suchte Wege, in ihr im Sinne seiner fr&#252;hen Freiheitsideale zu wirken. Im Gegensatz zu H&#246;lderlin lie&#223; er sich auf diese historisch noch nicht &#252;berschreitbare Situation ein und versuchte entsprechend seinem Menschheitsideal eben &#252;ber das &#228;sthetische Bild zu wirken. In diesem Sinne – in der geschichtsmaterialistischen Sicht, nach der die materiellen und geistigen Bedingungen f&#252;r das sp&#228;tere &#8220;Reich der Freiheit&#8221; erst in der b&#252;rgerlich-kapitalistischen Formation entstehen k&#246;nnen – wurde Sch. den realen historischen M&#246;glichkeiten gerecht.</p>
<p>Diese Einsch&#228;tzung teile ich. Zugleich setzt das H&#246;lderlin nicht zur&#252;ck. Im Gegenteil, er ist sozusagen ein durch und durch Heutiger. Er hielt an seinen Idealen der allgemeinmenschlichen Emanzipation fest. Dies im Sinne der Marxschen Formulierung des kategorischen Imperativs, alle &#8220;Verh&#228;ltnisse umzuschmei&#223;en, in denen der Mensch ein erniedrigtes &#8230;Wesen ist.&#8221; Auch als er klar erfahren musste, dass dies die M&#246;glichkeiten der b&#252;rgerlichen Gesellschaft weit &#252;bersteigen, richtete sich nicht im Gegebenen ein. W&#228;hrend Schiller vom B&#252;rgertum (das &#8220;sozialistische&#8221; der DDR eingeschlossen) zum Nationaldichter erhoben wird, fand und findet H&#246;lderlin in der b&#252;rgerlichen Welt keine Bilder und kaum Adressaten.</p>
<p>Auf andere Weise geschieht dies sp&#228;ter Dostojewski wieder. Um – in ihrer beider Not – die Hoffnungen doch aussprechen zu k&#246;nnen, &#8220;rettet&#8221;, sich der eine in die griechische Mythologie, der andere in die russische Orthodoxie/Seele. (Dies auch mit der &#252;blen Konsequenz, dass sich reaktion&#228;rste Leute sich auf diese bezogen/beziehen.)</p>
<p>Ist Soyinkas Situation eine &#228;hnliche? Er stellt sich praktisch der katastrophalen (unmittelbar aber alternativlosen) Moderisierung, beschw&#246;rt zugleich mit Bildern einer anderen Welt Alternativen.</p>
<p>Wie sieht es mit der Rolle des &#196;sthetischen in unseren Versuchen aus, die gegebene b&#252;rgerliche Gesellschaft geistig und praktisch zu &#252;berschreiten?</p>
<h3>Lieder – &#228;sthetische Formen und sozialer Gehalt</h3>
<p><strong>Johannes: Beispiel Lieder der Arbeiterbewegung</strong></p>
<p>Es gibt Lieder bzw. deren Arrangements, die sowohl in der linken Arbeiterbewegung, in platter Volkst&#252;mlichkeit sowie auch unter den Faschisten verbreitet waren. Bei anderen ist das undenkbar. So etwa in den Arrangements von H. Eisler.</p>
<p><strong>Uli:</strong> Gibt es einen klar definierbaren Zusammenhang zwischen der &#228;sthetischen Formen und sozialen Gehalten?</p>
<p><strong>Johannes:</strong> Einen eindeutigen sicher nicht. An Hand der Lieder etwa von Eisler werde ich das untersuchen.</p>
<p><strong>Uli:</strong> Kann es sein, dass so wie nur mit bestimmten Praxisformen &#252;ber den Kapitalismus hinausgegangen werden kann, auch nur mit bestimmten Formen von Diskussionen und Texten, bestimmten Theorieformen, in bestimmten k&#252;nstlerischen Formen &#252;ber ihn hinausgedacht werden kann? Wenn das stimmt, dann m&#252;ssen diese Formen benennbar sein. Interessant ist doch, dass Marx die M&#246;glichkeit der tats&#228;chlichen Aufhebung des Kapitalismus und damit die Wirklichkeit des Kommunismus erst dann gegeben sah, wenn f&#252;r die Produktion von materiellem Reichtum bestimmte sch&#246;pferische Formen der T&#228;tigkeiten der Menschen entscheidend werden. Das w&#228;re nicht mehr die in knechtender Arbeitsteilung verausgabte Arbeit (etwa die unter fremden Befehl auszuf&#252;hrende Handarbeit), sondern die Formen von T&#228;tigkeiten, die unvermeidbar mit gro&#223;em Sch&#246;pfertum, mit Selbstgenuss des Menschen verbunden sind: wissenschaftliche, k&#252;nstlerische und spielerische T&#228;tigkeiten. (siehe Marx’ Grundrisse).</p>
<p>Hier sehe ich einen Zusammenhang mit den H&#246;lderlinschen Bildern (sh. Hyperion; &#8220;Handwerker fand ich, keine Menschen&#8221;), auch mit der Suche Dostojewskis (sh. seine Erkenntnisse &#252;ber einander entgegengesetzte menschlichen und die knechtenden T&#228;tigkeiten; Aufzeichnungen aus einem Totenhaus).</p>
<p>Aufhebung knechtender Formen von Arbeitsteilung bedeutete wohl auch, dass die Getrenntheiten, Gegens&#228;tzlichkeiten von Theorie und Praxis (hier mehr ausf&#252;hrende T&#228;tigkeiten gemeint) aufgehoben wird sowie die der &#228;sthetischen/spielerischen und wissenschaftlichen Formen der Aneignung von Wirklichkeit (der Zuordnungen dieser zu relativ getrennten Personenkreisen). Diese Annahme bzw. Suche steht auch hinter meinem Text, unsere Theorieformen betreffend (sh. Wei&#223;, nicht nur Theorie, open theory)</p>
<p><strong>Stefan:</strong> Mit diesem Test sch&#252;ttest das Kind mit dem Bade aus. Greifst mit der b&#252;rgerlichen Form von Wissenschaft die Wissenschaft, die Aufkl&#228;rung &#252;berhaupt an.</p>
<p><strong>Johannes:</strong> Auch wenn der Begriff belastet ist, ich will so etwas wie einen wissenschaftlichen Sozialismus. Eigentlich ist doch der b&#252;rgerliche Wissenschaftsbetrieb dabei, wissenschaftliche Anspr&#252;che aufzugeben zugunsten einer kurzatmigenVerwertungs- und Eventkultur. Ich dagegen will Wissenschaft retten.</p>
<p><strong>Uli:</strong> Wie geht das zusammen mit dem, was dich bei Soyinka so anspricht, was gerade nicht auf der Linie des abendl&#228;ndischen Wissenschaftsbegriffs liegt?</p>
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