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Bilderaffirmation und Bilderverbot

Vortrag vom 23.11.2012 in der Marxistischen Abendschule Hamburg als Slidecast (Folien + Audio: OGG/MP3) sowie Mitschnitt der Diskussion (OGG/MP3).

20 Comments

  • Benni sagt:

    Also das mit dem Poststrukturalismus als abstrakte Negation ist IMHO falsch. Denen geht es nicht um Negation sondern um Konjunktion, dass kriegst Du unter Deine hegelianischen Begriffe nicht einfach so subsumiert. Man kann das ja falsch oder nicht zielführend oder verkürzt oder whatever finden, aber das einfach auf abstrakte Negation reduzieren geht an der Sache vorbei und führt zu nix außer zu Mißverständnissen.

    Was ich jetzt noch nicht so verstanden hab:

    Kommunistisches in aller Geschichte, geschenkt. Aber wieso muss deswegen gleich Kommunismus=Geschichte sein (also so hatte ich das da jetzt verstanden, auch wenn ich eine Ahnung davon hab, dass Du es womöglich irgendwie anders meinen könntest, aber wie?).

    Und das mit den bezahlten FOSSlern, die keine Lohnarbeiter sind, seh ich ja auch anders, das hatten wir ja schon andernorts. Ich denke man kann sehr gut Lohnarbeiter sein, selbst wenn man keinen Wert produziert. Das kommt bei Marx halt einfach nicht vor, dass Wertproduktion und Lohnarbeit auseinanderfallen könnten, weil eben da noch keine Keimformen existierten.

  • Dass es beim Poststrukturalismus auch um eine Konjunktion des per Differenz (XOR-Disjunktion) Ausgegliederten geht oder besser: gehen könnte, widerspricht der Charakterisierung als »abstrakte Negation« erstmal nicht, IMHO. Dadurch wird der inhaltliche Bezug nicht notwendig wieder hergestellt, der vorher zerrissen wurde, obwohl die Potenz durchaus dazu bestünde. Ein Beispiel ist die Intersektionalität, die gerade angesagt ist. Sie versucht genau verschiedene Formen der Ausgrenzung in ihrem Zusanmmenwirken thematisieren, fügt also zusammen, was vorher zunächst (abstrahierend) getrennt wurde. Sehr weit geht diese Form der Konjunktion aber (noch) nicht. Um in deinem Bild zu bleiben: Sie operiert erst auf der Ebene der OR-Disjunktion — aber die formale Logik taugt hier eigentlich nicht zur Beschreibung. Wenn du andere Beispiele hast, würden mich diese interessieren.

    Zu deiner Frage: Wenn Kommunistisches in aller Geschichte ist, dann ist Geschichte die Geschichte der Entfaltung des Kommunistischen, also der Prozess. Das ist nicht zu verwechseln mit dem Resultat des geschichtlichen Prozesses, dem Kommunismus als gesellschaftlicher Form, der sich auf seiner _eigenen_ Grundlage entfaltet. Das ist vorher nämlich nicht der Fall.

    Dass mit der Lohnarbeit sehe ich tatsächlich anders, weil Lohnarbeit und Waren-/Wertproduktion inhaltlich-logisch verbunden ist. Keimform-Dasein ist kein Argument für die Trennung.

  • Benni sagt:

    Du kritisierst die Politik, die sich durch Lektüre des Poststrukturalismus inspirieren lässt, aber nicht die eigentliche Philosophie. Dazu müsste man die halt mal lesen.

    „Wenn Kommunistisches in aller Geschichte ist, dann ist Geschichte die Geschichte der Entfaltung des Kommunistischen, also der Prozess.“

    Wieso? Es ist auch kapitalistisches in aller Geschichte oder feudalistisches oder … Du hast ja selbst gesagt, dass alle Produktionsweisen im Prinzip imemr vorkommen, dass nur die Dominanz unterschiedlich ist historisch. Was zeichnet jetzt den Kommunismus dabei als so spezifisch aus, dass nur er den Anspruch erheben kann, quasi die Geschichte zu _sein_? Das erinnert mich gerade ungut an bürgerliche Geschichtsschreibung, die auch immer schon überall nur die bürgerliche Gesellschaft erkennt.

  • Ich habe einiges gelesen und mir ein vorläufiges Bild gemacht. Sehr gut kenne ich mich nicht aus, deswegen frage ich dich nach Quellen, die ggf. meine Vorurteile widerlegen könnten. Besonders frappierend finde ich das Dialektik-Unverständnis und -Bashing, das ich aber aus der inneren Logik schon nachvollziehen kann. Es richtet sich gegen ein plattes ML-Dialektikverständnis, bei dem in der Identität alle Differenzen verschwinden: »Die Ambiguität der idealistischen Dialektik besteht genau darin: sie sorgt für Spaltung, Bewegung und Prozeß, beseitigt sie aber gleich wieder im Namen einer höheren, metaphysischen und repressiven Wahrheit« (Foucault).

    Kommunismus ist die Potenz der gesellschaftlichen Menschen sich in menschlicher Gesellschaft zu entfalten. Es ist also keine Produktionsweise, die es durch die Geschichte hindurch immer gibt, sondern Grundlage jeder Gesellschaft, auch für den Kapitalismus. Nur: »Kapitalismus ist nur eine besonders schlechte Weise, den Kommunismus zu organisieren« (David Graeber). Eine Produktionsweise und eigene gesellschaftliche Form kann der Kommunismus erst werden, wenn sich die menschlichen Potenzen unbeschränkt entfalten können, sich der Kommunismus also auf seiner eigenen Grundlage entwickelt. So ist der Gedanke, der zugegeben dem mythologischen Idee eines ganz Anderen zuwiderläuft. Es holt den Kommunismus runter auf den Boden.

  • Hans-Gert Gräbe sagt:

    Hallo Stefan,

    wieso ist das „nicht A“ ein „Nicht-A“? „nicht A“ ist doch etwas nicht Bestimmtes, ein „Nicht-A“ aber etwas Bestimmtes. Dazwischen liegt ein Prozess des Fassens unter die Form des Wortes, aus dem (positiv) Unsagbaren wird etwas positiv Sagbares. Insofern doch gerade anders herum: ein „Nicht-A“ ist ein „nicht A“, aber bei weitem nicht die einzige Möglichkeit, das „nicht A“ unter die Form des Wortes zu fassen. Oder habe ich hier was vollkommen falsch verstanden?

  • Weil das Unsagbare, das Differente, indem du es sagst, differenzierst, bestimmst und damit zum Sagbaren, Differenzierten wird. An der Stelle bringe ich im Referat Spinozas „Jedes Bestimmen ist negieren“, aber dito umgekehrt. Wenn ein Nicht-A ein nicht A ist (wie du schreibst), dann ist auch ein nicht A ein Nicht-A.

  • Hans-Gert Gräbe sagt:

    1. Machen wir es doch konkreter: Pi ist eine reelle Zahl, für die es eine Beschreibung gibt. „nicht Pi“ kann mathematisch als „not equal Pi“ notiert werden und beschreibt extensional eine überabzählbare Menge. Die Anzahl aller Beschreibungen (als endliche Texte über endlichem Alphabet) ist aber abzählbar. Also sind aus rein logischen Gründen nicht alle Nicht-Pi (positiv) beschreibbar. Für die reellen Zahlen ist das Ganze noch relativ harmlos, da die Menge der reellen Zahlen selbst eine Beschreibung hat, also das Komplement innerhalb eines _beschreibbaren_ Universums gebildet wird. Das ist bei „nicht A“ nicht mehr der Fall.
    2. Wieso ist die Relation „ist ein“ symmetrisch? Dies suggeriert dein letzter Satz. Wenigstens in OWL ist das sogar kategorial falsch.

  • Du machst es nicht konkreter, sondern abstrakter, indem du in den Bereich der formalen Logik wechselst. Dort bekommst du es nicht gedacht.

  • Hans-Gert Gräbe sagt:

    Ich kann mit Argumentationen, die bereits den Regeln der formalen Logik widersprechen, nichts anfangen. Aber wir müssen das nicht vertiefen. Die Problematik des Konstrukts owl::complementOf ist hinreichend bekannt.

  • Und ich kann den Unterschied von formaler und dialektischer Logik nicht in wenigen Sätze erläutern. Insofern können wir das tatsächlich nicht vertiefen. Ich kann aber einen weiteren Vortrag empfehlen, in dem ich mich bemühe, einige Grundzüge darzustellen. Da geht’s zwar um ein anderes Thema (Psychologie), aber das Problem kommt ja überall hoch: http://grundlegung.de/material/vortrag-methodische-grundlagen/

  • Hans-Gert Gräbe sagt:

    Wir sind wahrscheinlich näher beisammen als es auf den ersten Blick scheint. Mich irritiert allerdings bei dir immer wieder, dass du dialektische Logik in Termini der formalen Logik ausdrückst, diese aber anders auflädst. Mein Hauptproblem dabei ist, dass hier ein schmaler Grat existiert, an welchem sich die Hegelsche und die Marxsche dialektische Logik diametral unterscheiden. Georg Klaus („Jesuiten, Gott, Materie“, S. 41) bringt dies für mich auf den Punkt, wenn er schreibt, dass „Hegel … das endliche menschliche Bewusstsein verabsolutiert und zur absoluten Idee erhoben hat“, während Marx davon ausgeht, dass „der Unendlichkeit der Welt und ihrer Entwicklung ein unendlicher dialektischer Erkenntnisprozess der Menschen entspricht“. Ich versuche also mal, mein diesbezügliches Verständnis deiner Überlegung mit meinen Worten auszudrücken: A ist ein im ersten Zugriff positiv bestimmter Begriff, „nicht A“ markiert den (in diesem Marxschen Verständnis potenziell unendlichen) mit dieser ersten Begriffsbestimmung nicht ausgeloteten (mit „nicht A“ aber benennbaren) Erkenntnisraum, in den mit der weiteren (ebenfalls potenziell unendlichen) Entwicklung vorgestoßen wird, um den Begriff A durch die Fassung eines positiv bestimmten Nicht-A negativ zu präzisieren und damit zu einer höheren Qualität von A, einem im zweiten Zugriff genauer positiv bestimmten Begriff A vorzustoßen. Usw. Ist zwar noch immer kein Entwicklungsgedanke von A selbst drin, aber komme ich damit deinen Überlegungen näher?

  • Ja, genau darum es mir: Es geht nicht um getrennte Fälle (die etwa auf formale Identität vergleichen könnte), sondern um unterschiedlich tiefes erkennendes Eindringen beim gleichen Fall. Nicht-A ist danach die höhere Wahrheit von nicht A, damit von A.

  • Hans-Gert Gräbe sagt:

    Hier ist aber nach meinem Verständnis der Unterschied zwischen einer Hegelschen und einer Marxschen dialektischen Logik (Hans-Christoph Rauh als – im Selbstverständnis – letzter Erbwalter einer DDR-Erkenntnistheorie mit auch international beachteten Namen wie Georg Klaus oder Dieter Wittich setzt letzteres allerdings mit einigen guten Gründen in Quotes) zu beachten. Das, was bei Hegel in der Tat „höhere Wahrheit“ mit Blick auf die größere Nähe zur absoluten Idee heißen kann, wäre dort schlicht ein Differenzieren im Fortschreiten des Erkenntnisprozesses. Als Bild (ich beziehe mich auf die Schaubilder deiner Folien) ergäbe sich etwas vollkommen anderes als bei dir.

    Auch hier gibt PI ein schönes konkretes Beispiel ab. Der Begriff PI als Kreiszahl ist sehr alt. Die alten Griechen versuchten, einen Zahlbegriff auf geometrische Konstruierbarkeit zu gründen und stellten folgerichtig die Frage nach der „Quadratur des Kreises“, also der (positiven) geometrischen Bestimmtheit von PI. Gelang ihnen leider nicht, schon mit der Quadratdiagonalen hatten sie ihre Schwierigkeiten, die sich zwar (offensichtlich) konstruieren, aber nicht auf „kommensurable“ Verhältnisse zurückführen ließ. Heute sagen wir „Klar, sqrt(2) ist irrational“, aber es war ein langer Weg von „nicht kommensurabel“ (dabei völlig offen, ob dies eine Teilfrage von „nicht PI“ ist) bis zu einem positiven Begriff der Nicht-Kommensurabilität oder gar einer algebraischen Fassung desselben, der ja voraussetzte, den Zahlbegriff als Ganzes anders zu fassen. Erst jene positive Fassung des Begriffs einer Algebraischen Zahl im „nicht kommensurabel“ erlaubte es Gauss, die Frage der Konstruierbarkeit einigermaßen erschöpfend zu beantworten. Damit war aber für die Frage der Quadratur des Kreises nichts gewonnen, denn niemand wusste, ob PI eine Algebraische Zahl ist. Man hegte den Verdacht PI ist eine „nicht Algebraische Zahl“? Dafür musste dann noch der positive Begriff der Transzendenten Zahl geprägt werden als Komplement der Algebraischen Zahlen in einem nochmals in Gänze zu erweiternden Zahlbegriff hin zu den Reellen Zahlen. Dummerweise ist in diesen letzteren mathematischen Gedankenkonstruktionen mehrfach ein Begriff des Unendlichen unter die Form des Objekts gefasst und damit die „absolute Idee“ drin (als einer – aus Sicht marxistischer dialektischer Logik – problematischen Fassung von Aspekten der Unendlichkeit des Erkenntnisprozesses unter die Form des Objekts), was ein paar Leuten Anfang des 20. Jahrhunderts auch (aus verschiedenen Gründen) aufgefallen ist (Brouwers konstruktive Mathematik, Gödel, Tarski, Turing). Dass PI selbst so was wie die „absolute Idee“ ist, fiel ein paar Komplexitätstheoretikern vor etwa 20 Jahren auf: In der Dezimaldarstellung der Zahl PI findet sich, wenn man nur weit genug geht, jede vorgegebene endliche Ziffernfolge und damit jede kodierbare Weisheit der Welt. PI enthält also alle Antworten auf alle Fragen der Welt, man muss nur wissen, an welcher Stelle man mit dem Lesen beginnen muss.

    Mir ist nicht klar, welche Rolle in deinen Argumentationen zu „nicht A“ und Nicht-A diese subtilen erkenntnistheoretischen Fragen spielen.

  • Danke für deine Erläuterungen zur Geschichte der Zahl Pi. Ist ja auch dein Spezialgebiet, dazu kann ich wenig sagen. Daher ist mir auch nicht klar, welchen Status dein Beispiel hat, was du damit sagen willst. Ich kann mich also nur auf den ersten Absatz beziehen.

    Die „höhere Wahrheit“ hat zunächst nichts mit der absoluten Idee zu tun. Die relative Wahrheit, das relative Eindringen in den Erkenntnisgegenstand hat eben mit jenem zu tun: dem Gegenstand. Geht’s ums Ganze, dann wird bei Hegel die „absolute Idee“ relevant, vorher nicht. Um die Entwicklung von Sein und Nichts zum Werden zu begreifen, brauche ich die absolute Idee nicht (dito in der Naturphilosophie). Der behauptete Gegensatz von Hegel und Marx wird erst auf der Ebene des Ganzen der Philosophie zum Thema. Da wollte dann Marx den Hegel vom Kopf auf die Füße stellen usw. Aber was die Vorgehensweise etwa im Kapital angeht, geht es Marx ebenso um das Erschließen der höheren Wahrheit wie es Hegel gegangen wäre, hätte er später gelebt und es mit dem gleichen im Vergleich zu seiner Zeit relativ entfalteteren Gegenstand (Kapitalismus) zu tun gehabt.

    Wenn du jetzt den Unterschied von Hegelscher und Marxscher Logik so festzumachen suchst, dass Marx „schlicht ein Differenzieren im Fortschreiten des Erkenntnisprozesses“ verfolgte, während Hegel — ja was? — dies nicht tat (?), dann trifft das aus meiner Sicht nicht zu. Sowohl Hegel wie Marx ging es immer um den Begriff, also um die Einheit der Differenzen, genauer: um die Einheit von Einheit und Differenz (sowie um die Differenz von Einheit und Differenz).

    Was das mit „nicht A“ und Nicht-A zu tun hat? Ich habe es als Beispiel für das Hegel-Marxsche erkennende Eindringen in den Gegenstand verwendet, das Übergehen zu einer höheren Wahrheit, zu einer relativ entfalteteren Erkenntnis.

  • Hans-Gert Gräbe sagt:

    Ich stoße mich noch immer an deinem Satz „Weil das Unsagbare, das Differente, indem du es sagst, differenzierst, bestimmst und damit zum Sagbaren, Differenzierten wird“, mit dem du das „nicht A“ zu einem (?) Nicht-A machen willst. Das trifft doch nur für einen Teil des „nicht A“ zu, jenseits von „A und Nicht-A“ bleibt doch in einem solchen Verständnis noch „unsagbar viel Ungesagtes“. Mit meinem Beispiel der Geschichte der Zahl Pi wollte ich eigentlich nur aufzeigen, wie eine solche differenzierende Vorwärtsbewegung praktisch vonstatten geht und wie dabei immer wieder die bisherigen Rahmen eines „A oder Nicht-A“ gesprengt werden, methodisch und begrifflich. Lässt sich das Nicht-A fassen ohne eine umfassende Theorieerweiterung, in der dann das Komplement zu A erst sagbar wird? owl::complementOf geht überhaupt nicht anders (weil im Ansatz bereits extensional gedacht). Und auch in der Geschichte der Zahl Pi war es eigentlich immer so.

  • Hans-Gert Gräbe sagt:

    Ja und dies: In welchem Sinne ist eine „relativ entfalteteren Erkenntnis“ eine „höhere Wahrheit“? Um es konkret zu machen: Inwiefern ist eine Atombombe eine „höhere Wahrheit“ als eine steinzeitliche Holzkeule?

  • »Lässt sich das Nicht-A fassen ohne eine umfassende Theorieerweiterung, in der dann das Komplement zu A erst sagbar wird?« – Ja, genau, und mehr noch, das geht nur dann, wenn es das Nicht-A tatsächlich gibt. Das kannst du jeweils nur konkret am Gegenstand bestimmen, eben gerade nicht auf der Ebene der formalen Logik (die nämlich Methode und Inhalt trennt). Ich behaupte und zeige es im Vortrag für den Gegenstand der Negation des Kapitalismus. Dein Beispiel mit Holzkeulen und Atombomben verstehe ich dagegen nicht, es klingt nach Nonsense.

  • Warum soll man auch keine Marksteine für Zukunftsentwürfe formulieren, nur weil die notwendigerweise den GEGENWÄRTUGEN Kenntnisstand und die historische Beschränktheit jedweder Vorstellungskraft zum Ausdruck bringt? Und warum sollte Marx nicht bewusst gewesen sein, dass auch sein eigener „Marxstein“ Ausdruck historischer Reife bzw. Unreife ist.

    Neben wir etwa die Formel „Jeder nach ihren Bedürfnissen, jede nach ihren Fähigkeiten“. Natürlich können wir da heute sehr viel weiter sein.

    http://oekohumanismus.wordpress.com/2013/05/13/es-kommt-darauf-an/

    Zu 03/47

  • In der Präsentation ist zu lesen:

    Keine individuellen Arbeiten, sondern Gesamtarbeit

    So wie das da steht, finde ich das missverständlich. Bezieht sich das auf die folgende Passage?

    Quelle des Reichtums und der Kultur wird die Arbeit nur als gesellschaftliche Arbeit“ oder, was dasselbe ist, „in und durch die Gesellschaft“. Dieser Satz ist unstreitig richtig, denn wenn die vereinzelte Arbeit (ihre sachlichen Bedingungen vorausgesetzt) auch Gebrauchswerte schaffen kann, kann sie weder Reichtum noch Kultur schaffen.

    http://kulturkritik.net/systematik/philosophie/mew/pop_mew.php?url=me19_013.htm&tit=Randglossen+zum+Programm+der+deutschen+Arbeiterpartei

    Das besagt ja nur, dass gesellschaftlicher Reichtum, auch wenn Individuen ihn produzieren, nur gesellschaftlich als Teil gesellschaftlicher Gesamtarbeit geschaffen werden kann, was unabhängig von der Produktionsweise gilt.

    Eine kommunistische Perspektive kann ja sinnvollerwese weder die Überwindung individueller Arbeit noch die Erfindung ihrer Gesellschaftlichkeit (und Teil der Gesamtarbeit zu sein) anpeilen sondern nur eine andere Art/Form ihrer Gesellschaftlichkeit bzw. Vermittlung mit der gesamten Produktion gesellschaftlichen Reichtums, sprich: andere Formen der Arbeitsteilung.

    Im überhistorischen Sinne der spezifisch menschlichen Fähigkeit zur vorausschauenden Hertellung für sich und andere nutzbarer Potenziale (Gegenstände, Zustände, Dienstleistungen, die mit den nutzbaren „Naturdienstleistungen“ den gesellschaftlichen Reichtum ausmachen) stellt sich die Frage nach heute beschreibbaren Besonderheiten kommunistscher Formen der Zwecksetzung und gesellschaftichen Vermittlung von Arbeit.

    Individuelle Arbeiten als in Qualität und Quantität sowie ihren spezifischen Umweltbedingungen und -wirkungen gemessene Beiträge zur Erreichung (welt-) gemeinschaftlich bestimmter Ziele (von denen die Erfüllung der individuellen Bedürfnisse derer, die die Arbeit konkret leisten, ein bewusst refektierter Teil dieser geselschaftlichen Ziele sind).

    Ok, passt natürlich nicht in eine Zeile 🙂

  • Dass Menschen nicht alle Lebensbedingungen unter denen sie leben selbst herstellen (den Sonnenschein und einiges andere müssen wir noch der Natur überlassen) gehört eigentlich zu den bemerkenswerten Statements in Marx Kritik des Gothaer Programms hinter der man auch der Würze der Kürze Willen nicht zurück gehen sollte.

    Menschen stellen die Lebensbedingungen her unter denen sie leben

    Das für Marx Perspektive Entscheidende ist allerdings der Hinweis, dass die Menschen ihre Lebensbedingungen unter bestimmten sozialen Bedingungen (Zwängen) herstellen, die für sie nicht willkürlich bestimmbar sind. Und die Möglichkeit zur Bestimmmung der Lebensbedingungen (der Bedingungen des globaen Zusammenwirkens) eben die Emanzipation aus den Zwängen der Lohnabhängigkeit, nationaler Gegensätze und einiges mehr voraussetzen.

    Handlungen richten sich danach, ob sie subjektiv den eigenen Bedürfnissen entsprechen

    Handlungen können sich deshalb auch keineswegs danach richten, ob sie subjektiv den eigenen Bedürfnissen entsprechen. (Und man dann also nur noch genug Aufklärung über die „wahren Bedürfnisse“ braucht). Auch für kommunistich bestimmte Handlungen könnten die eigenen Bedürfnisse lediglich ein Entscheidungsfaktor unter anderem sein.

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